{"id":851437,"date":"2026-03-08T02:44:34","date_gmt":"2026-03-08T02:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/851437\/"},"modified":"2026-03-08T02:44:34","modified_gmt":"2026-03-08T02:44:34","slug":"einbuergerung-am-limit-der-englische-klient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/851437\/","title":{"rendered":"Einb\u00fcrgerung am Limit: Der englische Klient"},"content":{"rendered":"<p>Mehr Menschen als je zuvor wollen deutsche Staatsb\u00fcrger werden. Die Odyssee eines Briten durch den B\u00fcrokratie-Dschungel zeigt, wie ein \u00fcberlastetes System Antragsteller in Warteschleifen parkt und fehlende Empathie zu Entfremdung statt Integration f\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">An einem sonnigen Wintertag sitzt David Walker am Esstisch in seinem Haus in Hamburg \u2013 und wartet. Er wartet seit Jahren. Auf eine Antwort, auf ein St\u00fcck Papier, auf die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft. Walker \u2013 der seinen richtigen Namen nicht nennen m\u00f6chte \u2013 ist 67 Jahre alt, Brite und seit Langem in Deutschland zu Hause. Und doch f\u00fchlt er sich bis heute nicht zugeh\u00f6rig. Ein Zustand, den er weniger mit den B\u00fcrgern verbindet, vielmehr mit der B\u00fcrokratie. Und so ist der Fall Walker nur einer von vielen.<\/p>\n<p>Zwar hat Hamburg im vergangenen Jahr 11.532 Menschen eingeb\u00fcrgert, so viele, wie noch nie. Gleichzeitig jedoch stauen sich in der Hansestadt die Verfahren: Mit Stand von Mitte Februar befinden sich 31.946 Antr\u00e4ge in Bearbeitung, wie das Amt f\u00fcr Migration auf Anfrage mitteilt. Aufgrund des erheblichen Aufkommens betrage die durchschnittliche Wartezeit auf eine Einb\u00fcrgerung \u201eaktuell mindestens 17 Monate\u201c \u2013 f\u00fcr David Walker, der seit \u00fcber 30 Jahren in der Bundesrepublik lebt, zu lang. <\/p>\n<p>\u201eIch f\u00fchle mich der B\u00fcrokratie ausgeliefert, den Abl\u00e4ufen, die vielleicht schneller gingen, wenn sich jemand meine Unterlagen einmal ansehen w\u00fcrde\u201c, sagt Walker, als er WELT AM SONNTAG seine Geschichte erz\u00e4hlt. Diese handelt davon, wie ein \u00fcberlastetes System Menschen mit dutzenden Formularen in Warteschleifen parkt. Wie fehlende Kommunikation zu Entfremdung statt Integration f\u00fchrt. Und wie ein Land, das h\u00e4nderingend Fachkr\u00e4fte sucht, jene verliert, die l\u00e4ngst hier sind.\u00a0<\/p>\n<p>Walkers Weg beginnt im Februar 1979, als der Brite mit einer abgeschlossenen M\u00f6belhaus-Lehre nach Deutschland kommt. \u201eDie hierzulande stationierten US-Streitkr\u00e4fte fanden damals nicht gen\u00fcgend englischsprachige lokale Mitarbeiter und rekrutierten gezielt Engl\u00e4nder und Iren\u201c, erinnert er sich. Rasch ergattert er einen Job und f\u00e4ngt wenige Wochen nach seiner Ankunft als Sachbearbeiter bei der US\u2011Armee in Heidelberg an, beim Ingenieurkorps. Das Hauptkommando, bestehend aus Soldaten und Zivilisten, ist seinerzeit etwa f\u00fcr Infrastruktur, Katastrophenschutz und Instandhaltung der europaweiten Wohnungen der US\u2011Armee zust\u00e4ndig.