{"id":83479,"date":"2025-05-04T10:33:13","date_gmt":"2025-05-04T10:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83479\/"},"modified":"2025-05-04T10:33:13","modified_gmt":"2025-05-04T10:33:13","slug":"star-wars-als-mahnung-fuer-scheiternde-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/83479\/","title":{"rendered":"Star Wars als Mahnung f\u00fcr scheiternde Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Die Star-Wars-Filme erz\u00e4hlen nicht nur eine Geschichte \u00fcber Jedi und Sith. Sie handeln auch vom Abstieg in die Autokratie und k\u00f6nnen ein mahnendes Lehrst\u00fcck sein, warum Demokratien scheitern, so Melina Langenohl und Marvin Klein.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Die Star-Wars-Filme geh\u00f6ren zu den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Star_Wars\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" title=\"wikipedia.org\" rel=\"noreferrer noopener\">erfolgreichsten Filmreihen<\/a> aller Zeiten. Die in der Space-Opera angesprochenen Motive sind zeitlos: Familie und Freundschaft, der Kampf zwischen Gut und B\u00f6se oder Natur und Technologie. Gleichzeitig erz\u00e4hlt Star Wars \u2013 inspiriert von zahlreichen historischen Beispielen \u2013 die politische Geschichte dar\u00fcber, wieso sich Demokratien aufgeben und gute Menschen einem Tyrannen folgen.<\/p>\n<p>Der Tyrann \u2013 in der Gestalt des Imperators Palpatine \u2013 kommt dabei nicht durch einen Putsch an die Macht. Das Staatsvolk gibt freiwillig seine Macht an einen &#8222;starken F\u00fchrer&#8220; ab. Dass jedoch Palpatine eine gesamte Gesellschaft zur &#8222;dunklen Seite&#8220; verf\u00fchren kann, ist nicht allein dem politischen Intrigenspiel der &#8222;Sith&#8220; zu verdanken. Die legale Machtergreifung und Inthronisierung eines allm\u00e4chtigen Imperators ist beg\u00fcnstigt durch das in ihrem Kern bereits kr\u00e4nkelnde politische System der Republik.<\/p>\n<p>Senatoren empf\u00e4nglich f\u00fcr Bestechungen aus der Wirtschaft<\/p>\n<p>&#8222;Der Senat ist voller gieriger, geschw\u00e4tziger Delegierter. Kein Interesse mehr am Gemeinwohl.&#8220; (Palpatine, Episode 1)<\/p>\n<p>Die Galaktische Republik mit ihren \u00fcber 100.000 Mitgliedswelten wird dem Zuschauer als korrupte und durchsetzungsschwache Institution vorgestellt. George Lucas zeichnet das Bild eines politischen Systems, das dem eigenen Anspruch an Frieden und Gerechtigkeit nicht gerecht wird. Die schiere Gr\u00f6\u00dfe, seine Distanz zwischen der Zentralregierung und den B\u00fcrgern und ein ineffizienter sowie nicht konsensf\u00e4higer Senat wirken negativ auf die Handlungsf\u00e4higkeit des galaktischen Staates.<\/p>\n<p>Der Senat, die Schnittstelle der Macht, besteht aus Senatoren, die eigentlich ihren eigenen Planeten und Systemen verpflichtet, jedoch auch f\u00fcr Bestechungen aus der Wirtschaft empf\u00e4nglich sind. Ein demokratisches Ethos und ein gesamtgalaktisches Verantwortungsbewusstsein sind kaum ausgepr\u00e4gt. Er wird durch B\u00fcrokratie lahmgelegt und an effizienten Entscheidungen gehindert (&#8222;Auftritt der B\u00fcrokraten. Die wahren Herrscher der Republik [\u2026]&#8220; \u2013 Palpatine, Episode 1).<\/p>\n<p>Diese demokratische Institution ist nicht in der Lage, auf Krisen ad\u00e4quate L\u00f6sungen hervorzubringen. Mangels &#8222;Output-Legitimation&#8220; verliert sie an Unterst\u00fctzung beim Volk. Aufgrund des Legitimationsverlustes und einer &#8222;sozialen Inhomogenit\u00e4t&#8220; (Hermann Heller) durch erhebliche \u00f6konomische Machtgef\u00e4lle ist ein Auseinanderfallen der Republik und die Sehnsucht nach einem &#8222;starken Mann&#8220; vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Megakonzerne als wahre Akteure der Macht<\/p>\n<p>&#8222;Unsere Freunde von der Handelsf\u00f6deration werden uns unterst\u00fctzen und wenn Ihre Kampfdroiden sich mit den Euren zusammenschlie\u00dfen, haben wir eine Armee, die gr\u00f6\u00dfer als jede andere in der Galaxis ist.