{"id":85279,"date":"2025-05-05T02:55:17","date_gmt":"2025-05-05T02:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/85279\/"},"modified":"2025-05-05T02:55:17","modified_gmt":"2025-05-05T02:55:17","slug":"mehr-hanns-dieter-huesch-wagen-zum-100-geburtstag-erinnert-ein-buch-an-den-kabarett-poeten-aus-mainz-und-vom-niederrhein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/85279\/","title":{"rendered":"Mehr Hanns Dieter H\u00fcsch wagen: Zum 100. Geburtstag erinnert ein Buch an den Kabarett-Poeten aus Mainz und vom Niederrhein"},"content":{"rendered":"<p>Am 6. Mai w\u00e4re er 100 Jahre alt geworden: Kabarettist, Poet, Meister der Alltagsbeobachtungen, die er in feinsinnig gedrechselten Endlos-S\u00e4tzen zu Bildern des Liebevoll-Absurden malte \u2013 ein Eulenspiegel der Nachkriegsmoderne. Die Rede ist von einem, der mehr als 40 Jahre in Mainz lebte, und dennoch heute immer mehr in Vergessenheit ger\u00e4t: Hanns Dieter H\u00fcsch. An den Meister Kabarett-Poeten erinnert nun ein kleines B\u00fcchlein, in dem sich knapp 50 Freunde, Fans und Weggef\u00e4hrten an H\u00fcsch erinnern, ihn w\u00fcrdigen \u2013 und eine Renaissance fordern: \u201eMan m\u00fcsste H\u00fcsch jeden Mittag auf dem Marktplatz lesen\u201c, sagt seine zweite Frau Christiane H\u00fcsch-von Aprath.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53531\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fotos-Unterhaus-Huesch-mit-Glocke-300x229.jpg\" alt=\"Hanns Dieter H\u00fcsch und seine Glocke, die er dem Mainzer Unterhaus zu dessen Gr\u00fcndung vermachte. - Foto: Mainzer Unterhaus \" width=\"380\" height=\"290\"  \/>Hanns Dieter H\u00fcsch und seine Glocke, die er dem Mainzer Unterhaus zu dessen Gr\u00fcndung vermachte. \u2013 Foto: Mainzer Unterhaus<\/p>\n<p>Seine Glocke wird bis heute im \u201eMainzer Unterhaus\u201c gel\u00e4utet, jenem Tempel von Kabarett und Kleinkunst, von dem aus das Kabarett nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Siegeszug durch die Republik antrat. Gr\u00f6\u00dfter Unterst\u00fctzer und quasi erster Haus-Kabarettist war niemand anders als Hanns Dieter H\u00fcsch, jener Legende des bundesdeutschen Nachkriegskabaretts. \u201eSchriftsteller, Kabarettist, Liedermacher, Schauspieler, Synchronsprecher und Rundfunkmoderator\u201c, vermerkt die Homepage <a href=\"https:\/\/www.hannsdieterhuesch.de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hannsdieterhuesch.de<\/a> trocken, all das ist wahr, und doch war \u201eHDH\u201c, wie ihn seine Freunde nannten, vor allem eines: ein Meister der satirischen Poesie.<\/p>\n<p>Geboren wurde Hanns Dieter H\u00fcsch am 6. Mai 1925 in Moers am Niederrhein, eine Missbildung seiner F\u00fc\u00dfe bewahrte ihn vor dem Wehrdienst im Nationalsozialismus, und pr\u00e4gte den jungen Mann zugleich tief: Das Immer-Wieder-Aufstehen, der Kampf um Normalit\u00e4t im Ausgegrenztsein, das pr\u00e4gte H\u00fcsch tief. Nach dem Krieg kam H\u00fcsch nach Mainz, studierte hier Theaterwissenschaften, Literaturgeschichte und Philosophie \u2013 doch vor allem begann er zu schreiben.