{"id":855022,"date":"2026-03-09T12:25:22","date_gmt":"2026-03-09T12:25:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/855022\/"},"modified":"2026-03-09T12:25:22","modified_gmt":"2026-03-09T12:25:22","slug":"iranische-opposition-in-deutschland-diaspora-tief-gespalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/855022\/","title":{"rendered":"Iranische Opposition in Deutschland: Diaspora tief gespalten"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Das Foto zeigt eine Menschenmenge, die iranische, deutsche, US-amerikanische und israelische Flaggen schwenkt und gegen das iranische Regime protestiert. Die Demonstration fand am 7. M\u00e4rz 2026 in Berlin statt.\" alt=\"Das Foto zeigt eine Menschenmenge, die iranische, deutsche, US-amerikanische und israelische Flaggen schwenkt und gegen das iranische Regime protestiert. Die Demonstration fand am 7. M\u00e4rz 2026 in Berlin statt.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/demonstration-berlin-exil-iraner-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Am 7. M\u00e4rz 2026 protestierten in Berlin zahlreiche Menschen gegen das Mullah-Regime. (picture alliance \/ Jochen Eckel \/ Jochen Eckel)<\/p>\n<p>Rund 319.000 Menschen in Deutschland haben einen iranischen Migrationshintergrund. Sie bilden die gr\u00f6\u00dfte iranische Community in Europa. Viele Iranerinnen und Iraner, die ihr Heimatland in den vergangenen Jahrzehnten verlassen haben, geh\u00f6rten zur intellektuellen Elite des Landes oder waren in der Studentenbewegung politisch aktiv. <\/p>\n<p>Ihre Sozialisation und politische Einstellung pr\u00e4gen h\u00e4ufig auch die nachfolgenden Generationen, die in Deutschland geboren wurden. Die meisten sind \u00fcberdurchschnittlich gut gebildet. Viele haben eine doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft, da der Iran eine Aufgabe der iranischen Staatsb\u00fcrgerschaft nicht zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Seit Anfang des Jahres sind viele von ihnen auf die Stra\u00dfe gegangen und haben gegen das iranische Regime protestiert. Von einer geeinten Freiheitsbewegung ist die iranische Community in Deutschland jedoch weit entfernt. Zu unterschiedlich sind die Ansichten dar\u00fcber, wie ein Regimesturz herbeizuf\u00fchren sei und wie es danach weitergehen sollte.<\/p>\n<p>In Deutschland sind seit Jahresbeginn in zahlreichen St\u00e4dten Menschen gegen das iranische Regime auf die Stra\u00dfe gegangen. Sie alle hatten ein Ziel: Den Sturz des seit 47 Jahren w\u00e4hrenden Mullah-Regimes in ihrer Heimat.<\/p>\n<p>Doch trotz dieser grunds\u00e4tzlichen Einigkeit gilt die iranische Opposition in Deutschland als tief gespalten. Eine gemeinsame Demonstration kommt f\u00fcr die meisten Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4nger der unterschiedlichen politischen Str\u00f6mungen nicht in Frage. Stattdessen h\u00e4ufen sich Berichte von Attacken, Online-Hetze und Drohungen unter Exil-Iranern.<\/p>\n<p>Von einem gemeinsamen politischen Standpunkt l\u00e4sst sich also nicht sprechen. Die v\u00f6lkerrechtswidrige Milit\u00e4rintervention der USA und Israels im Februar 2026 etwa sehen einige Regimegegner als notwendige Befreiung, w\u00e4hrend andere sie ausdr\u00fccklich ablehnen.<\/p>\n<p>Die sowohl strukturell als auch medial am besten organisierte iranische Oppositionsgruppe in Deutschland sind die Anh\u00e4nger von Reza Pahlavi, dem \u00e4ltesten Sohn des letzten iranischen Schahs, der 1979 durch die islamische Revolution gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n<p>Der im amerikanischen Exil lebende Reza Pahlavi und seine Anh\u00e4nger, die auch \u201eMonarchisten\u201c genannt werden, haben sich in der Vergangenheit immer wieder f\u00fcr ein milit\u00e4risches Eingreifen der USA ausgesprochen, um einen Regime-Wechsel im Iran einzuleiten.<\/p>\n<p>Er strebe keine Alleinherrschaft an, sagte Reza Pahlavi, sondern wolle als \u201eVater der Nation\u201c den \u00dcbergang zu einem freien Iran leiten. Seine Gegner bezweifeln das \u2013 auch und vor allem, weil er sich nie wirklich vom politischen Erbe seines Vaters distanziert hat. Dessen Regierungszeit war gepr\u00e4gt von einem strikten, repressiven Modernisierungskurs, der vor allem die wirtschaftliche Elite des Landes st\u00e4rkte, weite Teile der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung jedoch verarmen lie\u00df. Wer sich dem Kurs des Schahs widersetzte, musste die Verfolgung des iranischen Geheimdienstes SAVAK f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Vor allem Anh\u00e4nger linker, kurdischer und religi\u00f6ser Gruppen wurden verhaftet, gefoltert und ermordet. Reza Pahlavi und seine Anh\u00e4nger rechtfertigen das heute mit den damaligen internationalen Bedingungen und der Notwendigkeit eines antikommunistischen Regimes im Iran. Ihre Gegner sprechen von einem bis heute fehlenden Willen zur Aufarbeitung.