{"id":852395,"date":"2026-03-08T11:56:17","date_gmt":"2026-03-08T11:56:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/852395\/"},"modified":"2026-03-08T11:56:17","modified_gmt":"2026-03-08T11:56:17","slug":"theater-bremen-zeigt-wie-sich-bremer-mit-nazi-raubgut-bereicherten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/852395\/","title":{"rendered":"Theater Bremen zeigt, wie sich Bremer mit Nazi-Raubgut bereicherten"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\nFragen &amp; Antworten<\/p>\n<p>Standdatum: 8. M\u00e4rz 2026.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nAlexander Schnackenburg<\/p>\n<p>Video<\/p>\n<p>Guido Gallmann, Judith Goldberg und Karin Enzler aus dem Schauspiel-Ensemble des Theaters Bremen posieren f\u00fcr ein Foto zu &#8222;Raub. Verladene Erinnerungen&#8220; in einer Bibliothek.<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Video-Ende<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Viele Bremer haben sich in der Nazizeit an j\u00fcdischem Eigentum bereichert. &#8222;K\u00fchne und Nagel&#8220; brachte das Raubgut nach Bremen. Jetzt zeigt das Theater Bremen die Geschichte.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zur Bremer Geschichte. Und doch wird der eine oder die andere im Zwei-St\u00e4dte-Staat nicht gern daran erinnert. Umso wichtiger, dass es geschieht, findet die Theaterregisseurin Melina Spieker. Es geht um die Tatsache, dass sich viele Menschen im Land Bremen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs mitschuldig gemacht haben an der Vertreibung, Deportation und Enteignung der Juden in Europa.<\/p>\n<p>Konkret haben sie bei Versteigerungen im Auktionshaus oder auch im Weserstadion f\u00fcr kleines Geld gekauft, worum Profiteure der Nazi-Herrschaft Juden in ganz Europa beraubt hatten: Schmuck, Kunstwerke, M\u00f6bel, ganze Hausr\u00e4te geflohener und deportierter Familien. Das Bremer Speditionsunternehmen &#8222;K\u00fchne und Nagel&#8220; hatte das Raubgut zuvor per Frachter aus Frankreich und den Benelux-L\u00e4ndern nach Bremen verschifft.<\/p>\n<p>Von diesen Ereignissen erz\u00e4hlt Spieker in ihrer Inszenierung &#8222;Raub. Verladene Erinnerungen&#8220; im Theater Bremen. Das Theater Bremen, die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung Bremen und das Projekt <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" data-external=\"true\" href=\"https:\/\/geraubt.de\/\" class=\"text-link\">geraubt.de<\/a>  begleiten die Inszenierung mit einer Reihe aus Podiumsgespr\u00e4chen unter dem Titel <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" data-external=\"true\" href=\"https:\/\/calendar.boell.de\/de\/event\/braunes-erbe-3-ueber-raub-reden-die-perspektive-betroffener-familien\" class=\"text-link\">Braunes Erbe<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/melina-spieker-jan-grosfeld-100~_v-512x288_c-1772620921087.jpg\" data-gallery-entry-for=\"raub-theater-bremen-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Eine blonde Frau und ein Mann mit Brille posieren vor blauem Hintergrund f\u00fcr gemeinsames Fotos\" title=\"Bild: J\u00f6rg Landsberg\" data-image-owner=\"J\u00f6rg Landsberg\" data-image-title=\"Eine blonde Frau und ein Mann mit Brille posieren vor blauem Hintergrund f\u00fcr gemeinsames Fotos\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/melina-spieker-jan-grosfeld-100~_v-512x288_c-1772620921087.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/melina-spieker-jan-grosfeld-100~_v-640x360_c-1772620921087.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Die Regisseurin Melina Spieker hat &#8222;Raub. Verladene Erinnerungen&#8220; gemeinsam mit Jan Grosfeld entwickelt.<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Worauf fu\u00dft das Theaterst\u00fcck zu Bremens braunem Erbe?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Die Regisseurin Melina Spieker greift f\u00fcr ihr St\u00fcck auf drei verschiedene &#8222;Textqualit\u00e4ten&#8220; zur\u00fcck, wie sie sagt: zum einen auf durch Historiker recherchierte Beitr\u00e4ge, zum anderen auf originale Akten, etwa aus den Staatsarchiven Bremens und Hamburgs sowie schlie\u00dflich auf Dokumente aus dem Familienarchiv von Barbara Maass. Sie ist eine Enkelin von Adolf Maass, der zeitweise der gr\u00f6\u00dfte Einzelanteilseigner von K\u00fchne und Nagels war, ehe er die Firma 1933 verlassen musste. 1944 wurde der Kaufmann mit j\u00fcdischen Wurzeln im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.<\/p>\n<p>&#8222;Wir beginnen mit 1890, der Gr\u00fcndung des Logistikunternehmens&#8220;, so Spieker. Insbesondere die Jahre von 1933 bis 1945 wolle sie streng chronologisch erz\u00e4hlen \u2013 mit Hilfe von Schaupl\u00e4tzen in der Innenstadt, die eng mit der Arisierungsgeschichte Bremens verkn\u00fcpft sind. Dort haben Spieker und das f\u00fcnfk\u00f6pfige Ensemble f\u00fcr die Inszenierung gefilmt, um ihr Spiel auf der Theaterb\u00fchne mit Filmsequenzen anreichern zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Spieker m\u00f6chte es jedoch nicht allein bei einem Blick in die Vergangenheit belassen. Etwa ein Drittel des St\u00fccks wolle sie auch der Bremer Gegenwart widmen, k\u00fcndigt sie an.