{"id":84817,"date":"2025-05-04T22:34:10","date_gmt":"2025-05-04T22:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/84817\/"},"modified":"2025-05-04T22:34:10","modified_gmt":"2025-05-04T22:34:10","slug":"sein-buch-sollte-verboten-werden-nun-erhaelt-der-autor-einen-literaturpreis-dafuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/84817\/","title":{"rendered":"Sein Buch sollte verboten werden, nun erh\u00e4lt der Autor einen Literaturpreis daf\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Mit einem Festakt im Veranstaltungssaal des Kulturbahnhofs sind am Samstag der Schubart-Literaturpreis und der F\u00f6rderpreis der Kreissparkasse verliehen worden. Das sagten Preistr\u00e4ger Christoph Peters und F\u00f6rderpreistr\u00e4gerin Grit Kr\u00fcger in ihren Dankesworten.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Aalens gro\u00dfer und auch unbequemer Sohn Christian Friedrich Daniel Schubart selbst hat sich, so betonte Oberb\u00fcrgermeister Frederick Br\u00fctting in seiner Begr\u00fc\u00dfung, als einen Menschen bezeichnet, \u201eder die Wahrheit derb sagt\u201c. Die Preisverleihung war deshalb am Internationalen Tag der Pressefreiheit, dem 3. Mai, bestens aufgehoben. Seit exakt 70 Jahren verleiht die Stadt diesen mittlerweile mit 20.000 Euro dotieren Preis. An Aktualit\u00e4t hat der Preis nichts eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Ein Roman mit juristischer Geschichte<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Und beide Preise gingen an Personen, die das best\u00e4tigten. Ein Abend also ganz im Sinne Schubarts. Zum Beispiel Autor Christoph Peters, der f\u00fcr seinen Roman \u201eInnerst\u00e4dtischer Tod\u201c (Luchterhand) den Hauptpreis bekam. In ihrer Laudatio ging Anne-Dore Krohn, seit 2019 Jurymitglied und Literaturkritikerin des rbb Kultur, nicht nur auf die Inhalte und den literarischen Wert des Romans, letzter Teil einer Trilogie, ein, sondern auch auf dessen juristische Geschichte.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Denn die hat der Roman, der sich \u2013 unter anderem \u2013 um ein fiktives Berliner Galeristen-Ehepaar dreht. Ein tats\u00e4chliches Berliner Galeristen-Ehepaar habe, so erz\u00e4hlte Krohn, bei der Lekt\u00fcre festgestellt: \u201eDas sind doch wir!\u201c. Und es habe dem Paar nicht gefallen, was es da gelesen habe. Das Paar strebt ein Verbot des Buches an.<\/p>\n<p>Dem Buch drohte ein Verbot<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zwei Hamburger Gerichtsurteile haben mittlerweile entschieden, dass Peters die Grenzen der Literatur nicht \u00fcberschritten habe, wobei Krohn Wert darauflegte, dass die Entscheidung der Aalener Jury vor diesen Urteilen gefallen sei. Dem Buch drohte und droht ein Verbot wegen Verletzung der Pers\u00f6nlichkeitsrechte. Ob man nun dabei gleich die gro\u00dfen Worte \u201everbotene B\u00fccher\u201c und \u201eZensur\u201c herbeiholen muss, sei mal dahingestellt, schlie\u00dflich hat in der aktuellen Geschichte bisher niemand \u2013 wie Schubart \u2013 um Freiheit und Leben f\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Den Verkaufszahlen, das gab Krohn unumwunden zu, habe es gutgetan. \u201eVerbotene B\u00fccher haben eine bessere Rendite als viele Aktien oder ETFs\u201c, sagte sie. \u201eWelcher Autor kann schon von sich sagen, dass sich ein ganzes Gericht in Leseklausur begibt, um dessen Buch zu lesen.\u201c Wie Schubart im Jahr 1777, so habe man nun Peters auf w\u00fcrttembergischen Boden gelockt, um ihm den Preis zu \u00fcbergeben.