{"id":83069,"date":"2025-05-04T06:43:15","date_gmt":"2025-05-04T06:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83069\/"},"modified":"2025-05-04T06:43:15","modified_gmt":"2025-05-04T06:43:15","slug":"10-orte-der-industriekultur-in-chemnitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83069\/","title":{"rendered":"10 Orte der Industriekultur in Chemnitz"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"sprung3\" class=\"jumpLabel\">4. Die Fabrik <\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nGr\u00fcnder der heutigen &#8222;Fabrik&#8220; war F\u00fcrchtegott Albert Voigt, der 1860 in einer Werkstatt anfing Stickmaschinen zu bauen. 1867 zog er nach Chemnitz-Kappel, wo sein Unternehmen schon bald als &#8222;S\u00e4chsisches Stickmaschinenwerk&#8220; firmierte, dann als &#8222;Maschinenfabrik Kappel AG&#8220;. Das Sortiment reichte von Werkzeugmaschinen, Strumpfwirkst\u00fchlen bis hin zu Dampfmaschinen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden auch Schreibmaschinen produziert, unter dem Markennamen &#8222;Diamant&#8220;. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs baute die Kappel AG R\u00fcstungsg\u00fcter. Enteignet wurde daraus der VEB Maschinenfabrik Kappel. Auf dem Gel\u00e4nde befand sich auch der VEB Schleifmaschinenwerk <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/deutsche-einheit\/karl-marx-stadt-umbenennung-chemnitz-kulturhauptstadt-100.html\" title=\"Die Umbenennung der Stadt Chemnitz: Von 1953 bis zur R\u00fcckbenennung 1990\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Karl-Marx-Stadt<\/a>, seit den 50er-Jahren Alleinhersteller von W\u00e4lzlagerschleifmaschinen. Das Werk galt mit seinen nummerisch gesteuerten Maschinen als hochmodern. Nach der Wende wurde das Unternehmen privatisiert und stellte die Produktion an diesem Standort ein.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSeit 2024 dient &#8222;die Fabrik&#8220; als modernes Zentrum f\u00fcr Kulturevents und Sport. Es gibt einen Fitnessbereich, gemeinschaftlich genutzte B\u00fcros, eine Dachterrasse mit Bar sowie R\u00e4ume f\u00fcr kreative Nutzung \u2013 ein herausragendes Beispiel gelungener Transformation.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung4\" class=\"jumpLabel\">5. Die Wandererwerke <\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Wandererwerke gingen aus einer kleinen Fahrradwerkstatt hervor. Ab 1895 bauten ca. 250 Besch\u00e4ftigte Fahrr\u00e4der und Fr\u00e4smaschinen. Unter dem neuen Firmennamen &#8222;Wanderer AG&#8220; kamen bald Motorr\u00e4der, Automobile und B\u00fcromaschinen hinzu. 1917 entstand der viergeschossige Stahlbeton-Skelettbau, der viel Raum f\u00fcr bis zu 9.500 Besch\u00e4ftigte im Jahre 1939 bot. Seit 1926 wurde die Maschinen- und Autofabrikation nach Chemnitz-Siegmar verlagert. 1949 gingen die Wandererwerke in Volkseigentum \u00fcber, zum VEB B\u00fcromaschinenwerk, sp\u00e4ter VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt. Produziert wurden Flugzeugmotoren, Hydraulikpumpen- und -anlagen, aber auch B\u00fcromaschinen. Reprivatisiert als &#8222;Sachsenhydraulik GmbH&#8220; erfolgte bald nach der Wende ein Verkauf an ein amerikanisches Unternehmen. In den 90er-Jahren gab es Bem\u00fchungen, in den Wandererwerken an der Zwickauer Stra\u00dfe das neu gegr\u00fcndete Industriemuseum unterzubringen, was sich zerschlug. Seitdem sucht die Stadt nach einer sinnvollen Nutzung.