&#8220; (Count Dooku, Episode 2)<\/p>\n<p>In diesem politischen System haben galaktische Megakonzerne nicht nur gro\u00dfe wirtschaftliche Bedeutung, sondern auch gebilligte Privatarmeen. So ist es Konzernen wie der Handelsf\u00f6deration m\u00f6glich, sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen und als wahre Akteure der Macht zu etablieren.<\/p>\n<p>Ihr Einfluss auf das politische System beschr\u00e4nkt sich nicht auf klassische Lobbyarbeit: Die gr\u00f6\u00dften Konzerne stellen eigene stimmberechtigte Repr\u00e4sentanten im Senat. Dar\u00fcber hinaus versuchen sie am parlamentarischen System vorbei direkten Zugang zur Regierungsarbeit zu erhalten \u2013 ein Trend, den man gegenw\u00e4rtig auch in gesteigertem Ma\u00dfe in den Vereinigten Staaten beobachten kann.<\/p>\n<p>Diese Megakonzerne verachten das demokratische System. Sie f\u00fchlen sich ihm \u00fcberlegen und gehen so weit, die R\u00fccknahme von der Besteuerung der Handelsrouten durch die Invasion einer Mitgliedswelt erzwingen zu wollen. Die Unf\u00e4higkeit der Republik, diese Konzerne in ihre Schranken zu weisen, beschleunigt schlussendlich die Desintegration der Republik und bringt diese an den Rand eines B\u00fcrgerkrieges.<\/p>\n<p>Machtergreifung durch Akt legaler Verfassungs\u00e4nderung<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe gute Neuigkeiten. Der Krieg hat begonnen.&#8220; (Count Dooku, Episode 2)<\/p>\n<p>Seinen Aufstieg zur absoluten Macht erlangt Palpatine durch einen Akt legaler Verfassungs\u00e4nderung. Das sp\u00e4tere Imperium begr\u00fcndet sich auf der, wie der Soziologe Max Weber es in anderem Zusammenhang formulierte, &#8222;charismatischen Legitimation&#8220; des &#8222;starken Mannes&#8220; Palpatine, dessen Machtergreifung den historischen Vorbildern von C\u00e4sar, Augustus, Napoleon und Hitler \u00e4hnelt.<\/p>\n<p>Seine Kanzlerschaft beginnt aufgrund einer Krise (Invasion von Naboo, Episode 1) und durch eine weitere Krise gelingt es ihm, weit \u00fcber die regul\u00e4re Amtszeit hinaus im Amt verbleiben zu k\u00f6nnen. Diese Krise in Gestalt einer Sezessionsbewegung der &#8222;Separatisten&#8220; ist Folge der massiven Inhomogenit\u00e4t sowie der Dysfunktionalit\u00e4t des Senates und gipfelt in den &#8222;Klonkriegen&#8220;. Dieser von Palpatine insgeheim forcierte Konflikt bietet die Rechtfertigung, sich selbst durch Notstandsgesetze mit umfangreichen Kompetenzen ausstatten zu lassen.<\/p>\n<p>Der Kanzler l\u00e4sst hierbei absichtlich die Krise eskalieren, um die innere Opposition und auch Stimmen, die sich f\u00fcr Verhandlungen und politische L\u00f6sungen mit den Separatisten aussprechen, auszuschalten. Unter dem Topos von Sicherheit und Stabilit\u00e4t gelingt es ihm, jede Kritik an seinen Ma\u00dfnahmen zu delegitimieren. Er stellt eine Armee auf, militarisiert die Gesellschaft und befeuert das politische &#8222;Freund-Feind&#8220;-Denken ein Begriff, den der Staatsrechtler Carl Schmidt schon 1927 verwendete, indem Abweichler schnell in die &#8222;Separatisten&#8220;-Ecke gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Gleichschaltung der Medien als B\u00fcrgerschutz<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin der Senat.&#8220; (Palpatine, Episode 3)<\/p>\n<p>Die Klonkriege geben dem Kanzler die M\u00f6glichkeit, das demokratische System der Republik schleichend umzustrukturieren. Zum &#8222;Schutz der Moral der B\u00fcrger&#8220; schaltet Palpatine die Medien gleich. Um angebliche Gesch\u00e4fte mit dem Feind zu verhindern, unterstellt er die Banken der Regierungsaufsicht.<\/p>\n<p>Die traditionell starken Kompetenzen der Mitgliedswelten im f\u00f6deralen System werden unter dem Argument der Sicherheit zunehmend beschnitten. Der Kanzler setzt Gouverneure auf allen Mitgliedswelten ein, die offiziell die Kriegswirtschaft und Verteidigung gegen den \u00e4u\u00dferen Feind koordinieren sollten. De facto sind sie dazu bestimmt, effektive Kontrolle auszu\u00fcben. Eben diese Gouverneure erm\u00f6glichen es Palpatine viele Jahre nach seiner Machtergreifung, den Senat aufzul\u00f6sen und direkte Kontrolle \u00fcber alle Mitgliedswelten auszu\u00fcben (Episode 4). Zu diesem Zeitpunkt wird der Senat vollends zu einem Schatten seiner selbst und einer zahnlosen Institution verkommen sein.