{"id":84,"date":"2025-03-31T03:34:17","date_gmt":"2025-03-31T03:34:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/84\/"},"modified":"2025-03-31T03:34:17","modified_gmt":"2025-03-31T03:34:17","slug":"wegen-ekrem-imamoglu-will-die-tuerkische-opposition-jetzt-erdogan-treue-konzerne-boykottieren-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/84\/","title":{"rendered":"Wegen Ekrem \u0130mamo\u011flu will die t\u00fcrkische Opposition jetzt Erdo\u011fan-treue Konzerne boykottieren &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Am Samstag um 14.56 Uhr stand der t\u00fcrkische Oppositionsf\u00fchrer in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Istanbul\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Istanbul<\/a> auf der B\u00fchne, neben sich das Marmarameer, vor sich mehrere Hunderttausend Menschen, laut seinen eigenen Angaben sogar 2,2 Millionen, da schaute er auf die Uhr. Sollte der Nachrichtensender NTV bis um 15 Uhr nicht anfangen, die Kundgebung zu \u00fcbertragen, sagte \u00d6zg\u00fcr \u00d6zel, werde sich der Boykottaufruf der Opposition ab sofort auch gegen den Sender richten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">\u201eEs sind die letzten vier Minuten\u201c, sagte \u00d6zel. \u201eWer diesen Platz nicht sieht, dem werde ich die Macht dieses Platzes zeigen.\u201c Er meinte die Macht der Menschenmassen, die am siebten Tag nach der Verhaftung Ekrem \u0130mamo\u011flus zusammengekommen waren, des designierten Pr\u00e4sidentschaftskandidaten der oppositionellen CHP. \u00d6zel ist deren Vorsitzender.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/a71e3863-9441-498e-b5c5-350d5501da01.jpeg\"  class=\"css-y4bre2\"\/>Sie sind viele: Die Proteste nach der Inhaftierung des designierten Pr\u00e4sidentschaftsbewerbers Ekrem \u0130mamo\u011flu halten nun schon seit mehr als einer Woche an. (Foto: HANDOUT\/AFP)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">\u00d6zel sieht seine Aufgabe jetzt darin, aus den Protesten in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/T%C3%BCrkei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">T\u00fcrkei<\/a> eine Bewegung zu formen, die anh\u00e4lt. Seit die t\u00fcrkische Justiz gegen \u0130mamo\u011flu vorgegangen ist, ihn von der Polizei hat abholen und inhaftieren lassen, erlebt das Land die gr\u00f6\u00dften Demonstrationen seit jenen im Istanbuler Gezipark im Sommer 2013. Allerdings gehen diesmal auch Menschen auf die Stra\u00dfe, die damals z\u00f6gerten, es sind nicht allein linke Proteste. Auf den Stra\u00dfen sind sie \u00fcberzeugt, dass Pr\u00e4sident Erdo\u011fan pers\u00f6nlich seinen popul\u00e4ren Herausforderer verhaften lie\u00df.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Der Pr\u00e4sident ist von der Wucht der Reaktion offenbar \u00fcberrascht und setzt wohl nach wie vor darauf, dass die Proteste abklingen und dass \u0130mamo\u011flu in Vergessenheit geraten wird, bis es ohnehin erst 2028 zu Wahlen kommen soll. Dieses Kalk\u00fcl will Oppositionsf\u00fchrer \u00d6zel durchkreuzen. Das Land soll im Ausnahmezustand bleiben, solange \u0130mamo\u011flu nicht freikommt. Wichtig dabei ist eine Boykottkampagne. Am Samstag, als die Vier-Minuten-Frist um war, lie\u00df \u00d6zel NTV wissen, dass die Anh\u00e4nger der Opposition von nun an nicht nur den Sender boykottieren w\u00fcrden. Sie sollen, so \u00d6zel, auch die Konzerne meiden, die bei NTV werben. Dasselbe gilt f\u00fcr andere Erdo\u011fan-treue Kan\u00e4le wie ATV oder das staatliche TRT, die \u00d6zels Kundgebung ignorierten.<\/p>\n<p>Die CHP glaubt, Boykotte sind dauerhafter als Proteste<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Inzwischen boykottieren die Gegner des Pr\u00e4sidenten eine ganze Reihe von Unternehmen, die entweder in Verbindung zu Erdo\u011fan stehen oder denen regierungstreue Medien geh\u00f6ren. Auf der Liste stehen nicht nur Firmen wie die Kaffeekette \u201eEspressolab\u201c oder die Buchl\u00e4den von \u201eD&amp;R\u201c, sondern auch Volkswagen und Audi, deren t\u00fcrkischer Vertrieb \u00fcber die Do\u011fu\u015f Holding l\u00e4uft \u2013 ihr geh\u00f6rt der Sender NTV.