{"id":830369,"date":"2026-02-27T18:35:13","date_gmt":"2026-02-27T18:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/830369\/"},"modified":"2026-02-27T18:35:13","modified_gmt":"2026-02-27T18:35:13","slug":"regisseurin-schauspielerin-saengerin-und-mehr-lucy-wilke-im-portraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/830369\/","title":{"rendered":"Regisseurin, Schauspielerin, S\u00e4ngerin und mehr: Lucy Wilke im Portr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eSpielen ist mein liebster Zustand\u201c, sagt Lucy Wilke \u2013 und <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/brechtfestival-augsburg-die-brechtfestival-leiter-im-interview-wir-suchen-in-der-kunst-nach-einer-spaltung-113525502\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">beim Brechtfestival in Augsburg<\/a> spielt sie jetzt das Rotk\u00e4ppchen. Grimms M\u00e4rchen, neu erz\u00e4hlt, unter dem St\u00fccktitel \u201eWolf\u201c: Denn der Wolf hat sich diesmal in das Rotk\u00e4ppchen verliebt. Er will es haben. Doch es will nichts von ihm, von seiner m\u00e4nnlichen, gewaltvollen Art, und macht Schluss mit der toxischen Beziehung. Rotk\u00e4ppchen? Ist hier eine Frau, jung, blond und wehrhaft. Und sie sitzt im Rollstuhl.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Lucy Wilke, S\u00e4ngerin, Schauspielerin, Regisseurin und mehr, lebt mit der Diagnose spinale Muskelatrophie. Die Nervenerkrankung schw\u00e4cht ihre Muskeln immer mehr. Aber muss man das extra zum Thema machen, wenn man \u00fcber ihre Kunst spricht oder schreibt? Ist die Frage erlaubt, welche Rolle ihre Behinderung auf der B\u00fchne spielt? Will sie vielleicht auch ein Zeichen setzen, das alles m\u00f6glich ist in der Kunst? Wilke scheint gar keine Angst vor solchen Fragen zu haben: <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/brechtfestival-2026-was-steckt-im-programm-112957719\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">\u201eIch verstehe inzwischen, dass mein K\u00f6rper eben politisch gesehen wird\u201c<\/a>, sagt die 41-J\u00e4hrige aus <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-muenchen\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">M\u00fcnchen<\/a>. \u201eWenn ich behaupte, dass ich keine politische Aussage treffen will, mache ich schon eine in jenem Moment, wenn ich mich auf eine B\u00fchne stelle.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Lucy Wilke wuchs auf einem Wohnwagenplatz in M\u00fcnchen auf<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sie tr\u00e4umte schon als Kind vom Leben als K\u00fcnstlerin \u2013 aber fand keine Vorbilder. Kaum ein Mensch im Rollstuhl auf den gro\u00dfen B\u00fchnen, niemand mit derselben Diagnose. \u201eEs gab ja f\u00fcr mich nie eine Blaupause in der Kunst\u201c. sagt Wilke. \u201eUnd es gab auch in der Gesellschaft keine Rolle, die f\u00fcr mich vorgesehen waren, au\u00dfer vielleicht zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen und irgendwie versorgt zu sein.\u201c Kraft f\u00fcr ein anderes Leben fand sie in ihrer Familie. Kindheit auf einem Wohnwagenplatz im Norden von M\u00fcnchen. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/silvester-die-augsburger-puppenkiste-tanzt-mit-ihrem-kabarett-in-ein-jubilaeumsjahr-id65023031.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Der Vater bildender K\u00fcnstler, die Mutter Flamenco-Gitaristin<\/a>, in dieser Freiheit wuchs Wilkes Mut. \u201eWenn ich etwas unbedingt will, dann ist es heute schwer, mich davon abzubringen.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wilke hielt an ihrem Traum fest. Auch wenn von Inklusion damals kaum jemand etwas an den Theatern h\u00f6ren wollte: \u201eMir blieb ja gar nichts anderes \u00fcbrig, als die T\u00fcren zur Kunst aufzusto\u00dfen.\u201c Zweimal bewarb sie sich an der Filmhochschule in M\u00fcnchen, Fach Regie. Zweimal sagten sie ihr ab und Wilke konnte nur vermuten, weshalb. Sie k\u00e4mpfte weiter, erst um Jobs als Regieassistentin. Wieder schlugen ihr T\u00fcren ins Gesicht. Aber Wilke hat auf diesem Weg langsam alle T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Heute arbeitet sie an den M\u00fcnchner Kammerspielen, ist B\u00fchnenk\u00fcnstlerin auf allen Spielfeldern.\n  <\/p>\n<p>            In Lucy Wilkes St\u00fcck \u201eWolf\u201c liegen die Gef\u00fchle blank<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In Wilkes St\u00fcck \u201eWolf\u201c liegen die Gef\u00fchle blank. Der Text ber\u00fchrt auch ihr eigenes Leben, ihre Liebe: \u201eIn \u201aWolf\u2018 spiele ich gemeinsam mit Lotta \u00d6kmen auf der B\u00fchne, die zu dem Zeitpunkt, als wir das St\u00fcck entwickelten, meine Partnerin war. Wir haben mit diesem M\u00e4rchen und dem Thema gespielt. Aber auch mit unserer eigenen Beziehung.