\u00a0<\/p>\n<p>Vier Jahre arbeitet der Engl\u00e4nder bei den amerikanischen Streitkr\u00e4ften \u2013 und wird hierzulande heimisch. \u201eIch mochte Deutschland sofort\u201c, betont Walker, der in der Grafschaft Kent aufwuchs, im S\u00fcdosten von Gro\u00dfbritannien. Obwohl er anfangs kaum ein Wort Deutsch spricht, nimmt er die Lebensweise und Kultur \u201egerne an\u201c, die \u201evielen positiven Eigenschaften\u201c, die er \u201ebis heute liebt\u201c. <\/p>\n<p>Walker lernt die Sprache, bildet sich weiter, schlie\u00dft ein berufsbegleitendes Aufbaustudium zum Marketing-Kaufmann ab und ist sp\u00e4ter im Management mehrerer international agierender Firmen t\u00e4tig, zun\u00e4chst in Mannheim, dann D\u00fcsseldorf und schlie\u00dflich Hamburg. Bis 2008 lebt und arbeitet Walker ununterbrochen in Deutschland, zahlt Steuern und Sozialabgaben. Seit 1994 ist er mit einer Deutschen verheiratet. <\/p>\n<p>\u201eDurch meinen Beruf bin ich viel gereist \u2013 in viele deutsche St\u00e4dte, in Europa und den USA\u201c, sagt Walker in flie\u00dfendem Deutsch und f\u00fcgt hinzu: \u201eIch genie\u00dfe die Vielfalt und bin froh, dass ich nie etwas von meiner englischen Herkunft aufgeben musste.\u201c Auch deshalb w\u00e4re sein Traum ein europ\u00e4ischer statt nationaler Pass. \u201eEuropa hat so viel zu bieten, ich finde es schade, dass der urspr\u00fcngliche europ\u00e4ische Gedanke scheinbar verloren gegangen ist\u201c, sagt Walker und w\u00fcnscht sich mehr innereurop\u00e4ischen Austausch. <\/p>\n<p>\u201eMan h\u00f6rt st\u00e4ndig, wir m\u00fcssten Arbeitskr\u00e4fte von \u00fcberall herholen, wobei innerhalb Europas so viel Potenzial steckt.\u201c Den Beh\u00f6rden ruft er zu: \u201eNicht EU-B\u00fcrger, aber EU-Nachbarn, die in Deutschland eingeb\u00fcrgert werden m\u00f6chten, sollten das Gef\u00fchl vermittelt bekommen, dass sie nicht nur willkommen sind, sondern auch, dass dieser Prozess einfach und pers\u00f6nlich gestaltet ist.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>\u201eBleibt mir das verwehrt, f\u00fchle ich mich nicht zugeh\u00f6rig\u201c<\/p>\n<p>Walker erf\u00e4hrt das Gegenteil: Als er nach Jahren in der Schweiz 2022 endg\u00fcltig mit seiner Frau nach Deutschland zur\u00fcckkehrt, w\u00e4chst in ihm der Wunsch nach Einb\u00fcrgerung. \u201eIn England erlebe ich Politik nur noch als Tourist, in Deutschland als B\u00fcrger\u201c, begr\u00fcndet der 67-J\u00e4hrige. Und weil er schon lange in der Bundesrepublik lebt, ein Haus gekauft hat, ihn die Politik direkt betrifft, m\u00f6chte er endlich Deutscher werden. \u201eIch m\u00f6chte Mitgestalten, also w\u00e4hlen. Bleibt mir das verwehrt, f\u00fchle ich mich nicht zugeh\u00f6rig.\u201c<\/p>\n<p>Infolge der Liberalisierung des Staatsangeh\u00f6rigkeitsrechts, das seit 2024 Einb\u00fcrgerungen beschleunigt und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6901af623e11285c65f0cbb4\/doppelte-staatsbuergerschaft-unionspolitiker-wollen-pass-reform-gruene-sehen-gefaehrliches-ablenkungsmanoever.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6901af623e11285c65f0cbb4\/doppelte-staatsbuergerschaft-unionspolitiker-wollen-pass-reform-gruene-sehen-gefaehrliches-ablenkungsmanoever.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehrstaatigkeit<\/a> zul\u00e4sst, ist die Bundesrepublik bei Zuwanderern beliebt. Vor allem ein Gro\u00dfteil der Menschen, die im Zuge der Fluchtbewegungen ab 2015 nach Deutschland kamen, erf\u00fcllt nun die Voraussetzungen f\u00fcr eine Einb\u00fcrgerung. Mittlerweile kann der deutsche Pass in der Regel nach f\u00fcnf statt bisher acht Jahren beantragt werden. Das Dokument bietet Reisefreiheit, Schutz vor Abschiebung, freie Berufswahl sowie volles politisches Mitspracherecht. <\/p>\n<p>Folglich ist die Zahl der Einb\u00fcrgerungen rasant gestiegen. 