{"id":82970,"date":"2025-05-04T05:44:23","date_gmt":"2025-05-04T05:44:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/82970\/"},"modified":"2025-05-04T05:44:23","modified_gmt":"2025-05-04T05:44:23","slug":"faktenfuchs-deutschland-bettelte-2022-nicht-um-atomstrom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/82970\/","title":{"rendered":"#Faktenfuchs: Deutschland &#8222;bettelte&#8220; 2022 nicht um Atomstrom"},"content":{"rendered":"<p>Experten: Frankreich brauchte deutschen Strom, nicht umgekehrt<\/p>\n<p>Diese Behauptung ist falsch, das zeigen Daten zu Strom-Import und -Export. Im Gegenteil war es genau andersherum: Habeck fragte nach der Lage der AKW in Frankreich, weil Deutschland zu dieser Zeit Strom an die Nachbarn lieferte und sich auf den Winter vorbereiten musste. Die Stromversorgung in Deutschland war damals sowieso gesichert, auch ohne Importe, das sagen Experten. Derzeit importiert Deutschland wieder netto gesehen Strom, die deutschen Strompreise sind im europ\u00e4ischen Vergleich hoch.<\/p>\n<p>Die Aussagen \u00fcber einen angeblichen &#8222;Bettelbrief&#8220; seien &#8222;Quatsch&#8220; und eine &#8222;Verkehrung&#8220; der tats\u00e4chlichen Abl\u00e4ufe, sagt Bruno Burger im Gespr\u00e4ch mit dem #Faktenfuchs. Burger ist Professor am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Solare Energiesysteme. &#8222;Aus meiner Sicht ist die Behauptung schlicht falsch und auch \u00fcberhaupt nicht nachvollziehbar&#8220;, sagt auch Leonhard Probst, der ebenfalls am gleichen Fraunhofer-Institut arbeitet. Burger und Probst erstellen Datenvisualisierungen zu Stromerzeugung, Strompreisen und Stromfluss in Europa.<\/p>\n<p>Um zu verstehen, wie Burger und Probst zu ihrer Einsch\u00e4tzung kommen, muss man die Chronologie der Ereignisse im Jahr 2022 kennen.<\/p>\n<p>Eine Chronologie der Ereignisse<\/p>\n<p><b>Ab Juli 2022:<\/b> Die Gas- und Strompreise in Deutschland steigen wegen des v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffes Russlands auf die Ukraine, die Gasspeicher sind ungew\u00f6hnlich leer und Russland liefert nur bis September Gas. Das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beauftragt die Netzbetreiber, die Sicherheit des Stromnetzes f\u00fcr den Winter 2022\/23 zu untersuchen, der sogenannte &#8222;<a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Artikel\/Energie\/stresstest-strom-2022-ergebnisse-langfassung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stresstest<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p><b>29. Juli 2022:<\/b> Bei einem Energieministertreffen der Europ\u00e4ischen Union spricht Bundesminister Robert Habeck nach eigenen Angaben mit der damaligen franz\u00f6sischen Energieministerin Agn\u00e8s Pannier-Runacher. Es geht um die voraussichtlichen Leistungen der franz\u00f6sischen Atomkraftwerke (AKW) im Winter 2022\/23. Zu diesem Zeitpunkt waren sehr viele der 56 franz\u00f6sischen AKW abgeschaltet, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/frankreich-atomindustrie-101.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wegen Wartungen und Sch\u00e4den<\/a>. Frankreich <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/frankreich-deutschland-energieversorgung-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00fcrchtet um seine Stromversorgung<\/a> im Winter, unter anderem, weil dort viele Haushalte mit Strom heizen.<\/p>\n<p><b>08. August 2022:<\/b> Habeck schreibt einen Brief an die franz\u00f6sische Energieministerin Agn\u00e8s Pannier-Runacher, der dem BR vorliegt. Darin hei\u00dft es: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Du sagtest, dass das Ziel der franz\u00f6sischen Regierung ist, zum 1. November 2022 40 Gigawatt AKW-Leistung und zum 1. Januar 2023 50 Gigawatt am Netz zu haben. Kannst Du mir best\u00e4tigen, dass ich das richtig erinnert habe?&#8220; <\/p><\/blockquote>\n<p>Das BMWK schreibt auf #Faktenfuchs-Anfrage: &#8222;Es ging nicht um den Import von franz\u00f6sischem Strom nach Deutschland, sondern um die Frage des Exports nach Frankreich, um die franz\u00f6sische Stromversorgung zu sichern.&#8220; Habeck habe f\u00fcr den &#8222;Stresstest&#8220; wissen wollen: Wie viel Strom muss Deutschland im Winter 2022\/23 an Frankreich liefern?