\u201c Immer wieder wird Wilke in der Kunst pers\u00f6nlich, testet Grenzen, macht sich frei. \u201eIch n\u00e4here mich meinen Stoffen zuerst k\u00f6rperlich, sinnlich. Ich habe mich auch viel mit Sexualit\u00e4t in der Kunst besch\u00e4ftigt.\u201c Und dar\u00fcber schreibt sie auch Lieder. Vom Wunsch nach Respekt und Liebe singt sie in einem ihrer Songs, \u201eand sex of course &#8230;\u201c. Selbstverst\u00e4ndlich auch Sex.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Inklusion, das ist das Motto des Brechtfestivals 2026 in Augsburg. Aber wie weit ist da die Kunstszene schon? \u201eInklusion war in den letzten Jahren ja fast wie ein Trend in der Kunst. Es geh\u00f6rte zum guten Ton, dass auch jemand mit Behinderung dabei ist in einer Inszenierung,\u201c sagt Wilke. Einerseits findet sie das gut, andererseits\u00a0schwierig. Geht es hier vor allem um Quoten und Symbole? \u201eIch hatte vor allem anfangs sehr oft das Gef\u00fchl, dass sie beim Inklusionsk\u00e4stchen auf der Checklist ein H\u00e4kchen machen, wenn sie mich engagieren, und nicht wirklich an meiner k\u00fcnstlerischen Arbeit interessiert sind.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Lucy Wilke setzt sich ein f\u00fcr das Recht auf Inklusion<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Doch die Stimmung dreht sich schon wieder: \u201eSie wissen, wie sehr jetzt im kulturellen Bereich Gelder gestrichen werden. Und wenn Gelder gestrichen werden, ist immer das Erste, was f\u00e4llt, die Inklusion.\u201c Lucy Wilke hat dazu eine klare Haltung. \u201eDiese Kosten-Nutzen-Argumentation erinnert an ganz schlechte Zeiten der Geschichte. Wie viel kostet ein Invalider den gesunden B\u00fcrger in einer Woche?\u201c, das mache sie w\u00fctend. \u201eIch hoffe doch wirklich, dass wir dar\u00fcber hinausgewachsen sind. Aber ich h\u00f6re jetzt gerade immer \u00f6fter diese Argumentation. Wie viel darf jemand Behindertes jetzt kosten?\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Lucy Wilke l\u00e4chelt trotzdem, wenn sie \u00fcber ihre eigenen Zukunftspl\u00e4ne spricht. Mit der Brechtfestivalleiterin Sahar Rahimi hat sie zuletzt das St\u00fcck \u201eLulu\u2019s Baby\u201c entwickelt, an den M\u00fcnchner Kammerspielen. Wieder ein pers\u00f6nlicher Stoff, wieder ein Thema, das am Tabu kratzt: Frauen mit Behinderung, die einen Kinderwunsch sp\u00fcren. \u201eIch hab mich schon in vielen Feldern bewegt, die gesellschaftlich nicht f\u00fcr mich vorgesehen sind\u201c, sagt Wilke. \u201eAber Mutterschaft ist mit Abstand das Thema, auf das die Menschen am krassesten reagieren.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Zweimal tritt Lucy Wilke beim Brechtfestival auf<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Blind and Lame, so hei\u00dft Wilkes Band, in der auch ihre erblindete Mutter mitspielt. Mit dieser Gruppe will sie wieder Lieder ver\u00f6ffentlichen. \u201eMeine Mutter fragt schon die ganze Zeit: Wann machen wir jetzt wieder neue Songs?\u201c Ja, wann? Sobald es die vielen Rollen der Lucy Wilke zulassen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Info<\/strong>: Lucy Wilke tritt zweimal beim Brechtfestival auf. Das St\u00fcck \u201eWolf\u201c wird am Sonntag, 1. M\u00e4rz, um 19 Uhr im Abraxas aufgef\u00fchrt. Au\u00dferdem spricht Wilke mit der Autorin Hadija Haruna-Oelker \u00fcber Zusammenhalt in der Gesellschaft, bei einer Lesung aus Oelkers Buch \u201eZusammensein\u201c. Dieser Abend findet am Mittwoch, 4. M\u00e4rz, um 18.30 Uhr in der Stadtb\u00fccherei statt. Infos: www.brechtfestival.de.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Veronika Lintner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Brechtfestival<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    M\u00fcnchen<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eSpielen ist mein liebster Zustand\u201c, sagt Lucy Wilke \u2013 und beim Brechtfestival in Augsburg spielt sie jetzt das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":830370,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1827],"tags":[680,772,178292,29,30,185813,1648,185811,185810,1268,38517,185812],"class_list":["post-830369","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenchen","tag-augsburg","tag-bayern","tag-brechtfestival","tag-deutschland","tag-germany","tag-hadija-haruna","tag-inklusion","tag-lucy","tag-lucy-wilke","tag-muenchen","tag-muenchner-kammerspiele","tag-sahar-rahimi"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116144041284173100","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/830369","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=830369"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/830369\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/830370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=830369"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=830369"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=830369"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}