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">In der CHP glauben sie, dass sich ein Boykott l\u00e4nger durchhalten l\u00e4sst als t\u00e4gliche Stra\u00dfenproteste. Au\u00dferdem k\u00f6nnte wirtschaftlicher Druck den Pr\u00e4sidenten noch mehr st\u00f6ren. Einerseits, weil er mit Erdo\u011fan befreundete Unternehmer trifft, also den Machtapparat. Andererseits, weil Erdo\u011fans Partei, die AKP, wegen der Wirtschaftskrise vor einem Jahr schon die Kommunalwahlen verlor. Boykottaufrufe und politische Instabilit\u00e4t machen es Erdo\u011fan schwer, Investoren ins Land zu holen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Den Anh\u00e4ngern der Opposition gibt das Boykottieren das Gef\u00fchl, dass sie ein Mittel gegen den Pr\u00e4sidenten gefunden haben, nachdem es bisher die Regierung war, die bestimmte Medien auszuschalten versuchte. Erst vergangene Woche sprach sie gegen \u201eS\u00f6zc\u00fc TV\u201c ein zehnt\u00e4giges Sendeverbot aus, weil der Sender \u00d6zg\u00fcr \u00d6zels Reden \u00fcbertragen hatte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Der CHP-Chef verk\u00fcndete am Wochenende, dass die Partei von nun an zweimal die Woche zu Gro\u00dfveranstaltungen laden werde: immer mittwochs in wechselnden Stadtteilen von Istanbul und samstags in wechselnden St\u00e4dten. Au\u00dferdem startete er eine Unterschriftenaktion f\u00fcr \u0130mamo\u011flus Freilassung und Neuwahlen. Auch damit will \u00d6zel die Demos der Studentinnen und Studenten unterst\u00fctzen und verhindern, dass der Druck auf die Regierung abnimmt.<\/p>\n<p>Freie Tage zum Zuckerfest verhindern die Demonstrationen nicht<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Der Pr\u00e4sident dagegen hatte zum Ende des Ramadans spontan die Feiertage verl\u00e4ngert und den Staatsbediensteten die ganze kommende Woche freigegeben. Wohl in der Hoffnung, dass sich viele Privatfirmen anschlie\u00dfen und die Menschen zu ihren Familien aufs Land fahren w\u00fcrden, sodass es auf den Stra\u00dfen ruhiger wird.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Aktuell macht die T\u00fcrkei allerdings nicht den Eindruck, als w\u00fcrde es so kommen. \u00a0Laut einer Umfrage des Konda-Instituts halten 73 Prozent der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger die Proteste f\u00fcr gerechtfertigt. Regierungsvertreter, die auf X frohe Feiertage w\u00fcnschen, bekommen w\u00fctende Antworten. \u201eIhnen besonders w\u00fcnsche ich keine sch\u00f6nen Feiertage\u201c, schreibt eine Frau unter einen Post von Erdo\u011fans Sprecher. Ein Mann schreibt, er denke an die Familien, deren Kinder demonstrierten und nun die Feiertage in Untersuchungshaft verbringen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-tvdgj3\">Anderswo ist X auch noch f\u00fcr Satire gut. Ein Account parodiert die PR-Abteilung von \u201eEspresso Lab\u201c, der vom Boykott betroffenen Kaffeekette. \u201eGer\u00f6stet mit AKP-Schnurrbart\u201c, steht in dem Profil, eine Anspielung auf die bei Erdo\u011fan-Anh\u00e4ngern beliebte Gesichtsbehaarung. Es ist solche H\u00e4me, die sich nun gegen den Pr\u00e4sidenten entl\u00e4dt. Und gegen seine Baristi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Samstag um 14.56 Uhr stand der t\u00fcrkische Oppositionsf\u00fchrer in Istanbul auf der B\u00fchne, neben sich das Marmarameer,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":85,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[147,146,13,145,148,14,15,16,144,12,149,10,8,9,11,143],"class_list":{"0":"post-84","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-ausland","9":"tag-demokratie","10":"tag-headlines","11":"tag-istanbul","12":"tag-leserdiskussion","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-politik","16":"tag-recep-tayyip-erdogan","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-sueddeutsche-zeitung","19":"tag-top-news","20":"tag-top-meldungen","21":"tag-topmeldungen","22":"tag-topnews","23":"tag-tuerkei"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/85"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}