{"id":829325,"date":"2026-02-27T09:12:13","date_gmt":"2026-02-27T09:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/829325\/"},"modified":"2026-02-27T09:12:13","modified_gmt":"2026-02-27T09:12:13","slug":"ehemaliger-apple-manager-sieht-im-muenchner-umland-das-sillicon-valley-2-0-landkreis-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/829325\/","title":{"rendered":"Ehemaliger Apple Manager sieht im M\u00fcnchner Umland das Sillicon Valley 2.0 &#8211; Landkreis M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In einem M\u00fcnchner Caf\u00e9 sitzt ein Mann, der dazu mehr zu sagen hat als andere. Satjiv Chahil blickt auf seine zwei Mobiltelefone und dann aus dem Fenster auf die Stra\u00dfen einer Stadt und einer Region, die er f\u00fcr die Antwort auf diese existenzielle Frage h\u00e4lt. Der Mann, der einst an der Seite von Steve Jobs die digitale Revolution mitgestaltet, der Palm zu einem Milliarden-Imperium geformt und Sony in die Zukunft gef\u00fchrt hat, hat eine Mission, die so k\u00fchn wie notwendig erscheint: Er sieht in der Region rund um <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> das neue Silicon Valley.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber keine Kopie \u2013 sondern eine Neuauflage, die die Fehler des Originals korrigieren k\u00f6nnte. Eine Version 2.0, die nicht nur wirtschaftlich triumphieren k\u00f6nnte, sondern auch sozial, kulturell, menschlich. \u201eDas urspr\u00fcngliche Silicon Valley\u201c, sagt Chahil mit einer ruhigen, bed\u00e4chtigen Stimme, die Jahrzehnte der Erfahrung in Verhandlungsr\u00e4umen von Cupertino bis Tokio widerspiegelt, \u201ewar ein Wunder der Innovation. Aber es war auch ein unvollendetes Experiment. Die Technologie wurde perfektioniert, aber die Menschlichkeit vernachl\u00e4ssigt, das Geld hat \u00fcbernommen. Bayern und speziell die Region rund um M\u00fcnchen\u00a0k\u00f6nnen es besser machen. Deutschland muss es besser machen.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/77014134-f013-43c8-be8e-b275c62630e2.jpg\"   alt=\"M\u00fcnchen und sein Umland stehen vor der Chance, ein humanistisches Tech-Zentrum zu werden und damit der Welt einen Weg zu weisen. Das hofft Chahil.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>M\u00fcnchen und sein Umland stehen vor der Chance, ein humanistisches Tech-Zentrum zu werden und damit der Welt einen Weg zu weisen. Das hofft Chahil. (Foto: Johannes Simon)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Um zu verstehen, warum Chahils Worte Gewicht haben \u2013 warum Politiker und Wirtschaftsbosse ihm zuh\u00f6ren, wenn er in diesen Wochen und Monaten durch die B\u00fcros der Macht reist \u2013, muss man seine au\u00dfergew\u00f6hnliche Biografie verstehen. Sie liest sich wie eine Chronik der digitalen Revolution selbst.<\/p>\n<p>Ein Macher, der die Welt schon mehrfach ver\u00e4ndert hat<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Geboren am 19. Oktober 1950 in Amritsar, Indien, in eine Sikh-Familie mit bemerkenswerten Wurzeln \u2013 sein Vater Pritam Singh Chahil war 1936 Mitglied der indischen Hockey-Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Berlin und entwickelte sp\u00e4ter die erste automatische Panjabi-Schreibmaschine \u2013, wanderte Satjiv als junger Mann in die USA aus. 1976 startete er bei IBM, wo er an der Einf\u00fchrung der ersten Geldautomaten beteiligt war und half, die Barcode-Technologie zu