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung5\" class=\"jumpLabel\">6. Die Strumpffabrik Moritz Samuel Esche<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDer Ende des 17. Jahrhunderts geborene Unternehmer Johann Esche aus Limbach gilt als Begr\u00fcnder der Strumpfindustrie in Sachsen. Bald nachdem das Familien-Unternehmen 1870 nach Chemnitz zog, expandierte es. In dieser Zeit entstand auch das pr\u00e4chtige Fabrikgeb\u00e4ude Am Walkgraben 29 mit Eisenbahnanschluss. Der wie eine Kirche anmutende Bau besa\u00df noch Holzdecken. Das Rautendekor der Fassade aus roten und gelben Klinkern erinnert an Strumpfmuster.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUm 1900 war die &#8222;Strumpffabrik Moritz Samuel Esche&#8220; die gr\u00f6\u00dfte in Deutschland. Abnehmer waren vor allem die neuen gro\u00dfen Kaufh\u00e4user. Allerdings ging der Absatz w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskriese stark zur\u00fcck. Sie leutete das Ende des Unternehmens ein.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n\u00a0Die Unternehmensleitung residierte in einer 1903 von Henry van de Velde errichteten Jugendstil-Villa. Die Esche-Villa ist ebenfalls Station der Industriekultour<strong>.<\/strong> Das bis 2001 restaurierte Ensemble gilt als einzigartiges Baudenkmal, wie auch die Strumpffabrik. Die im Zweiten Weltkrieg stark zerst\u00f6rte Firma wurde nicht wiederaufgebaut. Das erhalten gebliebene Fabrikgeb\u00e4ude diente als Lager. Heute beherbergt sie ein medizinisches Versorgungs-und Rehazentrum.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung6\" class=\"jumpLabel\">7. Das Stra\u00dfenbahndepot Chemnitz Kappel<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nWer sehen will, mit welcher Schmalspurweite die erste Chemnitzer Tram als Pferdebahn betrieben wurde, muss sich die alten Gleise und Triebwagen im ehemaligen Betriebshof Kappel anschauen. Heute f\u00e4hrt die Stra\u00dfenbahn in Chemnitz auf Normalspur, sodass sie auch in den Hauptbahnhof einfahren kann. Das Depot wurde 1880 in Betrieb genommen und umfasste damals auch Pferdest\u00e4lle. 1894\/95 begann die Elektrifizierung, und es wurden neue Hallen gebaut. Das historische Depot beherbergt heute ein Museum f\u00fcr Stra\u00dfenbahnen und Busse, das die Entwicklung des \u00d6PNV in Chemnitz zeigt. Im ehemaligen Betriebshof der Chemnitzer Verkehrs-AG wurde k\u00fcrzlich der sogenannte <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/chemnitz-stollberg\/kulturhauptstadt-eroeffnung-garagencampus-kultur-news-100.html\" title=\"Kulturhauptstadt: Altes Stra\u00dfenbahndepot in Chemnitz bietet jetzt Platz f\u00fcr Kreative\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Garagen-Campus<\/a> er\u00f6ffnet \u2013 eine Interventionsfl\u00e4che der Kulturhauptstadt Europas. Hier entsteht ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs, mit der Dauerausstellung &#8222;#3000Garagen&#8220;.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung7\" class=\"jumpLabel\">8. Der <strong>Wirkbau<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDer Grundstein f\u00fcr den Wirkbau wurde 1883 gelegt, nachdem sich der Kaufmann Carl August Schubert und der Maschinenbauer Franz Bruno Salzer als Besitzer einer Werkstatt f\u00fcr Strumpfwirkmaschinen ins Handelsregister von Chemitz eintragen lie\u00dfen. Auf dem Areal an der Lothringer Stra\u00dfe jenseits der Bahntrasse Zwickau-Chemnitz entstanden immer neue Werksgeb\u00e4ude. Wahrzeichen ist ein 63 Meter hoher Glockenturm aus dunklen Klinkern, bekr\u00f6nt von einer dekorativen Zinne. Der vom Architekten Erich Basarke 1928 im Rahmen einer Firmenerweiterung errichtete Turm wirkt wie ein Campanile und ist Zeugnis des unternehmerischen Selbstbewusstseins der Zeit.