{"id":84810,"date":"2025-05-04T22:30:17","date_gmt":"2025-05-04T22:30:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/84810\/"},"modified":"2025-05-04T22:30:17","modified_gmt":"2025-05-04T22:30:17","slug":"berlin-tausende-haushalte-nach-wasserrohrbruch-stundenlang-ohne-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/84810\/","title":{"rendered":"Berlin: Tausende Haushalte nach Wasserrohrbruch stundenlang ohne Wasser"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/5708401e-8677-4e22-9c7e-8ed7bd290c49\" style=\"max-height:100%\"\/>\u00dcberschwemmungen in Berlin nach Rohrbruch am 30. April 2025<\/p>\n<p>Wegen eines Rohrbruchs ist es in der Nacht auf Mittwoch vergangener Woche in gro\u00dfen Teilen Berlins zu massiven Einschr\u00e4nkungen in der Wasserversorgung gekommen. Dieser Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf die marode Infrastruktur in der Hauptstadt und die Auswirkungen, welche die jahrzehntelange K\u00fcrzungspolitik aller Landesregierungen hinterlassen hat.<\/p>\n<p>Wie die Berliner Wasserbetriebe best\u00e4tigten, hatte der gesamte Nordosten von Berlin kein Wasser. Gegen Mitternacht platze eine Leitung am Platz der Vereinten Nationen im Bezirk Friedrichshain. Dies f\u00fchrte zu einem erheblichen Druckabfall in der \u00f6stlichen Stadth\u00e4lfte. Betroffen waren die Bezirke Mitte, Friedrichshain, Lichtenberg, Prenzlauer Berg, Pankow, Wei\u00dfensee, Hellersdorf, Kaulsdorf und Marzahn. Erst in den fr\u00fchen Morgenstunden war die Wasserversorgung gr\u00f6\u00dftenteils wieder hergestellt.<\/p>\n<p>Auch die umliegenden Stra\u00dfen waren f\u00fcr den Verkehr wegen \u00dcberflutung f\u00fcr Stunden gesperrt. Nach Angaben der Polizei muss eine Hauptverkehrsstra\u00dfe mehrere Monate lang voll gesperrt bleiben, bis die Reparaturarbeiten abgeschlossen sind.<\/p>\n<p>Ursache f\u00fcr den Bruch des Wasserrohres mit einem Durchmesser von 80 cm ist nach Angaben der Wasserbetriebe offensichtlich das Alter der Leitung, die in diesem Fall 101 Jahre betr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ein derartiger Vorfall ist keinesfalls selten. Erst am Silvesterabend war eine der Hauptleitungen f\u00fcr Trinkwasser, die vom Wasserwerk Tegel in die Innenstadt f\u00fchrt, im Bezirk Wedding gebrochen. Gro\u00dfe Wassermengen \u00fcberfluteten die Stra\u00dfe, und infolge dessen waren hunderttausende Haushalte in mehreren Bezirken f\u00fcr Stunden ohne Wasser.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Wasserbetriebe gibt es im Jahr durchschnittlich rund 500 Wasserrohrbr\u00fcche in der Hauptstadt. Dabei wird mit einer steigenden Anzahl in den n\u00e4chsten Jahren zu rechnen sein, wenn immer mehr Leitungen ein kritisches Alter erreichen und keine ausreichende Sanierung stattfindet. Die Haupt- und Versorgungsleitungen des rund 19.000 Kilometer langen Netzes sind den Wasserbetrieben zufolge im Schnitt fast 60 Jahre alt.<\/p>\n<p>Dies sind nur die j\u00fcngsten Vorf\u00e4lle, die deutlich machen, wie marode die \u00f6ffentliche Infrastruktur in der Hauptstadt ist. So m\u00fcssen beispielsweise 120 der rund 800 Berliner Br\u00fccken in den kommenden zehn Jahren neu gebaut werden, weil ihre Stabilit\u00e4t nicht mehr als sicher eingesch\u00e4tzt wird. Bei rund 70 dieser Br\u00fccken wurde der sogenannte Hennigsdorfer Spannstahl verwendet. Mit diesem wurde auch die Dresdner Carolabr\u00fccke gebaut, die im vergangenen September unvermittelt einst\u00fcrzte.<\/p>\n<p>Bei Stra\u00dfen und Schienen f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nahverkehr sieht es \u00e4hnlich schlecht aus. Ganz zu schweigen von Schulen und \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden, die teilweise regelrecht dem Verfall \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/international-mayday-online-rally-2025.html?utm_campaign=imd2025&amp;utm_term=article-banner-de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/7202b309-0152-4e1f-b3a5-9a2ca134b7e0\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ce02ee3a-cbae-4ad7-99c8-95cceb4f6e23\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Reinhardswald-Grundschule im Bezirk Kreuzberg verf\u00e4llt seit Jahrzehnten. Hier m\u00fcssen Sch\u00fcler und Lehrer hinter br\u00f6ckelnden W\u00e4nden und mit l\u00fcckenhaftem Brandschutz und sogar unter Asbestbelastung unterrichten. Mittlerweile ist der Zustand derart bedenklich, dass die Schule laut einem Gutachten nur noch bis Anfang 2028 betrieben werden darf.<\/p>\n<p>Nach bisherigen Pl\u00e4nen der Senatsverwaltung soll die Schule dann in das Geb\u00e4ude der nahegelegene Aziz-Nesin-Grundschule umziehen. Dieses w\u00e4re aber auch nur f\u00fcr kurze Zeit nutzbar, da dort ebenfalls erhebliche bauliche M\u00e4ngel vorliegen.