{"id":844523,"date":"2026-03-05T07:39:24","date_gmt":"2026-03-05T07:39:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/844523\/"},"modified":"2026-03-05T07:39:24","modified_gmt":"2026-03-05T07:39:24","slug":"strasse-von-hormus-trumps-sicherheitsplan-fuer-den-welthandel-und-seine-risiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/844523\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfe von Hormus: Trumps Sicherheitsplan f\u00fcr den Welthandel \u2013 und seine Risiken"},"content":{"rendered":"<p>Die USA wollen Schiffe im Persischen Golf mittels staatlicher Risikoversicherung sch\u00fctzen \u2013 und mit der Marine. Die beauftragte Stelle f\u00fcr die Policen gr\u00fcndete US-Pr\u00e4sident Donald Trump einst selbst. Experten bezweifeln, dass das Vorhaben gelingen kann.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Weniger als 24 Stunden nach der Ank\u00fcndigung zeigte sich, wie heikel das gesamte Vorhaben ist. Noch am Dienstag sagte US-Pr\u00e4sident Donald Trump, er werde den gesamten Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutsame Stra\u00dfe von Hormus mit finanziellen Garantien absichern und notfalls von Kriegsschiffen begleiten lassen \u2013 nachdem der Iran angedroht hatte, jedes Schiff zu beschie\u00dfen, das die Durchfahrt antrete.<\/p>\n<p>Gegen sp\u00e4ten Nachmittag am Mittwoch dann: Sch\u00fcsse auf ein beladenes Frachtschiff. Die \u201eSaafen Prestige\u201c, ein Containerschiff, das unter der Flagge Maltas f\u00e4hrt und das saudi-arabische Jeddah ansteuerte, wurde laut der britischen Beh\u00f6rde f\u00fcr maritime Sicherheit (UKMTO) in H\u00f6he des Maschinenraums getroffen. Der Beschuss durch iranische Streitkr\u00e4fte l\u00f6ste einen Brand im Maschinenraum aus, das Schiff hatte rund 1800 Container geladen. <\/p>\n<p>Zuvor erkl\u00e4rte der Iran, man habe die \u201evollst\u00e4ndige Kontrolle\u201c \u00fcber den strategisch enorm wichtigen Wasserweg. Der Verkehr kam seit Beginn der Woche weitgehend zum Erliegen, was <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article69a7f0d2563ae9c42dea3c2f\/iran-krieg-dieselpreis-springt-ueber-2-euro-marke-das-ist-reine-abzocke-sagt-der-tankstellenverband.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article69a7f0d2563ae9c42dea3c2f\/iran-krieg-dieselpreis-springt-ueber-2-euro-marke-das-ist-reine-abzocke-sagt-der-tankstellenverband.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00f6rsenkurse fallen und Benzinpreise steigen lie\u00df<\/a>. Auch die chinesische Reederei Cosco stellte ihre Fahrten durch die Stra\u00dfe von Hormus vorerst ein \u2013 China gilt als einer der wichtigsten Verb\u00fcndeten des Irans. Das Land bezieht mehr als 40 Prozent seines \u00d6lbedarfs aus dem Iran, umgekehrt liefert der Iran fast 90 Prozent seines \u00d6ls nach China.<\/p>\n<p>Hunderte Frachter und Tanker liegen nun fest, zehntausende Seeleute m\u00fcssen an Bord der Schiffe ausharren, ohne dass sich eine L\u00f6sung andeutet. Gro\u00dfe Kriegsrisikoversicherer <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus69a6f4ff0d924a7f0f934792\/iran-krieg-ende-der-schifffahrt-kriegsrisiko-deckung-jetzt-droht-eine-neue-inflation.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus69a6f4ff0d924a7f0f934792\/iran-krieg-ende-der-schifffahrt-kriegsrisiko-deckung-jetzt-droht-eine-neue-inflation.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">haben ihre Policen f\u00fcr Fahrten durch die Region schlagartig gek\u00fcndigt, als die Lage im Iran eskalierte<\/a>. Gleichzeitig schie\u00dfen seit einigen Tagen die Preise f\u00fcr Brent-\u00d6l und Fl\u00fcssiggas nach oben, weil etwa ein F\u00fcnftel des weltweit gehandelten \u00d6l- und LNG-Volumens normalerweise durch die rund 34 Kilometer breite Meerenge flie\u00dft.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Trump will nun eine L\u00f6sung gefunden haben. \u201eEgal, was passiert, die Vereinigten Staaten werden den FREIEN FLUSS von ENERGIE in die WELT sicherstellen\u201c, k\u00fcndigte er an. \u201eFalls erforderlich, wird die US-Marine so bald wie m\u00f6glich damit beginnen, Tanker durch die Stra\u00dfe von Hormus zu eskortieren\u201c, schrieb er auf Truth Social. Zudem habe er die United States Development Finance Corporation (DFC) angewiesen, staatliche politische Risikoversicherungen und Finanzgarantien f\u00fcr maritime Transporte anzubieten, vor allem f\u00fcr Energielieferungen durch die Region.