<\/p>\n<p>&#8211; Werbung &#8211; <a href=\"https:\/\/mainzund.de\/werben-auf-mainzund\/\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Banner-Tulpen-Text-neu-1068.jpg\" alt=\"Werben auf Mainz&amp;\" width=\"468\" height=\"60\"\/><\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Poet, Liedermacher, Meister der Allerwelts-Beobachtungen<\/p>\n<p>Sein Weg f\u00fchrte ihn schnell ins Kabarett: H\u00fcsch beteiligte sich am Mainzer Studenten-Kabarett \u201eDie Tol(l)eranten\u201c und trat bereits 1949 als Chansonnier mit seinem ersten Soloprogramm \u201eDas literarische Klavier\u201c auf\u201c, wie es bei Wikipedia hei\u00dft. \u201eGanz fr\u00fcher \u2013 nicht in grauer Vorzeit \u2013 sondern als ich anfing, mich mit der Kleinkunst und dem Kabarett zu besch\u00e4ftigen, n\u00e4mlich in den Jahren 1946, 47 und 48, da war ich ja noch ein richtiger Liedermacher\u201c, schrieb H\u00fcsch einmal selbst, <a href=\"https:\/\/www.huesch.info\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie die Homepage Huesch.info<\/a>\u00a0berichtet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53530\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Huesch-Die-Polyphonische-Krankheit-via-Youtube-300x191.jpg\" alt=\"Hanns Dieter H\u00fcsch mit typischer Mimik und Gestik bei einem seiner &quot;Konzerte&quot;. - Screenshot: gik via Youtube\" width=\"380\" height=\"242\"  \/>Hanns Dieter H\u00fcsch mit typischer Mimik und Gestik bei einem seiner \u201eKonzerte\u201c. \u2013 Screenshot: gik via Youtube<\/p>\n<p>\u201eDamals sagte man Chansonnier. Und dann erst fing ich an, neben den Liedern reine Texte zu schreiben, Gedichte und rhythmische Prosa, literarische Collagen, politische Satiren und Privatpoesien\u201c, z\u00e4hlte H\u00fcsch selbst einmal auf.\u00a0Aus alle dem aber entstand vor allem immer eines: \u201epure Geschichten, Kleinigkeiten, Allerweltsereignisse und Alltagserlebnisse, und dann die Geschichten, wo die Zuh\u00f6rer immer zu mir kommen und sagen, sie m\u00fcssen bei uns im Schrank gesessen haben\u201c, schrieb H\u00fcsch: \u201eUnd ich sage, das kann nicht sein, denn ich war an dem Tag ganz woanders.\u201c<\/p>\n<p>Genau das war so typisch f\u00fcr H\u00fcschs Texte und Geschichten: Der genaue Blick in den Alltag der Menschen, gepaart mit dieser ironischen Brechung, die so einmalig war, und eben genau jenen Blick des Eulenspiegels auf das Menschlich-Allzumenschliche seiner Mitmenschen. H\u00fcsch erz\u00e4hlte \u201eMenschengeschichten. Banalit\u00e4ten. Nebens\u00e4chliches. Unbedeutendes\u201c \u2013 scheinbar. H\u00fcsch schrieb Psychogramme der deutschen Alltagswelt, das war nie banal und schon gar nicht unpolitisch, im Gegenteil: Im Allt\u00e4glichen, Biederen, Spie\u00dfigen und Banalen machte H\u00fcsch das Politische im Privaten sichtbar, und prangerte an. Die einen spielen Tennis, die anderen spielen Aufkl\u00e4rung\u201c, sagte er einmal in einem seiner Programme \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2wEbMbEp9zA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zu finden hier auf Youtube:\u201cDie polyphonische Krankheit\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Mikrofon, eine Mini-Orgel und ein Mann mit vielen Worten<\/p>\n<p>Er war der Meister der leisen T\u00f6ne: Ein Mikrofon, ein einfaches Pult oder die Mini-Orgel, darauf handgeschriebene Notizseiten \u2013 und ein etwas kahlk\u00f6pfiger Mann mit Brille und Bart, der beinahe ununterbrochen redete. \u00a0Den \u201epoetischsten aller Kabarettisten\u201c nannte ihn der sp\u00e4tere Bundespr\u00e4sident Johannes Rau (SPD) einmal. \u201eEs gibt S\u00e4tze bei H\u00fcsch, die sind von einer poetischen Kraft und zugleich von einer Konkretheit, dass sich ein Vergleich mit Tucholsky aufdr\u00e4ngt\u201c, schrieb einmal der Publizist Henryk M. Broder, das war bereits im Jahr 1978.