{"id":838686,"date":"2026-03-03T01:21:22","date_gmt":"2026-03-03T01:21:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/838686\/"},"modified":"2026-03-03T01:21:22","modified_gmt":"2026-03-03T01:21:22","slug":"dunkle-materie-wie-findet-man-eine-fast-unsichtbare-galaxie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/838686\/","title":{"rendered":"Dunkle Materie: Wie findet man eine (fast) unsichtbare Galaxie?"},"content":{"rendered":"<p>Dunkle Materie: Wie findet man eine (fast) unsichtbare Galaxie? &#8211; Spektrum der Wissenschaft<a id=\"top\" class=\"jump-to-content\" href=\"#main\" title=\"Direkt zum Inhalt\">Direkt zum Inhalt<\/a>Dunkle Materie: So findet man eine (fast) unsichtbare Galaxie<\/p>\n<p>Nicht alle Welteninseln im schier unendlichen Kosmos verraten sich durch ihr schillerndes Sternenlicht. Dunkle Galaxien enthalten kaum leuchtende Materie. Sie entziehen sich jeglichem Blick und erfordern daher raffiniertere Suchstrategien.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Tausende Galaxien des Perseus-Clusters, aufgenommen mit Euclid\" class=\"full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Euclid_s_view_of_the_Perseus_cluster_of_galaxies_21zu9.jpg\" title=\"Tausende Galaxien des Perseus-Clusters, aufgenommen mit Euclid\"\/><\/p>\n<p> In der Aufnahme des Weltraumteleskops Euclid der ESA sind bis zu 1000\u00a0Galaxien des Perseus-Galaxienhaufens zu sehen. Wom\u00f6glich verstecken sich dort aber auch Dunkle Galaxien, die nahezu vollst\u00e4ndig aus Dunkler Materie bestehen. Im Hintergrund sind mehr als 100\u00a0000\u00a0weitere Galaxien zu erkennen\u00a0\u2013 manche davon so weit entfernt, dass ihr Licht zehn Milliarden Jahre ben\u00f6tigte, um uns zu erreichen. <\/p>\n<p>Die Zahl der mithilfe des Hubble-Weltraumteleskops (HST) entdeckten Galaxien geht in die Millionen und weit dar\u00fcber hinaus. Allein im ber\u00fchmten <a href=\"https:\/\/esahubble.org\/images\/heic0611b\/\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Hubble Ultra Deep Field<\/a> tummeln sich rund 10 000 sichtbare Welteninseln. Deutlich seltener sind sogenannte Dunkle Galaxien, der Extremfall von Galaxien niedriger Fl\u00e4chenhelligkeit (englisch: low-surface-brightness galaxies). In ihnen dominiert die r\u00e4tselhafte <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/astronomie\/dunkle-materie\/84\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Dunkle Materie<\/a>, die Strahlung weder reflektiert noch emittiert oder absorbiert\u00a0\u2013 ihr Nachweis ist daher notorisch schwierig und nur \u00fcber indirekte Methoden m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Ein Team um den Astronomen David Li von der University of Toronto identifizierte nun erstmals allein anhand der Anwesenheit von <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/astronomie\/kugelsternhaufen\/249\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Kugelsternhaufen<\/a> zw\u00f6lf Kandidaten f\u00fcr derartig ungew\u00f6hnliche Galaxien. Bei einem davon \u2013 dem Objekt \u00bbCandidate Dark Galaxy-2\u00ab (CDG-2) \u2013 liegt der Massenanteil der Dunklen Materie m\u00f6glicherweise bei mehr als 99,99\u00a0Prozent. Damit z\u00e4hlt sie zu den am st\u00e4rksten von Dunkler Materie dominierten Galaxien.\u00a0<a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/2041-8213\/adddab\/meta\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Seine Ergebnisse<\/a> ver\u00f6ffentlichte das Team bereits im Juni 2025 im Fachjournal \u00bbThe Astrophysical Journal Letters\u00ab.<\/p>\n<p>CDG-2 befindet sich etwa 244 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Perseus innerhalb des gleichnamigen Galaxienhaufens, einem der n\u00e4chsten und reichsten seiner Art mit bis zu 1000 im Visuellen gut sichtbaren Mitgliedsgalaxien. Um deren dunkle Verwandte aufzusp\u00fcren, bedarf es jedoch einer g\u00e4nzlich anderen Methode. In Archivdaten des HST suchten Li und seine Arbeitsgruppe daher gezielt nach kompakten Ansammlungen von Kugelsternhaufen \u2013 denn diese bewohnen typischerweise die \u00e4u\u00dferen Bereiche von Galaxien, den <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/physik\/halo\/6351\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Halo<\/a>.