<\/p>\n<blockquote class=\"tw-m-0 tw-italic tw-flex tw-items-start before:tw-hidden\">\n<p class=\"tw-text-secondary tw-mb-0 tw-text-base sm:tw-text-base\">Christoph Peters schafft welthaltige Literatur, die das Knirschen der Zeit einf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Laudatorin Anne-Dore Krohn \u00fcber den Preistr\u00e4ger<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201ePeters schafft welthaltige Literatur, die das Knirschen der Zeit einf\u00e4ngt\u201c, fasst Krohn zusammen. Ja, das h\u00e4tte Schubart gefallen, in seine Stammkneipe \u201eBierhalle\u201c h\u00e4tte er auf einen solchen Satz sicher lauthals lachend angesto\u00dfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/5408f095-abd1-4d59-993f-c8704140558d.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Preistr\u00e4ger Christoph Peters im Gespr\u00e4ch mit Aalens Oberb\u00fcrgermeister Frederick Br\u00fctting.\"\/><\/p>\n<p>Preistr\u00e4ger Christoph Peters im Gespr\u00e4ch mit Aalens Oberb\u00fcrgermeister Frederick Br\u00fctting. (Foto: Ansgar K\u00f6nig)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">In seiner Dankesrede nahm Peters ebenfalls Bezug auf Schubart. Die Zensur, wegen der Schubart zehn Jahre auf dem Hohenasperg gesessen habe, sei aus dem Repertoire der Herrschenden keineswegs verschwunden. Er freute sich, dass der Verlag Luchterhand \u201ezu unserem Buch\u201c stehe, denn der laut Peters unbeabsichtigte juristische Wirbel um das Buch habe Mut verlangt und sei keineswegs spurlos an ihm vor\u00fcbergegangen.<\/p>\n<p>Einblick in die literarische Werkstatt<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das Aalener Festpublikum lie\u00df er deshalb einen Blick in seine literarische Werkstatt werfen. Wie entstehen Protagonisten und Protagonistinnen? Warum tun sie, was sie tun? \u201eIch wei\u00df es nicht\u201c, gab er zu.<\/p>\n<p>Komplexe Familienaufstellung<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Letztendlich sei sein Buch nichts anderes als ein komplexe Familienaufstellung und kein Enth\u00fcllungs- oder Me-too-Roman. Literarisch f\u00fchren die Figuren ein Eigenleben, \u201esie entsprechen nicht meinen privaten moralischen Vorstellungen oder politischen Maximen\u201c. Kleinste Ver\u00e4nderung beeinflussen das Gesamttableau. \u201eDas sind die Konflikte, aus denen Schriftsteller Geschichten destillieren\u201c, so Peters.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/0f1b6e55-f303-4234-b864-259d78b7f2ca.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Erhielt f\u00fcr ihre Romandeb\u00fct &quot;Tunnel&quot; den Schubart-F\u00f6rderpreis der Kreissparkasse Ostalb.\"\/><\/p>\n<p>Erhielt f\u00fcr ihre Romandeb\u00fct &#8222;Tunnel&#8220; den Schubart-F\u00f6rderpreis der Kreissparkasse Ostalb. (Foto: Ansgar K\u00f6nig)<\/p>\n<p>KSK-F\u00f6rderpreis f\u00fcr Kr\u00fcgers \u201eTunnel\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eTunnel\u201c hei\u00dft das Romandeb\u00fct von Grit Kr\u00fcger, die daf\u00fcr den mit 7500 Euro dotierten Schubart-F\u00f6rderpreis der Kreissparkasse Ostalb, \u00fcbergeben vom Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Ostalb, Markus Frei, erhielt. Kein Wunder, dass Stefan Kister, seit 2015 Jury-Mitglied und Literaturkritiker der \u201eStuttgarter Zeitung\/Stuttgarter Nachrichten\u201c, als erstes einen \u201eirrwitzigen Tunnel\u201c in seiner Heimatstadt ins Gespr\u00e4ch brachte. Denn auch die Romanfiguren sto\u00dfen im Lauf der Handlung auf ein \u201egewaltiges Ding aus Stahl tief unten in der Erde\u201c.