{"id":840904,"date":"2026-03-03T21:50:20","date_gmt":"2026-03-03T21:50:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/840904\/"},"modified":"2026-03-03T21:50:20","modified_gmt":"2026-03-03T21:50:20","slug":"kommunalwahl-acht-kandidaten-ringen-in-der-ihk-um-wiesbaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/840904\/","title":{"rendered":"Kommunalwahl: Acht Kandidaten ringen in der IHK um Wiesbaden"},"content":{"rendered":"<p>Zw\u00f6lf Parteien und lange Stimmzettel: In Wiesbaden wird um Geld, Verkehr und Digitalisierung gerungen \u2013 und um das Bild der Stadt von morgen.<\/p>\n<p>Zwei Wochen vor der <strong>Kommunalwahl<\/strong> verdichtete sich in der <strong><a href=\"https:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/ihk-wiesbaden\" type=\"post_tag\" id=\"1335\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Industrie- und Handelskammer Wiesbaden<\/a><\/strong> noch einmal alles, was diesen Wahlkampf pr\u00e4gt: ellenlange Stimmzettel, volle Terminkalender und Erwartungen. Acht Kandidatinnen und Kandidaten sa\u00dfen auf dem Podium, 15 Parteien stehen am 15. M\u00e4rz zur Wahl \u2013 und <strong>Moderator Stefan Schr\u00f6der<\/strong> erinnerte das Publikum gleich zu Beginn daran, wie viel Gestaltungsmacht in dieser Abstimmung steckt.<\/p>\n<p>\u201eSie wissen, wo die Schlagl\u00f6cher sind\u201c, sagte er, halb augenzwinkernd, halb ernst. Die Kommunalpolitik sei keine abstrakte \u00dcbung. <strong>Sie entscheide \u00fcber Schulwege, Gewerbegebiete, Baustellen, Buslinien. <\/strong>Und sie fordere Geduld \u2013 nicht zuletzt in der Wahlkabine, die f\u00fcr die langen Stimmzettel eigentlich zu klein sei.<\/p>\n<p>Gastgeber <strong>J\u00f6rg Br\u00f6mer<\/strong>, Pr\u00e4sident der IHK, spannte den Bogen zur Wirtschaft. In der Kommune w\u00fcrden die Weichen gestellt, sagte er. Wer hier regiert, beeinflusse Genehmigungszeiten, Infrastruktur und Investitionsklima. Holger Balz vom Handwerk sekundierte: <strong>Man arbeite \u201ean den Wurzeln\u201c, nicht im fernen Berlin<\/strong><\/p>\n<p>Geld ist nicht alles \u2013 aber ohne Geld geht nichts<\/p>\n<p>Als die Diskussion auf die Finanzen zusteuerte, r\u00fcckte das Publikum gedanklich n\u00e4her an Tabellen und Haushaltspl\u00e4ne. Zahlen schaffen Klarheit \u2013 und Streit.<\/p>\n<p>145 Millionen Euro f\u00fcr Wiesbaden, 91 Millionen f\u00fcr den Kreis aus Bundesmitteln. Auf den ersten Blick klingt das nach einem warmen Geldregen. Doch im kommunalen Ma\u00dfstab schrumpfen solche Summen schnell<strong>. Allein gro\u00dfe Schulneubauten verschlingen dreistellige Millionenbetr\u00e4ge, Stra\u00dfensanierungen und Kita-Ausbau kosten zweistellige Millionen pro Projekt<\/strong>. Was wie ein finanzieller Befreiungsschlag wirkt, entpuppt sich im Haushaltsplan als kr\u00e4ftiger, aber begrenzter Impuls.<\/p>\n<p><strong>Silas Gottwald<\/strong> (SPD) versuchte, die Dimension einzuordnen. Das Geld reiche \u201ef\u00fcr anderthalb Schulen\u201c, sagte er \u2013 ein Satz, der h\u00e4ngen blieb. Er wollte damit zweierlei deutlich machen: Erstens, dass die Mittel willkommen sind. Zweitens, dass sie die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen nicht beheben. <strong>Wiesbaden m\u00fcsse investieren, aber zugleich vorsorgen<\/strong>. R\u00fccklagen seien kein Selbstzweck, sondern Sicherheitsnetz in unsicheren Zeiten. Gerade volatile Gewerbesteuereinnahmen