<\/p>\n<p>Mindestens 108 Milliarden Euro w\u00fcrden in den kommenden zehn Jahren f\u00fcr die Sanierung und Modernisierung der \u00f6ffentlichen Infrastruktur von Berlin ben\u00f6tigt, wie aus einer Studie der Unternehmensverb\u00e4nde Berlin-Brandenburg, der Investitionsbank Berlin (IBB) und des Ostdeutschen Bankenverbandes hervorgeht, die k\u00fcrzlich in Berlin vorgestellt wurde. Diese Summe sei n\u00f6tig, um Stra\u00dfen, Schienen, Br\u00fccken, Schulen, Universit\u00e4ten, Wasser- und W\u00e4rmenetze und vieles mehr auf den aktuellen Stand zu bringen, hei\u00dft es darin.<\/p>\n<p>Demnach seien 48 Milliarden Euro f\u00fcr \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude n\u00f6tig, 17 Milliarden Euro f\u00fcr den Nahverkehr, 13 Milliarden Euro f\u00fcr Universit\u00e4ten, Schulen und Kitas sowie 11 Milliarden Euro f\u00fcr landeseigene Wasser-, Energie- und W\u00e4rmenetze.<\/p>\n<p>Dieser Verfall der \u00f6ffentlichen Infrastruktur ist das Ergebnis der jahrzehntelangen Sparpolitik, die von allen etablierten Parteien verfolgt wurde.<\/p>\n<p>Von 2002 bis 2011 setzten SPD und PDS, die Vorg\u00e4ngerin der Linken, einen radikalen Sparkurs durch, dem tausende Stellen im \u00f6ffentlichen Dienst zum Opfer fielen. \u00d6ffentliche Einrichtungen, die nicht geschlossen wurden, wurden die Mittel drastisch gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Dies setzte sich unter der folgenden SPD-CDU-Regierung ebenso fort, wie ab 2016 unter dem B\u00fcndnis von SPD, Gr\u00fcnen und Linkspartei. Noch Anfang 2022 beschloss die damalige Landesregierung einen Doppelhaushalt f\u00fcr 2022 und 2023, mit dem der Etat von mehr als 40 Milliarden Euro auf 35,7 Milliarden gesenkt wurde. Gespart wird dabei vor allem am Schulsystem.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der gr\u00f6\u00dften Aufr\u00fcstung Deutschlands seit dem Nationalsozialismus treibt die jetzige Landesregierung von CDU und SPD die K\u00fcrzungen im Haushalt auf die Spitze. <\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Alleine in den Bereichen Umwelt und Verkehr werden mindestens 660 Millionen Euro eingespart. Dies betrifft auch dringend notwendige Bauvorhaben im gesamten Stadtgebiet. Insgesamt hat das K\u00fcrzungspaket ein Volumen von 3 Milliarden Euro f\u00fcr dieses Jahr.<\/p>\n<p>Nachdem die ersten K\u00fcrzungen bereits Auswirkungen zeigen, legt der Senat immer weiter nach. So wurden ab April weitere 39 Millionen Euro f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie gek\u00fcrzt. Diese Streichung kommt zu den bereits im Dezember beschlossenen 370 Millionen Euro im Bildungsbereich hinzu.<\/p>\n<p>Die K\u00fcrzungen wollen die Koalitionsparteien nun dazu nutzen, \u00f6ffentliche Aufgaben in gro\u00dfem Stil an Unternehmen abzugeben. Stefan Brandt, Vorstandsmitglied der landeseigenen Investitionsbank IBB, appellierte an die Landesregierung, Gelder bei privaten Investoren einzusammeln und \u00f6ffentlich abzusichern.<\/p>\n<p>Im Koalitionsvertrag wird bereits erw\u00e4hnt, dass die Landesregierung verschiedene Projekt in so genannter Public-private-Partnership (PPP) umsetzen will. Dies bedeutet, dass \u00f6ffentliche Aufgaben privaten Unternehmen \u00fcbergeben werden und diese sich ohne jedes unternehmerische Risiko den Gewinn absch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Bei Mehrkosten oder einem m\u00f6glichen Scheitern des Projekts \u00fcbernimmt die \u00f6ffentliche Hand die Kosten.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Parteien unterst\u00fctzen diese Auslagerung \u00f6ffentlicher Aufgaben vorbehaltlos. Gerade in Berlin haben SPD und Linke schon zahlreiche derartige Projekte umgesetzt. Zuletzt hatte 2023 der rot-rot-gr\u00fcne Senat beschlossen, den Bau einer Kinderklinik an der Charit\u00e9 als PPP umzusetzen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz hatte die CDU im Rahmen einer Anh\u00f6rung zum Thema Infrastruktur und Br\u00fcckensicherheit Vertreter des privaten Bauunternehmens Max B\u00f6gl in den Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses eingeladen, um eine Pr\u00e4sentation zum Bau von \u201eModulbr\u00fccken\u201c zu halten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend immer mehr Gelder in Aufr\u00fcstung und Kriegsvorbereitungen gesteckt werden, werden die grundlegenden Bed\u00fcrfnisse der breiten Mehrheit der Bev\u00f6lkerung vollkommen ignoriert. Sichere Infrastruktur, ausreichend Wohnraum, hochwertige Bildung und Gesundheitsf\u00fcrsorge gelten als nicht finanzierbar.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Parteien unterst\u00fctzen aus diesem Grund die Aufr\u00fcstung nach Innen, um jede Opposition gegen diese Politik zu unterdr\u00fccken. Nicht zuf\u00e4llig ist das Budget f\u00fcr Polizei und Sicherheitsbeh\u00f6rden das einzige im Berliner Landeshaushalt, das nicht gek\u00fcrzt, sondern aufgestockt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcberschwemmungen in Berlin nach Rohrbruch am 30. 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