{"id":836632,"date":"2026-03-02T06:08:15","date_gmt":"2026-03-02T06:08:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/836632\/"},"modified":"2026-03-02T06:08:15","modified_gmt":"2026-03-02T06:08:15","slug":"tv-l-tarifergebnis-oeffentlicher-dienst-die-enttaeuschung-ist-gross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/836632\/","title":{"rendered":"TV-L \u2013 Tarifergebnis \u00f6ffentlicher Dienst: \u00bbDie Entt\u00e4uschung ist gro\u00df\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img318971\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/318971.jpeg\" alt=\"\u00bbZusammen geht mehr\u00ab: Mit dem von Verdi ausgelobten Motto blicken Gewerkschaftsmitglieder in Teilen auf das Tarifergebnis f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst der L\u00e4nder.\"\/><\/p>\n<p>\u00bbZusammen geht mehr\u00ab: Mit dem von Verdi ausgelobten Motto blicken Gewerkschaftsmitglieder in Teilen auf das Tarifergebnis f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst der L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Michael Bahlo<\/p>\n<p><strong>Seit zwei Wochen liegt im Tarifstreit des \u00f6ffentlichen Dienstes der L\u00e4nder ein Ergebnis vor. Insgesamt 5,8 Prozent mehr Lohn sollen die Besch\u00e4ftigten in drei Stufen \u00fcber 27 Monate erhalten. Wie kam der Abschluss an euren Arbeitsstellen an?<\/strong><\/p>\n<p>MW: In den Gespr\u00e4chen, die ich mit Kolleg*innen bisher gef\u00fchrt habe, wurde deutlich, dass die lange Laufzeit von 27 Monaten und die Null-Monate ohne Lohnerh\u00f6hungen abgelehnt werden. Aber auch die wenigen Prozente reichen nicht aus, um die Inflation abzudecken.<\/p>\n<p>CN: Bei uns ist die Entt\u00e4uschung und Ablehnung gro\u00df, zumal es im nichtwissenschaftlichen Bereich viele Besch\u00e4ftigte in den unteren und mittleren Entgeltgruppen gibt, f\u00fcr die die 300 Euro Mindestbetrag elementar wichtig gewesen w\u00e4ren, um die Preissteigerungen der letzten Jahre etwas auszugleichen. Auch wissenschaftliche Mitarbeiter*innen sind betroffen, weil sie oft nur eine halbe Stelle bekommen, aber trotzdem voll arbeiten m\u00fcssen. Wichtig sind auch die politischen Langzeitfolgen: So ein Ergebnis kann Frust, Entt\u00e4uschung und Demoralisierung gerade bei Gewerkschaftsmitgliedern ausl\u00f6sen. Dem m\u00fcssen wir als Netzwerk mit einer politischen Perspektive auf Ver\u00e4nderung entgegenwirken.<\/p>\n<p><strong>Welche fehlende Forderung bedauert ihr besonders?<\/strong><\/p>\n<p>MW: In der GEW Berlin hatte sich die Tarifkommission daf\u00fcr ausgesprochen, die Frage der Entlastung einzubinden. Urspr\u00fcngliche Forderungen nach 10 Prozent oder mindestens 450 Euro mehr bei zw\u00f6lf Monaten Laufzeit wurden auf Bundesebene eingedampft. Das war schon ein Punkt, der bei vielen Kolleg*innen eher negativ ankam.<\/p>\n<p>CN: Fatal ist die lange Laufzeit von 27 Monaten, die nur wenig k\u00fcrzer als die von der Tarifgemeinschaft der L\u00e4nder geforderte ist. \u00dcber die K\u00e4mpfe in Tarifrunden gewinnt man neue Mitglieder und baut die Gewerkschaft auf. Wenn es keine j\u00e4hrlichen Tarifrunden gibt, verpuffen diese Aufbaueffekte und man f\u00e4ngt wieder bei null an. Deshalb muss die Forderung nach zw\u00f6lf Monaten Laufzeit ein zentrales Kampfziel sein.<\/p>\n<p><strong>Wieso denkt ihr, dass mehr drin gewesen ist?<\/strong><\/p>\n<p>MW:<strong> <\/strong>Es wurde wieder aufgegeben, bevor es richtig losging. Bei der letzten Demonstration in Potsdam hatten einige gehofft, dass es angesichts der Nicht-Angebote der Arbeitgeber zur Eskalation kommt. Aber es wurde nicht einmal mit einer Urabstimmung gedroht. H\u00f6here Forderungen und eine Offensive f\u00fcr Entlastung in verschiedenen Bereichen wie Bildung und Gesundheit h\u00e4tten mehr Besch\u00e4ftigte auf die Stra\u00dfen bringen k\u00f6nnen. Die Vereinzelung durch Branchenstreiks hat nicht f\u00fcr mehr Motivation gesorgt. In Berlin gab es oft Verwirrung, wer denn eigentlich zum Streik aufgerufen ist. Das l\u00e4sst sich vermeiden, wenn alle im TV-L Besch\u00e4ftigte auf die Stra\u00dfen und zu Streikversammlungen gebracht werden. Zudem h\u00e4tte die Tarifrunde deutlich politischer gef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Die Arbeitgeberseite hat deutlich gemacht, dass sie f\u00fcr Verwaltung, Gesundheit oder Bildung nicht mehr ausgeben will. Dazu sehen wir von der CDU mit Friedrich Merz an der Spitze Angriffe auf den Achtstundentag oder das Recht auf Teilzeit. Diese Themen h\u00e4tten st\u00e4rker skandalisiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/2040\/318972\" title=\"Bild gro\u00df anzeigen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img318972\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/318972.jpeg\" alt=\"F\u00fcr Mar\u00e9n Wiese und Claudius Naumann haben die Gewerkschaften den Arbeitskampf zu fr\u00fch beendet.