{"id":841761,"date":"2026-03-04T05:52:19","date_gmt":"2026-03-04T05:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/841761\/"},"modified":"2026-03-04T05:52:19","modified_gmt":"2026-03-04T05:52:19","slug":"die-bilanz-eines-bundestagsmandats-in-35-begegnungen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/841761\/","title":{"rendered":"Die Bilanz eines Bundestagsmandats in 35 Begegnungen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Ostdeutsche k\u00f6nnen auch anders: Das bewiesen die Einwohner von Halle, als sie den Naturwissenschaftler, Netzwerker und begeisterten Kleing\u00e4rtner Karamba Diaby 2013 erstmals in den Bundestag w\u00e4hlten. Dort vertrat er seine Heimatstadt Halle (an der Saale) drei Legislaturperioden lang. Im Sommer 2024 gab er dann bekannt, dass er nicht noch einmal f\u00fcr ein Bundestagsmandat antreten werde. Aber wie sieht so eine Bilanz f\u00fcr elfeinhalb Jahre im Bundestag eigentlich aus? Stoff f\u00fcr eine R\u00fcckschau.<\/p>\n<p>Die organisierte Andrej Stephan, Historiker von Beruf und von 2015 bis 2025 Wahlkreismitarbeiter von Karamba Diaby. Was Wahlkreismitarbeiter so alles machen und erleben, das wird in den Beitr\u00e4gen in diesem Buch auch erz\u00e4hlt. Es sind lauter Beitr\u00e4ge von Mitstreitern, Wegbegleitern, Freunden und Unterst\u00fctzern des SPD-Bundestagsabgeordneten, aber auch von Menschen, deren Initiativen und Anliegen in diesen elfeinhalb Jahren sp\u00fcrbare Unterst\u00fctzung durch ihren Abgeordneten in Berlin bekamen.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/f2138745a4114e799e402e97c334a19e.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/03\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/03\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Denn in Berlin werden nun einmal auch Entscheidungen gef\u00e4llt f\u00fcr die Wahlkreise, aus denen die Abgeordneten kommen. Und man merkt in diesen Wahlkreisen sehr wohl, ob ihre Abgeordneten zum Beispiel um F\u00f6rdergelder und Ansiedlungen k\u00e4mpfen oder eben nicht.<\/p>\n<p>Das geht nur mit jeder Menge Geduld und etwas, was dem im Senegal geborenen Karamba Diaby ganz offensichtlich in die Wiege gelegt wurde: sein enormes Talent, im Gespr\u00e4ch sofort Vertrauen herzustellen und Kontakte zu kn\u00fcpfen. Eine Eigenschaft, die auch hilft, wenn man in eine politische Laufbahn einsteigt, was Diaby ja wiederum nicht in die Wiege gelegt wurde.<\/p>\n<p>Nach Deutschland kam er 1985, um hier ein Chemiestudium aufzunehmen, was ihn 1989 nach Halle f\u00fchrte. 1996 legte er seine Promotion vor, deren Thema die Schwermetallbelastung in den B\u00f6den von Kleingartenanlagen war. Die Liebe zum Kleingarten lie\u00df ihn bis heute nicht los. Selbst in seinen Wahlk\u00e4mpfen w\u00e4hlte er die gr\u00fcnen Oasen in seinem Hallenser Wahlbezirk immer wieder f\u00fcr Gespr\u00e4chsformate.<\/p>\n<p>In Zeiten entfesselter Medien<\/p>\n<p>Auch dadurch machte er sich vor Ort einen Namen, wurde geradezu zum Gesicht seiner Heimatstadt. Und zeigte einfach durch seine Pr\u00e4senz, dass der Osten nicht das ist, als was er in den gro\u00dfen westdeutschen Medien immer wieder gemalt wird. Und auch Halle hatte in den Mainstream-Medien dieses finstere Image verpasst bekommen. Das war so sch\u00f6n bequem. Da musste man nicht hinfahren und sich mit den komplexen Gemengelagen in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr durfte man dann elf Jahre lang staunen, dass ein Mann wie Karamba Diaby f\u00fcr Halle im Bundestag sa\u00df, sich dort in mehreren Gremien profilierte und sich auch nicht einsch\u00fcchtern lie\u00df, wenn es zunehmend Anschl\u00e4ge auf seine Hallenser Wahlkreisb\u00fcros gab und die Drohungen in den \u201eSocial media\u201c immer aggressiver wurden.<\/p>\n<p>Diese Drohungen, so sagte er am Ende, seien nicht der wesentliche Grund gewesen, dass er nicht noch einmal f\u00fcr den Bundestagswahlkampf antrat. Aber sie spielten eben doch eine Rolle. Sie erz\u00e4hlen von einer Gesellschaft, in der v\u00f6llig entfesselte Medien das Schlechteste und Schlimmste in den Menschen befeuern \u2013 von der Politikerverachtung bis hin zum Rassismus.<\/p>\n<p>Dass die Leute, die auf den dort gepflegten Furor aufspringen, in der Regel gar nichts wissen \u00fcber die Arbeit von Politikern im Allgemeinen und Bundestagsabgeordneten im Speziellen, macht die Sache nicht besser. Ahnungslosigkeit ist f\u00fcr nichts eine Entschuldigung. Und wer sich jetzt in die vielen kleinen Beitr\u00e4ge in diesem Buch st\u00fcrzt, bekommt ein wenig mit, wie stressig und arbeitsintensiv das Leben eines Bundestagsabgeordneten ist.