{"id":847205,"date":"2026-03-06T08:46:15","date_gmt":"2026-03-06T08:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/847205\/"},"modified":"2026-03-06T08:46:15","modified_gmt":"2026-03-06T08:46:15","slug":"8-monate-verzweifelte-suche-so-zeigt-sich-der-aerztemangel-in-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/847205\/","title":{"rendered":"8 Monate verzweifelte Suche: So zeigt sich der \u00c4rztemangel in Bremen"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 6. M\u00e4rz 2026.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nAntonia R\u00fcller<\/p>\n<p>Audio<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Im Fenster ist die Spiegelung einer Frau zu sehen, die telefoniert.\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Im Fenster ist die Spiegelung einer Frau zu sehen, die telefoniert.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/importbild-83426~_v-800x450_c-1772784248571.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/importbild-83426~_v-640x360_c-1772784248571.jpg\"\/><\/p>\n<p>In Bremen einen Termin beim Arzt zu finden, ist teils schwierig \u2013 diese Erfahrung machte auch unsere Reporterin. (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Audio-Ende<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Absagen, Wartezeiten, Stillstand: Die Erfahrung unserer Reporterin zeigt, wie schwierig es geworden ist, \u00fcberhaupt medizinische Hilfe zu bekommen \u2013 und welche strukturellen Probleme dahinterstehen.<\/p>\n<p>Als ich im letzten Mai nach Bremen gezogen bin, bin ich davon ausgegangen, dass ich mir relativ zeitnah einen Hausarzt und eine Facharztpraxis suchen kann. Ich habe eine Vorerkrankung und bin auf regelm\u00e4\u00dfige medizinische Betreuung angewiesen. Acht Monate sp\u00e4ter ist genau das nicht gelungen. <\/p>\n<p>Ich habe zahlreiche Praxen kontaktiert, telefonisch und per E-Mail. Die Antworten \u00e4hneln sich: keine Neuaufnahmen, geschlossene Wartelisten oder sehr lange Wartezeiten. F\u00fcr einen Facharzttermin wurden mir Wartezeiten von bis zu elf Monaten genannt. F\u00fcr Menschen mit chronischen Beschwerden oder unklaren Symptomen ist das kaum eine Perspektive.<\/p>\n<p>116117: Wenn selbst der offizielle Weg ins Leere f\u00fchrt<\/p>\n<p>Mehrfach habe ich versucht, \u00fcber die Terminservicestelle 116117 einen Termin zu bekommen \u2013 mit \u00dcberweisung und Vermittlungscode. Doch auch dort blieb die Suche erfolglos. Selbst in einem Umkreis von 150 Kilometern konnte mir kein Termin angeboten werden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein organisatorisches Problem: Der Vermittlungscode ist jeweils nur eine Woche g\u00fcltig. Wer keinen Termin bekommt, muss sich erneut einen Code ausstellen lassen und den gesamten Prozess von vorn beginnen.<\/p>\n<p>Wie realistisch ist dieses Verfahren f\u00fcr Menschen in einem akuten Krankheitszustand? F\u00fcr Eltern mit kleinen Kindern? F\u00fcr Alleinerziehende oder Menschen, die ohnehin unter hoher Belastung stehen? Schon f\u00fcr gesunde, flexible Personen ist diese Suche aufwendig \u2013 f\u00fcr andere kaum leistbar.<\/p>\n<p>Der Umweg nach NRW \u2013 weil Versorgung dort greifbar ist<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bedeutet die Situation aktuell: Ich lasse mich weiterhin in Nordrhein-Westfalen behandeln. Nicht, weil der Weg k\u00fcrzer w\u00e4re, sondern weil ich dort auf ein bestehendes medizinisches Netzwerk zur\u00fcckgreifen kann.<\/p>\n<p>Termine lassen sich organisieren, Behandlungen fortf\u00fchren. Der Aufwand ist hoch, aber die Versorgung verl\u00e4sslich. Eine M\u00f6glichkeit, die l\u00e4ngst nicht allen offensteht \u2013 und die eigentlich nicht n\u00f6tig sein sollte, wenn medizinische Grundversorgung vor Ort funktioniert.