{"id":837339,"date":"2026-03-02T12:51:12","date_gmt":"2026-03-02T12:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/837339\/"},"modified":"2026-03-02T12:51:12","modified_gmt":"2026-03-02T12:51:12","slug":"peter-und-der-wolf-von-st-pauli-im-falschen-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/837339\/","title":{"rendered":"\u201ePeter und der Wolf von St. Pauli\u201c: Im falschen Film"},"content":{"rendered":"<p>Die erste Kooperation des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg mit den Schmidt-B\u00fchnen unter dem Titel \u201ePeter und der Wolf von St. Pauli\u201c ger\u00e4t im Schmidts Tivoli zu einem Fiasko.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Vor der Kulisse des Musicals \u201eHei\u00dfe Ecke\u201c, das eine Anmutung der Reeperbahn zeigt, ist auf der B\u00fchne des Schmidts Tivoli kaum Platz genug f\u00fcr das mit anderthalb Dutzend Musikern zum Philharmonischen Kammerorchester geschrumpfte Philharmonische Staatsorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber. Der dirigiert bei der Premiere \u201ePeter und der Wolf von St. Pauli\u201c nicht nur, sondern tritt auch als brillanter Akkordeonspieler in Erscheinung.<\/p>\n<p>Der Abend bleibt durchgehend gut gemeint<\/p>\n<p>Der Abend steht unter dem Motto \u201eKlassik trifft Kiez\u201c. Das ist eine nette Ansage und der Abend ist gut gemeint. Dabei bleibt er aber auch. Publizist Axel Br\u00fcggemann hatte die Schnapsidee, zu Sergej Prokofjews Musikm\u00e4rchen die Geschichte des Kiez-Auftragskillers Werner \u201eMucki\u201c Pinzner vom Anfang der Achtzigerjahre auf St. Pauli zu erz\u00e4hlen. Bei der Auff\u00fchrung sitzt Br\u00fcggemann in einer Polizeiuniform vor dem Orchester und erz\u00e4hlt unprofessionell schleppend die Geschichte der Morde. Der Autor ist kein Schauspieler. <\/p>\n<p>Ein St\u00fcck rechts von ihm sitzt vor einem zweiten Mikrofon Carolin Spie\u00df, eine gute Schauspielerin, und erz\u00e4hlt die Geschichte aus der Sicht Juttas, aus dem Jenseits. Jutta war Pinzners Frau, war ihm h\u00f6rig, er war ihr \u201eMacker\u201c. Jutta reichte dem Serienm\u00f6rder im Polizeipr\u00e4sidium Hamburg die Waffe, mit der Pinzner seine drei letzten Morde beging. Nachdem er den Staatsanwalt Wolfgang Bistry erschossen hatte, erschoss er seine Frau und sich selbst. Jetzt findet Jutta das im Schmidts Tivoli irgendwie nicht mehr so toll und fragt sich, ob er sie wirklich geliebt hat. Das ist nicht nur inhaltlich schlimm, neben den Psycho-Abgr\u00fcnden klafft eine Kluft zwischen Br\u00fcggemann und Spie\u00df.<\/p>\n<p>\u201eIn Peter und der Wolf\u201c gibt es keine Rolle f\u00fcr Pinzner<\/p>\n<p>Spie\u00df macht ihre Sache zwar richtig gut, spricht unendlich naiv \u00fcber ihren \u201eBesch\u00fctzer\u201c und dessen Tochter Birgit, um die sie sich k\u00fcmmert. Sie erz\u00e4hlt hemmungslos vom Sex mit Pinzner, von seinem \u201esteifen Mandelh\u00f6rnchen\u201c und ihrer \u201efeuchten Honigfalte\u201c. Aber ihre faszinierende Performance n\u00fctzt nichts. Denn \u201ePeter und der Wolf\u201c hat mit Pinzner und seinen Morden einfach nichts zu tun. Der vulg\u00e4re M\u00f6rder, der seine Opfer \u201ewegmacht\u201c, w\u00fcnscht sich, dass es eines Tages einen Film \u00fcber ihn gibt, in dem er von G\u00f6tz George gespielt wird. George entschied sich jedoch bekanntlich \u2013 vermutlich, ohne von Pinzners Wunsch zu wissen \u2013 mit dem Film \u201eDer Totmacher\u201c f\u00fcr die Darstellung des Serienm\u00f6rders Fritz Haarmann in einer Befragung.