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55408\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Buchcover-Huesch-190x300.jpg\" alt=\"Cover des Erinnerungsbuches an Hanns Dieter H\u00fcsch zu seinem 100. Geburtstag. - Foto: gik\" width=\"320\" height=\"506\"  \/>Cover des Erinnerungsbuches an Hanns Dieter H\u00fcsch zu seinem 100. Geburtstag. \u2013 Foto: gik<\/p>\n<p>Tucholsky, Bert Brecht und Thomas Bernhard geh\u00f6rten zu den Lieblingsautoren H\u00fcschs, seine Prosa machte ihn zu den Leisen auf der B\u00fchne in einer Zeit, in der Kabarett laut, wild, schrill und anklagend daherkam. Auf dem legend\u00e4ren Liedermacherfestival der Burg Waldeck im Hunsr\u00fcck wurde H\u00fcsch in den 1970er Jahren genauso ausgebuht wie ein Reinhard Mey: Unpolitisch sei er, beziehe nicht klar genug Stellung, das warfen ihm die Studenten der 68-er Bewegung vor.<\/p>\n<p>\u201eHanns Dieter H\u00fcsch hat stets die grundlegenden Fragen gestellt, danach, was vor, w\u00e4hrend und nach dem zweiten Weltkrieg geschah. Nach dem Holocaust, den Machtstrukturen im Heute\u201c, schreibt Renate K\u00fcnast, Ex-Bundeslandwirtschaftsministerin der Gr\u00fcnen, in einer Erinnerung an H\u00fcsch: \u201eEr hat nicht einfach hingenommen, wie die Verh\u00e4ltnisse sind. Er hat sich nicht mit der Idee zufrieden gegeben, sich ins Private zur\u00fcckzuziehen.\u201c Stattdessen habe H\u00fcsch \u201emit analytischer Pr\u00e4zision\u201c gefragt, \u201ewarum die aktuelle Situation so ist, (\u2026) und wie es stattdessen gehen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Erinnerungen an H\u00fcsch: \u201eIch war schockverliebt\u201c<\/p>\n<p>Und genau damit habe H\u00fcsch sie mehr angesprochen und inspiriert, als die laute Studentenbewegung: \u201eIch war fasziniert von der Kraft seiner Worte, von der Pr\u00e4zision seiner Beschreibungen, und: er dr\u00fcckte oftmals meine Fragen sowie meine Emotionen aus.\u201c Der Text ist erschienen in einem kleinen B\u00fcchlein mit dem sehr einfachen Titel: \u201eHanns Dieter H\u00fcsch zum 100. Geburtstag \u2013 Erinnerungen von Freunden und Bewunderern.\u201c Auch ein kleiner Text der Internetzeitung Mainz&amp; \u00fcber \u201eH\u00fcsch &amp; Mainz\u201c ist dort zu finden \u2013 es ist <a href=\"https:\/\/mainzund.de\/hanns-dieter-huesch-zum-100-geburtstag-buch-will-erinnerungen-an-mainzer-kabarettisten-wach-halten-schreibaufruf-fuer-erinnerungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Auszug aus diesem Mainz&amp;-Artikel<\/a> vom Dezember 2024.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55407\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Malte-Leyhausen-mit-Huesch-Bueste-Kabarettarchiv-kleiner-300x225.jpg\" alt=\"Malte Leyhausen, selbst einige Jahre als Profi-Kabarettist t\u00e4tig, sammelte die Erinnerungen an Hanns Dieter H\u00fcsch und gab si als Anthologie heraus - hier ein Selfie mit der H\u00fcsch-B\u00fcste von Karlheinz Oswald. - Foto: Leyhausen\" width=\"380\" height=\"285\"  \/>Malte Leyhausen, selbst einige Jahre als Profi-Kabarettist t\u00e4tig, sammelte die Erinnerungen an Hanns Dieter H\u00fcsch und gab