{"id":839785,"date":"2026-03-03T11:41:20","date_gmt":"2026-03-03T11:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/839785\/"},"modified":"2026-03-03T11:41:20","modified_gmt":"2026-03-03T11:41:20","slug":"kleiner-buergerpark-in-der-sternsiedlung-nord-kann-den-namen-von-rudolf-ladewig-bekommen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/839785\/","title":{"rendered":"Kleiner B\u00fcrgerpark in der Sternsiedlung Nord kann den Namen von Rudolf Ladewig bekommen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Alles muss seinen geregelten Gang gehen, auch die Benennung von Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen. So wie aktuell in der Sternsiedlung in M\u00f6ckern, wo gerade eine Gr\u00fcnfl\u00e4che in einen kleinen Park mit Spielger\u00e4ten verwandelt wurde und die irgendwie schon den Namen B\u00fcrgerpark Sternsiedlung trug, bevor der Stadtbezirksbeirat Nordwest einen Wunsch aufnahm, den kleinen Park nach dem Architekten Rudolf Ladewig zu benennen, der f\u00fcr die Sternsiedlung eine besondere Rolle spielte. Am 25. Februar gab es in der Ratsversammlung gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Umbenennung.<\/p>\n<p>Die muss zwar noch ganz offiziell mit einer Vorlage f\u00fcr den Stadtrat passieren. Aber in der AG Stra\u00dfenbenennung gab es auch schon Zustimmung, denn tats\u00e4chlich hat der Park noch keinen Namen.Und welche wichtige Rolle Rudolf Ladewig (1893\u20131945) als Architekt f\u00fcr die Entwicklungen von Sternsiedlungen spielte, erkl\u00e4rte am 25. Februar Michael Schmidt, SPD-Mitglied im Stadtbezirksbeirat Nordwest.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/94445a5aa09348d4833de1bc2d33beb9.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/03\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/03\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2026902&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Antrag des Stadtbezirksbeirats<\/a> wurde die ganze Geschichte ausf\u00fchrlich beschrieben.<\/p>\n<p>Rudolf Ladewig und die Sternsiedlung(en)<\/p>\n<p>\u201eDie zu Beginn der 1930er Jahre erbaute Sternsiedlung im Norden M\u00f6ckerns ist aufgrund der Siedlungsh\u00e4user mit sternf\u00f6rmigen Grundrissen von besonderer st\u00e4dtebaulicher Bedeutung und wird durch das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege in der Denkmalliste gef\u00fchrt. Der B\u00fcrgerpark Sternsiedlung und der zugeh\u00f6rige Spielplatz wurden Anfang 2024 umfassend saniert und ausgebaut. An den Gesamtkosten beteiligte sich der Stadtbezirksbeirat Nordwest aus seinem Budget mit 5.000 Euro.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Stadtbezirksbeirats Nordwest kann die vorgeschlagene Neubenennung dazu beitragen, den neu gestalteten Erholungsort zu einem identit\u00e4tsstiftenden Bestandteil der Sternsiedlung zu machen. Denn der Architekt der namensgebenden aneinandergereihten sechseckigen Reihenh\u00e4user in der Sternsiedlung war Rudolf Wilhelm Emil Ladewig, geb. am 30.4.1893 in Brodersdorf bei Rostock, verhaftet am 22.3.1945 in Hamburg, geh\u00e4ngt am 23.4.1945 im KZ Neuengamme.<\/p>\n<p>Er war u. a. Erster Architekt der Stadt Reichenbach im Vogtland und entwickelte hier neben anderen Bauten seine erste Sternsiedlung. Rudolf Ladewig befasste sich u.a. mit dem Entwurf von neuartigen Haustypen, die sich durch au\u00dferordentliche Wirtschaftlichkeit, eine einwandfreie Raumanordnung und gute Ausstattung auszeichneten. Die Sternsiedlungen wurden zu seinem Markenzeichen.<\/p>\n<p>Ab 1934 konnte Rudolf Ladewig aus \u2018rassischen\u2019 und politischen Gr\u00fcnden nicht mehr ungehindert seiner Arbeit nachgehen, u.a. da er mit einer J\u00fcdin verheiratet war. Er verlie\u00df Deutschland, arbeitete kurzzeitig in Sofia\/Bulgarien und zog dann mit seiner Familie nach Hamburg. Rudolf Ladewig galt als konservativer Sozialdemokrat und war in der \u2018KdF-Gruppe\u2019 aktiv. Das Namensk\u00fcrzel deckte sich absichtlich mit der nationalsozialistischen Parole \u2018Kraft durch Freude\u2019, stand aber f\u00fcr \u2018Kampf dem Faschismus\u2019 .