{"id":845439,"date":"2026-03-05T16:17:18","date_gmt":"2026-03-05T16:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/845439\/"},"modified":"2026-03-05T16:17:18","modified_gmt":"2026-03-05T16:17:18","slug":"naher-osten-nordafrika-iran-krieg-warum-russland-den-konflikt-mit-den-usa-scheut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/845439\/","title":{"rendered":"Naher Osten\/Nordafrika: Iran-Krieg: Warum Russland den Konflikt mit den USA scheut"},"content":{"rendered":"<p>Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran bringt Russland in eine \u00e4u\u00dferst schwierige Lage. Zwar verurteilte das russische Au\u00dfenministerium das Vorgehen der USA und Israels verbal als \u201egeplanten und unprovozierten Akt bewaffneter Aggression\u201c. Aber auf die Ermordung des iranischen Obersten F\u00fchrers, Ayatollah Ali Chamenei, reagierte Wladimir Putin nur privat, in einem Beileidstelegramm an seinen iranischen Amtskollegen Masoud Pezeshkian. Der russische Pr\u00e4sident bezeichnete sie als \u201ezynischen Versto\u00df gegen alle Normen der menschlichen Moral und des V\u00f6lkerrechts\u201c. Die Attent\u00e4ter und deren Drahtzieher nannte er jedoch nicht. Warum so zahm?<\/p>\n<p>Einerseits hat Moskau innerhalb von f\u00fcnfzehn Monaten seinen dritten Verb\u00fcndeten verloren. Zun\u00e4chst wurde in Syrien Baschar al-Assad gest\u00fcrzt, dann folgte die Entf\u00fchrung von Nicol\u00e1s Maduro in Venezuela und nun der Angriff auf den Iran und die Ermordung von Chamenei. In den beiden letzteren F\u00e4llen waren die USA der Hauptakteur.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Donald Trumps R\u00fcckkehr ins Wei\u00dfe Haus war f\u00fcr Putin ein wahrer Gl\u00fccksfall, denn er f\u00e4hrt einen wesentlich kremlfreundlicheren Kurs als die Vorg\u00e4ngerregierungen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Andererseits will der Kreml seine Beziehungen mit den USA ausbauen. Moskau verhandelt aktiv mit Washington, auch \u00fcber die Ukraine. Donald Trumps R\u00fcckkehr ins Wei\u00dfe Haus im Jahr 2025 war f\u00fcr Putin ein wahrer Gl\u00fccksfall, denn er f\u00e4hrt einen wesentlich kremlfreundlicheren Kurs als die Vorg\u00e4ngerregierungen. Deshalb kann es sich der Kremlchef nicht leisten, die USA so scharf zu kritisieren wie 2011, als Putin \u2013 damals russischer Ministerpr\u00e4sident \u2013 die von Barack Obama verantwortete Milit\u00e4roperation in Libyen zur Entmachtung des langj\u00e4hrigen Diktators Muammar Gaddafi einen \u201eneuen Kreuzzug\u201c nannte.<\/p>\n<p>Heute befindet sich der Kremlchef in einer deutlich angreifbareren Position. Mit Maduro hatte er noch im vergangenen Mai ein Abkommen \u00fcber eine strategische Partnerschaft unterzeichnet. Doch Putin verzichtete darauf, die Entf\u00fchrung Maduros selbst zu kommentieren.<\/p>\n<p>Zweifellos wird Putin im Konflikt im Nahen Osten am Ende gezwungen sein, Partei zu ergreifen. Doch f\u00fcr Russland, das trotz verschiedener Meinungsverschiedenheiten normale Beziehungen sowohl zum Iran als auch zu den Vereinigten Staaten und Israel unterh\u00e4lt, w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, dies m\u00f6glichst lange zu vermeiden.<\/p>\n<p>Der Kreml hat auch kein Interesse an einer weiteren Eskalation zwischen der Islamischen Republik und den arabischen Staaten des Persischen Golfs. Denn Moskau hat seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine aufgrund seiner Isolation durch westliche Sanktionen seine Beziehungen zur arabischen Welt weiter gest\u00e4rkt. Insbesondere der Handel zwischen Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten wuchs bereits 2022 um 68 Prozent auf neun Milliarden US-Dollar. 2025 wird er voraussichtlich zw\u00f6lf Milliarden US-Dollar \u00fcbersteigen. Die Emirate sind zu einem der zehn gr\u00f6\u00dften Handelspartner Moskaus avanciert.<\/p>\n<p>Das Volumen der russisch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen liegt lediglich bei vier bis f\u00fcnf Milliarden US-Dollar, doch Iran wurde unmittelbar nach dem Einmarsch in die Ukraine zu Russlands wichtigstem Waffenlieferanten. Der Kreml hat unter anderem mit dem Erwerb iranischer Shahed-136-Drohnen begonnen. Im Gegenzug begn\u00fcgte sich Teheran mit russischer diplomatischer Unterst\u00fctzung in verschiedenen internationalen Foren, etwa im UN-Sicherheitsrat und bei der Internationalen Atomenergie-Organisation.