<\/p>\n<p>Warum Bremen besonders unter Druck steht<\/p>\n<p>Rechnerisch gilt Bremen nicht als massiv unterversorgt. Bundesweit kommen im Durchschnitt rund 1.264 Einwohner auf eine Haus\u00e4rztin oder einen Hausarzt, in Bremen sind es etwa 1.369 \u2013 jede Praxis betreut damit mehr Menschen als im Schnitt. <\/p>\n<p>Gleichzeitig weist die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Bremen (KVHB) darauf hin, dass zahlreiche Arztsitze unbesetzt sind. In einer aktuellen Stellungnahme warnt sie davor, dass Bremen ohne gezielte Nachwuchs- und Ausbildungsstrategien die medizinische Versorgung der Zukunft gef\u00e4hrde. Besonders problematisch: Bremen bildet selbst keine \u00c4rztinnen und \u00c4rzte aus und steht im Wettbewerb mit anderen Bundesl\u00e4ndern, die gezielt Anreize f\u00fcr Niederlassungen schaffen. <\/p>\n<p>Hinzu kommt eine demografische Entwicklung, die den Druck weiter erh\u00f6ht. Prognosen zur haus\u00e4rztlichen Versorgung gehen davon aus, dass sich das Verh\u00e4ltnis von Angebot und Bedarf bis 2040 deutlich verschlechtern wird. Der medizinische Bedarf w\u00e4chst \u2013 unter anderem durch eine alternde Bev\u00f6lkerung \u2013 schneller als die verf\u00fcgbare \u00e4rztliche Versorgungszeit. Regionale Engp\u00e4sse d\u00fcrften dadurch weiter zunehmen. F\u00fcr Stadtstaaten wie Bremen bedeutet das: Schon heute bestehende L\u00fccken k\u00f6nnten sich k\u00fcnftig weiter vergr\u00f6\u00dfern. <\/p>\n<p>So wird versucht, gegenzusteuern<\/p>\n<p>Der Bremer Senat und die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Bremen versuchen inzwischen mit verschiedenen Ma\u00dfnahmen gegenzusteuern. In der Stadt Bremen sind derzeit insgesamt rund 15 Hausarztsitze unbesetzt, in Bremerhaven mehr als zehn. Um diese L\u00fccken zu schlie\u00dfen, setzen Beh\u00f6rden und KVHB auf F\u00f6rderprogramme und neue Versorgungsmodelle. <\/p>\n<p>In Bremerhaven soll etwa das Projekt &#8222;Gesundheitshaven&#8220; starten: Dort stellt die KVHB Praxisr\u00e4ume, Personal und Finanzierung bereit, um Haus- und Kinder\u00e4rzte anzusiedeln und langfristig zu halten. Zus\u00e4tzlich gibt es Pr\u00e4mien f\u00fcr \u00c4rzte, die sich niederlassen, sowie Unterst\u00fctzung etwa bei Kinderbetreuung oder Praxisorganisation. <\/p>\n<p>Bei Fach\u00e4rzten ist die Situation komplizierter: Statistisch gilt Bremen mit mehr als 110 Prozent Versorgungsgrad sogar als \u00fcberversorgt. Lange Wartezeiten entstehen trotzdem \u2013 etwa durch eine ungleiche Verteilung von Praxen, Budgetgrenzen bei gesetzlich Versicherten oder zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie im System.<\/p>\n<p>Kann man ankommen, wenn man immer wieder weg muss?<\/p>\n<p>Mein Fall ist l\u00f6sbar, weil ich mobil bin und auf ein bestehendes Netzwerk zur\u00fcckgreifen kann. Doch medizinische Versorgung darf nicht davon abh\u00e4ngen, ob jemand regelm\u00e4\u00dfig quer durch alle Bundesl\u00e4nder fahren kann, um gesund zu bleiben. <\/p>\n<p>Kann man in einer Stadt wirklich ankommen, wenn man sie immer wieder verlassen muss, um seine Gesundheit zu sichern? Und was bedeutet das f\u00fcr all jene, die diese Ausweichm\u00f6glichkeiten nicht haben? Die Frage nach medizinischer Versorgung ist damit mehr als eine statistische. Sie entscheidet dar\u00fcber, wie lebenswert eine Stadt ist \u2013 und f\u00fcr wen.<\/p>\n<p>Video<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Video-Ende<\/p>\n<p>Mehr zum Thema \u00c4rzte in Bremen und Bremerhaven:<\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nBremen Vier, Vier am Morgen, 5. M\u00e4rz 2026, 8:40 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 6. M\u00e4rz 2026. 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