{"id":83171,"date":"2025-05-04T07:40:09","date_gmt":"2025-05-04T07:40:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83171\/"},"modified":"2025-05-04T07:40:09","modified_gmt":"2025-05-04T07:40:09","slug":"horrorunfall-in-hamburgs-city-der-moment-der-alles-veraenderte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83171\/","title":{"rendered":"Horrorunfall in Hamburgs City: Der Moment, der alles ver\u00e4nderte"},"content":{"rendered":"<p>4. Mai 2017, 4:21 Uhr, Ballindamm: Ein Betrunkener hat ein Taxi gestohlen, er rast, verfolgt von der Polizei, mit 143 Kilometer pro Stunde in ein anderes Taxi. Ein Mensch stirbt, zwei andere werden lebensgef\u00e4hrlich verletzt. WamS-Autor Peter Wenig und Fotograf Bertold Fabricius machten sich acht Jahre sp\u00e4ter auf die Spurensuche \u2013 und trafen auf gro\u00dfe Schicksale.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Nacht ist kalt und schwarz, als Ricardas D. am 4. Mai 2017 um 3:40 Uhr ein Taxi auf dem Parkplatz am S-Bahnhof Friedrichsberg aufbricht. Der betrunkene Litauer, vorbestraft wegen Hehlerei und Diebstahl, will das Navigationsger\u00e4t stehlen. Doch dann sieht er in der Mittelkonsole den Z\u00fcndschl\u00fcssel und klaut gleich das ganze Auto. 15 Minuten sp\u00e4ter verfolgt ihn schon die Polizei. Ricardas D. gibt Gas, beschleunigt Richtung City auf mehr als 130 km\/h. Um 4:21 will der Taxifahrer Mehmet Yilmaz die Barkeeper John Braasch und Philipp Zumhasch nach ihrem Dienst in der Ciu\u2018-Bar am Ballindamm zu ihrer Wohnung nach Winterhude chauffieren. Die Fahrg\u00e4ste steigen ein, Braasch witzelt: \u201eSechs Pl\u00e4tze nur f\u00fcr uns, so sollte es immer sein.\u201c <\/p>\n<p>Als das Gro\u00dfraum-Taxi anf\u00e4hrt, touchiert Ricardas D. mit 143 km\/h die Verkehrsinsel an der Kreuzung Glockengie\u00dferwall\/Ballindamm und rast ungebremst in den Mercedes Vito. Bei dem Crash stirbt Braasch sofort. \u201eSchwerstes Sch\u00e4del-Hirn-Trauma mit Hirnzerrei\u00dfungen sowie Rippenbr\u00fcche mit Lungenanspie\u00dfungen und Bluteinatmung beidseits\u201c, hei\u00dft es sp\u00e4ter im Autopsiebericht. Zumhasch und Yilmaz \u00fcberleben mit schwersten Verletzungen. Ricardas D. bricht sich Fu\u00df, Unterschenkel, Nasenbein und Kieferh\u00f6hle. Ein Moment, der alles ver\u00e4ndert. Eine Mutter trauert um ihr einziges Kind. Zwei Menschen k\u00e4mpfen sich in Krankenh\u00e4usern und Reha-Zentren ins Leben zur\u00fcck. Der T\u00e4ter sitzt lebensl\u00e4nglich wegen Mordes. Wie geht es ihnen acht Jahre danach?<\/p>\n<p>Der beste Freund<\/p>\n<p>An einem sonnigen Fr\u00fchlingstag bestellt Philipp Zumhasch, 33, schlank, sportlich, Bart, in einem Eppendorfer Caf\u00e9 Apfelkuchen. Wer die Bilder des v\u00f6llig zerst\u00f6rten Taxis kennt, mag dies f\u00fcr ein mittleres Wunder halten. Als der Tontechniker im Unfallkrankenhaus Boberg nach dem K\u00fcnstlichen Koma seine Patientenakte sehen wollte, rieten ihm \u00c4rzte und Pfleger ab. Die Diagnosen \u2013 Blutungen im Hirn und im Sch\u00e4del, Br\u00fcche im Arm, im Oberschenkel und im Sprunggelenk, Milzriss, L\u00e4hmungen zahlreicher Nerven \u2013 k\u00f6nnten ihn zu sehr belasten. Doch Zumhasch behielt im Krankenhaus und in der dreimonatigen Reha seinen Kampfgeist: \u201eIch hatte immer das Ziel, dass ich ohne den Rollstuhl die Klinik verlassen kann.