{"id":83317,"date":"2025-05-04T09:05:10","date_gmt":"2025-05-04T09:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83317\/"},"modified":"2025-05-04T09:05:10","modified_gmt":"2025-05-04T09:05:10","slug":"ruecktritt-des-kultursenators-berlin-wird-joe-chialo-noch-vermissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83317\/","title":{"rendered":"R\u00fccktritt des Kultursenators: Berlin wird Joe Chialo noch vermissen"},"content":{"rendered":"<p>Der Berliner Kultursenator Joe Chialo wirft hin. Er hat unangenehme Sparma\u00dfnahmen durchsetzen m\u00fcssen, musste sich \u201eHofnarr\u201c nennen lassen, seine Familie wurde bedroht. Seine R\u00fccktrittsbegr\u00fcndung aber ist eine ganz andere. Der Hauptstadt droht Ungemach.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es ist einer dieser Momente, die nur Berlin hervorbringen kann. Klaus Biesenbach hat an diesem Freitagmorgen einige hundert Kunstfreunde zum \u201eDirector\u2019s Breakfast\u201c im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie eingeladen. Man feiert den Beginn des Gallery Weekends und die Schenkung des Films \u201eDeutschland versenken\u201c von Christoph Schlingensief. Die noch amtierende Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist gekommen, ebenso der wie sie bald aus dem Amt scheidende Landwirtschaftsminister Cem \u00d6zdemir, K\u00fcnstlerinnen wie Katharina Grosse, internationale Sammler, Schauspieler und Museumsleute, die sich mit Kaffee aus Pumpkannen st\u00e4rken. Nur der Kultursenator Berlins fehlt. Warum? <\/p>\n<p>Der dichte wei\u00dfe Dampf einer Nebelskulptur der japanischen K\u00fcnstlerin Fujiko Nakaya beginnt aus Schl\u00e4uchen zu wabern. Bald, warnt der Museumsdirektor, wird es f\u00fcr einige Minuten unm\u00f6glich sein, sich sehenden Auges zu bewegen, und genau in diesem Moment blinkt die Eilmeldung auf dem Handy auf: Berlins Kultursenator Joe Chialo ist soeben zur\u00fcckgetreten. Er habe den Regierenden B\u00fcrgermeister um die Entlassung aus seinem Amt als Senator f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gebeten, teilte Chialo der Deutschen Presseagentur mit. Der CDU-Politiker und Musikmanager Joe Chialo schmei\u00dft damit nach zwei Jahren eines der sch\u00f6nsten \u00c4mter hin, die Deutschland zu vergeben hat. Und das ausgerechnet zu Beginn des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article256045294\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article256045294&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gallery Weekends<\/a>, bei dem der Teil der Kunstszene sich selbst feiert, der ohne Steuergelder auskommt \u2013 die Galerien.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Weltplus ArtikelJoe Chialo<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bis vorigen Montag hatte Chialo die Hoffnung, neuer Kulturstaatsminister unter Friedrich Merz zu werden, doch das wird nun <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus256024180\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus256024180&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfram Weimer<\/a>. In Berlins Regierung hatte er eine unsichere Zukunft. Der 54-j\u00e4hrige Joe Chialo war in seinem Amt zuletzt hart kritisiert worden. Als Kultursenator, so der Tenor quer durch alle Sparten, h\u00e4tte sich Chialo angesichts dramatischer und kurzfristiger Einsparungen in diesem und in den kommenden Jahren nicht genug f\u00fcr sein Ressort eingesetzt. Stattdessen habe er oft und gern von mehr Eigenverantwortung in der Kultur gesprochen und etwa Museen und Theatern empfohlen, sich nach Sponsoren umzusehen. Das war zwar im Prinzip sicher richtig, angesichts der extrem kurzfristig gemachten Sparauflagen allerdings keine gro\u00dfe Hilfe. Die Resilienz, die Chialo sich von den Kultureinrichtungen w\u00fcnschte, muss man nach und nach aufbauen. Manches ging ihm nicht schnell genug.<\/p>\n<p>Leiden eines Quereinsteigers<\/p>\n<p>Aus \u00dcberzeugung setzte Chialo sich daf\u00fcr ein, dass antisemitischen Akteuren im Kulturbetrieb keine F\u00f6rderung zukommen sollte \u2013 ein Vorhaben, das am Abstimmungshickhack und juristischen Bedenken scheiterte. Zum Dank wurde sein Wohnhaus mit Farbbeuteln attackiert. Am Ende fehlte dem Quereinsteiger wohl das politische Handwerkszeug, seine Ideen auch durchsetzen. Der Rheinl\u00e4nder mit tansanischen Wurzeln war als Quereinsteiger in die Politik gekommen, trat 2016 der CDU bei und geh\u00f6rte zum Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten Armin Laschet.