<\/p>\n<p>Moskau hat gegen\u00fcber Teheran keine milit\u00e4rischen Verpflichtungen. Die russisch-iranische Zusammenarbeit hat sich nicht zu einem Milit\u00e4rb\u00fcndnis entwickelt. Laut dem im Januar 2025 unterzeichneten umfassenden strategischen Partnerschaftsvertrag zwischen Russland und Iran besteht die einzige Verpflichtung der Vertragspartner im Kriegsfall darin, nicht Partei f\u00fcr den Feind des jeweils anderen zu ergreifen. Anders als Nordkorea hat Iran keine Truppen in den Ukrainekrieg entsandt. Tats\u00e4chlich hat Iran bisher nicht einmal offiziell best\u00e4tigt, Moskau mit Waffen f\u00fcr dessen Krieg gegen Kiew zu beliefern, und betont immer wieder sein Bekenntnis zur territorialen Integrit\u00e4t der Ukraine.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Teheran wei\u00df seit dem Krieg zwischen Iran und Israel im vergangenen Jahr, dass es bestenfalls auf diplomatische Unterst\u00fctzung Russlands hoffen kann.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Umgekehrt wei\u00df auch Teheran seit dem Krieg zwischen Iran und Israel im vergangenen Jahr, dass es bestenfalls auf diplomatische Unterst\u00fctzung Russlands hoffen kann. Die Waffenlieferungen an Iran sind begrenzt, da Moskau selbst moderne Waffensysteme ben\u00f6tigt, um seine Ziele in der Ukraine zu erreichen. Und die russischen <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/ru\/russia-eurasia\/politika\/2026\/02\/russia-iran-military-support\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Waffen<\/a>, die der Iran erh\u00e4lt, sind nicht geeignet, den Verlauf der milit\u00e4rischen Auseinandersetzung zwischen der Islamischen Republik und ihren Gegnern zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr warfen iranische Offizielle Russland sogar vor, die Lieferungen gezielt einzuschr\u00e4nken oder seine Verpflichtungen \u00fcberhaupt nicht zu erf\u00fcllen. Sie wollten beweisen, dass der Kreml Israel und nicht den Iran unterst\u00fctze. Diese Behauptungen waren teilweise berechtigt, da Moskau in der Tat verhindern wollte, dass russische Waffen nennenswerten Schaden an der israelischen oder der amerikanischen Infrastruktur anrichten.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat Russland in verschiedenen Foren, denen auch der Iran angeh\u00f6rt \u2013 von BRICS bis zur Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit \u2013, die Bildung einer neuen internationalen Ordnung verk\u00fcndet, in der dem sogenannten Globalen S\u00fcden eine besondere Rolle zukommen soll. Tats\u00e4chlich zeigt sich jedoch, dass die USA F\u00fchrer von L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens ungestraft eliminieren k\u00f6nnen, w\u00e4hrend Moskau, das eine F\u00fchrungsrolle in diesem Teil der Welt anstrebt, tatenlos zusieht. Weder im Fall der Entf\u00fchrung Maduros noch bei der Ermordung Chameneis gab es eine einheitliche Linie der L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens.<\/p>\n<p>Im Nahen Osten sind St\u00e4rkedemonstrationen das Einzige, was wirklich respektiert wird. Noch vor zehn Jahren pr\u00e4sentierte Putin stolz die Erfolge russischer Waffen in Syrien, als er seinem Verb\u00fcndeten Assad zu Hilfe kam. Damals bestimmten Moskau und Washington gemeinsam die Zukunft Syriens und der gesamten Region. Heute demonstriert Putin Schw\u00e4che. Er ist nicht mehr in der Lage, seinen Verb\u00fcndeten beizustehen oder auf Augenh\u00f6he mit den USA zu verhandeln. Das beharrliche Schweigen des Kremls gegen\u00fcber Trump und Putins Unf\u00e4higkeit, sich offen gegen das Wei\u00dfe Haus zu stellen, bedeuten f\u00fcr Moskau einen schweren Gesichtsverlust. Und je l\u00e4nger der bewaffnete Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel andauert, je vernichtender er mit einer Niederlage der Mullahs enden wird, desto schwerwiegender wird der Imageschaden f\u00fcr den Kreml sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran bringt Russland in eine \u00e4u\u00dferst schwierige Lage. 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