{"id":854455,"date":"2026-03-09T07:18:11","date_gmt":"2026-03-09T07:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/854455\/"},"modified":"2026-03-09T07:18:11","modified_gmt":"2026-03-09T07:18:11","slug":"in-vielen-faellen-haben-junge-menschen-die-schule-als-ort-des-misserfolgs-erlebt-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/854455\/","title":{"rendered":"\u00bbIn vielen F\u00e4llen haben junge Menschen die Schule als Ort des Misserfolgs erlebt\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Im Schuljahr 2023\/24 haben 10,2 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Leipzig die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlassen. Damit ist laut Sozialreport der Stadt Leipzig die Quote im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gestiegen. Gr\u00fcnde k\u00f6nnen zum Beispiel Mobbing, \u00dcberforderung oder negative Erfahrungen sein. Bevor es zu einem vorzeitigen Abbruch der Schullaufbahn kommt, zeigen viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler schulvermeidendes Verhalten, sie \u00bbschw\u00e4nzen\u00ab immer h\u00e4ufiger. Grisedis Legath und Roger Friedling arbeiten bei dem Beratungsprojekt \u00bbre:school\u00ab und sprechen im Interview \u00fcber Unterst\u00fctzungsangebote und Ursachen f\u00fcr die steigenden Zahlen von jungen Erwachsenen ohne Abschluss.<\/p>\n<p><strong>Die Quote der Jugendlichen ohne Schulabschluss ist laut dem aktuellen Sozialreport der Stadt Leipzig auf 10,2 Prozent gestiegen. Wie sch\u00e4tzen Sie die Entwicklung ein?<\/strong><\/p>\n<p>GRISEDIS LEGATH: Die Zahl ist nat\u00fcrlich zu hoch. Wir reagieren da mit besonderer Aufmerksamkeit und konzentrieren uns auf pr\u00e4ventive Aufkl\u00e4rungsarbeit zum Thema Schulabsentismus. Wir bieten online Elternabende an, um das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Bedingungen oder Ursachen zu f\u00f6rdern. Wir bieten auch Fortbildungsveranstaltungen und Workshops an, die explizit f\u00fcr p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte sind, in denen es darum geht, Fr\u00fcherkennung anhand von Verhaltensweisen betreiben zu k\u00f6nnen, damit Lehrkr\u00e4fte und Schulsozialarbeiter:innen zeitig reagieren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>ROGER FRIEDLING: Wir kennen die Zahlen. Wir wissen auch um die Schwierigkeit dieser Zahlen: Es gibt in Deutschland \u00fcber die Bundesl\u00e4nder keine einheitliche Statistik. Manche Bundesl\u00e4nder nehmen Sch\u00fcler:innen von F\u00f6rderschulen nicht in diese Statistik auf, und andere schon. Ich glaube, ein gro\u00dfes Problem speziell f\u00fcr Leipzig ist, dass hier zuletzt die Kitas und Schulen sehr voll waren. Schulwechsel, die vielleicht inhaltlich sinnvoll waren, konnten aus Kapazit\u00e4tsgr\u00fcnden nicht erfolgen. Vielleicht \u00e4ndert sich das in den n\u00e4chsten Jahren wieder.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie kann man sich die Beratung bei Ihnen vorstellen? <\/strong><\/p>\n<p>FRIEDLING: Was wir bieten, ist ein niedrigschwelliges Angebot. Es richtet sich an alle, die sich um diese Themen Sorgen machen, bei denen der Schulabsentismus schon fortgeschritten ist oder die zu uns geschickt werden, um eine Kl\u00e4rung und Situationsver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren. Dann machen wir eine Anamnese: Wie ist es so weit gekommen? Wo steht das Kind in der schulischen oder in der Bildungsentwicklung? Was w\u00e4ren geeignete n\u00e4chste Schritte? Oft ver\u00e4ndert sich je nach Dauer des Schulabsentismus die Alltagsstruktur so krass, dass die urspr\u00fcnglichen Probleme gar nicht mehr so relevant sind wie die Probleme von heute. Tagesablauf, Mediennutzung, soziale Vereinsamung, das kommt alles dazu und erschwert eine R\u00fcckkehr in eine Bildungsinstitution sehr stark. Wir setzen uns dann mit den Betroffenen zusammen und versuchen transparent zu machen, wie der Stand ist und zu eruieren, was es familienintern und im erweiterten Umkreis f\u00fcr Ressourcen gibt oder was es f\u00fcr Institutionen in der Stadt Leipzig gibt, die vielleicht eine Option w\u00e4ren. Ganz oft geht es auch um medizinische Optionen, wenn Schul\u00e4ngste vorliegen oder andere psychische St\u00f6rungen wie Depressionen, die tendenziell erstmal therapeutisch aufgearbeitet und begleitet werden m\u00fcssen. Wir gucken auch, was die Schulen f\u00fcr Ressourcen haben, ob es Projekte gibt, die vielleicht was f\u00fcr die Betroffenen bieten k\u00f6nnten oder Unterst\u00fctzung innerhalb der Schulsozialarbeit. Viele Eltern kommen auch mit der Frage zu uns, was sie tun k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Haben Sie das Gef\u00fchl, dass die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen das Angebot annehmen?