{"id":832324,"date":"2026-02-28T12:57:16","date_gmt":"2026-02-28T12:57:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/832324\/"},"modified":"2026-02-28T12:57:16","modified_gmt":"2026-02-28T12:57:16","slug":"streit-mit-krankenkasse-wenn-ploetzlich-der-kinderpflegedienst-wegbricht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/832324\/","title":{"rendered":"Streit mit Krankenkasse: Wenn pl\u00f6tzlich der Kinderpflegedienst wegbricht"},"content":{"rendered":"<p>Sechzehn Monate ist die kleine Sophia (Name ge\u00e4ndert) alt. Ein M\u00e4dchen, das selbstverst\u00e4ndlich noch viel Hilfe braucht. Aber Sophia braucht mehr als elterliche F\u00fcrsorge: Das M\u00e4dchen kam mit einer seltenen Schluckst\u00f6rung auf die Welt. \u201eRund um die Uhr m\u00fcssen wir aufpassen, dass sie sich nicht verschluckt\u201c, erkl\u00e4rt die Mutter. Beim Essen, beim Trinken aber auch beim Spielen oder Schlafen. Denn auch der eigene Speichel kann pl\u00f6tzlich lebensgef\u00e4hrlich werden, weil das M\u00e4dchen ihn nicht schlucken kann.<\/p>\n<p> Viermal die Woche erh\u00e4lt die Familie daher Unterst\u00fctzung vom Kinderpflegedienst Hotzenplotz. Die Mitarbeiterinnen, die dem M\u00e4dchen zugeteilt sind, leisten weit mehr als nur die medizinische Pflege: Ohne Pflegekraft k\u00f6nne ihre Tochter als \u201eintensivpflichtiges Kind\u201c nicht zuhause betreut werden, sagt die Mutter. Nur durch Hotzenplotz gebe es ein Familienleben und die M\u00f6glichkeit, auch mal Eltern f\u00fcr Sophia zu sein \u2013 statt nur auf die medizinischen Bed\u00fcrfnisse eingehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Betroffene Eltern sind verunsichert \u2013 und stark belastet <\/p>\n<p>Umso schockierter war die Familie, die nahe <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Pforzheim\" title=\"Pforzheim\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pforzheim<\/a> wohnt, als sie erfahren musste, dass die Zukunft des<a href=\"https:\/\/hotzenplotz.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Kinderintensivpflegedienstes Hotzenplotz<\/a> derzeit mehr als ungewiss ist: \u201eWir haben wirklich Sorge, dass wir am Ende ohne Hilfe dastehen \u2013 gerade jetzt, wo wir und Sophia uns so an die Mitarbeiterinnen gew\u00f6hnt haben\u201c, sagt die Mutter. Diese seien inzwischen ein Teil der Familie.<\/p>\n<p>Die betroffenen Eltern sind verunsichert und stark belastet \u2013 und sie f\u00fchlen sich als Spielball in einem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Streit\" title=\"Streit\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Streit<\/a>, der schon jahrelang zwischen Krankenkassen und Pflegedienstanbietern schwelt. Da ist zum einem die Gesetzeslage: Das seit 2024 geltende<a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/service\/gesetze-und-verordnungen\/detail\/reha-und-intensivpflege-staerkungsgesetz\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Intensivpflege- und Rehabilitationsst\u00e4rkegesetz s<\/a>ieht unter anderem vor, dass Pflegekr\u00e4fte inzwischen mehr Qualifikationen als zuvor vorweisen m\u00fcssen; Teilzeitkr\u00e4fte d\u00fcrfen zudem einen Stellenanteil von 50 Prozent nicht unterschreiten. Beides stellt die Dienste, die unter Fachkr\u00e4ftemangel leiden, vor ein Problem.<\/p>\n<p>Pflegedienste m\u00fcssen neue Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen <\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.bhkev.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bundesverband der H\u00e4uslichen Kinderkrankenpflege<\/a> fordert daher vehement die Politik zum Handeln auf: \u201eWir stehen vor einem schleichenden Zusammenbruch der Versorgung\u201c, warnt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Corinne Ruser. \u201eDer Fachkr\u00e4ftemangel, die geringe Bekanntheit des speziellen Berufsfelds, mangelnde Spezialisierungsm\u00f6glichkeiten und unzureichende politische Unterst\u00fctzung bringen viele Familien an ihre Grenzen und gef\u00e4hrden ganz akut schwerstkranke <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Kinder\" title=\"Kinder\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kinder<\/a> und Jugendliche.\u201c <\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Krankenkassen mit den Pflegediensten seit der Gesetzes\u00e4nderung neue Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen sollen. Doch hier gibt es seit dem Jahr 2024 Uneinigkeiten zwischen dem Pflegedienst Hotzenplotz und der <a href=\"https:\/\/www.aok.de\/pk\/bw\/?gad_source=1&amp;gad_campaignid=23483036864&amp;gclid=EAIaIQobChMI4aD2iNP6kgMV96yDBx0e2Sd_EAAYASAAEgJsRvD_BwE\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">AOK Baden-W\u00fcrttemberg<\/a>, die federf\u00fchrend f\u00fcr allen Krankenkassen die Verhandlungen leitet. \u201eWir kommen zu keinem Konsens\u201c, kritisiert Corinna Erxleben, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Hotzenplotz \u2013 einem Pflegedienst, der dem Unternehmen Kidizeit mit Sitz in Hannover angeh\u00f6rt. Beispielsweise seien die Refinanzierungskosten von der Kasse viel zu gering angesetzt, sagt Erxleben.