{"id":837038,"date":"2026-03-02T10:02:11","date_gmt":"2026-03-02T10:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/837038\/"},"modified":"2026-03-02T10:02:11","modified_gmt":"2026-03-02T10:02:11","slug":"stuttgart-20-prozent-plus-x-darum-ist-die-afd-im-suedwesten-so-stark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/837038\/","title":{"rendered":"Stuttgart | 20 Prozent plus x? Darum ist die AfD im S\u00fcdwesten so stark"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart (dpa) &#8211; So hoch wie im Osten ist der Zuspruch zur AfD in Baden-W\u00fcrttemberg nicht. Aber wenn am Sonntag der neue Landtag gew\u00e4hlt wird, k\u00f6nnte es das erste westdeutsche Bundesland werden, in dem die Partei die 20-Prozent-Marke knackt. Um den Wert pendelte sie in j\u00fcngsten Umfragen.<\/p>\n<p>Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD, die der Verfassungsschutz im S\u00fcdwesten als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, 19,8 Prozent der Zweitstimmen. Mehr als doppelt so viel wie 2021 und nur ein Prozentpunkt weniger als der bundesweite Wert. Damals legte die Partei auch in anderen westdeutschen L\u00e4ndern zu. Aber warum ist sie gerade im S\u00fcdwesten so stark?<\/p>\n<p>Nach der Bundestagswahl machte das Institut f\u00fcr Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Uni T\u00fcbingen deutliche Unterschiede zwischen eher l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten (ruralen) und urbanen Regionen aus: \u00abDie eher ruralen Gebiete r\u00fccken nach rechts, die urbanen Zentren bleiben weitgehend resilient.\u00bb Besonders gute Ergebnisse erzielte die AfD demnach etwa in Regionen des Schwarzwalds und auf der Schw\u00e4bischen Alb.<\/p>\n<p>Diese Regionen seien oft traditionalistisch gepr\u00e4gt, sagt Rolf Frankenberger vom IRex. Wie keine andere Partei adressiere die AfD hier Themen wie traditionelle Familienbilder, Patriotismus, Fremden- und Homofeindlichkeit oder auch den Kampf gegen Windkraft sowie gerade in den Hochburgen der Autoindustrie das Verbrenner-Aus. Mit Spr\u00fcchen auf Plakaten wie \u00abDein Nachbar w\u00e4hlt uns auch\u00bb signalisiere sie zudem Normalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Gefragt nach der St\u00e4rke der AfD im Westen sagte Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach von der Uni Hamburg dem \u00abRedaktionsnetzwerk Deutschland\u00bb: \u00abDer Prozess der Transformation findet im Westen schleichender statt, als er im Osten stattgefunden hat, aber er ist eben sp\u00fcrbar.\u00bb Umbr\u00fcche seien zu sp\u00fcren: Gesch\u00e4fte st\u00fcnden leer, Busse f\u00fchren nicht, Industrien seien abgewandert.<\/p>\n<p>AfD malt d\u00fcstere Lage<\/p>\n<p>Gerade die in Baden-W\u00fcrttemberg breit aufgestellte Autoindustrie schw\u00e4chelt. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier betonte in den Wahlrunden im SWR, die Regierenden seien schuld: \u00abDie Probleme hier in Baden-W\u00fcrttemberg sind hausgemacht.\u00bb Es sei Zeit, etwas anderes zu w\u00e4hlen. Wenngleich derzeit ausgeschlossen ist, dass die AfD in Regierungsverantwortung kommt.<\/p>\n<p>Ihr Wahlprogramm sei vom Ton eher negativ, haben Frank Brettschneider und sein Team der Uni Hohenheim analysiert. Der Zustand des Landes werde sehr d\u00fcster gezeichnet, sagte der Experte f\u00fcr politische Kommunikation dem SWR. Neben Klassikerthemen wie mehr Abschiebungen setze die AfD etwa bei der Wirtschaft etwas andere Schwerpunkte: Neben Energiepreisen und Sicherung der Automobilindustrie gehe es etwa um Reisen von AfD-Politikern in die USA und nach Russland, um von dort wirtschaftliche Unterst\u00fctzung zu bekommen.