{"id":847382,"date":"2026-03-06T10:24:17","date_gmt":"2026-03-06T10:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/847382\/"},"modified":"2026-03-06T10:24:17","modified_gmt":"2026-03-06T10:24:17","slug":"schulstreik-gegen-wehrpflicht-hunderte-jugendliche-demonstrieren-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/847382\/","title":{"rendered":"Schulstreik gegen Wehrpflicht: Hunderte Jugendliche demonstrieren in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Der Orleansplatz gegen\u00fcber dem M\u00fcnchner Ostbahnhof wirkt an diesem Morgen wie eine B\u00fchne, die auf ihren Auftritt wartet. Es ist neun Uhr, die Sonne scheint, und w\u00e4hrend Jugendliche Plakate beschriften und in Kleingruppen zusammenstehen, umzingeln sieben Polizeifahrzeuge den Platz wie eine Wagenburg. Die Atmosph\u00e4re ist friedlich, doch die Pr\u00e4senz der Beamten sendet eine unmissverst\u00e4ndliche Botschaft. Es ist der 5. M\u00e4rz 2026, drei Monate nachdem das neue Wehrdienstgesetz in Kraft getreten ist, und die Initiative &#8222;Schulstreik gegen die Wehrpflicht\u201d hat zu einer Kundgebung mit anschlie\u00dfender Demonstration aufgerufen.\u00a0<\/p>\n<p>Leonie, 26, Pressesprecherin des B\u00fcndnisses &#8222;Nein zur Wehrpflicht\u201d, steht zwischen den Jugendlichen und wirkt trotz des Polizeiaufgebots entspannt. Beim letzten Streik am 5. Dezember seien es bundesweit 55.000 gewesen, hier in M\u00fcnchen 2.500, sagt sie und f\u00fcgt hinzu: &#8222;Ich hoffe, heute wird es genauso viel, aber ob es mehr werden, zeigt sich erst, wenn wir losgehen.&#8220; Das Polizeiaufgebot kommentiert sie mit leichtem Sarkasmus. &#8222;Anscheinend sind 16-J\u00e4hrige mit Pappschildern so gef\u00e4hrlich, dass sieben Polizeiautos n\u00f6tig sind.&#8220;<\/p>\n<p>KVR: Versammlungsfreiheit wichtiger als Schulpflicht<\/p>\n<p>Paul (19) sitzt im Organisationskomitee und kennt die Schulrealit\u00e4t aus n\u00e4chster N\u00e4he. An seiner Fachoberschule sei Streiken relativ unkompliziert, aber &#8222;wir haben Sch\u00fcler im Komitee, die am Streiktag von ihren Schulen eingesperrt werden. Die Lehrer machen die Tore zu.&#8220; Zwar habe das Kreisverwaltungsreferat entschieden, dass das Recht auf Versammlungsfreiheit h\u00f6her wiegt als die Schulpflicht, doch diese Entscheidung scheint in vielen Schulen nicht angekommen zu sein. Paul l\u00e4sst sich davon nicht abhalten, denn das Thema ist f\u00fcr ihn wichtiger als Schuldisziplinarma\u00dfnahmen: &#8222;Ich bin gegen die Kriegsvorbereitungen dieser Regierung, gegen die Aufr\u00fcstung und gegen die K\u00fcrzungen im Sozialen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie geplant beginnt die Kundgebung um 11 Uhr auf dem Orleansplatz. Die Menschenmenge ist gewachsen: Mehrere hundert Jugendliche \u2013 laut Polizei 600 \u2013 stehen nun auf dem Platz. Als der Demonstrationszug Richtung G\u00e4rtnerplatz aufbricht, kommt es laut der Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke (Die Linke) zu einer Festnahme. Ein Sch\u00fcler, der ein Schild mit der Aufschrift &#8222;Merz, stirb doch selbst an der Ostfront&#8220; trug, sei von Polizeibeamten festgenommen worden.<\/p>\n<p>Veranstalter:innen ziehen positive Bilanz<\/p>\n<p>Pressesprecherin Leonie best\u00e4tigt den Vorfall sp\u00e4ter gegen\u00fcber unserer Redaktion. &#8222;Sie sind in die Menge rein und haben ihn rausgezogen\u201d, berichtet sie. Der Sch\u00fcler habe sich auf den Boden fallen lassen und sei schlie\u00dflich &#8222;rausgetragen&#8220; worden. Offenbar werde ihm &#8222;Beleidigung&#8220; vorgeworfen.