{"id":854043,"date":"2026-03-09T03:13:15","date_gmt":"2026-03-09T03:13:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/854043\/"},"modified":"2026-03-09T03:13:15","modified_gmt":"2026-03-09T03:13:15","slug":"stuttgart-afd-holt-fast-19-prozent-volkspartei-oder-denkzettel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/854043\/","title":{"rendered":"Stuttgart | AfD holt fast 19 Prozent &#8211; Volkspartei oder Denkzettel?"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart (dpa) &#8211; Die AfD hat in Baden-W\u00fcrttemberg das beste Wahlergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland erzielt. Mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen ist der Anteil noch h\u00f6her als in Hessen 2023 (18,4 Prozent). \u00abWir sind jetzt auch in Baden-W\u00fcrttemberg Volkspartei\u00bb, sagte Bundesparteichef Tino Chrupalla. Obwohl Spitzenkandidat Markus Frohnmaier der CDU Avancen machte, d\u00fcrfte es aber bei einem Platz auf der Oppositionsbank bleiben.<\/p>\n<p>Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD, die der Verfassungsschutz im S\u00fcdwesten als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, ihr Ergebnis fast verdoppelt. \u00abUnd darauf sind wir nat\u00fcrlich stolz\u00bb, sagte Frohnmaier. Zudem zeige das Ergebnis, dass die B\u00fcrger keine gr\u00fcne Politik mehr wollten, sondern einen Kurswechsel. Bei der CDU warb er f\u00fcr eine b\u00fcrgerlich-konservative Mehrheit, die rechnerisch m\u00f6glich w\u00e4re. CDU-Landeschef Manuel Hagel schloss aber aus, sich von der AfD zum Regierungschef w\u00e4hlen zu lassen.<\/p>\n<p>Vor allem Nichtw\u00e4hler mobilisiert<\/p>\n<p>Das gute Abschneiden am Sonntag kam nicht \u00fcberraschend: Schon bei der Bundestagswahl 2025 hatte die Partei in Baden-W\u00fcrttemberg &#8211; wie auch in anderen westdeutschen L\u00e4ndern &#8211; zugelegt. Mit 19,8 Prozent der Zweitstimmen lag die AfD im S\u00fcdwesten nur knapp unter dem bundesweiten Schnitt.\u00a0<\/p>\n<p>Ist der Zenit \u00fcberschritten, da der Wert nun etwas darunter liegt? Das w\u00e4re eine leicht optimistische Interpretation, sagte Rolf Frankenberger vom Institut f\u00fcr Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen der Deutschen Presse-Agentur. \u00abDie Partei hat ausgesch\u00f6pft, was sie kann.\u00bb<\/p>\n<p>Bei der Landtagswahl wurde die AfD laut einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen nach Ansicht von 62 Prozent der Befragten \u00abals Denkzettel\u00bb und nach der Meinung von nur 32 Prozent wegen ihrer politischen Forderungen gew\u00e4hlt.\u00a0<\/p>\n<p>Zudem zeigten ARD und ZDF aus ihren Daten zu W\u00e4hlerwanderungen, dass die AfD vor allem Stimmen von Nichtw\u00e4hlern hinzugewonnen habe. Deutlich geringer seien Str\u00f6me von ehemaligen CDU- beziehungsweise FDP-W\u00e4hlern. Diese Entwicklung sei auff\u00e4llig, sagte Frankenberger. Viele h\u00e4tten wohl gedacht: \u00abJetzt kommt`s drauf an.\u00bb Auch h\u00e4tten sich die Gr\u00fcnen nicht so stark von der CDU unterschieden, \u00abwenn man nicht so genau hinschaut\u00bb.<\/p>\n<p>Direktmandat in Mannheim, Zweitstimmen-Siegerin in Pforzheim\u00a0<\/p>\n<p>Stark schnitt die AfD vor allem in l\u00e4ndlicheren Gebieten wie dem Schwarzwald ab. Im s\u00fcdbadischen Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen bekam sie ihren h\u00f6chsten Zweitstimmen-Anteil von 26,7 Prozent, lag aber hinter der CDU.<\/p>\n<p>In wenigen st\u00e4dtischen Wahlkreisen hingegen blieb sie einstellig. Allerdings gibt es hier zwei prominente Ausnahmen: In Pforzheim wurde die AfD gemessen an den Zweitstimmen mit 26,4 Prozent st\u00e4rkste Kraft. Und im Wahlkreis Mannheim I gewann ihr Kandidat Bernhard Pepperl sogar das Direktmandat.<\/p>\n<p>Laut Frankenberger hat die AfD hier der SPD als Arbeiterpartei den Rang abgelaufen. \u00abIn dem Wahlkreis ist die Wahlbeteiligung relativ niedrig.\u00bb Auch das k\u00f6nne sich zugunsten des AfD-Bewerbers ausgewirkt haben.<\/p>\n<p>Gerade in den oft traditionalistisch gepr\u00e4gten Regionen hatte die AfD laut dem Experten wie keine andere Partei Themen wie traditionelle Familienbilder, Patriotismus, Fremden- und Homofeindlichkeit adressiert. Aber auch der Kampf gegen Windkraft sowie das Verbrenner-Aus gerade in den Hochburgen der Autoindustrie h\u00e4tten im Wahlkampf eine Rolle gespielt. Zudem habe die Partei mit Plakatspr\u00fcchen wie \u00abDein Nachbar w\u00e4hlt uns auch\u00bb Normalit\u00e4t signalisiert.<\/p>\n<p>Einen Schub k\u00f6nnte die Entscheidung des Verwaltungsgerichts K\u00f6ln gegeben haben, nach der das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die Partei vorerst nicht als gesichert rechtsextremistisch einstufen und behandeln und sie \u00f6ffentlich auch nicht so bezeichnen darf. Auf der anderen Seite habe die Debatte um Vorw\u00fcrfe der Vetternwirtschaft bei der AfD die Zustimmung ein bisschen ged\u00e4mpft, sagt Frankenberger. \u00abDas k\u00f6nnte sich ausgeglichen haben.\u00bb<\/p>\n<p>Fr\u00fcher NPD und Republikaner im Landtag<\/p>\n<p>Im S\u00fcdwesten hat die AfD nach eigenen Angaben rund 8.600 Mitglieder. Im Landtag ist sie seit 2016 vertreten, als Fl\u00fcchtlinge gro\u00dfes Thema waren. Aus dem Stand wurde die AfD damals mit 15,1 Prozent drittst\u00e4rkste Kraft.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter fuhr sie Verluste ein und wurde mit 9,7 Prozent die kleinste Fraktion. Diese trat laut Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung deutlich disziplinierter auf als in der Legislaturperiode zuvor &#8211; \u00abwenn auch nicht unbedingt inhaltlich gem\u00e4\u00dfigter\u00bb.<\/p>\n<p>Als rechte Partei ist die AfD aber kein neues Ph\u00e4nomen im Stuttgarter Parlament: Ende der 1960er Jahre sa\u00df hier schon die NPD, in den 1990ern waren es die Republikaner.<\/p>\n<p>F\u00fcr AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier hei\u00dft das Wahlergebnis trotz des Erfolgs: Er bleibt Bundestagsabgeordneter. Der 35-J\u00e4hrige war nur als m\u00f6glicher Ministerpr\u00e4sident angetreten &#8211; hatte aber nicht f\u00fcr den Landtag kandidiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart (dpa) &#8211; Die AfD hat in Baden-W\u00fcrttemberg das beste Wahlergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland erzielt. 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