{"id":847855,"date":"2026-03-06T14:47:17","date_gmt":"2026-03-06T14:47:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/847855\/"},"modified":"2026-03-06T14:47:17","modified_gmt":"2026-03-06T14:47:17","slug":"umgang-mit-afd-forscher-untersuchen-ceo-aktivismus-und-empfehlen-neue-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/847855\/","title":{"rendered":"Umgang mit AfD: Forscher untersuchen \u201eCEO-Aktivismus\u201c \u2013 und empfehlen neue Strategie"},"content":{"rendered":"<p>Joe Kaeser, Reinhold W\u00fcrth, Siegfried Russwurm \u2013 viele deutsche Wirtschaftslenker haben sich \u00f6ffentlich gegen die AfD ausgesprochen. Eine Studie zeigt nun, dass diese Appelle wenig bewirkt haben.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Bei den Warnungen vor der AfD konnte es Deutschlands Konzernlenkern lange nicht laut und schrill genug sein. Doch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Zusammenarbeit mit der TU Dresden zeigt, dass diese Warnrufe nicht nur ineffektiv sind, sondern wom\u00f6glich das Gegenteil bewirken: Es entstehe eine Solidarisierung mit der Partei, beziehungsweise eine Trotzreaktion des \u201ejetzt erst recht\u201c, <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/afd-forscher-raten-managern-zu-umdenken-bei-der-afd\/100204846.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/afd-forscher-raten-managern-zu-umdenken-bei-der-afd\/100204846.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">berichtet das \u201eHandelsblatt\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Die Forscher erhoben zun\u00e4chst, wie die Deutschen \u00fcberhaupt reagieren, wenn Firmenchefs die AfD als Gefahr f\u00fcr den Standort oder die Gesellschaft darstellen. Das Ergebnis offenbarte eine Kluft: W\u00e4hrend AfD-Anh\u00e4nger klassische Forderungen der Firmenchefs (etwa nach niedrigeren Steuern) zu \u00fcber 70 Prozent sogar unterst\u00fctzen, h\u00e4lt nur jeder f\u00fcnfte AfD-Sympathisant politische Attacken auf \u201eseine\u201c Partei f\u00fcr angemessen. Mehr noch: Durch die Kritik der Wirtschaftsbosse entstehe der besagte \u201eBacklash-Effekt\u201c, der die Bindung eher st\u00e4rke als schw\u00e4che. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Analyse <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/policy_papers\/PDF\/2026\/IW-Policy-Paper_2026-Wirkung-Demokratieengagement.pdf\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/policy_papers\/PDF\/2026\/IW-Policy-Paper_2026-Wirkung-Demokratieengagement.pdf&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eCEO-Aktivismus zum Schutz der liberalen Demokratie. Eine empirische Vermessung von Wahrnehmung und Wirkung\u201c<\/a> wurden im Sommer 2025 mehr als 5000 Bundesb\u00fcrger befragt. Als eine Art \u201eInitialz\u00fcndung\u201c f\u00fcr das Engagement der prominenten Wirtschaftslenker bewerteten die Wissenschaftler dabei das <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article694541f6ba368aa01269df17\/potsdamer-treffen-gericht-weist-klagen-gegen-correctiv-ab-woertlich-wurde-nicht-ueber-vertreibung-gesprochen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article694541f6ba368aa01269df17\/potsdamer-treffen-gericht-weist-klagen-gegen-correctiv-ab-woertlich-wurde-nicht-ueber-vertreibung-gesprochen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">viel beachtete Treffen von Politiker der AfD mit Rechtsextremisten im Jahr 2023 in einer Villa in Potsdam<\/a> <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69490f92555fb5642812d0c4\/streit-um-geheimplan-rechtsexperte-nennt-correctiv-urteil-realitaetsverweigerung-reporter-antwortet-in-offenem-brief.