<\/p>\n<p> Kosmisches Gespenst | Die Dunkle Galaxie CDG-2 ist bis auf eine diffuse Emissionsregion (gestrichelter orangener Kreis) nahezu unsichtbar und konnte lediglich \u00fcber ihre Population von Kugelsternhaufen (blaue Kreise) nachgewiesen werden. Die Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops aus dem Jahr\u00a02017, erg\u00e4nzt durch Daten der europ\u00e4ischen Euclid-Mission, spiegelt die visuelle Erscheinung der Galaxie im Wellenl\u00e4ngenbereich zwischen 475 und 814\u00a0Nanometern wider. Im vergr\u00f6\u00dferten Ausschnitt (rechts) sind zudem zahlreiche Hintergrundgalaxien zu erkennen, die in keinem Zusammenhang mit CDG-2 stehen. Das \u00dcbersichtsbild (links) erstreckt sich \u00fcber eine L\u00e4nge von etwa 225\u00a0000\u00a0Lichtjahren. <\/p>\n<p>Im Umfeld von CDG-2 entdeckten sie vier Kugelsternhaufen, die sich innerhalb eines Bereichs von nur rund 4000 Lichtjahren konzentrieren. Damit sind diese sehr wahrscheinlich gravitativ an eine gemeinsame Masse \u2013 die Dunkle Galaxie \u2013 gebunden. Die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine zuf\u00e4llige Anordnung der vier Haufen im intergalaktischen Raum beziffert das Team auf nur 1 zu 67 000.<\/p>\n<p>Um die zugeh\u00f6rige Galaxie selbst nachweisen zu k\u00f6nnen, kombinierte die Gruppe HST-Daten mit Beobachtungen der europ\u00e4ischen Euclid-Mission sowie des japanischen Subaru-Teleskops auf Hawaii. Tats\u00e4chlich offenbarte sich um die vier Haufen eine \u00e4u\u00dferst leuchtschwache und diffuse Emissionsregion. Die Leuchtkraft der gesamten Region mitsamt der Kugelsternhaufen sch\u00e4tzen Li und Co. auf etwa sechs Millionen Sonnenleuchtkr\u00e4fte, bei gut zehn Millionen Sonnenmassen an sichtbarer Materie. Mindestens 16 Prozent des registrierten Lichts entfallen dabei direkt auf die vier Kugelsternhaufen; sollte es weitere, noch unentdeckte Exemplare geben, k\u00f6nnte dieser Anteil sogar auf bis zu 33 Prozent steigen.<\/p>\n<p>Aus der Anzahl und der Gesamtmasse der Haufen sch\u00e4tzt das Team die Halomasse von CDG-2 auf mindestens 20 Milliarden Sonnenmassen. Im Vergleich zur nachweisbaren stellaren Masse ergibt sich daraus ein Gesamtanteil der Dunklen Materie von 99,94 Prozent, m\u00f6glicherweise sogar mehr als 99,99 Prozent, sollte die Dunkle Galaxie noch weitere Kugelsternhaufen beherbergen.<\/p>\n<p>Wohin die urspr\u00fcnglich vorhandene sichtbare Materie verschwunden ist, bleibt noch unklar. Denkbar ist, dass gravitative Wechselwirkungen innerhalb des Perseushaufens sie der Dunklen Galaxie entrissen haben, w\u00e4hrend die dicht gepackten Kugelsternhaufen derartigen gewaltigen Ereignissen besser widerstehen konnten. Mit k\u00fcnftigen Weltraumobservatorien wie etwa dem Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA hofft die Gruppe um Li, entsprechende Himmelsdurchmusterungen ausweiten und weitere dieser kosmischen Geister aufsp\u00fcren zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Diesen Artikel empfehlen:<\/p>\n<p> ist Astrophysiker und Redakteur f\u00fcr Astronomie. <\/p>\n<ul class=\"columns kiosk__bar__categories medium-3 no-bullet small-12\">\n<li class=\"active kiosk__bar__category__digital\">Digitalausgaben <\/li>\n<li class=\"kiosk__bar__category__print\">Printausgaben <\/li>\n<li class=\"kiosk__bar__category__topseller\">Topseller <\/li>\n<li class=\"kiosk__bar__category__bundle show-for-medium\">Bundles<\/li>\n<\/ul>\n<p> Li, D. et al., The Astrophysical Journal Letters 10.3847\/2041\u20138213\/adddab, 2025 <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/5818e8db8fef4b0f8a8264a8e76d39fc.gif\" width=\"1\"\/><\/p>\n<p>Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalit\u00e4t von Spektrum.de zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dunkle Materie: Wie findet man eine (fast) unsichtbare Galaxie? &#8211; Spektrum der WissenschaftDirekt zum InhaltDunkle Materie: So findet&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":838687,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135],"tags":[3251,187057,29,187056,187055,31523,30,13283,187059,187058,190,189,194,191,13284,193,192],"class_list":{"0":"post-838686","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-astronomie","9":"tag-cdg-2","10":"tag-deutschland","11":"tag-dunkle-galaxie","12":"tag-dunkle-galaxien","13":"tag-dunkle-materie","14":"tag-germany","15":"tag-hubble","16":"tag-hubble-teleskop","17":"tag-kugelsternhaufen","18":"tag-science","19":"tag-science-technology","20":"tag-technik","21":"tag-technology","22":"tag-weltraumteleskop","23":"tag-wissenschaft","24":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116162625086991197","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/838686","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=838686"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/838686\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/838687"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=838686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=838686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=838686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}