zeigten, wie schnell gute Jahre kippen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Fraktionsvorsitzende der CDU-Rathausfraktion <strong>Daniela Georgi<\/strong> (CDU) nahm den Ball auf, sie spielte ihn aber anders. F\u00fcr sie lag das Kernproblem weniger auf der Einnahmeseite als auf der Ausgabenseite. <strong>Wiesbaden verf\u00fcge \u00fcber solide Einnahmen<\/strong>, doch die Stadt habe in den vergangenen Jahren Strukturen geschaffen, die dauerhaft Kosten verursachten. <strong>Doppelzust\u00e4ndigkeiten, zus\u00e4tzliche Dezernate, neue Projekte<\/strong> \u2013 vieles sei politisch gewollt, aber nicht immer finanziell nachhaltig. Man m\u00fcsse Priorit\u00e4ten setzen, nicht alles zugleich verfolgen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Daniela-Georgi-2-1024x683.jpg\" alt=\"Daniela Georgi \u00a92026 Volker Watschounek&#10;\" class=\"wp-image-150809\"  \/><\/p>\n<p>Damit r\u00fcckte die klassische Konfliktlinie ins Zentrum: Investieren oder konsolidieren? Wachstum durch Ausgaben oder Stabilit\u00e4t durch Begrenzung?<\/p>\n<p><strong>Ingo von Seemen<\/strong> (Linke) und Stellv. Vorsitzender im Ausschuss f\u00fcr Soziales widersprach der These vom reinen Ausgabenproblem vehement. <strong>Ein Gro\u00dfteil der sogenannten Sozialausgaben seien Pflichtleistungen oder Gelder, die die Stadt lediglich verwalte und weiterreiche<\/strong>. Wer dort k\u00fcrze, spare nicht abstrakt im Etat, sondern konkret bei Menschen \u2013 bei Familien, bei Bed\u00fcrftigen, bei Bildungseinrichtungen. Gesundsparen funktioniere in der kommunalen Realit\u00e4t selten. Probleme w\u00fcrden nicht gel\u00f6st, sondern verschoben.<\/p>\n<p>Den deutlichsten Kontrast setzte <strong>Denis Seldenreich<\/strong> (AfD). Er sprach von einem strukturellen Defizit und kritisierte, dass Haushalte bereits mit Fehlbetr\u00e4gen eingebracht w\u00fcrden. <strong>F\u00fcr ihn liegt der Schl\u00fcssel in einer konsequenten Begrenzung des Personalwuchses und einer grundlegenden Aufgabenpr\u00fcfung<\/strong>. Weniger freiwillige Leistungen, weniger neue Stellen \u2013 das sei der Weg zu soliden Finanzen.<\/p>\n<p>Alexander M\u00fcller (FDP) w\u00e4hlte einen anderen Ansatz. Er stellte nicht nur die Frage nach der H\u00f6he der Ausgaben, sondern nach ihrer Effizienz. <strong>Warum, so fragte er, arbeite die Verwaltung nicht konsequenter mit digitalen Verfahren und K\u00fcnstlicher Intelligenz?<\/strong> Wenn Prozesse automatisiert und standardisiert w\u00fcrden, k\u00f6nnten Entscheidungen schneller fallen und Personal gezielter eingesetzt werden. F\u00fcr ihn bedeutet Haushaltsdisziplin nicht nur K\u00fcrzen, sondern Modernisieren.<\/p>\n<p>Geld ist nicht alles \u2013 aber ohne Geld geht nichts<\/p>\n<p>Als es um die Finanzen ging, wurde der Ton sachlicher, aber nicht leiser. <strong>Wiesbaden erh\u00e4lt 145 Millionen Euro aus Bundesmitteln<\/strong>, der Kreis 91 Millionen. Eine Summe, die zun\u00e4chst gro\u00df klingt, sich aber im Haushalt schnell relativiert.<\/p>\n<p><strong>Silas Gottwald<\/strong> (SPD) ordnete ein, das Geld reiche etwa \u201ef\u00fcr anderthalb Schulen\u201c erkl\u00e4rte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Weiter, \u2013 es sei hilfreich, l\u00f6se aber keine strukturellen Probleme. Die Stadt m\u00fcsse R\u00fccklagen bilden und zugleich investieren. <strong>Daniela Georgi<\/strong> (CDU) griff den Faden auf, zog ihn aber in eine andere Richtung. Sie sagte, das Wiesbaden weniger ein Einnahmen- als ein Ausgabenproblem habe. Die Strukturen, die zuletzt aufgebaut wurden, k\u00f6nne man sich auf Dauer nicht leisten.