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69490f92555fb5642812d0c4\/streit-um-geheimplan-rechtsexperte-nennt-correctiv-urteil-realitaetsverweigerung-reporter-antwortet-in-offenem-brief.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sowie die sich daran anschlie\u00dfende Medienberichterstattung bei \u201eCorrectiv\u201c<\/a> und in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien. <\/p>\n<p>Joe Kaeser, Reinhold W\u00fcrth, Siegfried Russwurm \u2013 alle gegen die AfD<\/p>\n<p>Der \u201eKampf gegen Rechts\u201c, zu dem unter anderem die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) aufforderte, sei dann auch von den Wirtschaftsbossen erwartet worden, schreiben die Autoren der Studie. Tats\u00e4chlich kam es zu etlichen, teils markigen Ansagen bekannter Firmenlenker. \u201eWer die AfD w\u00e4hlt, entscheidet sich f\u00fcr den Verlust des Wohlstands unseres Landes\u201c, sagte etwa Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy, <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/deutschland\/siemens-energy-aufsichtsratschef-fordert-widerstand-gegen-rechtsextreme-a-bbce4aa2-96a6-4776-8810-5e22c27b632c\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/deutschland\/siemens-energy-aufsichtsratschef-fordert-widerstand-gegen-rechtsextreme-a-bbce4aa2-96a6-4776-8810-5e22c27b632c&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">in einem Interview<\/a>. Der Unternehmer Reinhold W\u00fcrth schrieb in einem pers\u00f6nlichen Brief an die Belegschaft seines Unternehmens: \u201eDie Partei strebt eine \u201aDemokratur\u2018 oder eine Diktatur an.\u201c In der Studie wird BDI-Pr\u00e4sident Siegfried Russwurm zitiert: \u201eDas Programm der AfD schadet unserem Land. Es schadet der Wirtschaft\u201c. Ebenso gibt es ein Zitat von BDA-Pr\u00e4sident Rainer Dulger: \u201eIch habe von der AfD auch noch keine Antwort auf die Frage gesehen, wie wir die Fachkr\u00e4ftel\u00fccke f\u00fcllen wollen, die uns die Alterung der Gesellschaft bringt.\u201c<\/p>\n<p>Diese \u201eungew\u00f6hnlich klare parteipolitische Kritik aus den Firmenzentralen\u201c sei deutlich wahrgenommen worden, analysieren die Macher der Untersuchung. Im Dezember 2024 gaben rund vier von zehn Menschen in Deutschland an, ihnen w\u00e4re das Engagement von Unternehmen gegen die AfD bekannt. Unter AfD-Anh\u00e4ngern habe dies sogar fast jeder zweite angegeben, schreiben die Autoren unter Bezug auf ihnen vorliegende Meinungsumfragen. Die Sch\u00e4rfe und gesellschaftliche Breite der Kritik sowie die den Wirtschaftslenkern unzweifelhaft zugeschriebene Kompetenz h\u00e4tten eine gewisse Wirksamkeit der Worte erwarten lassen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Der \u201eBacklash\u201c-Effekt<\/p>\n<p>Doch in den Befragungen ergab sich dann ein anderes Bild: Der \u201eCEO-Aktivismus\u201c wie es schon im Titel der Studie hie\u00df, hatte diverse unerwartete Nebeneffekte. <\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal entdeckten die Forscher bei ihren Befragungen eine ausgepr\u00e4gte Differenz zwischen den klassischen Forderungen der Wirtschaftslenker nach weniger Abgaben und einen B\u00fcrokratieabbau \u2013 diese kamen auf Zustimmungswerte von \u00fcber 70 Prozent \u2013 und den Angriffen auf die AfD. Wenig \u00fcberraschend: Insbesondere bei den Anh\u00e4ngern