<\/p>\n<p>Sie zieht am Ende des Tages trotzdem eine positive Bilanz. In M\u00fcnchen seien am Ende &#8222;\u00fcber 1.200 Streikende\u201d auf der Stra\u00dfe gewesen \u2013 weniger als beim bundesweiten Auftakt im Dezember, aber aus ihrer Sicht dennoch ein Erfolg. Die Stimmung sei &#8222;sehr k\u00e4mpferisch&#8220; gewesen. Viele Jugendliche h\u00e4tten Parolen gerufen, etwa: &#8222;Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft&#8220; oder &#8222;Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft raubt&#8220;.<\/p>\n<p>Es sind Slogans, die auf Demonstrationen dieser Art zuverl\u00e4ssig funktionieren: moralisch eindeutig, rhythmisch einpr\u00e4gsam und politisch so weit gefasst, dass sich vieles darunter einordnen l\u00e4sst. F\u00fcr Leonie ist die Sto\u00dfrichtung dennoch klar. Der Protest richte sich gegen eine Politik der Aufr\u00fcstung und gegen ein Gesetz, das junge Menschen zur milit\u00e4rischen Dienstleistung verpflichten k\u00f6nnte.\u00a0<\/p>\n<p>Wehrpflichtsreform seit Januar<\/p>\n<p>Hintergrund der Proteste ist die seit Januar geltende Reform des Wehrdienstes. Demnach erhalten alle 18-J\u00e4hrigen k\u00fcnftig einen Fragebogen zur m\u00f6glichen Verwendung bei der Bundeswehr. M\u00e4nner m\u00fcssen den Fragebogen verpflichtend ausf\u00fcllen, Frauen freiwillig. Sollte sich daraus nicht gen\u00fcgend Personal rekrutieren lassen, beh\u00e4lt sich die Bundesregierung die Einf\u00fchrung einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor, also eine R\u00fcckkehr zur verpflichtenden Einberufung \u2013 allerdings nur, wenn Freiwillige nicht ausreichen.<\/p>\n<p>Dass am Ende weniger Menschen kamen als beim ersten Streik im Dezember, erkl\u00e4rt Leonie pragmatisch: Es habe diesmal keinen symbolischen Termin gegeben. Im Dezember war das Gesetz zur neuen Wehrpflicht im Bundestag verabschiedet worden. Bundesweit seien dennoch wieder &#8222;mindestens \u00fcber 50.000&#8220; Sch\u00fcler auf die Stra\u00dfe gegangen. F\u00fcr sie ist das ein Zeichen, dass sich der Protest eher verbreitert als abschw\u00e4cht.\u00a0<\/p>\n<p>Die Aktionen wurden von der Initiative &#8222;Schulstreik gegen Wehrpflicht&#8220; organisiert, die bereits im Dezember zu Protesten aufgerufen hatte. Damals gingen nach Angaben der Organisatoren bundesweit rund 55.000 Sch\u00fcler:innen auf die Stra\u00dfe.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Orleansplatz gegen\u00fcber dem M\u00fcnchner Ostbahnhof wirkt an diesem Morgen wie eine B\u00fchne, die auf ihren Auftritt wartet.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":847383,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,685,507,29,30,1635,451,1268,1978],"class_list":{"0":"post-847382","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-bundeswehr","10":"tag-demonstration","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-jugend","14":"tag-militaer","15":"tag-muenchen","16":"tag-schueler"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116181746678138325","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/847382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=847382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/847382\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/847383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=847382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=847382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=847382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}