verbreiten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bei Xerox trieb er die Akzeptanz des Unicode-Standards voran. Aber es war <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Apple\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Apple<\/a>, wo Chahils Genius zur vollen Bl\u00fcte kam. Von 1988 bis 1997 arbeitete er als Senior Vice President des globalen Marketings im Maschinenraum der digitalen Revolution. Unter seiner F\u00fchrung wurden Multimedia-Komponenten \u2013 QuickTime, CD-ROMs \u2013 in private Computer integriert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Chahil verstand, dass Technologie ohne Kultur ein kaltes Werkzeug bleibt. Er schmiedete Allianzen zwischen dem Silicon Valley und Hollywood, zwischen Ingenieuren und K\u00fcnstlern \u2013 mit dem American Film Institute, Paramount Pictures, Peter Gabriel, BMW. 1996 organisierte er den weltweit ersten Webcast bei den Grammy Awards \u2013 den Moment, in dem das Internet von einem Daten-Netzwerk zu einem kulturellen Medium wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/96c15cbb-4480-482a-a102-d65af0166f5c.png\"   alt=\"Satjiv Chahil (links) in den 1990er-Jahren mit Steve Jobs (rechts) und Steve Wozniak. Gemeinsame Fotos sind rar. \u201eJobs mochte es nicht, die B\u00fchne mit jemanden zu teilen, nicht einmal mit Wozniak\u201c, sagt Chahil mit einem Augenzwinkern.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Satjiv Chahil (links) in den 1990er-Jahren mit Steve Jobs (rechts) und Steve Wozniak. Gemeinsame Fotos sind rar. \u201eJobs mochte es nicht, die B\u00fchne mit jemanden zu teilen, nicht einmal mit Wozniak\u201c, sagt Chahil mit einem Augenzwinkern. (Foto: privat)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bei Palm half er, Mobile Computing zu definieren und bei der Entwicklung der SD-Karte. 2005 wechselte er zu Hewlett-Packard als Senior Vice President Global Marketing. Unter seiner F\u00fchrung wurde HP zum weltweiten Marktf\u00fchrer f\u00fcr PCs. Seine Kampagne \u201eThe Computer is Personal Again\u201c mit Jay-Z, Jerry Seinfeld und Serena Williams verwandelte Computer in pers\u00f6nliche Statements. Die franz\u00f6sische Zeitschrift Paris Match nannte ihn deshalb \u201eden Premier der Multimedia\u201c und\u00a0 \u201eHumanist, der sich um die Bildung von Menschen weltweit sorgt\u201c. Kein Theoretiker also, sondern ein Macher, der die Welt schon mehrfach ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Schatten im Paradies<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch Chahil hat die Schattenseiten dieser Revolution hautnah erlebt.\u00a0 Je erfolgreicher die Region wurde, desto unbewohnbarer wurde sie f\u00fcr normale Menschen. Explodierende Mieten verdr\u00e4ngten Lehrer, Pflegekr\u00e4fte, K\u00fcnstler. Eine Zweiklassengesellschaft entstand zwischen Tech-Eliten und dem Rest. Kulturelle Homogenisierung ersetzte Diversit\u00e4t. Obdachlosigkeit wuchs im Schatten von Milliarden-Unternehmen. Das Valley wurde zu einem wirtschaftlichen Erfolg, aber zu einem sozialen und kulturellen Scheitern \u2013 das jene Tech-Bros hervorbrachte, die Trump und die Maga-Bewegung unterst\u00fctzen. \u201eJetzt\u201c, sagt er, \u201esteht Europa an der Schwelle. Es kann denselben Weg gehen \u2013 oder einen besseren.