\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr Mar\u00e9n Wiese und Claudius Naumann haben die Gewerkschaften den Arbeitskampf zu fr\u00fch beendet.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Britta Pedersen<\/p>\n<p>CN:<strong> <\/strong>Viele Kolleg*innen haben nicht den Eindruck, dass die Gewerkschaftsf\u00fchrung einen ernsthaften Kampf f\u00fchren m\u00f6chte, sondern sehen sich als Statisten in einem immer gleichen Tarifritual. Auch sind Streiks und Demos immer eine psychologisch wichtige Selbstvergewisserung, dass man nicht allein und nur gemeinsam stark ist. Durch die vielen kleinen und zersplitterten Aktionen wie dem separaten \u00bbJugendstreiktag\u00ab und \u00bbB\u00fchnenstreiktag\u00ab wurde teils das Gegenteil erreicht. Man h\u00e4tte die TV-L-Streiks mit denen im \u00d6PNV und in Berlin bei den Vivantes-T\u00f6chtern zusammenlegen k\u00f6nnen, um die Wirkung zu potenzieren. Gleichzeitig versucht die Verdi-F\u00fchrung krampfhaft, den Elefanten im Raum zu ignorieren: die astronomischen Mittel f\u00fcr Krieg und Aufr\u00fcstung und die damit verbundenen Haushaltsk\u00fcrzungen. Mit der stillen Akzeptanz der Notwendigkeit der Verteidigungsf\u00e4higkeit entwaffnet sich die Gewerkschaft politisch selbst.<\/p>\n<p><strong>Der TV-L regelt die Arbeitsbedingungen von 1,3 Millionen Besch\u00e4ftigten. Welche Reichweite haben die Netzwerke, in denen ihr euch engagiert?<\/strong><\/p>\n<p>MW: Das Netzwerk in der GEW gibt es erst seit Sommer 2025. Hier haben sich vor allem Berliner Besch\u00e4ftigte an Schulen aber auch aus der Sozialen Arbeit angefangen zu organisieren.<\/p>\n<p>CN: Das Netzwerk f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische Verdi ist schon seit L\u00e4ngerem bundesweit aktiv und hat Mitglieder aus verschiedenen Fachbereichen. Unsere Reichweite insbesondere auch im TV-L-Bereich ist noch bescheiden, auch bedingt durch die vertikale und b\u00fcrokratische Struktur von Verdi, die horizontalen Austausch erschwert.<\/p>\n<p><strong>Wie sch\u00e4tzt ihr die Chance ein, dass das Ergebnis am Ende tats\u00e4chlich abgelehnt wird?<\/strong><\/p>\n<p>CN: In Verdi gibt es eine Mitgliederbefragung, diese ist allerdings unverbindlich. Letztlich entscheidet die Bundestarifkommission. Unabh\u00e4ngig vom Ausgang der Befragung ist es wichtig, Erzwingungsstreiks als die einzige M\u00f6glichkeit aufzuzeigen, um zuk\u00fcnftig bessere Ergebnisse zu erzielen und somit den Kolleg*innen eine Perspektive zu bieten. Immerhin haben schon Mitgliederversammlungen der Betriebsgruppen an der FU Berlin und TU Berlin mehrheitlich die Ablehnung des Verhandlungsergebnisses auf Grundlage der Stellungnahme unserer Netzwerke beschlossen.<\/p>\n<p>MW: In der GEW gibt es keine Mitgliederbefragung. In den Gespr\u00e4chen der Tarifkommission in Berlin wurde deutlich, dass niemand dieses Ergebnis gut findet. Leider gab es auf der Bundesebene der GEW aber keine Mehrheit f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Arbeitskampfes. \u00dcber die Netzwerke versuchen wir jetzt \u00fcber eine Petition sowie Antr\u00e4ge in Betriebsgruppen und bei Mitgliederversammlungen die Stimmen gegen das Ergebnis sichtbar zu machen. Uns ist klar, dass es jetzt vielleicht keine Mehrheit f\u00fcr unsere Position gibt. Aber nach dem Streik ist vor dem Streik. Wir m\u00fcssen weiter an der Basis Strukturen aufbauen und in den Gremien unserer Gewerkschaften f\u00fcr einen k\u00e4mpferischen Kurs eintreten. Wir haben erste Kontakte in anderen Bundesl\u00e4ndern und versuchen uns da besser aufzustellen. Mit den Angriffen der Bundesregierung stehen in allen Bereichen \u2013 nicht nur im \u00f6ffentlichen Dienst \u2013 deutliche Verschlechterungen bevor. Daf\u00fcr braucht es k\u00e4mpferische Gewerkschaften und gemeinsame K\u00e4mpfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbZusammen geht mehr\u00ab: Mit dem von Verdi ausgelobten Motto blicken Gewerkschaftsmitglieder in Teilen auf das Tarifergebnis f\u00fcr den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":836633,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,441,30,6203,1940,1938,1235,1238],"class_list":["post-836632","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","tag-aktuelle-news-aus-berlin","tag-berlin","tag-berlin-news","tag-deutschland","tag-fernsehen","tag-germany","tag-gew","tag-nachrichten-aus-berlin","tag-news-aus-berlin","tag-oeffentlicher-dienst","tag-streik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116158090901453698","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/836632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=836632"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/836632\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/836633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=836632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=836632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=836632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}