<\/p>\n<p><strong>Ingo von Seemen<\/strong> (Linke) widersprach der Vorstellung vehement und \u00e4u\u00dferte, dass man sich einfach gesundsparen k\u00f6nne. <strong>Viele Sozialausgaben seien Pflichtaufgaben oder durchlaufende Posten<\/strong>. Wer hier k\u00fcrze, verschiebe Probleme nur. Zudem w\u00fcrde es sich die CDU zu leicht machen und falsche Zahen zu Grunde legen. Man m\u00fcsse die Ausgaben differenzierten betrachten, die Mittel, die vom Bund getragen werden, abziehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen sch\u00e4rfte <strong>Denis Seldenreich<\/strong> (AfD) den Kontrast. Er sprach von einem strukturellen Defizit und forderte, <strong>Personalaufbau zu stoppen<\/strong>. Alexander M\u00fcller (FDP) ging einen Schritt weiter und fragte, <strong>warum die Verwaltung nicht konsequenter auf K\u00fcnstliche Intelligenz setze<\/strong>. Technik k\u00f6nne Prozesse vorbereiten, Entscheidungen beschleunigen und Personal entlasten.<\/p>\n<p>So verschoben sich die Linien: zwischen Sparappell und Investitionsversprechen, zwischen Reform und R\u00fcckbau.<\/p>\n<p>Verkehr als Nerv der Stadt<\/p>\n<p>Beim Thema Infrastruktur kippte die Atmosph\u00e4re im Saal von sachlich zu sp\u00fcrbar pers\u00f6nlich. <strong>Baustellen, F\u00f6rderampeln, Radwege<\/strong> \u2013 das sind in Wiesbaden keine abstrakten Schlagworte, sondern t\u00e4gliche Wegbegleiter. Man merkte es am zustimmenden Nicken, am leisen Seufzen. Fast jeder im Publikum schien eine eigene Geschichte mitgebracht zu haben: vom morgendlichen Stau am ersten Ring, vom Lieferwagen, der keinen Parkplatz findet, vom Radweg, der pl\u00f6tzlich endet.<\/p>\n<p><strong>Daniela Georgi<\/strong> (CDU) zeichnete das Bild einer Stadt, die sich im Dickicht paralleler Baustellen selbst ausbremse. Viele Autofahrer empf\u00e4nden die aktuelle Verkehrspolitik als Zumutung, sagte sie. Nicht weil sie grunds\u00e4tzlich gegen Ver\u00e4nderung seien, sondern weil sie fehlende Abstimmung erlebten. Wenn Hauptachsen gleichzeitig aufgerissen w\u00fcrden, leide nicht nur der Pendler, sondern auch das Handwerk, der Einzelhandel, der Lieferverkehr. <strong>Georgi forderte deshalb einen zentralen Baustellenmanager<\/strong> \u2013 eine Instanz, die Ma\u00dfnahmen b\u00fcndelt, Zeitpl\u00e4ne koordiniert und vor allem fr\u00fchzeitig kommuniziert. Planung, so ihr Argument, m\u00fcsse sichtbar werden, bevor der Bagger rollt.<\/p>\n<p><strong>Gesine Bonnet<\/strong> (Gr\u00fcne\/B\u00fcndnis 90) hielt dagegen und verschob den Fokus. Man k\u00f6nne nicht jahrelang von Klimaschutz, W\u00e4rmewende und moderner Infrastruktur sprechen und gleichzeitig erwarten, dass alles ger\u00e4uschlos ablaufe. Wer Leitungen f\u00fcr Fernw\u00e4rme verlege, Stromnetze ert\u00fcchtige und Stra\u00dfen saniere, greife zwangsl\u00e4ufig in den Alltag ein. Das eigentliche Problem liege tiefer: <strong>\u201eWir haben schlicht zu viele Autos in der Stadt\u201c<\/strong>, lie\u00df sich ihre Haltung zusammenfassen. Wenn jede und jeder weiterhin allein im eigenen Wagen unterwegs sei, sto\u00dfe die Stadt an ihre Grenzen \u2013 r\u00e4umlich wie klimatisch. <strong>Deshalb m\u00fcsse man den Umstieg f\u00f6rdern und auch wollen<\/strong>: durch besseren \u00d6PNV, sichere Radwege und verl\u00e4ssliche Alternativen. Einschr\u00e4nkungen seien kein Selbstzweck, sondern Teil eines \u00dcbergangs.