<\/p>\n<p>Was sagen die Experten zu dieser Meldung? \u201eEndlich hat er\u2019s begriffen\u201c, antwortet die ehemalige Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler, als sich der Nebel wieder lichtet. Chialos Anfangskredit sei verspielt, zu desinteressiert sei er an den Zusammenh\u00e4ngen. Chialo schaffte es nicht, Mehrheiten f\u00fcr seine Projekte zu gewinnen, wie den Umzug der Landesbibliotheken ins Kaufhaus Galeries Lafayette. Als Quereinsteiger aus der Musikbranche war Joe Chialo eine wild card des neuen schwarz-roten Senats unter Kai Wegner. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255421498\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255421498&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eHofnarr\u201c und \u201eFeigenblatt\u201c<\/a> musste Chialo sich von Bundeskanzler Scholz nennen lassen, eine unfaire Entgleisung. Dass der CDU-Mann Chialo nun als Senator seinen Hut nimmt, wird zwar von vielen im eher linken Kulturbetrieb der Hauptstadt instinktiv begr\u00fc\u00dft, aber diese Freude wird nicht lange w\u00e4hren.<\/p>\n<p>Die Berliner Kultur sollte darauf achten, was Chialo als Begr\u00fcndung f\u00fcr seinen R\u00fccktritt nennt: \u201eIm vergangenen Jahr habe ich die geforderten Einschnitte im Kulturhaushalt schweren Herzens mitgetragen \u2013 im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung f\u00fcr die Stadt. Die nun geplanten weiteren K\u00fcrzungen greifen jedoch zu tief in bestehende Planungen und Zielsetzungen ein, ver\u00e4ndern zentrale fachliche Voraussetzungen und f\u00fchren so zur drohenden Schlie\u00dfung von bundesweit bekannten Kultureinrichtungen.\u201c<\/p>\n<p>Er h\u00e4tte Berlin noch helfen k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Das ist die eigentliche Meldung, und sie wird Berlin weit l\u00e4nger besch\u00e4ftigen als die Personalie Joe Chialo. Er geht ja, so sein Statement, weil er die kommenden K\u00fcrzungen nicht akzeptieren kann. Insgesamt muss die Berliner Kultur im Haushalt 2025 rund 130 Millionen Euro weniger ausgeben, knapp zw\u00f6lf Prozent ihres Budgets. 2026 und 2027 werden allerdings nicht besser, die Verhandlungen laufen schon. Die Budgets sind in den H\u00e4usern aber bereits so sehr auf Kante gen\u00e4ht, dass es bald ans Eingemachte gehen wird. So reicht das budgetierte Geld im Moment nicht einmal, um die Tarifl\u00f6hne f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten der vom Land gef\u00f6rderten B\u00fchnen zu bezahlen. Ungemach droht. <\/p>\n<p>Es wird nicht mehr Joe Chialo sein, der die Axt an \u201ebundesweit bekannte Kultureinrichtungen\u201c anlegen muss, von denen er in seiner R\u00fccktritterkl\u00e4rung spricht. Wenn es, wie Chialo andeutet, zu Schlie\u00dfungen kommt, etwa einer gro\u00dfen Oper oder eines bekannten Theaters, dann wird dieser Einschnitt nicht mehr an seiner Person h\u00e4ngen bleiben, sondern an demjenigen, der am Ende wirklich bestimmt, wof\u00fcr in Berlin Geld ausgegeben wird: am Regierenden B\u00fcrgermeister Kai Wegner. Gut m\u00f6glich, dass die Kultur zur Chefsache wird und Wegner das Amt des Kultursenators vorl\u00e4ufig zus\u00e4tzlich \u00fcbernimmt \u2013 so wie es der Deutsche Kulturrat zuletzt <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wahrscheinlich-das-beste-deutscher-kulturrat-schlagt-kai-wegner-fur-chialos-nachfolge-vor-13632370.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wahrscheinlich-das-beste-deutscher-kulturrat-schlagt-kai-wegner-fur-chialos-nachfolge-vor-13632370.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">gefordert<\/a> hat. Wegner stellt sich im kommenden Jahr zur Wiederwahl. <\/p>\n<p>W\u00e4re Joe Chialo mit Merz ins Bundeskanzleramt eingezogen, er h\u00e4tte seiner Stadt vielleicht noch den einen oder anderen Gefallen tun k\u00f6nnen, denn der Bund hat tiefere Taschen als Berlin. Was der von Merz stattdessen berufene Verleger Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister vorhat, wei\u00df bisher noch niemand. Es ist ebenso Quereinsteiger wie Chialo. <\/p>\n<p>Der dichte Nebel im Garten der Neuen Nationalgalerie ist so vielleicht auch eine gute Metapher f\u00fcr den Zustand der Kulturnation. Man bewegt sich tastend voran und sieht immer nur ein paar Meter weit. Der Leiter einer bekannten Berliner Institution bringt die Haltung des Betriebs auf den Punkt: \u201eInzwischen w\u00e4re jeder froh\u201c, sagt er, \u201ewenn Joe Chialo Kulturstaatsminister geworden w\u00e4re.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Berliner Kultursenator Joe Chialo wirft hin. 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