si als Anthologie heraus \u2013 hier ein Selfie mit der H\u00fcsch-B\u00fcste von Karlheinz Oswald. \u2013 Foto: Leyhausen<\/p>\n<p>Gesammelt und herausgegeben hat diese Erinnerungen der Buchautor Malte Leyhausen, der einige Jahre selbst als Profi-Kabarettist aktiv war. Mit 16 Jahren habe er die ersten S\u00e4tze von H\u00fcsch im Musikunterricht seines Gymnasiums in Neuss am Niederrhein geh\u00f6rt, \u201eich war schockverliebt\u201c, schreibt Leyhausen selbst in seinem Erinnerungs-Essay: \u201eDas satirische Psychogramm meiner Landsleute traf derma\u00dfen ins Schwarze, dass ich als Pubertier H\u00fcsch wie einen neuen Kontinent entdeckte.\u201c Die Verbindung zu dem Kabarett-Poeten kam aber auch \u00fcbers Elternhaus zustande: Der Illustrator J\u00fcrgen \u201eMoses\u201c Pankarz z\u00e4hlte zu den Freunden von Leyhausens Familie \u2013 und hatte immer wieder Zeichnungen \u00fcber und f\u00fcr H\u00fcsch angefertigt.<\/p>\n<p>\u201eDas schwarze Schaf vom Niederrhein\u201c \u2013 wie sich H\u00fcsch gerne selbts bezeichnete \u2013 wurde so zu einem heute legend\u00e4ren Plattencover aus der Feder von \u201eMoses\u201c Pankarz. \u201eZuverl\u00e4ssig, liebenswert, ein guter Zuh\u00f6rer\u201c, so erinnert sich nun Pankarz in der H\u00fcsch-Anthologie an den langj\u00e4hrigen Freund: Zusammen essen, dazu ein Glas Wein. Vielleicht zwei. Oder drei. Oder\u2026 Und dann reden. Reden \u00fcber Gott und die Welt. \u00dcber Menschen. Dinge. Tr\u00e4ume, Auch Triviales, Witze eingeschlossen.\u201c Das Niederrheinische \u201evom H\u00f6lzken aufs St\u00f6cksken\u201c zu kommen \u2013 so waren auch H\u00fcschs Texte auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p>Werbung<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mainzund.de\/werben-auf-mainz-mediadaten-anzeigen-und-sponsored-posts\/\" target=\"_blank\" aria-label=\"Headbanner Sonnenuntergang mit Christuskirche und Ritterhelm schmaler mit Text\" rel=\"noopener\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Headbanner-Sonnenuntergang-mit-Christuskirche-und-Ritterhelm-schmaler-mit-Text.jpg\" alt=\"\"   width=\"650\" height=\"241\"\/><\/a>\u201eSeine Freundlichkeit wurde als Harmlosigkeit missverstanden\u201c<\/p>\n<p>\u201eH\u00fcsch hatte nicht nur einen besonders klaren Blick f\u00fcr die Absurdit\u00e4ten des Alltags. Er hatte vor allem ein unbestechliches Ohr f\u00fcr die falsche T\u00f6ne\u201c, schreibt J\u00fcrgen Hardeck, ebenfalls ein Weggef\u00e4hrte H\u00fcschs, und seit 2021 Staatssekret\u00e4r im rheinland-pf\u00e4lzischen Kulturministerium in Mainz: \u201eSeine scheinbar endlosen Assoziationsketten (\u2026) waren meisterhaft komponierte Minimalmusiken des Lebens.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55409\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Staatssekretaer-Juergen-Hardeck-Foto-MFFKI-Jana-Kay-300x200.jpg\" alt=\"Kultur-Staatssekret\u00e4r J\u00fcrgen Hardeck erinnert sich ebenfalls an Hanns Dieter H\u00fcsch. - Foto: MFFKI, Jana Kay\" width=\"380\" height=\"253\"  \/>Kultur-Staatssekret\u00e4r J\u00fcrgen Hardeck erinnert sich ebenfalls an Hanns Dieter H\u00fcsch. \u2013 Foto: MFFKI, Jana Kay<\/p>\n<p>H\u00fcschs \u201eunbeirrbare Freundlichkeit\u201c sei manchmal \u201eals Harmlosigkeit missverstanden worden\u201c, schreibt Hardeck weiter, doch H\u00fcsch sei \u201edurchaus immer politisch geblieben \u2013 auf seine eigen, tiefgr\u00fcndige Art.