<\/p>\n<p>Erst recht, wenn er nicht nur auf den Ausschusssitzungen und Plenartagungen in Berlin rotiert, sondern auch jede Gelegenheit wahrnimmt, in seinem Wahlkreis pr\u00e4sent zu sein und sogar mal Kittel oder Blaumann anzieht, um in die Rolle der ganz normalen Erwerbst\u00e4tigen zu schl\u00fcpfen. \u201ePerspektivwechsel\u201c nennen das jene Abgeordneten, die das tats\u00e4chlich machen und dabei mit kleinen und gr\u00f6\u00dferen Gewerbetreibenden, Besch\u00e4ftigten und Kunden ins Gespr\u00e4ch kommen. Ein geradezu unerl\u00e4ssliches Korrektiv f\u00fcr die \u201eBlase Berlin\u201c.<\/p>\n<p>Die ignorierte Vielfalt des Ostes<\/p>\n<p>Und diese Kontakte hat Diaby genauso gepflegt, wie er sich in mehreren Vereinen und Initiativen engagierte, sich f\u00fcr Kleingartenvereine, das alte Stadtbad, die Freiwillige Feuerwehr und das THW interessierte. Oder sogar die Schaffung einer neuen Wetterstation in Halle-Zw\u00f6nitz, \u00fcber die in diesem Band der ber\u00fchmte Wettermann J\u00f6rg Kachelmann selbst schreibt.<\/p>\n<p>Aber auch SPD-Schwergewichte aus dem Bund und aus Halle, wo Diaby auch eine Zeit lang Mitglied des Stadtrates war, kommen zu Wort. Manche haben ihre Beitr\u00e4ge als Dankesschreiben formuliert. Auch etliche der Menschen, die Diaby in dieser Zeit als Mitarbeiter\/-innen begleiteten und einen Mann erlebten, der sich auch um seine Praktikanten und Wahlkreismitarbeiter k\u00fcmmerte.<\/p>\n<p>Was doppelt wichtig wurde, als sich die aggressiven Wortmeldungen in den \u201eSocial Media\u201c h\u00e4uften, die nun einmal nicht der Abgeordnete als erster abbekam, sondern die jungen Leute, die seine Accounts betreuten.<\/p>\n<p>Da und dort klingt an, welch eine Belastung dieser entfesselte Hass f\u00fcr die Menschen ist, die mit ihm umgehen m\u00fcssen. Ein Hass, der auch zupappt, dass der Osten viel vielf\u00e4ltiger ist, als er in der Sicht dieser Posting-Verfasser aussieht. Oder in der Sicht jener Journalisten, die sich immer nur auf die Rechtsextremisten im Osten konzentrieren, aber die lebendige Gemeinschaft au\u00dferhalb der rechten Blasen meistens ignorieren. Und damit schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Auch deshalb ist dieses Buch wichtig, weil es zeigt, dass es abseits der rechten Blasen eine sehr lebendige Demokratie im Osten gibt. Und dass es Menschen wie Karamba Diaby braucht, die dieser Vielfalt eine Stimme geben und mit ihrer offenherzigen Art auch zeigen, dass sich Demokraten nicht einsch\u00fcchtern lassen d\u00fcrfen. Oder gar wegducken und den verlogenen Argumenten der Rechtsextremen auf den Leim gehen.<\/p>\n<p>Aber dazu braucht man Haltung und Mut. Und beides bescheinigen die Autor\/-innen in diesem Buch ihrem Abgeordneten. Und so nebenbei wird das Buch eben auch eine Art Bilanz f\u00fcr elfeinhalb Jahre Arbeit im Bundestag. Nicht nur f\u00fcr Halle.<\/p>\n<p><strong>Andrej Stephan (Hrsg.) \u201eKaramba Diaby. Ackern f\u00fcr (H)Alle\u201c<\/strong>, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2025, 24 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ostdeutsche k\u00f6nnen auch anders: Das bewiesen die Einwohner von Halle, als sie den Naturwissenschaftler, Netzwerker und begeisterten Kleing\u00e4rtner&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":841762,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[7358,1180,3364,146,29,548,663,3934,30,4062,17332,13,14,15,1803,17331,860,12],"class_list":{"0":"post-841761","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-biografie","9":"tag-bundestag","10":"tag-de","11":"tag-demokratie","12":"tag-deutschland","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europe","16":"tag-germany","17":"tag-halle","18":"tag-halle-saale","19":"tag-headlines","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-rezension","23":"tag-saale","24":"tag-sachsen-anhalt","25":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116169352686467757","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/841761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=841761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/841761\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/841762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=841761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=841761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=841761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}