<\/p>\n<p>Ihr Ziel war die Bek\u00e4mpfung des Nationalsozialismus, die Schaffung einer demokratischen Regierung und sp\u00e4ter die Beendigung des Krieges. Die KdF-Gruppe entstand bereits vor dem Krieg aus einem losen Freundeskreis in Hamburg, zu dem nach und nach weitere Gegner des NS-Regimes aus allen gesellschaftlichen Schichten stie\u00dfen.<\/p>\n<p>1939\/1940 entstand eine Verbindung zu Widerstandskreisen in Leipzig, die neue Impulse nach Hamburg brachte. Die Gruppe versteckte verfolgte Widerstandsk\u00e4mpfer ebenso wie j\u00fcdische Kinder, half Ausl\u00e4ndern mit Lebensmittelkarten und ver\u00fcbte verschleierte Produktionssabotagen.<\/p>\n<p>Ab 1942\/1943 bestanden auch (Funk-)Kontakte anderen Widerstandsgruppen in Deutschland, D\u00e4nemark, Schweden, England und der Schweiz. Durch den massiven Einsatz von V-Leuten nach dem 20. Juli 1944 bekam die Gestapo immer mehr Hinweise auf die KdF-Gruppe, die in der Hamburger Widerstandsbewegung einen bedeutenden Platz einnahm. Ab dem 23. Oktober 1944 wurde Rudolf Ladewig trotz einer Schwerbesch\u00e4digung aus dem Ersten Weltkrieg als Bauarbeiter bei einem Architekten arbeitsverpflichtet.<\/p>\n<p>Rudolf Ladewig wurde durch einen Gestapo-Spitzel denunziert und zusammen mit seinen Kindern und seiner Freundin am 22. M\u00e4rz 1945 verhaftet und in das Gestapogef\u00e4ngnis Fuhlsb\u00fcttel gebracht. Ihre Namen standen auf der sogenannten Liquidationsliste, auf der 71 Menschen zur Vernichtung vorgemerkt waren. Sie wurden am 20. April 1945 aufgrund eines R\u00e4umungsplans des Gef\u00e4ngnisses f\u00fcr den Fall der Ann\u00e4herung alliierter Streitkr\u00e4fte zusammen mit anderen Gefangenen der KdF-Gruppe in das Konzentrationslager Neuengamme \u00fcberf\u00fchrt. Dort wurden Rudolf Ladewig und die anderen Gefangenen ermordet.<\/p>\n<p>In seiner langj\u00e4hrigen Heimatstadt Hamburg wurde zum Gedenken an Rudolf Ladewig ein Stolperstein verlegt.\u201c<\/p>\n<p>Der Park hat noch keinen Namen<\/p>\n<p>Die Benennung des B\u00fcrgerparks Sternsiedlung nach dem Architekten Rudolf Ladewig w\u00fcrde nicht nur eine Verbindung zwischen der Sternsiedlung und \u2018ihrem\u2019 Erholungsort herstellen. Die in Verbindung hiermit vorgeschlagene Errichtung einer Gedenk- und Informationstafel zum Leben und Wirken von Rudolf Ladewig w\u00fcrde auch zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber NS-Verbrechen beitragen. Und dass der kleine Park noch keinen Namen hat, <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2027307&amp;refresh=false&amp;TOLFDNR=2189111\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">best\u00e4tigte auch das Amt f\u00fcr Statistik und Wahlen.<\/a><\/p>\n<p>\u201eZwar wird die Fl\u00e4che zwischen Louise-Otto-Peters-Allee und Defoestra\u00dfe auf dem Flurst\u00fcck 250\/45 in der Gemarkung M\u00f6ckern im Sprachgebrauch als \u2018B\u00fcrgerpark Sternsiedlung\u2019 bezeichnet, aber offiziell wurde sie nicht benannt, daher handelt es sich bei dem Antrag um eine Neubenennung.<\/p>\n<p>Die Stadtverwaltung stimmt dem Vorschlag zur Benennung grunds\u00e4tzlich zu. In Abstimmung mit dem Amt f\u00fcr Stadtgr\u00fcn und Gew\u00e4sser soll der Sachverhalt zur Pr\u00fcfung an die AG Stra\u00dfenbenennung \u00fcbergeben werden. In diesem Rahmen wird der Namensvorschlag wie \u00fcblich auf seine Geeignetheit gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wird die Aufstellung einer Gedenk- bzw. Informationstafel gepr\u00fcft, sofern entsprechende Haushaltsmittel (ggf. aus dem Stadtbezirksbudget) verf\u00fcgbar sind.\u201c<\/p>\n<p>Da die Ratsversammlung dem Antrag des Stadtbezirksbeirats Nordwest am 25. Februar zustimmte, kann die Benennung des kleinen Parks jetzt Teil der n\u00e4chsten Vorlage f\u00fcr Stra\u00dfenbenennungen f\u00fcr den Stadtrat werden. Dann kann die Benennung nach Rudolf Ladewig auch offiziell werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alles muss seinen geregelten Gang gehen, auch die Benennung von Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen. 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