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gesine-Bonnet-1024x683.jpg\" alt=\"Gesine Bonnet \u00a92026 Volker Watschounek&#10;\" class=\"wp-image-150810\"  \/><\/p>\n<p>Damit hatte sich die Debatte von der Frage einzelner Baustellen zur Grundsatzfrage der Fl\u00e4chenverteilung verschoben. Wem geh\u00f6rt die Stra\u00dfe? Wie viel Raum r\u00e4umt eine Stadt dem ruhenden Verkehr ein? Wie organisiert man Gewerbeansiedlung, ohne neue Blechlawinen zu produzieren?<\/p>\n<p><strong>Achim Sprengard<\/strong> (Volt) griff diesen Gedanken auf und verband ihn mit wirtschaftlicher Perspektive. <strong>Neue Gewerbegebiete d\u00fcrften nicht nach dem Muster der 1990er-Jahre geplant werden<\/strong> \u2013 gro\u00dfe Parkfl\u00e4chen, breite Zufahrten, lange Wege ohne Busanschluss. Wer heute Fl\u00e4chen ausweise, m\u00fcsse Mobilit\u00e4t, Energieversorgung und Klimastandards von Anfang an integrieren. <strong>Nachhaltigkeit sei kein ideologischer Zusatz, sondern Standortfaktor.<\/strong> Unternehmen achteten zunehmend auf \u00f6kologische Rahmenbedingungen, Fachkr\u00e4fte ebenso.<\/p>\n<p>Den Gegenpol markierte <strong>Denis Seldenreich<\/strong> (AFD). F\u00fcr ihn steht das Auto weiterhin im Zentrum der Mobilit\u00e4t. Fahrspuren weiter zu verengen oder Tempolimits auszuweiten, halte er f\u00fcr den falschen Weg. Die Stadt d\u00fcrfe individuelle Mobilit\u00e4t nicht systematisch erschweren. <strong>In seiner Lesart behindern ideologisch motivierte Eingriffe den Verkehrsfluss und damit auch wirtschaftliche Aktivit\u00e4t<\/strong>.<\/p>\n<p>Zwischen diesen Positionen blieb wenig Raum f\u00fcr Kompromissformeln. Doch gerade darin lag die Klarheit dieses Abends: Es geht nicht nur um Baustellenpl\u00e4ne oder Ampelschaltungen. Es geht um die Frage, welches Bild von Stadt sich durchsetzt \u2013 eine, <strong>die das Auto verteidigt, oder eine, die es neu einordnet<\/strong>.<\/p>\n<p>Digitalisierung als Versprechen \u2013 und Risiko<\/p>\n<p>Im letzten Themenblock verschob sich die Debatte vom Asphalt ins Serverrack. <strong>Was zuvor nach Schlagloch und Stau geklungen hatte, drehte sich nun um Schnittstellen, Aktenf\u00fchrung und Algorithmen<\/strong>. Doch auch hier ging es nicht um Technik um der Technik willen, sondern um eine grunds\u00e4tzliche Frage: Wie soll ein Staat im 21. Jahrhundert funktionieren?<\/p>\n<p>Mehrere Kandidaten zeichneten das Bild einer Verwaltung, die <strong>so zug\u00e4nglich ist wie ein Online-Shop<\/strong> \u2013 rund um die Uhr erreichbar, ohne Medienbr\u00fcche, ohne das gef\u00fcrchtete \u201eBitte reichen Sie Unterlagen nach\u201c. Der Vergleich war bewusst gew\u00e4hlt. Wer sonntags ein Paket bestellen k\u00f6nne, m\u00fcsse auch einen Antrag stellen k\u00f6nnen, ohne auf \u00d6ffnungszeiten zu warten.<\/p>\n<p><strong>Alexander M\u00fcller<\/strong> (FDP) entwarf die Vision einer Verwaltung, die Antr\u00e4ge digital entgegennimmt, automatisch pr\u00fcft und mit Hilfe von K\u00fcnstlicher Intelligenz vorbereitet. \u201eWarum nutzt die private Wirtschaft KI \u2013 und die Verwaltung nicht?