\u201c Denn die Welt brauche einen Leuchtturm, ein Gravitationszentrum, einen Platz, an dem die kreativsten K\u00f6pfe die Zukunft gestalten\u00a0\u2013 und zwar eine humanistische, demokratische, inklusive Zukunft, die vielen dient, nicht einigen wenigen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber warum ausgerechnet die Region rund um M\u00fcnchen? Die Antwort ist vielschichtig: Einerseits, sagt er, weil es in Europa, speziell in Deutschland, noch echte Demokratie gebe, anders als in China oder inzwischen auch den USA.\u00a0 W\u00e4hrend China Technologie zur Kontrolle nutze und Amerika zur Profit- und Machtmaximierung, k\u00f6nnte Europa zeigen, wie Technologie der Freiheit und dem Gemeinwohl dient.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Region zwischen Bad T\u00f6lz und Freising, Ebersberg und F\u00fcrstenfeldbruck vereine zudem Faktoren, die im urspr\u00fcnglichen Silicon Valley fehlten: Eine jahrhundertealte kulturelle Identit\u00e4t etwa. Das Oberland lasse sich nicht leicht \u00fcberschreiben. Die kulturelle DNA sei zu stark f\u00fcr Gentrifizierung wie in San Francisco, sagt Chahil, der inzwischen zeitweise in der Region wohnt. Obendrein gebe es eine bereits bestehende, diversifizierte Wirtschaftsstruktur. Mit Unternehmen von Airbus bis Infineon ist die Region bereits ein Wirtschaftszentrum von Weltrang. Eine Tech-Explosion w\u00fcrde ein bestehendes \u00d6kosystem bereichern, nicht ein Vakuum f\u00fcllen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch die Forschungsinfrastruktur sei exzellent mit der TU M\u00fcnchen, der LMU, den Max-Planck-Instituten, den Fraunhofer-Einrichtungen. Und die Bev\u00f6lkerung mit ihrem ausgepr\u00e4gten Bewusstsein f\u00fcr Lebensqualit\u00e4t zwinge Innovation, menschlich zu sein. \u201eDie Region hat eine Balance zwischen Fortschritt und Tradition, zwischen Effizienz und Lebensqualit\u00e4t, zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Das ist die perfekte Basis.\u201c Geografisch im Herzen Europas gibt es au\u00dferdem mit dem Flughafen M\u00fcnchen ein Tor zur ganzen Welt \u2013 und Naturkatastrophen sind auch noch selten.<\/p>\n<p>Br\u00fccke nach Indien<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Chahils Vision erh\u00e4lt gerade jetzt eine geopolitische Dimension. Im Januar 2026 unterzeichneten EU und Indien nach fast zwanzig Jahren ein umfassendes Handels- und Investitionsabkommen. Es schafft auf 96,6 Prozent der Warenexporte Z\u00f6lle ab und k\u00f6nnte europ\u00e4ische Exporte nach Indien bis 2032 verdoppeln. F\u00fcr Chahil, geboren in Indien, gepr\u00e4gt im Silicon Valley, jetzt zeitweise bei M\u00fcnchen wohnend, ist dies mehr als ein Handelsdeal. \u201eIndien hat 1,4 Milliarden Menschen, davon Hunderte Millionen digital-affine junge Menschen. Europa hat das technologische Know-how, die Forschungsexzellenz, die ethischen Standards. Wenn M\u00fcnchens Umland zum Hub wird, der indisches Talent mit europ\u00e4ischer Ingenieurskunst verbindet, entsteht etwas Einzigartiges \u2013 diverser und dynamischer als das Valley je war.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das Abkommen erleichtert Warenverkehr, Investitionen und Dienstleistungsaustausch. Mehr als 6000 europ\u00e4ische Unternehmen sind in Indien aktiv, rund 800 000 Arbeitspl\u00e4tze in Europa h\u00e4ngen vom Indien-Handel ab. M\u00fcnchen, mit starken Verbindungen zu Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie, k\u00f6nnte zum Tor f\u00fcr diese transnationale Innovation werden. \u201eDas Timing ist kein Zufall. Die Welt ordnet sich neu. Die USA sind unberechenbar geworden. Indien und Europa brauchen einander \u2013 und Bayern, M\u00fcnchen, die Region kann der Ort sein, wo diese Partnerschaft konkret wird.