2024 begr\u00fc\u00dften die Beh\u00f6rden <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69931c72f1c55d28ade69f9a\/deutsche-staatsangehoerigkeit-rekordzahlen-bei-einbuergerungen-cdu-verlangt-stopp-wegen-betrugsverdachts.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69931c72f1c55d28ade69f9a\/deutsche-staatsangehoerigkeit-rekordzahlen-bei-einbuergerungen-cdu-verlangt-stopp-wegen-betrugsverdachts.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bundesweit<\/a> insgesamt 291.955 neue Deutsche \u2013 etwa 90.000 F\u00e4lle mehr als im Jahr zuvor. Ein erneuter Zuwachs f\u00fcr 2025 gilt als wahrscheinlich. Auch Hamburg meldet H\u00f6chstst\u00e4nde: \u00a0Waren es im Jahr 2023 noch 7536 und 2024 noch 9599 Einb\u00fcrgerungen, registrierte das Amt f\u00fcr Migration f\u00fcr 2025 exakt 11.532. Die h\u00e4ufigsten Herkunftsl\u00e4nder sind Syrien, Afghanistan, T\u00fcrkei, Iran und die Russische F\u00f6deration \u2013 \u00e4hnlich im Bund. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p>David Walker z\u00e4hlt zu den Menschen, die den finalen Schritt der Integration gehen m\u00f6chten. \u201eSolange England Teil der EU war, war ich zufrieden damit, ein Europ\u00e4er zu sein, der in Deutschland lebt\u201c, betont der 67-J\u00e4hrige, doch \u201edurch den Brexit war ich pl\u00f6tzlich kein EU-B\u00fcrger mehr.\u201c Also besch\u00e4ftigt sich Walker 2022 an seinem damaligen Wohnort D\u00fcsseldorf erstmals konkret mit der Beantragung der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft. \u201eDaf\u00fcr brauchte ich zun\u00e4chst wieder einen Aufenthaltstitel\u201c, berichtet der Engl\u00e4nder und erg\u00e4nzt: \u201eIch ging davon aus, das ist reine Formsache, schlie\u00dflich hatte ich bereits knapp 30 Jahre mit unbefristeter Aufenthaltserlaubnis in Deutschland gelebt.\u201c \u00a0<\/p>\n<p>Doch nach 14-j\u00e4hriger Zwischenstation in der Schweiz muss Walker einen neuen Titel beantragen \u2013 jetzt als Nicht-EU-B\u00fcrger. \u201eDas hat ein Jahr gedauert.\u201c Dazwischen liegen das \u00fcbliche Ausf\u00fcllen von Formularen, unz\u00e4hlige Anrufe bei nicht erreichbaren Hotlines \u2013 gepaart mit Monaten, in denen nichts passiert. Ein seltsames Gef\u00fchl, wie es Walker beschreibt. \u201eWenn man verreist und nach Deutschland zur\u00fcckkehrt, hat man ohne g\u00fcltigen Aufenthaltstitel eigentlich kein Recht auf unbefristete Einreise. Es ist sehr unangenehm, wenn man nicht wei\u00df, ob man vielleicht nicht \u201anach Hause\u2018 kommt, weil die Papiere unvollst\u00e4ndig sind.\u201c<\/p>\n<p>Irgendwann erh\u00e4lt Walker einen Anruf, er solle in D\u00fcsseldorf zum Amt f\u00fcr Migration kommen. \u201eDort sa\u00df mir eine Mitarbeiterin gegen\u00fcber, die in gebrochenem Deutsch nach meinem Pass fragte, eine Weile lang etwas in ihren Computer tippte und mir mitteilte, dass ich meinen Aufenthaltstitel in zwei Wochen erhalten w\u00fcrde.\u201c Walker schmunzelt: \u201eDas war\u2019s. Ein Jahr Wartezeit \u2013 f\u00fcr einen Vorgang, der nach f\u00fcnf Minuten ohne weitere Kl\u00e4rung endete.