{"id":855715,"date":"2026-03-09T18:50:15","date_gmt":"2026-03-09T18:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/855715\/"},"modified":"2026-03-09T18:50:15","modified_gmt":"2026-03-09T18:50:15","slug":"das-maxim-gorki-theater-bezaubert-mit-unser-deutschlandmaerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/855715\/","title":{"rendered":"Das Maxim Gorki Theater bezaubert mit \u201eUnser Deutschlandm\u00e4rchen\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Alles Theater? Nach so vielen St\u00fccken, Lesungen, Debatten und Workshops <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/brechtfestival-2026-wie-inklusiv-und-originell-war-dieses-fest-fuer-brecht-113666398\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">steht am Ende des Brechtfestivals 2026<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> wieder eine B\u00fchne im Scheinwerferlicht: das Theater. Mit Geschichten, Gef\u00fchlen und Glitter, mit Lametta-Vorhang und Live-Musik. Das Maxim Gorki Theater ist daf\u00fcr aus Berlin angereist, samt Ensemble und B\u00fchnenbild. Mehr noch, auch mit einem B\u00fchnenorchester \u2013 und mit dem Autor der Geschichte dieses Abends. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/brechtfestival-war-games-mit-bunten-gedanken-zum-thema-krieg-113659703\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Der Schriftsteller Din\u00e7er G\u00fc\u00e7yeter sitzt im Publikum, hier im Martinipark<\/a>. Er hat den Roman \u201eUnser Deutschlandm\u00e4rchen\u201c geschrieben, diesen autobiografischen Bestseller, der jetzt in der Theater-Fassung auf der B\u00fchne beginnt. G\u00fc\u00e7yeter erz\u00e4hlt eine Familienlegende aus der hemds\u00e4rmeligen Arbeiterklasse, aus Nettetal, Nordrhein-Westfalen. Eine Lebensgeschichte von Menschen, die aus der T\u00fcrkei kamen und sich Wunder, ja M\u00e4rchen erhofften, als sie nach Deutschland zogen. Vor allem ist \u201eUnser Deutschlandm\u00e4rchen\u201c aber eine Mutter-Sohn-Geschichte. Gespielt mit so viel Liebe und Witz, dass es an diesem Abend einige Herzen brechen wird.\n  <\/p>\n<p>            Im \u201eDeutschlandm\u00e4rchen\u201c gl\u00e4nzen Taner \u015eahint\u00fcrk und Sesede Terziyan<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Erstes Bild, die B\u00fchne noch weit und leer: Da steht nur ein starker, ausgewachsener Mann, der ein schwarzes, funkelndes Abendkleid tr\u00e4gt, so stolz wie eine Galionsfigur. Vor ihm steht eine silberne Kiste. \u201eJetzt liegst du da in diesem billigen Zinksarg\u201c, sagt er \u2013 und spricht zu seiner toten Mutter vor ihm. Ein Mann nimmt Abschied im Kleid seiner Mutter, mit einer Wut im Bauch, die ihm schon so lange unausgesprochen auf der Seele dr\u00fcckt. Er zum Sarg: \u201eBist du entspannt oder l\u00e4uft da drin der Thermomix?\u201c Harter Witz, weil die Mutter dem Vater immer so schrecklich untert\u00e4nig ein Zuhause bereitet hat. \u201eKannst ihn ab jetzt unter der Erde bekochen \u2026\u201c Tiefste Verbitterung? Dann liest er (Taner \u015eahint\u00fcrk) ihr trotzdem ein Gedicht vor, das er sich von der Seele geschrieben hat. Liebe sprudelt aus seinen S\u00e4tzen und eine Entt\u00e4uschung, wie sie nur aus Liebe kranken kann. Mutter, wieso hast du dich nie gewehrt? Der Sohn, der Feminist fragt: \u201eAnne, wo war deine Stimme?\u201c Dann aber kippt die Inszenierung ins Schillernde, Tragikomische. Dank der Mutter.