{"id":841808,"date":"2026-03-04T06:19:15","date_gmt":"2026-03-04T06:19:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/841808\/"},"modified":"2026-03-04T06:19:15","modified_gmt":"2026-03-04T06:19:15","slug":"stahlbranche-ein-industriepolitischer-fehler-von-historischem-ausmass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/841808\/","title":{"rendered":"Stahlbranche: Ein industriepolitischer Fehler von historischem Ausma\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Die EU will die Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten ankurbeln. Woher der gr\u00fcne Stahl kommt, spielt jedoch keine Rolle. Das w\u00e4re keine Klimapolitik, sondern Standortverzicht. Gerade die heimische Stahlbranche braucht ein Bekenntnis zu Made in Europe.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Welt wird zunehmend unsicherer. Geopolitische Spannungen nehmen zu, Handelskonflikte versch\u00e4rfen sich, und globale Lieferketten erweisen sich als verletzlich. Kriege und protektionistische Tendenzen machen aktuell schmerzhaft deutlich, wie abh\u00e4ngig Europa in strategisch wichtigen Bereichen geworden ist. In einer solchen Lage wird wirtschaftliche Resilienz zur sicherheitspolitischen Notwendigkeit.  <\/p>\n<p>Europa steht an einem Wendepunkt. Der Kontinent kann entscheiden, ob er die industrielle Transformation aus eigener Kraft gestaltet \u2013 oder ob er sie an andere Weltregionen delegiert. Der neue <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article69a0257f2ec70d30f18fe33f\/buerokratie-in-der-eu-das-koenne-keiner-mehr-ueberblicken-kritisiert-katherina-reiche.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article69a0257f2ec70d30f18fe33f\/buerokratie-in-der-eu-das-koenne-keiner-mehr-ueberblicken-kritisiert-katherina-reiche.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Industrial Accelerator Act <\/a>(IAA) der EU soll die Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten ankurbeln und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit sichern. Doch im entscheidenden Moment droht Br\u00fcssel, zentrale Prinzipien preiszugeben: Nachhaltigkeit ja \u2013 aber ohne das Bekenntnis zu Made in Europe. <\/p>\n<p>Genau das w\u00e4re ein industriepolitischer Fehler von historischem Ausma\u00df. Wenn Europa seine eigenen Mittel einsetzt, um <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/themen\/stahl\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.businessinsider.de\/themen\/stahl\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Stahl<\/a> jenseits seiner Grenzen zu f\u00f6rdern, statt die Herstellung klimafreundlicher Materialien in der Union zu sichern, untergr\u00e4bt es seine strategische Handlungsf\u00e4higkeit. Denn die Stahlindustrie ist kein Randthema \u2013 sie ist Fundament und R\u00fcckgrat europ\u00e4ischer Wertsch\u00f6pfung: f\u00fcr Br\u00fccken, Bahnen, Netze, Windr\u00e4der, die Automobilproduktion und die Verteidigungsf\u00e4higkeit. <\/p>\n<p>Allein in Deutschland h\u00e4ngen vier Millionen Arbeitspl\u00e4tze an stahlintensiven Ketten, 80.000 Menschen arbeiten direkt in der Branche. Wer hier Produktionskapazit\u00e4ten aufgibt, verliert Innovationskraft, Besch\u00e4ftigung und industrielles R\u00fcckgrat. Das w\u00e4re nicht Klimapolitik, sondern Standortverzicht.<\/p>\n<p>Ohne verbindliche Made-in-EU-Kriterien drohen aus Leitm\u00e4rkten f\u00fcr saubere Technologien reine Importm\u00e4rkte zu werden. Ein Irrweg, der teuer wird \u2013 wirtschaftlich wie politisch. <\/p>\n<p>Denn der Hebel ist gewaltig: \u00d6ffentliche Auftr\u00e4ge in der EU summieren sich auf \u00fcber zwei Billionen Euro j\u00e4hrlich. Wenn bei dieser gewaltigen Nachfrage nur CO\u2082-Kriterien gelten, aber keine Resilienzkriterien, st\u00e4rkt die EU sehenden Auges au\u00dfereurop\u00e4ische Anbieter \u2013 und schw\u00e4cht jene Unternehmen, die hier mit enormem Aufwand in klimafreundliche Produktion investieren. <\/p>\n<p>Andere setzen l\u00e4ngst auf strategische Industriepolitik. Die USA verkn\u00fcpfen Subventionen konsequent mit heimischer Fertigung, Indien nutzt gezielt die \u00f6ffentliche Beschaffung, um eigene Kapazit\u00e4ten aufzubauen. Die OECD warnt vor \u00dcberkapazit\u00e4ten in Drittstaaten bis 2027 \u2013 und Europa schaut zu? <\/p>\n<p>Die Wettbewerbsbedingungen sind l\u00e4ngst nicht mehr neutral. Nur ein naiver Kontinent verzichtet freiwillig darauf, seine Nachfrage zur Standortst\u00e4rkung zu nutzen. <\/p>\n<p>Es geht nicht um Protektionismus, sondern um strategische Koh\u00e4renz. Europa kann Klimaschutz, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Fairness im Binnenmarkt miteinander vereinbaren \u2013 durch Transparenz, klare Kriterien und das Prinzip Gegenseitigkeit im Marktzugang. Das ist keine Abschottung, sondern Selbstbehauptung.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung, namentlich Bundeskanzler Merz, hat beim <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus690886345f5942646b2a9861\/stahlgipfel-ueberfluessig-oder-unverzichtbar-die-wahrheit-ueber-den-deutschen-stahl.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus690886345f5942646b2a9861\/stahlgipfel-ueberfluessig-oder-unverzichtbar-die-wahrheit-ueber-den-deutschen-stahl.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stahlgipfel 2025<\/a> ein starkes Signal gesetzt und sich klar zu EU-Pr\u00e4ferenzregelungen f\u00fcr emissionsarmen Stahl bekannt. Dieses Mandat muss sie nun in Br\u00fcssel entschlossen vertreten. <\/p>\n<p>Denn wenn Europa die Transformation finanziert, aber die Produktion verliert, bleiben am Ende leere Fabriken und verschobene Investitionen. Nachhaltigkeit braucht Herkunft. Nur wenn Klimaschutz und industrielle Wertsch\u00f6pfung zusammengedacht werden, kann eine klimaneutrale Industrie entstehen, die stark, souver\u00e4n und europ\u00e4isch ist.<\/p>\n<p>Kerstin Maria Rippel ist Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, J\u00fcrgen Kerner ist Zweiter Vorsitzender der IG Metall<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU will die Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten ankurbeln. 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