<\/p>\n<p>Nicht nur in Georges Schaffen fand Pinzner keinen Platz, auch in Br\u00fcggemanns \u201ePeter und der Wolf von St. Pauli\u201c sucht er vergeblich. Die Figur Pinzner \u00fcbernimmt an diesem Abend weder die Rolle Peters noch die des Wolfes \u2013 vom Gro\u00dfvater, der Katze, der Ente, dem Vogel und den J\u00e4gern ganz zu schweigen. Er mordet banal vor sich hin. Vermutlich soll er der Wolf sein. Aber wer ist dann Peter? Br\u00fcggemann spricht schlie\u00dflich den Satz: \u201ePinzner hatte zu viel gemordet\u201c. Wirklich? Kann man auch zu wenig morden? Und selbst wenn gemeint gewesen sein sollte \u201ezu viel, um davonzukommen\u201c, was w\u00e4re denn dann die richtige Menge, um nicht erwischt zu werden? Pinzner versuchte es mit einer Opferzahl irgendwo zwischen f\u00fcnf und elf. <\/p>\n<p>Musik f\u00fcr einen Film, den der Komponist nicht kennt<\/p>\n<p>Die Geschichte der gewissenlosen Morde wird dokumentarisch nacherz\u00e4hlt, zum Teil aus den Polizeiakten. Es gibt keine Spielhandlung, keine Erz\u00e4hlung. Dazu erklingt die Musik von Prokofjew, sch\u00f6n gespielt vom Orchester, wie eine Filmmusik, die jemand f\u00fcr einen Film geschrieben hat, den er nicht kennt. Leider kennt jeder H\u00f6rer auch die Geschichte des M\u00e4rchens, was zu Widerspr\u00fcchen in der Wahrnehmung von Musik und B\u00fchnengeschehen f\u00fchrt. <\/p>\n<p>Angereichert haben Wellber und der Komponist Martin Lingnau \u201ePeter und der Wolf\u201c um weitere Titel, darunter neben Schubert und H\u00e4ndel tolle Akkordeonfassungen von \u201eDas Herz von St. Pauli\u201c und \u201eLa Paloma\u201c. Zudem singt Spie\u00df einmal, und zwar das Lied \u201eJenseits von Eden\u201c. Vom Band erklingt neben \u201eSamba Pa Ti\u201c von Santana, denn den mochte Jutta so gerne, auch \u201eTouch me\u201c von Samantha Fox. Ber\u00fchrend aber ist an diesem Abend viel zu wenig.<\/p>\n<p>Termine: 2., 4., 18. M\u00e4rz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die erste Kooperation des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg mit den Schmidt-B\u00fchnen unter dem Titel \u201ePeter und der Wolf von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":837340,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1826],"tags":[186859,29,30,10926,692,186857,62378,20926,117293,73664,186856,81462,186858,117292,22080],"class_list":["post-837339","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-hamburg","tag-birgit-tochter","tag-deutschland","tag-germany","tag-grund-stefan","tag-hamburg","tag-jutta-ehefrau","tag-lingnau","tag-martin","tag-omer-meir","tag-philharmonisches-staatsorchester-hamburg","tag-pinzner","tag-schmidt-theater-hamburg","tag-schmidts-tivoli-hamburg","tag-wellber","tag-werner"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116159675571733823","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/837339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=837339"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/837339\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/837340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=837339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=837339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=837339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}