der AfD fanden die \u00d6konomen und Meinungsforscher ein \u201eausgepr\u00e4gtes Misstrauen gegen\u00fcber etablierten politischen Akteuren\u201c. Gleichzeitig brachte diese Gruppe \u201eUnternehmen jedoch relativ mehr Vertrauen entgegen als Anh\u00e4nger von Parteien links der Mitte\u201c. <\/p>\n<p>Bei den Sympathisanten der Rechtsau\u00dfenpartei konnte laut der Befragung nur ein F\u00fcnftel die Kritik der Wirtschaftsbosse \u00fcberhaupt nachvollziehen. Die Kritik verpuffte offenbar und steigerte wom\u00f6glich sogar die Solidarit\u00e4t mit der Partei. W\u00f6rtlich hei\u00dft es in der Studie: \u201eGleichzeitig f\u00fchrt \u00f6ffentliche Kritik an der AfD vonseiten der Unternehmensvertreter nicht dazu, dass sich die Parteig\u00e4nger von ihr abwenden. Vielmehr lassen sich \u201aBacklash\u2018-Effekte nachweisen: Werden AfD-Sympathisanten mit der AfD-Kritik von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern konfrontiert, sinkt das Vertrauen in das entsprechende Unternehmen. Zudem verst\u00e4rkt sich teilweise die N\u00e4he zwischen Partei und Anh\u00e4ngerschaft \u2013 und das unabh\u00e4ngig davon, wie die Kritik der CEOs an der Partei formuliert ist.\u201c Dieser \u201eBacklash-Effekt\u201c gehe sogar so weit, dass das Vertrauen und die Sympathie in und f\u00fcr eine Firma oder Marke umgehend sinke, sobald sich deren Chef klar gegen die AfD ausgesprochen habe.<\/p>\n<p>Ebenfalls bemerkenswert: Laut den Autoren der Studie machen die Wirtschaftsbosse mit ihrer AfD-Kritik noch nicht einmal Punkte bei den Anh\u00e4ngern des linken Lagers (Gr\u00fcne, SPD, Linkspartei). Anh\u00e4nger dieser Parteien und Gruppierungen begr\u00fc\u00dften Attacken auf die AfD zwar immer, doch diese bewegten letztlich wenig: \u201eDie Ansagen der Chefs best\u00e4tigen hier lediglich ein Weltbild, das ohnehin schon feststeht\u201c, analysiert das \u201eHandelsblatt\u201c trocken. <\/p>\n<p>Schluss mit den \u201eFensterreden von oben\u201c, hei\u00dft es nun<\/p>\n<p>Das IW und die TU-Forscher raten den Wirtschaftslenkern deshalb zu einer neuen Strategie im Umgang mit der AfD. Mit den abgehobenen \u201eFensterreden von oben\u201c, die als \u201ebelehrend\u201c empfunden werden k\u00f6nnten, m\u00fcsse Schluss sein. Stattdessen sei eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Argumenten und Positionen der Partei, aber auch ihrer Anh\u00e4nger zu empfehlen. Der politisch anders gepolte Gespr\u00e4chspartner m\u00fcsse ernst genommen, die eigene Position aber klar vertreten werden, hei\u00dft es. Wichtig sei auch, konkret f\u00fcr das eigene Unternehmen und dessen Bed\u00fcrfnissen zu argumentieren.<\/p>\n<p>Zugleich werden die Konzernlenker ausdr\u00fccklich dazu ermutigt, sich im \u00f6ffentlichen Diskurs weiterhin zu Wort zu melden. \u201eDie Positionierung des CEO gibt der Belegschaft wie der \u00d6ffentlichkeit Orientierung\u201c, hei\u00dft es in der Studie. Deren wirtschaftspolitische Kritik m\u00fcsse jedoch \u201ema\u00dfvoll, sachlich und verantwortungsbewusst\u201c formuliert werden. \u201eZugespitzte oder delegitimierende Kritik birgt das Risiko unbeabsichtigter Polarisierungs- und Mobilisierungseffekte und kann politische R\u00e4nder indirekt st\u00e4rken.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Joe Kaeser, Reinhold W\u00fcrth, Siegfried Russwurm \u2013 viele deutsche Wirtschaftslenker haben sich \u00f6ffentlich gegen die AfD ausgesprochen. 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