<\/p>\n<p><b>19. August 2022:<\/b> Pannier-Runacher antwortet Habeck, das Antwortschreiben liegt dem BR vor. Sie schreibt unter anderem: &#8222;Ich z\u00e4hle auf Ihre aktive Unterst\u00fctzung in dieser Frage. In Anbetracht der besonderen Schwierigkeiten, die f\u00fcr die Stromversorgung Frankreichs im kommenden Herbst und Winter zu erwarten sind, werden wir einen reibungslosen Ablauf des Stromaustauschs an den grenz\u00fcberschreitenden Verbindungsleitungen ben\u00f6tigen, insbesondere mit Deutschland.&#8220;<\/p>\n<p><b>29. August 2022:<\/b> Habeck und Pannier-Runacher telefonieren miteinander. In einem Protokoll dieses Telefonats, aus dem das Magazin Cicero zitiert, wird die franz\u00f6sische Ministerin folgenderweise wiedergegeben: &#8222;Wichtig, dass wir technische Probleme (bei den franz\u00f6sischen AKW, Anm. d. Red.) bis Winter l\u00f6sen. Sind in derselben Situation wie Ende Juli. Wir wissen nicht, wie der Winter wird: Wenn er k\u00e4lter wird, brauchen wir auch mehr Unterst\u00fctzung.&#8220; Pannier habe auch nach den deutschen AKW gefragt.<\/p>\n<p><b>05. September 2022:<\/b> Die deutschen Netzbetreiber legen die <a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Redaktion\/DE\/Artikel\/Energie\/stresstest-strom-2022-ergebnisse-langfassung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ergebnisse ihres Stresstests<\/a> vor. Ein durchgespieltes Szenario: Die franz\u00f6sischen AKW kehren nur zu zwei Drittel an das Netz zur\u00fcck. Habeck schl\u00e4gt vor, die beiden deutschen AKW Isar 2 und Neckarwestheim als &#8222;Einsatzreserve&#8220; bis Mitte April 2023 zur Verf\u00fcgung zu halten. Sp\u00e4ter entscheidet Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die AKW Isar 2, Neckarwestheim 2 sowie Emsland bis zum 15. April 2023 zu betreiben.<\/p>\n<p><b>September 2022:<\/b> Deutschland und Frankreich sichern sich in der Energiekrise <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-11\/olaf-scholz-elisabeth-borne-energiekrise-solidaritaet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gegenseitige Solidarit\u00e4t<\/a> zu. &#8222;Deutschland braucht unser Gas, und wir brauchen den Strom, der im \u00fcbrigen Europa und insbesondere in Deutschland produziert wird&#8220;, sagt Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron. Sp\u00e4ter, im November, unterzeichnen Bundeskanzler Olaf Scholz und die damalige franz\u00f6sische Premierministerin \u00c9lisabeth Borne eine Erkl\u00e4rung zur Energiesolidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Daten zeigen deutschen Strom-Export nach Frankreich<\/p>\n<p>&#8222;Es hat durch den franz\u00f6sischen Kernkraftausfall nicht nur Strom in Frankreich gefehlt, sondern in ganz Europa war dadurch eine Strommangellage&#8220;, sagt Strommarkt-Experte Bruno Burger zur Situation 2022. Deutschland konnte in dieser Mangellage mit seinen steuerbaren fossilen Kraftwerken sehr viel Strom produzieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Experten: Frankreich brauchte deutschen Strom, nicht umgekehrt Diese Behauptung ist falsch, das zeigen Daten zu Strom-Import und -Export.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":82971,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[34848,331,332,34847,5032,29,1149,548,663,3934,24392,3980,156,13,14504,15785,14,15,1178,12,2185],"class_list":{"0":"post-82970","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-faktenfuchs","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-atomausstieg","12":"tag-atomkraft","13":"tag-deutschland","14":"tag-energie","15":"tag-eu","16":"tag-europa","17":"tag-europe","18":"tag-falschinformation","19":"tag-france","20":"tag-frankreich","21":"tag-headlines","22":"tag-hubert-aiwanger","23":"tag-jens-spahn","24":"tag-nachrichten","25":"tag-news","26":"tag-robert-habeck","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-strom"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114447978508347132","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82970"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82970\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/82971"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}