\u201c<\/p>\n<p>2023 musste ihm ein k\u00fcnstliches H\u00fcftgelenk als Folge des Unfalls eingesetzt werden. Nun ist ein Bein etwas k\u00fcrzer als das andere, Zumhasch tr\u00e4gt orthop\u00e4dische Schuhe, daheim schl\u00fcpft er barfu\u00df in nur einen Badelatschen, um die Differenz auszugleichen. Zudem nervt eine Narbe an der Ferse. Aber Zumhasch will nicht klagen: \u201eIch kann jetzt endlich wieder einem Bus hinterherrennen.\u201c<\/p>\n<p>Er krempelt das linke Hosenbein hoch, zeigt das Tattoo \u00fcber seinem Kn\u00f6chel: ein Stern mit den Initialen J, P und M. Die Buchstaben stehen f\u00fcr John, Philipp und Massimo, einem engen Freund der beiden. John hat es zwei Jahre vor dem Unfall sich selbst und seinen Kumpels gestochen. Wir, so die Botschaft, geh\u00f6ren zusammen. Freunde f\u00fcrs Leben.<\/p>\n<p>\u201eJohn fehlt mir unendlich\u201c, sagt Zumhasch. Im Sommer 2009 lernten sie sich als Sch\u00fcler kennen, in einem Gesch\u00e4ft an der Alster verpackten und verkauften die Praktikanten Skateboards. Sie wurden unzertrennlich, beide mit k\u00fcnstlerischer Ader. John malte, ab Oktober 2017 h\u00e4tte er an der Hamburger Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnstler studiert. Philipp fotografierte, vor allem Johns Arbeit im Atelier.<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">Ich bin ein Fotograf, der sein Motiv verloren hat<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jetzt greift er nur noch selten zur Kamera: \u201eIch bin ein Fotograf, der sein Motiv verloren hat.\u201c Und doch ist ihm John jeden Tag nah. Zwei gro\u00dfe Bilder seines Freundes stehen in seiner Wohnung, ein Selbstportrait mit diabolischem Blick und ein Portrait von Julius C\u00e4sar, drei filigrane Zeichnungen von John h\u00e4ngen gerahmt an der Wand.<\/p>\n<p>W\u00fcrden sie heute noch zusammenleben? Zumhasch \u00fcberlegt: \u201eVielleicht h\u00e4tten sich unsere Wege irgendwann getrennt.\u201c Und dann lacht er: \u201eVielleicht w\u00e4ren wir aber auch eine prominente K\u00fcnstler-WG geworden. So wie Udo Lindenberg und Otto Waalkes in den 1970er Jahren.\u201c Freunde, sagt er, w\u00e4ren sie auf jeden Fall geblieben.<\/p>\n<p>Seine Fotos f\u00fcllen Festplatten, die Erinnerung an die gemeinsame Zeit w\u00e4rmt sein Herz. \u201eJohn konnte Menschen verbinden. Unter seinen Freunden waren K\u00fcnstler, Obdachlose und T\u00e4towierer\u201c, sagt Zumhasch. Einmal, sagt er, h\u00e4tten sie in Winterhude das Abendessen auf die Stra\u00dfe verlegt, den Esstisch nach drau\u00dfen getragen, bei Kerzenschein f\u00fcr zw\u00f6lf G\u00e4ste gro\u00df aufgetischt. Momente, die bleiben. \u201eWenn wir zusammen sitzen und \u00fcber die alten Zeiten sprechen, erz\u00e4hlt immer jemand eine Geschichte \u00fcber John.\u201c<\/p>\n<p>Philipp Zumhasch spricht offen \u00fcber seine Leidenszeit, \u00fcber den Verlust. Er glaubt, dass dies f\u00fcr ihn psychisch der richtige Weg ist, seine Art der Therapie: \u201eIch trage meine Trauer nach au\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Der Taxifahrer<\/p>\n<p>Zum Jahrestag des Unfalls wird Mehmet Yilmaz wieder Allah danken: \u201eEr hat daf\u00fcr gesorgt, dass ich \u00fcberlebt habe und meine Familie weiter versorgen kann.