<\/p>\n<p>Doch auch gegen den von Palpatine auserkorenen &#8222;inneren Feind&#8220; geht dieser vor. Durch eine Verfassungs\u00e4nderung erh\u00e4lt der Kanzler die Aufsicht \u00fcber den Jedi-Orden, der bisher nur dem Senat Rechenschaft schuldig war. Er setzt einen eigenen Repr\u00e4sentanten ein und \u00fcberwacht durch diesen die Aktivit\u00e4ten der Jedi.<\/p>\n<p>Als sich schlie\u00dflich die Klonkriege ihrem Ende zuneigen, inszeniert der Kanzler eine letzte Krise, um seine an den Notfall gekoppelten Kompetenzen nicht zu verlieren: Eine an den angeblichen &#8222;R\u00f6hm-Putsch&#8220; von 1934 erinnernde &#8222;Jedi-Rebellion&#8220;, mit der er die von langer Hand geplante &#8222;Order 66&#8220; rechtfertigt. Der Kanzler geht hierbei nicht nur gegen die Jedi als &#8222;Feinde der Republik&#8220; vor, sondern teilweise auch gegen &#8222;Jedi-Sympathisanten&#8220;, also all jene, die in der Vergangenheit die R\u00fcckgabe seiner Sondervollmachten gefordert hatten.\u00a0<\/p>\n<p>Einsatz als Imperator auf Lebenszeit<\/p>\n<p>&#8222;Und so geht die Freiheit zugrunde \u2013 mit donnerndem Applaus.&#8220; (Senatorin Amidala, Episode 3)<\/p>\n<p>Am Ende ist der \u00e4u\u00dfere Feind besiegt. Jegliche Opposition in den eigenen Reihen ist beseitigt oder durch Einsch\u00fcchterung zum Schweigen gebracht. Jetzt endlich setzt Palpatine zum letzten Akt an: Er ruft in einer Sondersitzung des Senates das Imperium aus und ernennt sich unter Applaus der Senatoren zum Imperator auf Lebenszeit. Durch die Akklamation des neuen Systems tr\u00e4gt der Senat die alte Verfassung zu Grabe. Und mit ihr die Demokratie.<\/p>\n<p>Der &#8222;starke Mann&#8220;, nach dem verlangt worden war, hat sich im &#8222;Ausnahmezustand&#8220; (Carl Schmitt) bewiesen, aber seine Macht ausgenutzt, um das demokratische System abzuschaffen. Der Imperator verspricht Sicherheit und Stabilit\u00e4t. Als Gegenleistung fordert er die Freiheit aller (&#8222;Um weiterhin allgemeine Sicherheit und Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, wird die Republik umgestaltet werden &#8211; und zwar zum ersten Galaktischen Imperium. Zum Wohle und Nutzen einer stabilen und sicheren Gesellschaft.&#8220; \u2013 Palpatine, Episode 3).<\/p>\n<p>Die politische Geschichte der Star-Wars-Prequels endet auf einer d\u00fcsteren Note. Die Demokratie ist gefallen. Eine totalit\u00e4re Diktatur verdunkelt die Galaxis. Da George Lucas bef\u00fcrchtete, dass sich Geschichte wiederholt, kann man die Prequels als Warnung verstehen. Doch die Filme lassen uns mit einem Hoffnungsschimmer zur\u00fcck: Eine neue Generation, verk\u00f6rpert durch die Neugeborenen Leia und Luke, wird in diesem totalit\u00e4ren System aufwachsen. Der Zuschauer wei\u00df bereits, dass sie einmal Teil einer Rebellion werden, die schlussendlich das Imperium besiegen und so die Freiheit aller wiederherstellen wird. Doch das ist eine Geschichte f\u00fcr ein anderes Mal.<\/p>\n<p>Dr. Marvin Klein ist Rechtsanwalt bei der Anwaltskanzlei Hecker, Werner, Himmelreich in K\u00f6ln und Lehrbeauftragter f\u00fcr Verwaltungsrecht. Er promovierte in Europarecht, Verfassungsrecht und Verfassungstheorie.\u00a0<\/p>\n<p>Melina Langenohl ist freie Autorin. Sie schreibt Belletristik im Bereich Fantasy und Science-Fiction. In einem fr\u00fcheren Leben war sie Betriebswirtin (HWK) und Schreinermeisterin.<\/p>\n<p>Die Faszination f\u00fcr die Facetten des Star-Wars-Universums begleitet beide seit ihrer Kindheit und brachte sie schlie\u00dflich gemeinsam an den Schreibtisch.<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tStar-Wars-Tag am 4. Mai:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t04.05.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/57113 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t04.05.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Star-Wars-Filme erz\u00e4hlen nicht nur eine Geschichte \u00fcber Jedi und Sith. 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