\u00a0<\/p>\n<p>Eine weitere Rolle f\u00fcr die St\u00e4rke der AfD spielen nach Frankenbergers Einsch\u00e4tzung christlich-fundamentalistische und anthroposophische Gruppen bis hin zu Anh\u00e4ngern von Verschw\u00f6rungstheorien. Gerade in W\u00fcrttemberg hat der Pietismus, die evangelische Fr\u00f6mmigkeitsbewegung, viele Anh\u00e4nger. \u00abJe st\u00e4rker wortgl\u00e4ubig Menschen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie zu rechten Positionen neigen k\u00f6nnen\u00bb, sagt Frankenberger. Ein Beispiel sei die Ablehnung von Vielfalt. Auch im Verfassungsschutzbericht ist die Rede davon, dass christlich-fundamentalistische Argumentationsmuster sich zunehmend mit extremistischen Inhalten rund um die Staatsfeindlichkeit vermischen.\u00a0<\/p>\n<p>Fr\u00fcher NPD und Republikaner im Landtag<\/p>\n<p>Die AfD ist kein neues Ph\u00e4nomen, auch fr\u00fcher schon bekamen rechte Kr\u00e4fte in Baden-W\u00fcrttemberg Zuspruch: Die NPD Ende der 1960er Jahre und die Republikaner in den 1990ern waren hier st\u00e4rker als in anderen Regionen Westdeutschlands &#8211; und sa\u00dfen im Parlament. Die \u00abQuerdenker\u00bb-Bewegung fand in Corona-Zeiten ihren Ursprung im S\u00fcdwesten. Die \u00abReichsb\u00fcrger\u00bb-Szene kommt laut Verfassungsschutz auf mehr als 4.000 Anh\u00e4nger.<\/p>\n<p>Es sind Beispiele f\u00fcr die Neigung zum Widerstand, die Baden-W\u00fcrttembergern nachgesagt und im Begriff des \u00abWutb\u00fcrgers\u00bb manifest wird. Dabei ist das Spektrum der Themen breit: vom Bahnprojekt Stuttgart 21 bis zum zivilen Widerstand, der in den 1970ern den Bau eines Atomkraftwerks verhinderte.<\/p>\n<p>Anders als bei der nordrhein-westf\u00e4lischen Kommunalwahl kann die AfD in Baden-W\u00fcrttemberg seltener in Gro\u00dfst\u00e4dten punkten. Die alten Industriest\u00e4dte Pforzheim und Heilbronn sind hier Ausnahmen.<\/p>\n<p>Hier adressiere die Partei die in ihren Augen etablierten Einwanderer wie Russlanddeutsche, sagt Frankenberger. \u00abEs werden Flyer auf Kyrillisch und T\u00fcrkisch verteilt.\u00bb Dieses W\u00e4hlerpotenzial gebe es so in Ostdeutschland nicht.\u00a0<\/p>\n<p>Schub durch Gerichtsentscheidung?\u00a0<\/p>\n<p>Im S\u00fcdwesten hat die AfD nach eigenen Angaben rund 8.600 Mitglieder. Im Landtag ist sie seit 2016, als viel \u00fcber Fl\u00fcchtlinge debattiert wurde. Sie wurde mit 15,1 Prozent aus dem Stand drittst\u00e4rkste Kraft, sackte 2021 aber auf 9,7 Prozent ab und ist seither die kleinste Fraktion. Diese tritt laut Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung in dieser Legislaturperiode \u00abdeutlich disziplinierter auf als in der Periode zuvor &#8211; wenn auch nicht unbedingt inhaltlich gem\u00e4\u00dfigter\u00bb.<\/p>\n<p>Eine Steilvorlage f\u00fcr die AfD k\u00f6nnte nach Einsch\u00e4tzung Frankenbergers nun die Entscheidung des Verwaltungsgerichts K\u00f6ln sein, dass das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die Partei vorerst nicht als gesichert rechtsextremistisch einstufen und behandeln und sie \u00f6ffentlich auch nicht so bezeichnen darf. \u00abDas k\u00f6nnte ihr nochmal zwei, drei Prozentpunkte bringen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart (dpa) &#8211; So hoch wie im Osten ist der Zuspruch zur AfD in Baden-W\u00fcrttemberg nicht. 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