{"id":842890,"date":"2026-03-04T16:21:23","date_gmt":"2026-03-04T16:21:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/842890\/"},"modified":"2026-03-04T16:21:23","modified_gmt":"2026-03-04T16:21:23","slug":"rembrandt-und-co-der-traum-vom-wiederentdeckten-meisterwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/842890\/","title":{"rendered":"Rembrandt und Co. \u2013 Der Traum vom wiederentdeckten Meisterwerk"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die Vision von Zacharias im Tempel&#8220; wurde zur Traumerf\u00fcllung eines Privatsammlers. Denn nach ausf\u00fchrlichen Untersuchungen im Rijksmuseum in Amsterdam steht fest: Was in den 1960er Jahren als Gem\u00e4lde aus der Werkstatt oder dem Umfeld des Malers erworben worden war, gilt jetzt als echter, eigenh\u00e4ndiger Rembrandt.<\/p>\n<p>Einst das Reich der Kunsthistoriker<\/p>\n<p>Vor sechzig Jahren herrschten noch Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker \u00fcber die Echtheits-Zuschreibungen an gro\u00dfe Meister. In der Regel waren das die AutorInnen der Werkverzeichnisse, oft im Rahmen von Universit\u00e4ts-Abschlussarbeiten. Sie urteilten nach dem Augenschein und aus Erfahrung, nach bestem Wissen und Gewissen. Im Fall von Rembrandt bestimmte das allm\u00e4chtige Research Project zwischen 1968 und 2014 \u00fcber die Echtheit der Kunst. Viele einstmals als echte Werke geltende Gem\u00e4lde wurden damals aussortiert, zum Beispiel der ber\u00fchmte &#8222;Mann mit dem Goldhelm&#8220;, mit dem Berlin sogar seine Touristenwerbung betrieben hatte.<\/p>\n<p>Naturwissenschaften werden wichtiger<\/p>\n<p>Heute wird die Macht der Kunsthistorikerinnen aber zunehmend durch den Einfluss sehr verfeinerter naturwissenschaftlicher Analysen relativiert. Der neue alte Rembrandt ist auf eine Holztafel gemalt: Die Dendrochronologie kann anhand der Wachstumsringe des Holzes auf das Jahr genau das Entstehungsdatum der Tafel bestimmen. Einzelne Bildabschnitte werden exakt gescannt und mit R\u00f6ntgenstrahlen oder Infrarot-Reflektografie untersucht. Daran erkennt man die Struktur und die Schichtung der Farben. UV-Licht zeigt, wo eventuell Restauratoren schon einmal gearbeitet haben. Und nat\u00fcrlich lassen sich die Farben auch chemisch analysieren.<\/p>\n<p>Als der aktuelle Besitzer des &#8222;Zacharias&#8220;-Bildes das Werk privat restaurieren lie\u00df und dabei eine Rembrandt-Signatur aufgetaucht ist, die bisher unter braunem Firnis verschwunden war, wandte er sich an die Werkst\u00e4tten des Rijksmuseums in Amsterdam. Mit dem sensationellen Ergebnis.<\/p>\n<p>Teuerstes Bild der Welt einst unerkannt<\/p>\n<p>Eine solche Entwicklung ist aber nicht einmalig. Das vermeintlich von Leonardo da Vinci stammende Gem\u00e4lde des &#8222;Salvator Mundi&#8220; wurde 2017 f\u00fcr 450 Millionen Dollar in New York versteigert. Es ist weiterhin das teuerste Bild der Welt. 1958 hatte es noch auf einer anderen Auktion in Gro\u00dfbritannien ganze 45 Pfund gekostet. Doch danach kamen einige &#8222;Zwischenbesitzer&#8220;, die den Salvator immer st\u00e4rker mit Leonardo in Verbindung gebracht haben. Und eine Restauratorin, die dem zweifellos alten Bild das zuvor vielleicht unter Schmutz versteckte, aber auf jeden Fall schmerzlich vermisste Sfumato verliehen hat, das typische Leuchten um die vom Renaissancegenie gemalten Personen.<\/p>\n<p>Unbemerkt in der M\u00fcnchner Residenz<\/p>\n<p>Manchmal hilft aber auch der wiederholte kunsthistorische Blick: Als 2024 die Alte Pinakothek in M\u00fcnchen ihre Ausstellung \u00fcber die venezianische Malerei vorbereitet hat, interessierte man sich f\u00fcr ein M\u00e4nner-Doppelbildnis, das schon seit Jahrzehnten fast unbemerkt in den &#8222;Gr\u00fcnen R\u00e4umen&#8220; der Residenz in M\u00fcnchen gehangen hatte. Nach einer kunsthistorisch-naturwissenschaftlichen Untersuchung steht inzwischen fest: Das Gem\u00e4lde zeigt die Freunde Giovanni Borgherini und Trifone Gabriele und stammt von niemand geringerem als dem legend\u00e4ren und fr\u00fch verstorbenen Maler Giorgione. Ein ungeheurer Zugewinn f\u00fcr die Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen.<\/p>\n<p>Original statt Kopie<\/p>\n<p>Und auch dem Germanischen Nationalmuseum in N\u00fcrnberg ist vor der Jahrtausendwende ein \u00e4hnlicher Triumph gelungen. Rembrandts &#8222;Selbstbildnis mit Halsberge&#8220;, ein Jugendwerk von 1629, hatte immer als sehr viel sp\u00e4tere Kopie des Originals im Mauritshuis in Den Haag gegolten. Bis Claus Grimm, damals Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, 1998 mit anderen Fachleuten entdeckte: N\u00fcrnberg besitzt das Original und Den Haag die Zweitversion. Bisher best\u00e4tigen das auch alle naturwissenschaftlichen Untersuchungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Die Vision von Zacharias im Tempel&#8220; wurde zur Traumerf\u00fcllung eines Privatsammlers. 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