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/henning-bleyl-100~_v-512x288_c-1772627036913.jpg\" data-gallery-entry-for=\"raub-theater-bremen-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Mann mittleren Alters mit Rollkragenpulli und Trainingsjacke dar\u00fcber vor einer grauen Mauer\" title=\"Bild: Marcus Wiechmann\" data-image-owner=\"Marcus Wiechmann\" data-image-title=\"Mann mittleren Alters mit Rollkragenpulli und Trainingsjacke dar\u00fcber vor einer grauen Mauer\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/henning-bleyl-100~_v-512x288_c-1772627036913.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/henning-bleyl-100~_v-640x360_c-1772627036913.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Henning Bleyl von der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung Bremen betreibt zugleich mit Evin Oettingshausen die Website &#8222;geraubt.de&#8220;, die \u00fcber das Mahnmal-Projekt informiert.<\/p>\n<p>Bild: Marcus Wiechmann<\/p>\n<p>Spielte Bremen f\u00fcr die Enteignung der Juden durch die Nazis wirklich eine derartig gro\u00dfe Rolle?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Ja, sagt Henning Bleyl, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung Bremen und neben Evin Oettingshausen verantwortlich f\u00fcr die Website &#8222;geraubt.de&#8220;. Bremen sei schon aufgrund seiner H\u00e4fen eine besondere Bedeutung bei der Arisierung zugekommen. &#8222;Die Nazis lie\u00dfen die Wohnungen j\u00fcdischer Menschen komplett ausrauben, um sie der nichtj\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung zu vermachen&#8220;, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Es sei den Nazis dabei insbesondere darum gegangen, die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr ihre Entbehrungen im Krieg zumindest teilweise zu entsch\u00e4digen und sich so gewogen zu halten. &#8222;Siegeswichtig&#8220; h\u00e4tten sie das genannt, sagt Bleyl und spricht von einer &#8222;gigantischen Umverteilung&#8220;. Allein aus den westlichen L\u00e4ndern seien rund 30.000 vollbeladene Waggons und \u00fcber 600 Frachtschiffe j\u00fcdischen Eigentums nach Deutschland gebracht und dort verteilt und verscherbelt worden.<\/p>\n<p>K\u00fchne und Nagel habe dabei eine Schl\u00fcsselrolle gespielt, sagt Bleyl. Die Nazis beauftragten das Unternehmen bei der so genannten &#8222;M-Aktion&#8220; (&#8222;M&#8220; f\u00fcr M\u00f6bel) damit, die Einrichtungen aus rund 65.000 Wohnungen in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg abzutransportieren. Daran erinnert in Bremen seit September 2023 ein <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" data-external=\"true\" href=\"https:\/\/www.senatspressestelle.bremen.de\/pressemitteilungen\/das-mahnmal-zur-erinnerung-an-unrechtmaessige-enteignungen-juedischer-mitbuergerinnen-und-mitbuerger-ist-eingeweiht-430018\" class=\"text-link\">Mahnmal<\/a> an der Wilhelm-Kaisen-Br\u00fccke, in unmittelbarer Nachbarschaft von K\u00fchne und Nagel.<\/p>\n<p>Was erhofft sich das Theater Bremen von der Inszenierung sowie von der begleitenden Reihe &#8222;Braunes Erbe&#8220;?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Sie wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Erinnerung an die schlimme Vergangenheit dem kollektiven Bremer Ged\u00e4chtnis erhalten bleibt. Noch bis in den kommenden Herbst, so Henning Bleyl von der B\u00f6ll-Stiftung, werde es immer mal Podiumsdiskussionen zum Thema im Noon Caf\u00e9 des Theaters Bremen geben.<\/p>\n<p>Regisseurin Melina Spieker hofft unterdessen, dass es ihr mit ihrer Inszenierung gelingt, ein m\u00f6glichst realistisches Bild von den Ereignissen aus der Nazizeit zu zeichnen. Dass sie erst im Jahr 2000 geboren wurde, betrachtet sie hierbei als Vorteil: &#8222;Ich habe das Gef\u00fchl, dass es der gro\u00dfe zeitliche Abstand leichter macht, der Geschichte nachzusp\u00fcren&#8220;, sagt sie und k\u00fcndigt an: &#8222;Die Hemmschwelle ist niedriger, als sie es f\u00fcr Menschen w\u00e4re, die dichter dran sind.&#8220;<\/p>\n<p>Weitere Infos zu den Auff\u00fchrungsterminen und den Eintrittspreisen stehen auf dieser <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" data-external=\"true\" href=\"https:\/\/www.theaterbremen.de\/de_DE\/kalender\/raub-verladene-erinnerungen.17877689\" class=\"text-link\">Website<\/a>.<\/p>\n<p>Video<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Video-Ende<\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 6. M\u00e4rz 2026, 19.30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fragen &amp; Antworten Standdatum: 8. M\u00e4rz 2026. Autorinnen und Autoren: Alexander Schnackenburg Video Guido Gallmann, Judith Goldberg und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":852396,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30,189305,27228,51502],"class_list":["post-852395","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bremen","tag-bremen","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-kuehne-und-nagel","tag-raubgut","tag-theater-bremen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116193433257660191","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/852395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=852395"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/852395\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/852396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=852395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=852395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=852395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}