\u201c, hatte er bereits in der Finanzrunde gefragt. F\u00fcr ihn liegt der Schl\u00fcssel in standardisierten Prozessen: <strong>Die Maschine strukturiert, der Mensch entscheidet<\/strong>. Das spare Zeit, entlaste Personal und beschleunige Verfahren, etwa bei Baugenehmigungen oder Gewerbeanmeldungen.<\/p>\n<p>Doch kaum war das Bild einer schlanken, automatisierten Stadtverwaltung gezeichnet, meldete sich der Einwand. <strong>Ingo von Seemen<\/strong> (Linke) warnte davor, Digitalisierung als Allheilmittel zu begreifen. <strong>Verwaltung sei nicht nur Dienstleister, sondern auch sozialer Raum<\/strong>. Nicht jeder k\u00f6nne oder wolle Formulare online ausf\u00fcllen, nicht jeder verf\u00fcge \u00fcber die n\u00f6tige Technik oder Kompetenz. Wenn der Staat sich ausschlie\u00dflich ins Digitale zur\u00fcckziehe, riskiere er neue Ausschl\u00fcsse. Analoge Wege m\u00fcssten erhalten bleiben \u2013 als Angebot, nicht als Relikt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Silas-Gottwald-1024x683.jpg\" alt=\"Silas Gottwald \u00a92026 Volker Watschounek&#10;\" class=\"wp-image-150808\"  \/><\/p>\n<p><strong>Silas Gottwald<\/strong> (SPD) bem\u00fchte sich, beide Perspektiven zu verbinden. Er verwies auf den sogenannten<strong>\u201eHamburg-Standard,<\/strong> ein Modell zur Entb\u00fcrokratisierung im Bauwesen. Dort habe man Vorschriften \u00fcberpr\u00fcft, vereinfacht und unn\u00f6tige Anforderungen gestrichen. <strong>Das Ziel sei nicht nur Digitalisierung, sondern Entschlackung<\/strong>. Prozesse m\u00fcssten einfacher werden, bevor man sie digitalisiere. Sonst \u00fcbertrage man nur komplizierte Verfahren ins Internet \u2013 und beschleunige den Frust.<\/p>\n<p>Zwischen Begeisterung f\u00fcr KI und Skepsis gegen\u00fcber ihrer sozialen Wirkung kristallisierte sich eine gemeinsame Einsicht heraus: Der demografische Wandel setzt die Verwaltung unter Druck. In den kommenden Jahren gehen Hunderte Besch\u00e4ftigte in Ruhestand. Viele Stellen lassen sich kaum neu besetzen. <strong>Schon heute klagen \u00c4mter \u00fcber Fachkr\u00e4ftemangel, lange Bearbeitungszeiten, \u00fcberlastete Hotlines<\/strong>.<\/p>\n<p>Am Ende stand weniger eine fertige L\u00f6sung als ein Spannungsfeld: zwischen Effizienz und Teilhabe, zwischen Algorithmus und Ansprechpartner. Die Stadt der Zukunft, so viel wurde deutlich, wird digitaler sein. Ob sie auch gerechter und zug\u00e4nglicher wird, h\u00e4ngt nicht allein von der Software ab \u2013 sondern von politischen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Was soll Wiesbaden sein?<\/p>\n<p>Zum Ende des Abends stellte <strong>Stefan Schr\u00f6der<\/strong> eine Frage, die gr\u00f6\u00dfer war als jede Einzelma\u00dfnahme, gr\u00f6\u00dfer als jede F\u00f6rderampel und jede Haushaltsspalte: <strong>Was soll Wiesbaden sein?<\/strong> Eine Kongressstadt mit internationaler Strahlkraft? Eine digitale Modellkommune, die Verwaltung neu denkt? Eine Stadt im Gr\u00fcnen, die ihre Parks und W\u00e4lder zum Markenzeichen erhebt? Oder eine wirtschaftsstarke Drehscheibe im Rhein-Main-Gebiet, die Investoren anzieht und Arbeitspl\u00e4tze sichert?<\/p>\n<p>Die Antworten mal als knackige Slogans, oder als tastende Selbstvergewisserung. Wiesbaden solle lebenswert bleiben, sagten mehrere. Zukunftsf\u00e4hig m\u00fcsse es sein. Sozial gerecht. Familienfreundlich. Wirtschaftlich dynamisch. Nachhaltig sowieso.<\/p>\n<p>Man h\u00f6rte den Wunsch nach Wachstum \u2013 und die Mahnung zur Ma\u00dfhaltung. Man h\u00f6rte das Bekenntnis zur Wirtschaft \u2013 und die Forderung nach sozialer Balance. Man h\u00f6rte die Sehnsucht nach einer Stadt, die modern wird, ohne sich selbst zu verlieren.