\u201c Kurz darauf, im Februar 2024, beantragt Walker in D\u00fcsseldorf erstmals den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69999ad4a11b1460328900e0\/abstimmung-der-delegierten-social-media-verbot-zuckersteuer-einbuergerung-darauf-einigt-sich-die-cdu-auf-ihrem-parteitag.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69999ad4a11b1460328900e0\/abstimmung-der-delegierten-social-media-verbot-zuckersteuer-einbuergerung-darauf-einigt-sich-die-cdu-auf-ihrem-parteitag.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">deutschen Pass<\/a> \u2013 und h\u00f6rt bis auf die Eingangsbest\u00e4tigung seiner Unterlagen nichts mehr von den Beh\u00f6rden in der nordrhein-westf\u00e4lischen Landeshauptstadt. <\/p>\n<p>Hilfe in vielen Sprachen, nur nicht in Englisch<\/p>\n<p>Durch seinen Umzug nach Hamburg ist der Brite gezwungen, sein Ansinnen erneut zu starten, \u201edenn offensichtlich gibt es keinen beh\u00f6rdlichen Austausch zwischen D\u00fcsseldorf und Hamburg\u201c. Also reicht der Engl\u00e4nder Anfang 2025 abermals alle f\u00fcr eine Einb\u00fcrgerung erforderlichen Unterlagen beim Amt f\u00fcr Migration ein, dieses Mal in der Hansestadt. \u201eWie der aktuelle Stand meines Antrages ist, wei\u00df ich nicht\u201c, so Walker. Was ihm noch auff\u00e4llt, w\u00e4hrend er durch seinen prall gef\u00fcllten Ordner voller Papiere, Nachweise und Kopien bl\u00e4ttert, \u201ees gibt Hilfe f\u00fcr das Ausf\u00fcllen der Formulare \u2013 aber nur f\u00fcr bestimmte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article696c68dd6b40895ba7f718a8\/syrer-in-deutschland-entscheiden-sich-lieber-fuer-einbuergerung-als-fuer-rueckkehr.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article696c68dd6b40895ba7f718a8\/syrer-in-deutschland-entscheiden-sich-lieber-fuer-einbuergerung-als-fuer-rueckkehr.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sprachgruppen<\/a>, Englisch gab es nicht.\u201c <\/p>\n<p>Immerhin hat der Brite nun eine Vorgangsnummer sowie die Aufforderung zur Zahlung der Einb\u00fcrgerungsgeb\u00fchr in H\u00f6he von 255 Euro bekommen. Der Betrag f\u00e4llt f\u00fcr die Bearbeitung an und wird unabh\u00e4ngig vom Ausgang des Verfahrens erhoben.\u00a0<\/p>\n<p>Neben der stetig gestiegenen Zahl der Einb\u00fcrgerungsantr\u00e4ge, die aufgrund des modernisierten Staatsangeh\u00f6rigkeitsrechts nochmals zugenommen hat, handelt es sich laut Amt f\u00fcr Migration beim Einb\u00fcrgerungsverfahren um einen \u201evielschichtigen und komplexen Prozess\u201c. Dazu geh\u00f6rten die Pr\u00fcfung der ausl\u00e4nderrechtlichen Vorg\u00e4nge und die Identit\u00e4tskl\u00e4rung, also \u201edie Feststellung des Vorliegens der aufenthaltsrechtlichen, strafrechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sowie des Ausschlusses verfassungsfeindlicher Bestrebungen\u201c seitens der Antragsteller. <\/p>\n<p>Ebenso gehe es um die Pr\u00fcfung von Dokumenten. \u201eZudem wird nach dem Vier-Augen-Prinzip verfahren, wonach die abschlie\u00dfende Pr\u00fcfung der Einb\u00fcrgerungsantr\u00e4ge stets durch einen befugten Zweiten zu erfolgen hat\u201c, sagt ein Sprecher des Amtes. <\/p>\n<p>Die lange Bearbeitungsdauer der Antr\u00e4ge sei ma\u00dfgeblich von der hohen Anzahl offener Verfahren gepr\u00e4gt. Die Bearbeitung erfolgt nach der Reihenfolge, sodass zun\u00e4chst \u00e4ltere Antr\u00e4ge begutachtet werden. \u201eDem verst\u00e4ndlichen Wunsch nach Zwischenst\u00e4nden\u201c, betont der Sprecher, \u201ekann die Einb\u00fcrgerungsabteilung schon l\u00e4nger und auch absehbar leider nicht nachkommen.