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/d3e6e432-b721-45a4-8eef-6f210ccfee0d.jpg\"   alt=\"Satjiv Chahil (rechts) Ende Februar 2026 mit Hardeep Singh Puri, Minister f\u00fcr Erd\u00f6l und Erdgas der Republik Indien.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Satjiv Chahil (rechts) Ende Februar 2026 mit Hardeep Singh Puri, Minister f\u00fcr Erd\u00f6l und Erdgas der Republik Indien. (Foto: privat)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Chahils Vision ist folglich radikal und doch pragmatisch. Im Silicon Valley profitiert eine kleine Elite, der Reichtum konzentrierte sich. In der europ\u00e4ischen Neuauflage k\u00f6nnte der Wohlstand breit verteilt werden \u2013 zum Beispiel durch progressive Besteuerung, durch Mitarbeiterbeteiligungen, durch \u00f6ffentliche Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Wohnen. Das oberbayerische Silicon Valley sollte nach Chahils Ansicht von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein. Gr\u00fcne Technologien, erneuerbare Energien, Zero-Waste-Prinzipien. Das Silicon Valley wurde in einer \u00c4ra billiger fossiler Energie gebaut. Die neue Version muss f\u00fcr das 21. Jahrhundert konzipiert sein. \u201eEs gibt die Chance, die erste wirklich nachhaltige Tech-Metropole der Welt zu schaffen\u201c, erkl\u00e4rt Chahil. \u201eMit intelligenten Verkehrssystemen, die den Individualverkehr reduzieren. Mit Geb\u00e4uden, die mehr Energie produzieren als verbrauchen. Mit Kreislaufwirtschaft statt Wegwerfkultur.\u201c Silicon Valley schuf einst auch eine Wissens-Kluft. Hier kann indes jedes Kind \u2013 unabh\u00e4ngig vom Hintergrund der Eltern \u2013 Zugang zu Bildung haben.<\/p>\n<p>Im Maschinenraum der Macht<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seine Vision ist keine Wunschvorstellung. Chahil f\u00fchrt intensive Gespr\u00e4che auf h\u00f6chster Ebene \u2013 mit Ministern, Unternehmern, Universit\u00e4tsrektoren. Die Gespr\u00e4che kreisen um konkrete Anforderungen, was es braucht. Die Ideen reichen von einem Innovation District mit Steuererleichterungen gekoppelt an soziale Auflagen, \u00fcber einen europ\u00e4ischen Tech-Fonds, ein Institut f\u00fcr Technologie und Gesellschaft bis hin zu Tech-Abkommen zur Selbstverpflichtung auf Transparenz und Nachhaltigkeit. Und die Reaktionen sind \u00fcberwiegend positiv. \u201eEs gibt ein Bewusstsein, dass wir an einem Wendepunkt stehen.\u201c Aber es gibt Widerst\u00e4nde: Skeptiker, B\u00fcrokraten, Populisten. \u201eDeshalb ist das der Moment der Wahrheit. Entweder wir schaffen es, die Kr\u00e4fte zu einen \u2013 oder wir scheitern.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Chahil beobachtet mit Sorge, wie populistische Kr\u00e4fte erstarken.\u00a0 Die Parallelen zur Zwischenkriegszeit sind un\u00fcbersehbar\u00a0\u2013 wirtschaftliche Unsicherheit, technologischer Wandel, Demagogen. Die Gefahr ist real, dass Europa sich spalten l\u00e4sst. Doch man m\u00fcsse nur die Frage auf das Grunds\u00e4tzliche runterbrechen: \u201eTechnologie wird eine Rolle in unser aller Leben spielen \u2013 die Frage ist nur: zum Guten oder zum Schlechten?\u201c Silicon Valley 2.0 sei ein Projekt der Zivilisation. \u201eWenn es der Region gelingt, ist es ein Signal f\u00fcr die Welt. Es zeigt, dass es einen Weg gibt. Einen europ\u00e4ischen Weg. Einen guten Weg.