{"id":852219,"date":"2026-03-08T10:19:50","date_gmt":"2026-03-08T10:19:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/852219\/"},"modified":"2026-03-08T10:19:50","modified_gmt":"2026-03-08T10:19:50","slug":"made-in-europe-klingt-charmant-reicht-aber-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/852219\/","title":{"rendered":"&#8222;Made in Europe&#8220;: Klingt charmant, reicht aber nicht"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Die<br \/>\n Solarindustrie ist abgewandert nach <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/china\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China<\/a>. Die<br \/>\nWindkraftindustrie k\u00f6nnte bald folgen. Und die Batterieindustrie ist von<br \/>\n Anfang an in Asien geblieben. Weil anderswo schneller und g\u00fcnstiger entwickelt und produziert wird, geht in Europa das Know-how verloren, und Arbeitspl\u00e4tze verschwinden. Allein in den vergangenen 15 Monaten 200.000 Jobs.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wie gut, dass die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/eu-kommission\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Kommission<\/a> diese zunehmend desastr\u00f6se Lage erkannt hat und sie drehen<br \/>\n will. Von derzeit nur noch 14 Prozent soll der<br \/>\nIndustrieanteil in Europa  binnen zehn Jahren wieder auf 20 Prozent wachsen, so steht es<br \/>\n im gerade pr\u00e4sentierten Industrial Accelerator Act, einem Industrie-Beschleunigungs-Gesetz. Sch\u00f6ne Aussichten, von einer &#8222;neuen Doktrin&#8220; sprechen sie in Br\u00fcssel sogar.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Stand jetzt ist es allerdings unwahrscheinlich, dass sie im Ruhrgebiet zus\u00e4tzliche Hoch\u00f6fen anfeuern oder Industriebrachen in Turin wiederbelebt werden. Denn das Paket ist in seinem Kernteil viel zu kompliziert. Und ein paar ziemlich wesentliche Aspekte fehlen auch noch.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Made in Europe&#8220; hei\u00dft die zentrale S\u00e4ule, es ist ein charmanter Ansatz: Wieso denn alles in der Ferne kaufen? Produzieren wir strategisch wichtige Dinge doch lieber wieder mehr selbst und lassen nicht einfach alle ungesteuert rein mit ihrer Importware.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ein wichtiger Hebel soll dabei nach dem Willen der Kommission die \u00f6ffentliche Beschaffung sein. Zwei Billionen Euro im Jahr geben Regierungen, Verwaltungen und \u00f6ffentliche Betriebe aus, 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Fortan sollen sie bei \u00f6ffentlichen Bauprojekten Solarzellen, W\u00e4rmepumpen, Windr\u00e4der aber auch Materialien wie Aluminium oder Zement mindestens teilweise aus der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europaeische-union\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> oder Partnerl\u00e4ndern kaufen. Elektrobusse<br \/>\n f\u00fcr den Nahverkehr sollen nur angeschafft werden, wenn ein Teil der<br \/>\nKomponenten aus der EU stammt, letztlich geht es da vor allem um die Batterie. Die gleichen Made-in-EU-Kriterien sollen auch f\u00fcr E-Autos gelten, wenn daf\u00fcr staatliche Zusch\u00fcsse flie\u00dfen. <\/p>\n<p>        Die EU hat von China gelernt        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Um die von der EU ersonnenen Quoten zu erreichen,<br \/>\n m\u00fcssen Hersteller von Solarzellen, Windkraftanlagen oder Aluminium<br \/>\nweiterhin in Europa produzieren \u2013 oder wieder, wenn sie Werke schon stillgelegt haben. Doch das Fabrikbauen reicht<br \/>\n der EU-Kommission nicht: Sie will bei Investitionen in solchen strategischen Bereichen auch noch eine Joint-Venture-Pflicht einf\u00fchren, also ausl\u00e4ndische Hersteller dazu zwingen, Gemeinschaftsfirmen mit einheimischen zu gr\u00fcnden und dabei ihr Wissen zu teilen. China hat das lange von westlichen Investoren gefordert \u2013 nun soll sich das umdrehen. Und europ\u00e4ische Firmen sollen so an Know-how kommen, das sie nicht haben.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das ist Protektionismus, nat\u00fcrlich, aber ein zul\u00e4ssiger, denn die beiden Gro\u00dfm\u00e4chte im Westen und Osten halten es leider schon l\u00e4nger ganz \u00e4hnlich. &#8222;Made in Europe&#8220; beendet nur die europ\u00e4ische Naivit\u00e4t gegen\u00fcber den USA und China in einer Zeit, in der die Globalisierung ohnehin auf dem R\u00fcckzug ist.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        ZEIT Geldkurs<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Tsch\u00fcss, Finanzchaos: In acht Wochen erkl\u00e4ren wir Schritt f\u00fcr Schritt, wie Sie bessere Geldroutinen aufbauen und das mit den ETFs endlich angehen. Anschlie\u00dfend erhalten Sie unseren Geld-Newsletter mit den besten Artikeln rund um Finanzen.