\u201c Die personellen Ressourcen w\u00fcrden bewusst eingesetzt, um die Bearbeitung der Verfahren sicherzustellen. Ein verl\u00e4ssliches Datum f\u00fcr ein Ende des Bearbeitungsprozesses sei bis zum tats\u00e4chlichen Ende nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dennoch, so hei\u00dft es weiter, hat das Amt f\u00fcr Migration strukturell, personell, organisatorisch und technisch auf die Herausforderungen reagiert. So habe Hamburg im Fr\u00fchjahr 2024 als eines der ersten Bundesl\u00e4nder den digitalen Einb\u00fcrgerungsantrag eingef\u00fchrt und damit den Antragstellern den Weg er\u00f6ffnet, die Einb\u00fcrgerung von zu Hause aus zu beantragen. Ferner k\u00f6nne vor der Antragstellung mit einem Quick-Check \u00fcberpr\u00fcft werden, ob die Voraussetzungen f\u00fcr die Einb\u00fcrgerung erf\u00fcllt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Keine Bevorzugung, nur schnelle Bearbeitung mit Empathie<\/p>\n<p>Bei David Walker kommen die Prozessoptimierungen nicht an. Und so ist es eher unwahrscheinlich, dass er bereits zur n\u00e4chsten Einb\u00fcrgerungsfeier am 30. M\u00e4rz ins Rathaus eingeladen und von B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher (SPD) seine Einb\u00fcrgerungsurkunde erh\u00e4lt. Regelm\u00e4\u00dfig richtet der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article6968c0d96b40895ba7f6e70e\/wohlfuehlblase-hamburg-wenn-schwarze-ideenflaute-auf-rote-selbstgewissheit-trifft.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article6968c0d96b40895ba7f6e70e\/wohlfuehlblase-hamburg-wenn-schwarze-ideenflaute-auf-rote-selbstgewissheit-trifft.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stadtstaat<\/a> die Zeremonie im Gro\u00dfen Festsaal f\u00fcr Neub\u00fcrger aus, im vergangenen Jahr waren es neun Veranstaltungen, seit 2006 insgesamt 77. <\/p>\n<p>\u201eNach all den Jahren in Deutschland mit den \u00fcblichen Abgaben bin ich entt\u00e4uscht\u201c, sagt Walker. Nat\u00fcrlich habe der Staat das Recht, seine Verfahren so zu gestalten, wie er m\u00f6chte. \u201eIch bin Europ\u00e4er, wenn auch nicht mehr EU-B\u00fcrger. Ich habe mich f\u00fcr Deutschland entschieden, \u00fcber 30 Jahre hier gearbeitet und gehofft, dass dies bei meinem Antrag z\u00e4hlt\u201c, erkl\u00e4rt der Engl\u00e4nder. Er fordere keine Bevorzugung, lediglich eine schnelle, unkomplizierte Bearbeitung mit pers\u00f6nlichem Kontakt. <\/p>\n<p>Walker erkl\u00e4rt: \u201eBei einer Einb\u00fcrgerung geht es um Menschen, nicht um Formulare. Man legt sein ganzes Leben offen \u2013 Lebenslauf, Ehe, Finanzen.\u201c Und ein Gespr\u00e4ch zwischen Antragsteller und Beh\u00f6rdenmitarbeiter w\u00fcrde vieles beschleunigen. \u201eStattdessen kommuniziert man mit Formularen, Hotlines oder Bots. Das ist entw\u00fcrdigend. Ein bisschen Empathie w\u00e4re angebracht.\u201c Aufgeben m\u00f6chte David Walker trotzdem nicht, er werde den Prozess der Einb\u00fcrgerung durchziehen: \u00a0\u201eDeutschland ist und bleibt mein Lebensmittelpunkt, hier werde ich alt, und hier werde ich sterben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mehr Menschen als je zuvor wollen deutsche Staatsb\u00fcrger werden. 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