{"id":851561,"date":"2026-03-08T03:58:14","date_gmt":"2026-03-08T03:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/851561\/"},"modified":"2026-03-08T03:58:14","modified_gmt":"2026-03-08T03:58:14","slug":"stuttgart-darum-ist-die-landtagswahl-in-baden-wuerttemberg-so-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/851561\/","title":{"rendered":"Stuttgart | Darum ist die Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg so wichtig"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart (dpa) &#8211; Klar, Landtagswahlen sind keine Bundestagswahlen. Sie sind aber meist ein Stimmungstest f\u00fcr die Bundesregierung. Auch deshalb schaut man heute Abend nicht nur aus Freiburg oder Mannheim auf Stuttgart &#8211; sondern auch aus Berlin. Die Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg ist der Start in das Superwahljahr 2026. Fest steht au\u00dferdem: In einem der gr\u00f6\u00dften L\u00e4nder der Republik endet eine politische \u00c4ra. Warum die Wahl so besonders ist:\u00a0<\/p>\n<p>Ende der \u00c4ra Kretschmanns\u00a0<\/p>\n<p>Winfried Kretschmann tritt nicht mehr an \u2013 allein das macht diese Wahl historisch. Nach 15 Jahren als Ministerpr\u00e4sident Baden-W\u00fcrttembergs steht sein Name nicht mehr auf dem Stimmzettel. Mit 77 Jahren zieht sich der Gr\u00fcnen-Politiker zur\u00fcck. Seit 2016 regiert er mit der CDU, zuvor f\u00fcnf Jahre mit der SPD.<\/p>\n<p>Um seine Nachfolge bewerben sich Cem \u00d6zdemir (Gr\u00fcne) und Manuel Hagel (CDU). Beide treten damit in gro\u00dfe Fu\u00dfstapfen. Hagel hatte bereits vor geraumer Zeit erkl\u00e4rt, das Erbe Kretschmanns sei bei der CDU in guten H\u00e4nden. \u00d6zdemir lie\u00df sich wiederum im Wahlkampf gro\u00dffl\u00e4chig mit Kretschmann plakatieren neben dem Slogan \u00abSie kennen ihn\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Viel zu verlieren f\u00fcr Gr\u00fcne und CDU\u00a0<\/p>\n<p>Die Christdemokraten wittern nach vielen Jahren in der Opposition und als Juniorpartner endlich ihre Chance: Sie wollen wieder in die Villa Reitzenstein ziehen und den Regierungschef stellen &#8211; so, wie sie das viele Jahrzehnte im L\u00e4ndle vor der \u00c4ra Kretschmann gemacht haben. Die Partei hofft auf die Wiederherstellung der aus ihrer Sicht \u00abnat\u00fcrlichen Ordnung\u00bb im Land.\u00a0<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Gr\u00fcnen geht es um viel. Sie stellen bislang in Baden-W\u00fcrttemberg den bundesweit ersten und einzigen Regierungschef. Lange Zeit schien es, als bliebe Kretschmann auch der einzige gr\u00fcne Ministerpr\u00e4sident. In den Umfragen lagen die Gr\u00fcnen mit Spitzenkandidat \u00d6zdemir \u00fcber Monate deutlich hinter der CDU \u2013 scheinbar uneinholbar.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzliches Kopf-an-Kopf-Rennen und Eskalation<\/p>\n<p>Doch wenige Tage vor der Wahl holten die Gr\u00fcnen in mehreren Umfragen deutlich auf. Je nach Erhebung r\u00fcckten sie bis auf ein, zwei oder drei Prozentpunkte an die CDU heran. In einer letzten Umfrage lagen beide Parteien sogar gleichauf bei 28 Prozent. Politikwissenschaftler erkl\u00e4rten den Trend unter anderem mit der Popularit\u00e4t \u00d6zdemirs.<\/p>\n<p>Parallel zu dieser Aufholjagd wurde der Ton im Wahlkampf sp\u00fcrbar sch\u00e4rfer. \u00dcber Monate waren Gr\u00fcne und CDU vergleichsweise zur\u00fcckhaltend miteinander umgegangen. Vor knapp zwei Wochen ver\u00f6ffentlichte dann eine gr\u00fcne Bundestagsabgeordnete ein Video von Hagel aus dem Jahr 2018. Darin \u00e4u\u00dfert sich der damals 29-J\u00e4hrige schw\u00e4rmerisch \u00fcber das Aussehen einer Sch\u00fclerin. Der Clip verbreitete sich rasch und l\u00f6ste heftige Kritik aus.<\/p>\n<p>Die CDU wirft den Gr\u00fcnen nun eine Schmutzkampagne aus der untersten Schublade vor. Das Problem: Unabh\u00e4ngig vom Wahlausgang m\u00fcssen sich \u00d6zdemir und Hagel vermutlich wieder an einen Tisch setzen. Denn eine Koalition aus Gr\u00fcnen und CDU \u2013 in welcher Reihenfolge auch immer \u2013 gilt derzeit als wahrscheinlichste Regierungsoption.<\/p>\n<p>Linke statt FDP im Landtag?