<\/p>\n<blockquote class=\"tw-m-0 tw-italic tw-flex tw-items-start before:tw-hidden\">\n<p class=\"tw-text-secondary tw-mb-0 tw-text-base sm:tw-text-base\">Freiheit muss immer wieder neu verhandelt werden. Da bleibt es nicht aus, dass etwas zu Bruch geht.<\/p>\n<p>F\u00f6rderpreistr\u00e4gerin Grit Kr\u00fcger<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Aber in Kr\u00fcgers Roman geht es nicht um Stuttgart 21, sondern um den \u201eSouterrain der Klassengesellschaft\u201c, so Kister, \u201eohne Mitleid und ohne etwas zu besch\u00f6nigen.\u201c Ein rebellischer Tagtraum um die alleinerziehende Mutter Mascha in einem \u201efreien Spiel der Sprache\u201c. Kister: \u201eGrit Kr\u00fcger zeigt uns, wie d\u00fcnn der Boden ist, auf dem wir uns bewegen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBruchst\u00fccke der Gegenwart\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Es gehe um Tr\u00fcmmer, um \u201eBruchst\u00fccke der Gegenwart\u201c, erl\u00e4uterte die Autorin in ihrer Dankesrede: \u201eFreiheit muss immer wieder neu verhandelt werden. Da bleibt es nicht aus, dass etwas zu Bruch geht.\u201c Freiheit, W\u00fcrde, Weite und auch Geld, das m\u00fcsse sich \u2013 wie im Fall von Mascha und der anderen Romanfiguren \u2013 hart erarbeitet werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/00a9a018-dd04-4a97-8b7a-220e382384da.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Der Veranstaltungssaal des Kulturbahnhofs bot einen gelungenen Rahmen f\u00fcr die Verleihung des Schubart-Literaturpreises.\"\/><\/p>\n<p>Der Veranstaltungssaal des Kulturbahnhofs bot einen gelungenen Rahmen f\u00fcr die Verleihung des Schubart-Literaturpreises. (Foto: Ansgar K\u00f6nig)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">F\u00fcr einen passenden musikalischen Rahmen hatte das Duo Synthesis gesorgt. Sinisa Ljubojevic und Djorde Vasiljevic sind zwei virtuose Akkordeonisten, die unter anderm mit Teil aus Vivaldis \u201eVier Jahreszeiten\u201c unter Beweis stellten, was in einem Akkordeon so alles drinsteckt.<\/p>\n<p>Jury tagt im Schubart-Haus<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Erstmals hatte die Jury im Schubart-Haus direkt hinter der \u201eBierhalle\u201c getagt, dort, wo Aalens gro\u00dfer Sohn Kindheit und Jugend verbracht hatte und sein Leben gepr\u00e4gt wurde. OB Br\u00fctting, der die Jury besucht hatte, lobte vor allem den \u201egenius loci\u201c und die Lesens- und Entdeckungsfreude der Jury-Mitglieder (Tilla Fuchs, Stefan Kister, Anne-Dore Krohn, Denis Scheck, Michael Weiler und Miriam Zeh): \u201eEs war ein Vergn\u00fcgen f\u00fcr mich, bei diesen intensiven Diskussionen rund ums Thema Freiheit mit dabei zu sein.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Am Sonntag hatten Aalens B\u00fccherfans \u2013 ebenfalls im KubAA &#8211; bei einer Lesung Gelegenheit, tiefer in die beiden Romane einzusteigen und sie auch signieren zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit einem Festakt im Veranstaltungssaal des Kulturbahnhofs sind am Samstag der Schubart-Literaturpreis und der F\u00f6rderpreis der Kreissparkasse verliehen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":84818,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-84817","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114451950333742064","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84817"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84817\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/84818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}