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Doch das Papier der EU hat nicht die Schlagkraft der Konkurrenten, hat nicht den klugen Witz der chinesischen Vorlage, nicht die effektive Schlichtheit der Amerikaner. Es ist ein kompliziertes und risikoreiches Papier, von widerstreitenden Mitgliedsstaaten mittels ihrer Kommissare maximal verw\u00e4ssert. <\/p>\n<p>        Deutsche Konzerne bef\u00fcrchten, dass ihre Autos jetzt noch teurer werden        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Da ist zum Beispiel Frankreich. Das Land importiert vor allem aus China, hat dort wenig zu verlieren und sch\u00e4tzt ohnehin die starke Wirtschaftsregulierung durch den Staat. Und da ist Deutschland, eine gespaltene Industrienation: Viele kleine Betriebe sind auf Frankreichs Linie, vor allem sie sp\u00fcren die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/10\/chinesische-konkurrenz-industrie-deutschland-unternehmen-technologie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">immer h\u00e4rter werdende chinesische Konkurrenz<\/a>, k\u00f6nnen sich ihrer kaum erwehren. Die<br \/>\n Gro\u00dfkonzerne hingegen f\u00fcrchten, dass ihre E-Autos nun (noch) teurer<br \/>\nwerden und ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit leidet, weil sie weniger g\u00fcnstige<br \/>\nChina-Ware verbauen d\u00fcrfen. Und sie f\u00fcrchten auch noch die Rache der Gro\u00dfm\u00e4chte:<br \/>\nExtra-Steuern auf Premiumautos, erschwerte Lieferungen von Halbleitern \u2013 alles schon gesehen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Vertreter des Freihandels haben in die letzte Fassung des europ\u00e4ischen Gesetzentwurfs auch  noch hineinverhandelt, dass die halbe Welt der EU gleichgestellt wird: Made in Europa soll auch f\u00fcr Partnerl\u00e4nder gelten; wer in einer per Handelsabkommen befreundeten Nation produziert, ist fein raus. Die<br \/>\n Folge? Vielleicht streben jetzt mehr Staaten danach, Handelsabkommen<br \/>\nmit der EU abzuschlie\u00dfen. Doch Stand jetzt sieht es vor allem danach aus,<br \/>\nals ob damit die Idee von mehr Besch\u00e4ftigung in Europa wieder gef\u00e4hrdet wird: Made in Korea etwa w\u00fcrde dann auch als Made in Europe gelten. Koreanische Wagen k\u00f6nnten also weiterhin in den Genuss europ\u00e4ischer F\u00f6rdergelder kommen, f\u00fcr sie \u00e4ndert sich nichts. Auch nicht an der Verlagerung von Jobs in solche Partnerl\u00e4nder. <\/p>\n<p>        Wieder mal exorbitanter Papierkram        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das ist eine Steilvorlage f\u00fcr antieurop\u00e4ische Populisten. Und es ist eines der Themen, die das Europ\u00e4ische Parlament nun in den weiteren Diskussionen dringend ordnen muss. Genauso ist zu kl\u00e4ren, wie Unternehmen und staatliche Beschaffer k\u00fcnftig mit all den Vorgaben, den Prozentangaben und Quoten umgehen sollen. Denn Made in Europe sieht derzeit ziemlich europ\u00e4isch aus, also nach exorbitantem Papierkram.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Und w\u00e4hrend die Parlamentarier die B\u00fcrokratie einhegen, k\u00f6nnten sie auch gleich noch ein paar Kapitel nachlegen, die im Industry Accelerator Act kaum auftauchen, aber deutlich relevanter sind als die Bem\u00fchungen um ein Made in Europe:<br \/>\n Die Wirtschaft in Europa braucht zwar Schutz. Aber vor<br \/>\nallem braucht sie in ihrem Inneren das Gegenteil, also weniger<br \/>\nBarrieren: einen funktionierenden Binnenmarkt. Sie braucht gemeinsame<br \/>\nForschung. Und sie braucht m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst g\u00fcnstigen Strom:<br \/>\nf\u00fcr E-Autos, f\u00fcr Fabriken, f\u00fcr KI-Farmen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das alles endlich mal aus einem Guss zu lesen, w\u00e4re wirklich charmant. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Solarindustrie ist abgewandert nach China. Die Windkraftindustrie k\u00f6nnte bald folgen. Und die Batterieindustrie ist von Anfang an&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":852220,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,227,4552,548,942,663,158,3934,3935,13,8797,14,15,12,55,8135,381],"class_list":{"0":"post-852219","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-china","11":"tag-energiepolitik","12":"tag-eu","13":"tag-eu-kommission","14":"tag-europa","15":"tag-europaeische-union","16":"tag-europe","17":"tag-european-union","18":"tag-headlines","19":"tag-made-in-europe","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-wirtschaft","24":"tag-wirtschaftskrise","25":"tag-wirtschaftspolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116193051824196391","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/852219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=852219"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/852219\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/852220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=852219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=852219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=852219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}