\u00a0<\/p>\n<p>Auch bei den kleineren Parteien bleibt es spannend. Die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde bekommt besondere Bedeutung. Die FDP k\u00f6nnte erstmals in ihrer Geschichte aus dem Landtag fliegen \u2013 ausgerechnet in Baden-W\u00fcrttemberg, ihrem Stammland, in dem sie seit mehr als 70 Jahren vertreten ist. In den Umfragen lag sie zuletzt bei etwa sechs Prozent.<\/p>\n<p>Die Linke wiederum k\u00f6nnte erstmals \u00fcberhaupt den Sprung in den baden-w\u00fcrttembergischen Landtag schaffen, muss aktuellen Umfragen zufolge aber zittern. Die AfD d\u00fcrfte st\u00e4rkste Oppositionskraft werden \u2013 eine Zusammenarbeit mit ihr schlie\u00dfen alle anderen Parteien aus. Und auch die SPD steht unter Druck: In den Umfragen blieb sie zuletzt konstant einstellig, das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte im S\u00fcdwesten droht.<\/p>\n<p>Neues Wahlrecht<\/p>\n<p>Erstmals d\u00fcrfen in Baden-W\u00fcrttemberg auch 16- und 17-J\u00e4hrige ihre Stimme abgeben. Zigtausende junge W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler kommen damit neu hinzu. Insgesamt sind rund 7,7 Millionen Menschen wahlberechtigt \u2013 so viele wie nie zuvor, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Welche Auswirkungen die neuen jungen Stimmen auf das Ergebnis haben werden, ist offen.<\/p>\n<p>Hinzu kommen neue Regeln f\u00fcr die Mandatsverteilung. Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler haben nun zwei Stimmen \u2013 \u00e4hnlich wie bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat oder eine -kandidatin direkt gew\u00e4hlt. Mit der Zweitstimme entscheiden die B\u00fcrger \u00fcber eine Partei. Sie ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse im Landtag. Die Parteien stellen daf\u00fcr Landeslisten auf, \u00fcber die Kandidatinnen und Kandidaten ins Parlament einziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kampf um die Autoindustrie<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Lage verleiht der Wahl zus\u00e4tzliche Brisanz. Baden-W\u00fcrttemberg gilt als industrielles Herz Deutschlands \u2013 und ist stark von der Autoindustrie abh\u00e4ngig. Der tiefgreifende Strukturwandel trifft das Land daher besonders hart. Tausende Arbeitspl\u00e4tze stehen auf dem Spiel, ganze Regionen blicken mit Sorge in die Zukunft.<\/p>\n<p>Entsprechend r\u00fcckte Wirtschaftspolitik ins Zentrum des Wahlkampfs: Es ging um Standortfragen, um den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen, um B\u00fcrokratieabbau. CDU-Spitzenkandidat Hagel tourte unerm\u00fcdlich von Mittelst\u00e4ndler zu Mittelst\u00e4ndler. \u00abWir k\u00f6nnen Auto\u00bb, sagte sein gr\u00fcner Rivale \u00d6zdemir \u2013 und zeigte sich offen f\u00fcr eine Verschiebung des Verbrennerverbots. Die CDU wirft den Gr\u00fcnen nun vor, pl\u00f6tzlich ihre Liebe zum Auto entdeckt zu haben.<\/p>\n<p>Auftakt zum Superwahljahr 2026<\/p>\n<p>Nicht zuletzt hat der Sonntagabend noch eine bundespolitische Strahlkraft. Die Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg ist die erste von f\u00fcnf in einem dichten Superwahljahr 2026 \u2013 damit kann sie Signalwirkung entfalten, die weit \u00fcber die Landesgrenzen hinausreicht. Die Strategen in den Parteizentralen in Berlin schauen genau hin, was im S\u00fcdwesten passiert.\u00a0<\/p>\n<p>Sollte es f\u00fcr Hagel am Ende nicht reichen, k\u00f6nnte das auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) schw\u00e4chen. Der kam extra zum Wahlkampfabschluss nach Ravensburg &#8211; und sagte dort, die Landtagswahl erfahre nicht nur in Baden-W\u00fcrttemberg oder Deutschland gro\u00dfe Aufmerksamkeit, sondern in der ganzen EU.<\/p>\n<p>Die FDP k\u00f6nnte bundespolitisch weiter an Bedeutung verlieren, sollte sie aus dem Landtag fliegen. Linke und AfD hingegen k\u00f6nnten gest\u00e4rkt aus der Wahl hervorgehen. Nicht ausgeschlossen ist, dass am Ende des Jahres erstmals ein AfD-Politiker an die Spitze einer Landesregierung r\u00fcckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart (dpa) &#8211; Klar, Landtagswahlen sind keine Bundestagswahlen. Sie sind aber meist ein Stimmungstest f\u00fcr die Bundesregierung. 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