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Schubert &amp; Salzer Maschinenfabrik AG baute als gr\u00f6\u00dftes derartiges Unternehmen bis zu 130.000 Wirkmaschinen im Jahr.\u00a0Als VEB Wirkmaschinenbau blieb das Werk in Karl-Marx-Stadt zu DDR-Zeiten f\u00fchrender Hersteller von Textilmaschinen. 1990 wurde der Betrieb in eine GmbH \u00fcberf\u00fchrt, jedoch bald darauf abgewickelt. Heute beherbergen die ehemaligen Fabrikgeb\u00e4ude im Industriepark Wirkbau etwa 50 kleinere Unternehmen, gastronomische Einrichtungen sowie R\u00e4ume f\u00fcr Startups und K\u00fcnstler \u2013 ein herausragendes Beispiel f\u00fcr die kreative Umnutzung eines Industriedenkmals.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung8\" class=\"jumpLabel\">9. <strong>Hochgarage <\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nChemnitz war in den 1920er-Jahren eine Stadt des Fahrzeugbaus. Autos wie der Wanderer galten nicht nur als Symbole des Fortschritts, sondern auch des wirtschaftlichen Erfolgs. Da es jedoch in der damals dicht bebauten Stadt an Parkpl\u00e4tzen mangelte, wurde 1928 an der Zwickauer Stra\u00dfe eine Hochgarage aus Stahlbeton mit sieben Geschossen und Aufz\u00fcgen f\u00fcr die PKW errichtet. Die wenigsten Fahrzeugbesitzer steuerten ihre Wagen selbst, was auch k\u00f6rperlich anstrengend war, aufgrund der noch nicht erfundenen Servolenkung. So baute man neben der Hochgarage auch eine Herberge f\u00fcr Chauffeure. Die damaligen &#8222;Stern-Garagen&#8220; gelten als \u00e4lteste erhaltene Hochgarage in Deutschland und beherbergen seit 2008 das von einem Verein gef\u00fchrte Museum f\u00fcr s\u00e4chsische Fahrzeuge.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung9\" class=\"jumpLabel\">10. <strong>Sch\u00f6nherrfabrik<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDie ehemalige Sch\u00f6nherrfabrik ganz im Norden von Chemnitz liegt an einem malerischen Park mit Teich, benannt nach dem Begr\u00fcnder der seriellen Produktion von Webst\u00fchlen, Louis Ferdinand Sch\u00f6nherr. Mit einem Startkapital von 7.000 Talern begannen Sch\u00f6nherr und sein Kompagnon Ernst Seidler 1851 die Produktion. Die Maschinenfabrik Sch\u00f6nherr &amp; Seidler in Altchemnitz besa\u00df eine eigene Gie\u00dferei und sogar eine Betriebsfeuerwehr. Doch um 1862 gingen die Unternehmer eigene Wege. Sch\u00f6nherr erwarb die Benndorfsche Fabrik und wandelte das erweiterte Unternehmen 1872 in eine Aktiengesellschaft um. Die S\u00e4chsische Webstuhl AG existierte bis 1945, musste nach Kriegszerst\u00f6rungen und fast vollst\u00e4ndiger Demontage durch die SMAD wieder aufgebaut werden. Als VEB Webstuhlbau Karl-Marx-Stadt geh\u00f6rte das Werk zum VEB Kombinat Textima. Produziert wurden vor allem Doppelteppichwebmaschinen. Nach der Wende \u00fcbernahm ein Pritvatunternehmer das Areal. Seit 1998 wird die Sch\u00f6nherrfabrik saniert. Neben kleineren Maschinenbauern nutzen bspw. Gastronomen und Veranstalter die denkmalgesch\u00fctzten Fabrikgeb\u00e4ude f\u00fcr Events.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nRedaktionelle Bearbeitung: Jessica Conrad<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"4. 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