\u201c H\u00fcsch habe immer gegen ungerechte Zust\u00e4nde rebelliert, er \u201edichtete auch wunderbare Lieder \u00fcber die unaufhebbare Tragik menschlichen Daseins.\u201c Eines dieser Lieder, das so viele seiner Kollegen nachhaltig inspirierte, war sein \u201eIch singe f\u00fcr die Verr\u00fcckten, die seitlich Umgeknickten\u201c, in dem es weiter hei\u00dft: \u201eAn ihrem Tisch in K\u00fcchen sitzen,\/ Und keiner Weltanschauung n\u00fctzen,\/ Die tagelang durch St\u00e4dte streifen\/ und die Geschichte nicht begreifen.\u201c<\/p>\n<p>H\u00fcsch habe irgendwann aufgeh\u00f6rt, sich mit Tagespolitik oder gar mit Politikern und Parteien in seinen Programmen zu besch\u00e4ftigen, schreibt der Kabarettist Mathias Richling in seinem Vorwort zur Anthologie: \u201eIhm war wichtiger, die allgemeinen, gro\u00dfen, immerg\u00fcltigen Themen des Lebens, und damit auch des politischen Lebens abzuhandeln. Und damit sind seine Texte heute noch oft ausgesprochen tagesaktuell.\u201c Und Richling kritisiert, es sei ihm \u201eunverst\u00e4ndlich, dass bei dem ganzen Wiederholungswahn\u201c der Fernsehanstalten ausgerechnet Sendungen und Beitr\u00e4ge von Hanns Dieter H\u00fcsch keinen Platz f\u00e4nden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Warum gibt es keine Wiederholungen von H\u00fcschs Auftritten im TV?<\/p>\n<p>Vielleicht liegt es daran, dass die Gesellschaft der Social Media-Demokratie das Zuh\u00f6ren verlernt hat, das fehlende Interesse am Tiefgang kann es eigentlich nicht sein: Fast 50 Weggef\u00e4hrten erinnern sich wehm\u00fctig und liebevoll an H\u00fcsch, darunter Kabarett-Gr\u00f6\u00dfen wie Jochen Malmsheimer oder Arnulf Rating, Lars Reichow oder J\u00fcrgen Becker, aber auch die S\u00e4ngerin Katja Ebstein oder J\u00fcrgen Kessler, langj\u00e4hriger Manager und Fahrer H\u00fcschs und langj\u00e4hriger <a href=\"https:\/\/kabarett.de\/deutsches-kabarettarchiv-mainz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leiter des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz<\/a>. Hier steht heute auch die Bronze-B\u00fcste, die der K\u00fcnstler Karlheinz Oswald 2016 von H\u00fcsch anfertigte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55410\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Malte-Leyhausen-mit-Stern-der-Satire-Huesch-kleiner-300x225.jpg\" alt=\"Selfie von Malte Leyhausen mit dem Mainzer &quot;Stern der Satire&quot;, der Hanns Dieter H\u00fcsch gewidmet ist. - Foto: Leyhausen \" width=\"380\" height=\"285\"  \/>Selfie von Malte Leyhausen mit dem Mainzer \u201eStern der Satire\u201c, der Hanns Dieter H\u00fcsch gewidmet ist. \u2013 Foto: Leyhausen<\/p>\n<p>Herausgekommen ist ein B\u00e4ndchen, in dem sich wunderbar schm\u00f6kern l\u00e4sst, und dass vieles der vergangenen Jahrzehnte Revue passieren l\u00e4sst \u2013 von Studentenbewegung und Liedermacher-Zeit bis hin zu den Kleinkunstb\u00fchnen und Medienentwicklungen. \u201eRadio sollte zum Dudelfunk werden. Zum Wegh\u00f6ren\u201c, kritisiert etwa Arnulf Rating, und zitiert H\u00fcsch, der damals mahnte: \u201eGenehmigt auch den freien Geist, Wenn Ihr noch wisst, was Freiheit hei\u00dft.