\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort auf die Angst<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Chahil kennt die \u00c4ngste vor steigenden Mieten und Verdr\u00e4ngung. \u201eIch habe gesehen, was in San Francisco passiert ist. Das wird hier nicht passieren \u2013 wenn wir es richtig machen.\u201c Tech-Unternehmen m\u00fcssten zu bezahlbarem Wohnraum und Work-Life-Balance beitragen. Technologie m\u00fcsse die Lebensqualit\u00e4t steigern. Sie werde Jobs ver\u00e4ndern, aber neue schaffen \u2013 f\u00fcr Designer, Ethiker, Handwerker, P\u00e4dagogen, im Sozialwesen, in Betreuung und Pflege. Neue Technologien br\u00e4uchten keine gro\u00dfen Fertigungsst\u00e4tten mehr, der Fl\u00e4chenverbrauch sei nicht mehr vergleichbar. Recht auf bezahlbares Wohnen, Mietobergrenzen, \u00f6ffentliche Investitionen, B\u00fcrgerbeteiligung: \u201eDas ist intelligenter Kapitalismus, der versteht, dass Prosperit\u00e4t nur auf der Basis von sozialem Frieden m\u00f6glich ist.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das gro\u00dfe Aber: \u201eDie Welt wartet nicht auf Europa.\u201c Es werde sich bald entscheiden, ob der Kontinent politisch noch eine Rolle spielt. Zu stark agieren USA, Russland und China. Europa m\u00fcsse eine bewusste Entscheidung treffen, gegen tradierte Bedenken, gegen Status quo, Protektionismus und Angst, f\u00fcr eine selbstbewusste, selbstbestimmte Zukunft. \u201eVielleicht muss die Entscheidung gegen eine gef\u00fchlte Machbarkeit getroffen werden. Aber genau in solchen Momenten entstehen die gro\u00dfen Durchbr\u00fcche.\u201c<\/p>\n<p>Die Wahl zwischen Untergang und Utopie<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als Sikh versteht er: Diversit\u00e4t ist St\u00e4rke. \u201eEuropa ist der diverseste Kontinent der Welt. Das sollte Europas gr\u00f6\u00dfter Vorteil sein.\u201c Als Humanist glaubt er: \u201eWir k\u00f6nnen digitale Technologien im Dienst der Freiheit und demokratischer Werte einsetzen.\u201c An die Politik appelliert Chahil deshalb: \u201eSeid mutig.\u201c An die Wirtschaft: \u201eDenkt langfristig.\u201c An die Universit\u00e4ten: \u201eBildet Weltb\u00fcrger und Innovatoren aus.\u201c An die B\u00fcrger: \u201eHabt keine Angst. Wir brauchen einen k\u00fchlen Kopf und ein warmes Herz.\u201c Bei Apple in den 1990-ern blieb eine kleine Gruppe, die eine Vision hatte. \u201eMenschen, die an etwas glaubten, ver\u00e4nderten die Welt. Weil sie es f\u00fcr m\u00f6glich hielten.\u201c Heute steht Europa vor einer \u00e4hnlichen Wahl. \u201eDie Region als Silicon Valley 2.0 ist eine Utopie. Aber eine machbare\u201c, sagt Chahil. \u201eDie gr\u00f6\u00dften Errungenschaften der Menschheit begannen als Tr\u00e4ume.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wir alle werden w\u00e4hlen m\u00fcssen, sagt er zum Abschied. W\u00e4hlen zwischen Angst und Mut. Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Zwischen demokratischer Selbstbestimmung und dem Bestimmtwerden durch undemokratische Systeme. Zwischen Untergang und Utopie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Wahl liegt bei uns. Und die Zeit l\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In einem M\u00fcnchner Caf\u00e9 sitzt ein Mann, der dazu mehr zu sagen hat als andere. 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