<\/p>\n<p>Die DFC mit Sitz in Washington D.C. ist eine Art staatliche Entwicklungsbank, die in Trumps erster Amtszeit durch den BUILD Act geschaffen wurde und seither private Investitionen in Schwellenl\u00e4ndern absichert. Durch die neue Aufgabe soll sie faktisch als Kriegsversicherer f\u00fcr einen der gef\u00e4hrlichsten Seewege der Welt auftreten. Trump verspricht Reedereien eine Deckung \u201ezu einem sehr vern\u00fcnftigen Preis\u201c. Details zu Pr\u00e4mien und Haftungsobergrenzen nennt das Wei\u00dfe Haus jedoch nicht. Politische Risikoversicherungen werden \u00fcblicherweise auf Basis regionaler Gef\u00e4hrdung berechnet \u2013 und im Persischen Golf sind diese Raten wegen der aktuellen Gefechte explosionsartig gestiegen.<\/p>\n<p>Preise d\u00fcrften weiter steigen<\/p>\n<p>Unklar ist zudem, wie weit der Schutzschirm der USA \u00fcberhaupt reichen wird. Trump schrieb in seinem Post von Sicherheitsgarantien der DFC f\u00fcr den \u201eGESAMTEN maritimen Handel, insbesondere Energie\u201c, die bald f\u00fcr \u201ealle Reedereien\u201c verf\u00fcgbar seien. Sein eigener Finanzminister, Scott Bessent, ruderte noch am Mittwoch zur\u00fcck. Dem Sender CNBC sagt er, dass die DFC die Versicherung f\u00fcr die Roh\u00f6ltanker und Frachtschiffe \u00fcbernehmen wolle und k\u00fcndigte \u201eweitere Ma\u00dfnahmen\u201c an. Von Milit\u00e4reins\u00e4tzen hingegen sprach er nicht.<\/p>\n<p>Klar ist: Ob Milit\u00e4rschutz oder nicht \u2013 die Versicherung f\u00fcr Schiffe d\u00fcrfte teuer werden, als bisher. Und das d\u00fcrfte aller Voraussicht nach die Preise f\u00fcr die Waren- und Energielieferungen auf den Schiffen erh\u00f6hen. \u201eAufgrund dieser sich schnell entwickelnden Lage erh\u00f6hen die Versicherer ihre Pr\u00e4mien oder lehnen es in einigen F\u00e4llen f\u00fcr Schiffe, die die Stra\u00dfe von Hormus passieren, sogar ab, derzeit Konditionen anzubieten\u201c, so David Smith, Leiter des Schiffsversicherungsmaklers McGill and Partners gegen\u00fcber dem Sender al-Dschasira. Die gestiegenen Pr\u00e4mien f\u00fcr Risikoversicherungen, an denen sich auch die DFC orientieren d\u00fcrfte, k\u00f6nnten zus\u00e4tzliche Kosten in H\u00f6he von Hunderttausenden von Dollar f\u00fcr jede einzelne Lieferung beuten, warnt Smith. <\/p>\n<p>Der heftige Beschuss der \u201eSaafen Prestige\u201c zeigt zudem: Die staatliche Absicherung des Schiffsverkehrs vonseiten der Amerikaner bleibt bislang nur eine Absichtsbekundung, Reedereien k\u00f6nnen mit den \u00c4u\u00dferungen Trumps wenig anfangen. Sollten die USA tats\u00e4chlich aus staatlichen Mitteln Garantien \u00fcbernehmen, w\u00fcrde dies den US-Haushalt in die Pflicht nehmen: Sch\u00e4den an Schiffen, Ladungen oder Umweltsch\u00e4den k\u00f6nnen bei einem einzelnen schweren Vorfall unter Umst\u00e4nden mehrere hundert Millionen Dollar kosten. <\/p>\n<p>Noch heikler sind die Ausgaben f\u00fcr die Kosten potenzieller US-Marineeins\u00e4tze: Der laufende Betrieb eines Zerst\u00f6rers oder Flugzeugtr\u00e4gers, inklusive Personal, Treibstoff und Munition, summiert sich schnell auf Hunderte Millionen Dollar pro Schiff \u2013 je nach Dauer und Intensit\u00e4t des Einsatzes. Und bis letzte Woche fuhren allein um die 80 Containerschiffe durch die Stra\u00dfe von Hormus \u2013 jeden Tag. <\/p>\n<p>Trumps Ank\u00fcndigungen seien daher \u201ewahrscheinlich eher ein Konzept als ein ausgearbeiteter Plan\u201c, sagt Helima Croft, ehemalige CIA-Mitarbeiterin und nun Analystin bei RBC Capital Markets. Croft weist gegen\u00fcber der \u201eFinancial Times\u201c darauf hin, dass ein solcher Schutz milit\u00e4risch und logistisch nicht kurzfristig realisierbar sei. Operational durchdacht sei das Ganze eher nicht. <\/p>\n<p>Auch Josh Tallis vom Forschungsinstitut vom Center for Naval Analyses in Virginia bewertet die Situation kritisch. Es sei \u201eunwahrscheinlich, dass die US-Marine kommerzielle Schiffe innerhalb der n\u00e4chsten sieben bis zehn Tage effektiv sch\u00fctzen k\u00f6nnte\u201c, so Tallis gegen\u00fcber der \u201eTimes\u201c. Aus dem simplen Grund, dass viele der amerikanischen Schiffe aktuell in den Angriffen auf den Iran gebunden seien und gar nicht zur Verf\u00fcgung stehen und ein Gro\u00dfteil der restliche Flotte im Pazifik liegt. <\/p>\n<p>Auch die Flottenchefin von Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Reederei Hapag-Lloyd, Silke Lehmk\u00f6ster, glaubt nicht an einen schnellen milit\u00e4rischen Schutz von Handelsschiffen. \u201eDie Hoffnung ist gro\u00df, aber unsere Erwartung ist relativ gering\u201c, sagte Lehmk\u00f6ster dem \u201eSpiegel\u201c. Die Marineschiffe seien angesichts des Krieges \u201emit anderen Dingen besch\u00e4ftigt, anstatt uns Geleitschutz zu geben\u201c.  