\u201c Erinnerungen aber vermerken auch\u00a0 zahlreiche hohe Vertreter der evangelischen Kirche in Deutschland, darunter Bisch\u00f6fin und Ex-Ratsvorsitzende Margot K\u00e4\u00dfmann sowie der fr\u00fchere Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland-Nikolaus Schneider.<\/p>\n<p>Denn H\u00fcsch war auch ein gl\u00e4ubiger Christ, trat auf Kirchentagen auf und in Kirchengemeinden, einen \u201etheologischen Poeten\u201c nennt ihn Schneider, einen, dessen Worte aufr\u00fctteln und zugleich ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Und so \u00fcberrascht es nicht, dass Richling fordert, mehr Hanns Dieter H\u00fcsch zu wagen \u2013 vor allem im Fernsehen. Und H\u00fcschs zweite Ehefrau Christiane erinnert am Ende des Bandes im Gespr\u00e4ch mit Herausgeber Leyhausen an seine Emp\u00f6rung \u00fcber und seinen Kampf gegen den wieder aufkeimenden Faschismus in seiner Zeit. \u201eMan m\u00fcsste\u201c, sagt sie noch, \u201eH\u00fcsch jeden Mittag auf dem Marktplatz lesen.\u201c<\/p>\n<p>Hanns Dieter H\u00fcsch starb am 6. Dezember 2005 mit 80 Jahren \u2013 und nach mehr als 70 B\u00fchnenprogrammen. Die Glocke, das Markenzeichen seiner ersten politischen Kabaretttruppe \u201eArche-Nova\u201c wird bis heute im Mainzer Unterhaus gel\u00e4utet und ist wird hier als Deutsche Kleinkunstpreis verliehen. Der 274 Seiten starke Erinnerungsband ist im Books on Demand-Verlag erschienen, sein Erl\u00f6s\u00a0kommt <a href=\"https:\/\/www.hdh-freundeskreis.de\/hdh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dem Freundeskreis Hanns Dieter H\u00fcsch<\/a> e. V. zugute, dessen Mitglieder sich dem Andenken an den Kabarett-Poeten widmen.<\/p>\n<p><strong>Info&amp; auf Mainz&amp;:<\/strong> Das Buch \u201eHanns Dieter H\u00fcsch zum 100. Geburtstag \u2013 Erinnerungen von Freunden und Bewunderern\u201c ist als Taschenbuch f\u00fcr 18,- Euro, als Hardcover f\u00fcr 28,- Euro oder als E-Book f\u00fcr 9,49 Euro zu haben. Bestellt werden kann es direkt hier bei BoD, oder auch <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Hanns-Dieter-H%C3%BCsch-100-Geburtstag\/dp\/3769327837\/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=3DJYYBRAI6GYZ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.GVL5hi15BUDmG1GXyFBEJtinvsjuyZMwN9xpBrZkq_o8HziNoavxqjY5F6rzKi7jt7JvWm0EzkwP5-x3mSKBRA1oKkDfIKiYrugqxmTtK1U8393VdxFMXO8tc1t1kdnjqqedgL_F9f9m-zsvS8BOH3T8uzk8H5C9kGVv4JQGJKH9MAy9TYnUtZaCOKoQwM8PJuTOIwqk8Yoqi6VWh78E7w_Gg4gC8a3Y9gt3FlSWt6g.poQzzPYiZGkVQNaJEuZlVZemRA3QlDJ-eFoxn62OQuU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Hanns+Dieter+H%C3%BCsch+zum+100.&amp;qid=1746403455&amp;sprefix=hanns+dieter+h%C3%BCsch+zum+100.%2Caps%2C79&amp;sr=8-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier bei Amazon<\/a> \u2013 auch Buchl\u00e4den k\u00f6nnen es nat\u00fcrlich besorgen. Die Homepage von Malte Leyhausen <a href=\"https:\/\/www.malte-leyhausen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">findet Ihr hier im Internet<\/a>.<\/p>\n<p>Am Dienstagabend, des 6. Mai 2025, ist zudem H\u00fcschs Tochter Anna im Deutschen Kabarettarchiv in Mainz zu Gast und erinnert mit Gedichten, Texten und Liedern an ihren Vater. Infos, Preis und Anmeldung zu <a href=\"https:\/\/kabarett.de\/event\/anna-huesch-mein-vater-der-poet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eMein Vater, der Poet\u201c hier im Internet<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 6. 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