\u201c Dieser 4. Mai, sagt der 65-J\u00e4hrige, sei f\u00fcr ihn wie ein zweiter Geburtstag.<\/p>\n<p>Nur schemenhaft erinnert er den Moment des Unfalls: \u201eDa kam ein heller Wagen auf mich zugeflogen.\u201c Die Minuten danach hat er dagegen genau pr\u00e4sent: \u201eIch habe dem Sanit\u00e4ter meinen Namen, meine Telefonnummer und meine Adresse genannt. Und ich habe geh\u00f6rt, wie das Wort Exitus fiel. Danach habe ich mein Schlussgebet gemacht.\u201c Doch das Wort galt seinem Fahrgast Braasch, der sofort starb.<\/p>\n<p>90 Minuten brauchen die Feuerwehrleute, um ihn aus dem Wrack zu schneiden, das einmal sein Taxi war. Die \u00c4rzte diagnostizieren Br\u00fcche in der Augenh\u00f6hle, in beiden Becken, im rechten Arm, im linken Fu\u00df sowie angebrochene Lendenwirbel, einen Kreuzband-, Meniskus- und Innenbandriss im rechten Knie und Einblutungen in der Niere. Mehrfach wird Yilmaz operiert. Auf der Intensivstation plagen ihn Albtr\u00e4ume: \u201eIch habe Massen von Toten gesehen. \u00dcberall lagen Leichen. In Stra\u00dfengr\u00e4ben, auf Schiffen, in Z\u00fcgen.\u201c <\/p>\n<p>Sein angestellter Fahrer chauffiert ihn nach seinem vierw\u00f6chigen Krankenhausaufenthalt behutsam heim. Nach monatelanger Reha sitzt er im Januar 2018 erstmals wieder selbst am Steuer, f\u00e4hrt seinen Nachbarn in die Hafencity: \u201eDa habe ich gewusst, es geht wieder.\u201c<\/p>\n<p>Taxifahren ist f\u00fcr ihn viel mehr als nur ein Job: \u201eMir gef\u00e4llt der Kontakt zu Menschen.\u201c Dabei h\u00e4tte er auch als Ingenieur arbeiten k\u00f6nnen, Yilmaz hat studiert, das Diplom gemacht: \u201eIch habe damals 100 Bewerbungen ohne Erfolg geschrieben. Dann habe ich gesagt, ich bleibe beim Taxifahren, damit habe ich schon mein Studium finanziert.\u201c Zur Reha geh\u00f6rte auch Psychotherapie. Doch den Schl\u00fcssel, das Trauma zu \u00fcberwinden, fand Yilmaz selbst: Er hadert nicht. Weder mit dem Zufall, der ihm diese Fahrt noch bescherte \u2013 er \u00fcbernahm sie nur, weil einem anderen Fahrgast der Festpreis f\u00fcr eine geplante Tour zu teuer war \u2013 noch mit der Versicherung, die erst nach langem Kampf 150.000 Euro als Schmerzensgeld und f\u00fcr den Verdienstausfall zahlte. In dieser Zeit bangte die Familie um ihr kreditfinanziertes Haus, die Zwangsversteigerung drohte. Abwenden konnte er sie dank Spenden \u2013 etwa von der Franz-Beckenbauer-Stiftung und der T\u00e4tigen Hilfe f\u00fcr Taxifahrerinnen und Taxifahrer in Not \u2013 sowie einem Stammgast, der ihm einen zinslosen Kredit gew\u00e4hrte: \u201eDaf\u00fcr bin ich so dankbar.\u201c<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">Ich muss doch dankbar sein<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Obwohl sein R\u00fccken nach langem Sitzen schmerzt, will Yilmaz noch zehn bis 15 Jahre Taxi fahren, vor allem nachts: \u201eDa ist weniger los auf den Stra\u00dfen.\u201c Im vergangenen Dezember rauschte allerdings eine betrunkene Autofahrerin ungebremst in sein Taxi, als er vor einer Gastst\u00e4tte in Bramfeld parkte. Zum Gl\u00fcck hatte ihn sein Fahrgast auf eine Cola eingeladen. Er wartete also nicht wie \u00fcblich in seinem Auto: \u201eDa hatte ich wieder einen Schutzengel.\u201c<\/p>\n<p>Die Frage, warum gerade ich, hat sich Yilmaz nie gestellt: \u201eIch muss doch dankbar sein.