Es br\u00e4uchte \u00fcberall ein Marineschiff, wo auch nur ein Handelsschiff ist, so die Kapit\u00e4nin. \u201eWenn man das auf die Anzahl der Schiffe im Persischen Golf hochskaliert, merkt man schnell, dass das schwierig ist.\u201c <\/p>\n<p>Bei Historikern wiederum erwecken die Ereignisse Erinnerungen an fr\u00fchere Operationen im Golf, etwa der \u201eTankerkrieg\u201c-Phase des Iran-Irak-Krieges in den Achtzigerjahren. Schon damals verschlang der Schutz ziviler Schiffe Milliardenbetr\u00e4ge pro Jahr. Eine viel zitierte Studie des Energie\u00f6konomen Roger Stern sch\u00e4tzt, dass die USA zwischen 1976 und 2007 rund acht Billionen Dollar f\u00fcr die milit\u00e4rische Sicherung des \u00d6lflusses aus dem Golf aufgewendet haben.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen des Krieges auf die Preise sind ein heikles Thema f\u00fcr Trump. Umfragen sehen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus699080cb176308faccdfed9d\/usa-unterschaetzt-keine-angepisste-mutter-in-texas-zeigt-sich-trumps-groesstes-problem.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus699080cb176308faccdfed9d\/usa-unterschaetzt-keine-angepisste-mutter-in-texas-zeigt-sich-trumps-groesstes-problem.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die \u201eAffordability Crisis\u201c mittlerweile als Thema Nummer Eins der Sorgen, die die Amerikaner umtreiben<\/a>. \u201eAb Tag eins meiner Pr\u00e4sidentschaft sinken die Preise\u201c, versprach der Kandidat Trump dem Volk vor der Wahl. Nach mehr als einem Jahr im Amt jedoch zeigt sich: Die Preise f\u00fcr die meisten Lebensmittel, Kosmetika, aber auch Gesundheitsdienstleistungen und Restaurantbesuche steigen weiter, anstatt zu sinken \u2013 auch infolge der grobschl\u00e4chtigen Zoll-Politik. <\/p>\n<p>Die Benzinpreise hingegen sind eine der wenigen Ausnahmen. Kein Wunder, dass Trump bisher keine Gelegenheit auslie\u00df, die deutlich gesunkenen Spritpreise als pers\u00f6nliche Erfolgsgeschichte zu verkaufen. Zwar sind die USA selbst ein gro\u00dfer \u00d6lproduzent. Doch rund ein Drittel des Kraftstoffs wird importiert. <\/p>\n<p>Obwohl nur ein geringer Teil davon aus dem Nahen Osten kommt, zeigen sich bereits Effekte an der Zapfs\u00e4ule. So ist der durchschnittliche Benzinpreis in den USA erstmals seit November wieder \u00fcber die psychologisch wichtige Marke von drei Dollar pro Gallone (etwa 0,68 Euro pro Liter) gestiegen. Experten erwarten einen noch deutlich h\u00f6heren Anstieg. <\/p>\n<p>\u201eBenzinpreise haben eine enorme psychologische Wirkung\u201c, so Mark Malek, Chefanlagestratege beim Broker Siebert Financial gegen\u00fcber der Nachrichtenagentur Reuters. \u201eDas ist der Preis, an dem die Verbraucher die Inflation jeden Tag ablesen.\u201c F\u00fcr Trump birgt die Entwicklung politischen Sprengstoff: Steigende Spritpreise in Kombination mit h\u00f6heren Energiekosten und gest\u00f6rten Lieferketten \u2013 beides Preistreiber \u2013 dr\u00fccken in den USA auf die W\u00e4hlerstimmung und k\u00f6nnten die Chancen der Republikaner bei den Kongresswahlen im November schm\u00e4lern.<\/p>\n<p><b>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201eBusiness Insider Deutschland\u201c erstellt.<\/b><\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-klauth\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-klauth\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Jan Klauth<\/b><\/a><b> ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die USA wollen Schiffe im Persischen Golf mittels staatlicher Risikoversicherung sch\u00fctzen \u2013 und mit der Marine. 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