<\/p>\n<p>Gerade weil keine dieser Visionen allein stehen blieb, zeigte sich die eigentliche Spannung: <strong>Wiesbaden ist vieles zugleich<\/strong>. Kurstadt mit Tradition. Verwaltungsstandort. Wohnort f\u00fcr Pendler. Heimat f\u00fcr Handwerk und Mittelstand. Teil einer Metropolregion, die Druck erzeugt \u2013 auf Fl\u00e4chen, auf Mieten, auf Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine \u201eStadt im Gr\u00fcnen\u201c klingt einladend, doch sie braucht Gewerbefl\u00e4chen, um Einnahmen zu sichern. Eine \u201edigitale Stadt\u201c verspricht Effizienz, darf aber niemanden abh\u00e4ngen. Eine \u201eKongressstadt\u201c lebt vom internationalen Publikum, muss aber auch bezahlbaren Wohnraum f\u00fcr ihre eigenen B\u00fcrger schaffen.<\/p>\n<p>Vielleicht lag genau darin die Ehrlichkeit dieses Abends: Niemand pr\u00e4sentierte das eine, alles erkl\u00e4rende Zukunftsbild. Stattdessen wurde deutlich, dass Politik in Wiesbaden vor allem Abw\u00e4gung bedeutet. Zwischen Wachstum und Bewahrung. Zwischen Tempo und R\u00fccksicht. Zwischen Innovation und Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Zwei Wochen bleiben bis zur Wahl. Rund 250.000 Wahlberechtigte in der Stadt, weitere 150.000 im Kreis. Sie halten keine einfache Ja-Nein-Entscheidung in der Hand, sondern einen langen Stimmzettel mit vielen M\u00f6glichkeiten. <strong>Sie k\u00f6nnen kumulieren, panaschieren, gewichten. Sie k\u00f6nnen Nuancen w\u00e4hlen.<\/strong><\/p>\n<p>Foto  \u2013 Blick aufs Podium \u00a92026 Wiesbaden lebt<\/p>\n<p>Weitere Nachrichten aus dem\u00a0<strong>Ortsbezirk Mitte<\/strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/mitte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">lesen Sie hier<\/a>.<\/p>\n<p>Mehr von der\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.ihk.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">IHK Wiesbaden<\/a><\/strong>\u00a0hier<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/0ed56ec2418a4cb2bcaa6e55e26ecc1a.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zw\u00f6lf Parteien und lange Stimmzettel: In Wiesbaden wird um Geld, Verkehr und Digitalisierung gerungen \u2013 und um das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":840905,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1847],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,13,2052,144184,57747,525,14,15,37230,12,4544],"class_list":["post-840904","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wiesbaden","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-germany","tag-headlines","tag-hessen","tag-ihk-wiesbaden","tag-kommunalwahl-2026","tag-mitte","tag-nachrichten","tag-news","tag-podiumsdiskussion","tag-schlagzeilen","tag-wiesbaden"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116167457624890050","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/840904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=840904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/840904\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/840905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=840904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=840904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=840904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}