<\/p>\n<p>Die Volksmudschahedin (MEK) sind urspr\u00fcnglich eine islamistisch-sozialistische Bewegung. Sie gelten als eine der aktivsten iranischen Oppositionsgruppen im Exil. Gleichzeitig sind sie umstritten. Viele Jahre standen sie auf der Terrorliste der EU. Erst 2009 beendete ein Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshof die Listung. Innerhalb des Iran werden die Volksmudschahedin vor allem aufgrund ihrer Haltung im Iran-Irak-Krieg in den 1980er Jahren von vielen Menschen abgelehnt.<\/p>\n<p>Im Jahr 1981 gr\u00fcndeten sie gemeinsam mit anderen Oppositionsgruppen den \u201eNationalen Widerstandsrat des Iran\u201c, der vor allem im europ\u00e4ischen und amerikanischen Exil stark vernetzt ist. Sein Organisationsmuster \u00e4hnele teilweise dem der kurdischen PKK, analysiert der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze.<\/p>\n<p>An der Spitze steht mit Maryam Rajavi eine sehr starke F\u00fchrungsfigur, \u201edie fast schon mit einem Heilsversprechen verbunden ist\u201c, so Schulze. \u201eEs gibt dann da drunter eine Ebene, wo dann gesagt wird, die Organisation steht f\u00fcr Demokratie, Menschenrechte, F\u00f6deralismus, Frauenrechte usw. ein. Aber gleichzeitig gibt es eine ganz starke autorit\u00e4re Struktur, die sich dann auch deutlich absetzt im Grunde von den Demokratieerwartungen, die in der iranischen Opposition bestehen.\u201c<\/p>\n<p>Das links-liberale oder auch sozialdemokratisch gepr\u00e4gte Lager steht in der Tradition der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung sehen, die im Jahr 2022 nach dem Tod der kurdischen Aktivistin Jina Mahsa Amini entstand. Es steht sowohl den Monarchisten um Reza Pahlavis als auch den Volksmudschahedin kritisch gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Aktivisten, wie etwa der Gr\u00fcnder des Vereins iranischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin, Hamid Nowzari, sprechen sich gegen milit\u00e4rische Interventionen im Iran aus, fordern aber dennoch den Sturz des Mullah-Regimes. Dieser soll durch Boykottaktionen, Sanktionen und etwa den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Teheran erfolgen.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Forderungen stehe \u201eeine radikale Menschenrechtspolitik\u201c, so Nowzari. \u201eKein F\u00fchrerkult, keine hierarchische Struktur im Hintergrund, kein milit\u00e4risches Eingreifen. Stattdessen freie Wahlen, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Geschlechtergerechtigkeit und eine Einbeziehung der zahlreichen ethnischen Minderheiten des Iran \u2013 allen voran der Kurden, die von den Monarchisten ebenso wie vom islamischen Regime als Separatisten bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Kritiker werfen Aktivistinnen und Aktivisten aus dem links-liberalen Lager vor, dass ihre Forderungen naiv und die Rufe nach Freiheit und Menschenrechten zu abstrakt seien. Gro\u00dfen Teilen der Diaspora-Bewegung fehle es an einem konkreten Plan, wie der allseits geforderte Machtwechsel im Iran eingeleitet werden soll, meint auch der iranischst\u00e4mmige Journalist Omid Rezaee.<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Islamwissenschaftler Reinhard Schulze und Journalist Omid Rezaee wird der Einfluss der iranischen Diaspora h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzt \u2013 gerade von ihren Mitgliedern selbst. Der Grund: Viele derer, die in Europa oder den USA politisch aktiv sind, leben seit Jahrzehnten im Exil. <\/p>\n<p>Dort haben sich eigene Netzwerke und Strukturen gebildet, die nicht unbedingt mit denen im Iran verbunden sind. Zudem repr\u00e4sentiert die Diaspora nur einen bestimmten Teil der iranischen Gesellschaft, nicht ihre Gesamtheit. <\/p>\n<p>&#8222;Diese Diskrepanz f\u00fchrt dann dazu, dass es Fehleinsch\u00e4tzungen gibt, wie beispielsweise die von Reza Pahlavi, als er am 7. Januar zur gro\u00dfen Massendemonstration aufgerufen hat und nicht in Rechnung gestellt hat, welche Opfer ein solcher Aufruf in der iranischen Gesellschaft kosten w\u00fcrde&#8220;, sagt Islamwissenschaftler Reinhard Schulze. &#8222;Das war aus der Sicht von vielen lokalen Akteuren unverantwortlich, was dort geschehen ist.&#8220;<\/p>\n<p>Dennoch, so berichten es vor allem auch Iranerinnen und Iraner selbst, sei das Gef\u00fchl, im Ausland nicht vergessen zu werden, elementar wichtig f\u00fcr jede Protestbewegung.<\/p>\n<p>Wie ernst das Regime in Teheran die oppositionellen Aktivit\u00e4ten im Exil nimmt, zeigt der st\u00e4ndig wachsende Druck des iranischen Geheimdienstes auf Regimekritikerinnen und -kritiker im Ausland. Das Innenministerium in Berlin warnt Iranerinnen und Iraner in Deutschland in diesen Tagen explizit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 7. M\u00e4rz 2026 protestierten in Berlin zahlreiche Menschen gegen das Mullah-Regime. 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