<\/p>\n<p>Ab 1. M\u00e4rz findet keine Versorgung mehr statt <\/p>\n<p>Es kam zum Schiedsverfahren, dessen Ende die AOK <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Baden-W%C3%BCrttemberg\" title=\"Baden-W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> aber nicht abwarten wollte. Im Februar 2026 wurden alle bestehenden Vertr\u00e4ge mit dem Dienst gek\u00fcndigt. Die K\u00fcndigung wurde inzwischen vom Sozialgericht Karlsruhe best\u00e4tigt. Gleichzeitig wurde das Schiedsverfahren entschieden. Doch der Neuvertrag, der von der unparteiischen Schiedsperson aufgesetzt worden ist, wird von beiden Parteien kritisiert: \u201eUm ehrlich zu sein, k\u00f6nnen wir auf Basis des neuen Vertrags nur defizit\u00e4r arbeiten\u201c, sagt Erxleben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die AOK Baden-W\u00fcrttemberg ist inzwischen zu viel Vertrauen zerst\u00f6rt, weshalb sie Zweifel hegt, ob es trotz Schiedsspruch zu einer weiteren Zusammenarbeit der beiden Vertragspartner kommen wird: \u201eIm Laufe dieses Schiedsverfahrens wurden nun Tatsachen bekannt, die die Unzuverl\u00e4ssigkeit des Leistungserbringers belegen\u201c, sagte ein Sprecher der Kasse unserer Zeitung. Daher habe man die bestehenden Vertr\u00e4ge gek\u00fcndigt. Und auch der neue Vertrag wird nicht zustande kommen: Die AOK Baden-W\u00fcrttemberg hat dem Pflegedienst Hotzenplotz die neue K\u00fcndigung kurz vor Monatsablauf pers\u00f6nlich zugestellt. Mit der Folge, dass ab 1. M\u00e4rz die 56 Mitarbeiter von Hotzenplotz die Pflege der bislang sieben anvertrauten Familien einstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p> Hotzenplotz pr\u00fcft rechtliche Schritte <\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Corinna Erxleben ist fassungslos \u00fcber das Vorgehen und weist die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck: \u201eEs hat nie Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten gegeben\u201c, sagt sie. Diese seien weder konkret belegt noch zuvor beanstandet worden. Man habe stets das Gespr\u00e4ch mit der AOK Baden-W\u00fcrttemberg gesucht \u2013 doch Anfragen seien unbeantwortet geblieben. <\/p>\n<p>Erxleben vermutet daher finanzielle Gr\u00fcnde f\u00fcr das Vorgehen der Krankenkasse: \u201eDass wir jedes Jahr Verg\u00fctungsverhandlungen f\u00fchren m\u00fcssen, weil L\u00f6hne nach dem Tarifvertrag des \u00f6ffentlichen Dienstes steigen und auch Sachkosten wachsen, haben wir uns nicht ausgesucht. Dass uns dies nun offenbar zum Vorwurf gemacht wird, ist schwer nachvollziehbar.\u201c Nun m\u00fcsse man weitere rechtliche Schritte pr\u00fcfen: \u201eWir m\u00f6chten, dass Hotzenplotz weiter f\u00fcr die Familien da sein kann, wie schon die ganzen 30 Jahre zuvor.\u201c<\/p>\n<p> Auswirkungen auf Kinderkliniken <\/p>\n<p>Die Entwicklung um den Kinderintensivpflegedienst Hotzenplotz beobachtet auch das Klinikum Stuttgart mit Besorgnis \u2013 weil die kleine Sophia von den \u00c4rzten im Kinderhospital Olg\u00e4le mitbetreut wird. \u201eEs ist f\u00fcr alle vorteilhaft, station\u00e4re Aufenthalte auf das notwendige Ma\u00df zu minimieren\u201c, sagt Klinikvorstand Jan Steffen J\u00fcrgensen, der die ambulanten Kinderpflegedienste als \u201ewertvolle Partner\u201c bezeichnet. \u201eOhne sichere ambulante Versorgung leidet entweder die Versorgungsqualit\u00e4t oder vermeidbare Hospitalisierungen in ohnehin stark beanspruchten Kinderkliniken nehmen weiter zu.\u201c<\/p>\n<p>Von der AOK Baden-W\u00fcrttemberg hei\u00dft es indes: man werde alles versuchen, dass die vertraglichen Uneinigkeiten nicht zu Lasten der betroffenen Familien gehen. \u201eWir unterst\u00fctzen unsere Versicherten dabei, einen neuen Pflegedienst zu finden\u201c, betont der Sprecher der AOK gegen\u00fcber unserer Zeitung. \u201eEs ist uns wichtig, dass unsere Versicherten nicht im \u00f6konomischen Eigeninteresse des bisherigen Leistungstr\u00e4gers instrumentalisiert werden, sondern die Chance erhalten, sich entsprechend ihrer bestehenden Bed\u00fcrfnisse nach einem verantwortungsvoll handelnden Partner umzusehen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sechzehn Monate ist die kleine Sophia (Name ge\u00e4ndert) alt. 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