\u201c Und \u00fcberhaupt: \u201eWas soll die Mutter von John denn sagen? Sie hat ihr einziges Kind bei dem Unfall verloren.\u201c<\/p>\n<p>Die Mutter<\/p>\n<p>Die Tage und N\u00e4chte vor jedem Todestag machen ihr besonders zu schaffen. \u201eK\u00fcrzlich habe ich getr\u00e4umt, dass John und ich in einem Haus auf dem Fu\u00dfboden sitzen, jeder an einer Wand. Bei ihm stieg das Wasser immer h\u00f6her. Und ich habe verzweifelt gerufen: Bitte komm r\u00fcber zu mir. Aber er hat nur mit dem Kopf gesch\u00fcttelt. Das war so schrecklich.\u201c<\/p>\n<p>Heike Braasch sagt, dass sie in den acht Jahren hat lernen m\u00fcssen, mit ihrer Trauer zu leben. Aber kann man das \u00fcberhaupt lernen? Ihr Gef\u00fchlsleben gleicht den Wellen der Ostsee, auf die sie jeden Tag in Travem\u00fcnde schaut. Ein Auf und Ab. \u201eJohn war mein Ein und Alles\u201c, sagt die 68-J\u00e4hrige. Die Beziehung zu Johns Vater zerbrach noch vor der Geburt, Mutter und Sohn wurden unzertrennlich. Sie nahm ihn mit zu Kundenterminen nach Paris, wenn sie dort f\u00fcr ihr Hamburger Modegesch\u00e4ft Waren orderte. Regelm\u00e4\u00dfig g\u00f6nnten sie sich im Hotel Vier Jahreszeiten die Teatime mit Scones und Sandwiches.<\/p>\n<p>Ein Karton in ihrer Wohnung birgt die Erinnerungen an ihr Leben mit John. Zwischen Hunderten von Fotos liegen Briefe, Mini-Box-Handschuhe, ein Feuerzeug mit Buddha-Kopf und eine Zahnb\u00fcrste. Zum 60. Geburtstag hatte John seiner Mutter die Reise geschenkt: \u201eMama, Venedig ist wunderbar, ich zeige Dir die versteckten Sch\u00f6nheiten.\u201c Doch Heike Braasch hatte an jenem 29. Juni 2016 gerade einen neuen Job angetreten, war noch in der Probezeit: \u201eJohn, lass uns das im n\u00e4chsten Jahr machen, irgendwann im Fr\u00fchsommer, wenn es sch\u00f6n warm ist.\u201c<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">Hier kann ich ihn nicht wirklich sp\u00fcren<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nun liegt Johns Grab nur wenige Schritte von ihrer Wohnung entfernt. Sie besucht ihn oft, entz\u00fcndet das Grablicht vor der Steele mit der Aufschrift \u201eJohn Braasch 1994-2017\u201c. Und doch, sagt sie, \u201ekann ich ihn hier nicht wirklich sp\u00fcren.\u201c Ganz nah war sie ihm wieder am 7. April. \u201eAn diesem Tag vor acht Jahren habe ich mein Kind das letzte Mal gesehen. Ich hatte ihn spontan angerufen, ob wir uns in der Ciu\u2018 Bar mit einem befreundeten P\u00e4rchen treffen wollen. Er hatte als Barkeeper am fr\u00fchen Abend noch wenig zu tun und Zeit f\u00fcr uns. Es war so sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n<p>Kraft geben ihr die Besuche von Johns Freunden \u2013 sie haben John nicht vergessen: \u201eDer Kontakt ist sogar noch enger geworden.\u201c Und der Sieg nach einem siebenj\u00e4hrigen Justizmarathon an der Seite ihres Anwalts Gregor Maih\u00f6fer gegen die Versicherung des gestohlenen Taxis. Im November 2024 hat ihr das Landgericht <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/hamburg-staedtereise\/\" title=\"Nachrichten, Bilder, Videos und Reisetipps zu Hamburg finden Sie auf unserer Themenseite.\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/hamburg-staedtereise\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;Nachrichten, Bilder, Videos und Reisetipps zu Hamburg finden Sie auf unserer Themenseite.