<\/strong><\/p>\n<p>LEGATH: Die Kinder und Jugendlichen f\u00fchlen sich verstanden und k\u00f6nnen sagen, wo ihre Probleme liegen. Wenn wir so weit kommen im Beratungsprozess, k\u00f6nnen wir schauen, an welcher Stelle es Unterst\u00fctzung braucht. Wir sprechen auch mit den Eltern dar\u00fcber, was sie tun k\u00f6nnen. Erziehungsfragen und Erziehungshaltungen haben durchaus einen Einfluss darauf, inwieweit die Motivation und die Lust auf Schule wieder entdeckt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Was man mit bedenken muss, ist, dass viele Sch\u00fcler:innen Schulangst und Schulphobie haben. Die Symptomatik, die sich in der Schule bemerkbar macht, die merken wir hier auch. Ich will damit sagen, dass es bei diesem Annehmen von Angeboten nicht immer nur darum geht, dass die Kinder und Jugendlichen keine Hilfe wollen w\u00fcrden, sondern dass sie sich schwertun, \u00fcberhaupt hierher zu kommen und sich zu zeigen. Ich finde das durchaus anerkennenswert, wenn hier ein Jugendlicher sagt: \u00bbIch nehme das regelm\u00e4\u00dfig wahr, besch\u00e4ftige mich mit meinem Thema und lasse mir vorschlagen, was ich noch tun kann.\u00ab<\/p>\n<p>Viele Jugendliche kommen pr\u00e4ventiv, weil es immer mal Fehltage und h\u00e4ufig Krankmeldungen wegen Kopf- und Bauchschmerzen gibt. Das sind sehr kennzeichnende Symptome f\u00fcr Angst. Da geht es viel darum, aufzukl\u00e4ren und Ma\u00dfnahmen zu treffen, bevor sich das weiter verfestigt. Dann gibt es die, die ab und zu fehlen, wo die Symptomatik bekannt ist, wo es vielleicht sogar schon therapeutische Anbindung gibt oder eben Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen von Beratungsstellen. Und es gibt die, wo die Fehlzeiten schon gravierend sind, bis hin zu einem halben Jahr oder noch l\u00e4nger. Es sind unterschiedliche Kategorien und dementsprechend arbeiten wir auch jedes Mal anders. <\/p>\n<p>FRIEDLING: Es gibt auch Kinder und Jugendliche, die eher passiv die Schule vermeiden, indem sie nicht mitwirken. Sie sitzen dort, machen aber nichts, nehmen den Stift gar nicht in die Hand, packen gar nichts aus. Es ist sehr, sehr vielf\u00e4ltig, und das herauszufinden und immer eine Idee zu haben, in welche Richtung das gehen k\u00f6nnte, das ist unser Job. <\/p>\n<p><strong><br \/>Sie arbeiten teilweise mit Schulabg\u00e4ngern und Schulabg\u00e4ngerinnen, die ohne Abschluss die Schule verlassen haben. Wie sieht diese Arbeit aus? <\/strong><\/p>\n<p>FRIEDLING: In vielen dieser F\u00e4lle haben die jungen Menschen die Schule als Ort des Misserfolgs erlebt. Manchmal war es die falsche Schulform, es hat an geeigneter Unterst\u00fctzung gefehlt oder die Jugendlichen haben sich nicht sicher oder zugeh\u00f6rig gef\u00fchlt. Einige sind nach Klassenwiederholungen oder anderen Gr\u00fcnden auch \u00fcberaltert und die Mitsch\u00fcler:innen zwei oder gar drei Jahre j\u00fcnger. Da wird die soziale Integration sehr schwierig. Wir schauen dann mit den Jugendlichen nach neuen Perspektiven und pers\u00f6nlichen Zielen. Es gibt in Leipzig zwei Produktionsschulen und das Netz kleiner Werkst\u00e4tten als Orte der Jugendberufshilfe. Die Jugendlichen k\u00f6nnen dort keine Abschl\u00fcsse erlangen, sie k\u00f6nnen sich aber wieder eine Tagesstruktur erarbeiten, an Bildungsprozessen teilhaben und sich beruflich orientieren.<\/p>\n<p>&gt; re:school Beratung f\u00fcr Schulerfolg bietet von Schulabsentismus betroffenen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen, Eltern, Bezugspersonen und Fachkr\u00e4ften professionelle Unterst\u00fctzung an.\u00a0<a href=\"https:\/\/fairbund-leipzig.de\/familien-und-jugendhilfe\/beratungsstelle-schulerfolg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.fairbund-leipzig.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Schuljahr 2023\/24 haben 10,2 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Leipzig die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":854456,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[6336,15252,3364,29,30,2917,71,859,966,1978,45059,36608,93360,1250,87334],"class_list":["post-854455","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-abbruch","tag-beratung","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-hilfe","tag-leipzig","tag-sachsen","tag-schule","tag-schueler","tag-schuelerin","tag-schulschwaenzer","tag-schwaenzen","tag-unterstuetzung","tag-vermeiden"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116198002449897849","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=854455"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854455\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/854456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=854455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=854455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=854455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}