&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;Nachrichten, Bilder, Videos und Reisetipps zu Hamburg finden Sie auf unserer Themenseite.&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburg<\/a> Schmerzensgeld sowie Schadensersatz von mehr 100.000 Euro f\u00fcr die erlittenen psychischen und physischen Folgen des Unfalls zugesprochen. Die Summe kann sich noch deutlich erh\u00f6hen. Laut Urteil muss die Assekuranz Heike Braasch \u201ealle weiteren materiellen Sch\u00e4den, die ihr infolge der Gesundheitssch\u00e4digung entstanden sind, ersetzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKein Geld der Welt wird mir den Verlust meines einzigen Kindes ersetzen k\u00f6nnen\u201c, sagt Heike Braasch. Doch jetzt ist sie zumindest materiell abgesichert. Die Trauer \u00fcber den Verlust machte sie depressiv, sie wurde durch das Trauma um ihren Sohn erwerbsunf\u00e4hig. Und ihre Rente ist gering, da sie die meiste Zeit selbstst\u00e4ndig war.<\/p>\n<p>Vor allem aber kann sie nun einen Schlussstrich ziehen unter dem belastenden Rechtsstreit mit zahlreichen Gutachten. Zwischendurch, sagt sie, h\u00e4tte sie aufgegeben wollen: \u201eAber mein Anwalt hat nur gesagt: \u201aHinfallen, aufstehen, Kr\u00f6nchen richten, weitergehen\u2018.\u201c Vergessen werde sie ihm das nie: \u201eEs ist unfassbar, was er geleistet hat.\u201c<\/p>\n<p>Der T\u00e4ter<\/p>\n<p>Das Hamburger Landgericht verurteilte Ricardas D. im November 2018 wegen Mordes. Die Richter verglichen ihn mit einem T\u00e4ter, \u201eder sich auf der Flucht befindet und um sich schie\u00dft.\u201c<\/p>\n<p>Ricardas D. trank schon als Jugendlicher exzessiv Wodka und Bier \u2013 wie seine Br\u00fcder, seine Mutter, sein Stiefvater und seine Gro\u00dfeltern. Eine Lehre zum Tischler brach er ab, trocken war er nach eigenen Angaben nur w\u00e4hrend seiner neunmonatigen Therapie in einem Heim f\u00fcr Kinder und Jugendliche.<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">Besuch bekomme ich leider gar nicht<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der T\u00e4ter verb\u00fc\u00dft seine Freiheitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsb\u00fcttel, auch \u201eSanta Fu\u201c genannt. Fragen des Magazins \u201eZeit Verbrechen\u201c beantwortete er handschriftlich \u00fcber seinen Anwalt. Sein Alkoholproblem habe er \u201emomentan im Griff\u201c, Kontakt habe er \u201ezu seiner Mutter und zu seinem Bruder\u201c. Besuch bekomme er \u201eleider gar nicht\u201c. Im Gef\u00e4ngnis gehe er zur Schule, auch um seine Deutsch-Kenntnisse zu verbessern. Auf eine Entlassung aus seiner Haft hoffe er \u201enach zw\u00f6lf Jahren\u201c, also 2029. Und dann? \u201eIch m\u00f6chte als Lagerist arbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Dort, wo vor acht Jahren am Ballindamm ein Moment alles ver\u00e4nderte, hat jemand bei einer spontan f\u00fcr John organisierten Trauerfeier in wei\u00dfer Schrift auf einem grauen Mast geschrieben: \u201eHier ruht eine Legende.\u201c Vier Worte, die noch immer leuchten.<\/p>\n<p>Peter Wenig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"4. 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