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Eine Schau, wie Sesede Terziyan sie spielt. R\u00fcckblende, 1979: Diese Frau w\u00fcnscht sich ein Kind, so sehnlich, nach 14 Jahren Ehe. Nur ein Kind, bitte, bitte, so betet sie ein Sto\u00dfgebet zu \u2026 Allah? Nein. Maria! Ausgerechnet. Die Kollegin aus der Schuhfabrik habe ihr empfohlen, sich an die christliche Mutter Gottes zu wenden, habe bei ihr ja auch geholfen. \u201eObwohl ihr Mann sie kaum anfasst\u201c, raunt die Noch-Nicht-Mutter zur Gottesmutter. \u201eDu kennst das \u2026\u201c Freuen kann sie sich bald, denn sie wird schwanger, der Sohn namens Dincer kommt zur Welt. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/brechtnacht-2026-ein-konzertreigen-in-augsburg-mit-bands-wie-die-hoechste-eisenbahn-113613920\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Und singen kann die Mutter von ihrem Gl\u00fcck, Lieder in t\u00fcrkischer Sprache<\/a>. Einen Sound von Sehnsucht verstr\u00f6mt Terziyan im Saal, wenn sie singt.\n  <\/p>\n<p>            Augsburger Publikum erlebt Musik und Familiengeschichte<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zwischen schmucken Lametta-Vorh\u00e4ngen stehen zwei Podeste: Hier sitzt eine Band und h\u00fcllt die Geschichte in Musik. Vier Virtuosinnen spielen leidenschaftlich auf den Saiten der t\u00fcrkischen Ut, am Cello, am Bass. Und bei Bedarf treten die Frauen auch in die Szene, als Stellvertreter-Figuren, wenn \u201eMutter\u201c gerade direkt das Augsburger Publikum anquatscht, um ihre Familienvorgeschichte zu erkl\u00e4ren. Hier, die Gro\u00dfmutter aus Griechenland, mit ihr begann die Ahnenreihe. Dann weitere Frauen, die sich auf Ehen mit charakterlich eher halbstarken M\u00e4nnern einlie\u00dfen. Sie duckten sich und buckelten alles, Arbeit plus Familie. Einer schleppte dann sie, Dincers Mutter, in den 60ern nach Deutschland. \u201eWo man das Geld von den B\u00e4umen pfl\u00fccken kann.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zeitsprung, die 90er: Taner \u015eahint\u00fcrk singt sich am Mikrofon die Kehle aus dem Leib, wenn er als kleiner Junge schmollt, tr\u00e4umt, liebt, sich um die Eltern sorgt. Im Zweifel hilft Herbert, Gr\u00f6nemeyers \u201eFlugzeuge im Bauch\u201c kratzt er mit Herzschmerzdruck heraus. Und die Zeit tickt: H\u00fcbsch, wie zur Orientierung die Jahreszahlen am B\u00fchnenrand aufleuchten. Dazu Fotos von Mutter und Sohn, aus dem Original-Familienalbum des Autors selbst \u2013 und Gedichtzeilen: \u201eWer auf dieser Welt nicht liebt, ist im Jenseits nichts wert.\u201c\n  <\/p>\n<\/p>\n<p>            Sohn kauft Mutter erste Schuhe vom eigenen Gehalt<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dincer l\u00e4sst sein Leben Revue passieren. \u015eahint\u00fcrk spielt den 8-J\u00e4hrigen, dann den 15-J\u00e4hrigen, den Erwachsenen, der weiter an Mutter h\u00e4ngt \u2013 und die Jahre ziehen an ihm vorbei ohne Kost\u00fcmwechsel, ohne dass er sich unn\u00f6tig im Tonfall verniedlicht. Trotzdem r\u00fchrt es, wenn der Siebenj\u00e4hrige f\u00fcr seine Mutter mit anpacken will, bei der Arbeit auf dem Feld. Wenn er danach mit dem Fahrrad \u00fcber die B\u00fchne fetzt, schnell zum Schuhgesch\u00e4ft \u2013 um von seinem ersten Gehalt sch\u00f6ne Schuhe f\u00fcr Mutter zu kaufen. \u201eQualit\u00e4tspumps!\u201c Und wie Mutter dann in den Hacken tanzt, \u201ewie eine Prinzessin\u201c, findet der Sohn. Ganz offen gef\u00fchlvoll, nahbar und nachvollziehbar, so begegnen sich die beiden Schauspieler in solchen Szenen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mutter und Sohn, sie sehen einander \u2013 und doch aneinander vorbei. Immer schimmert da Melancholie in Mutters Blick: die H\u00e4rte der Arbeit, die niemand sch\u00e4tzt. Die H\u00e4rte zu erfahren, dass ihr Mann sie betr\u00fcgt. H\u00e4rte zeigt sie selbst, wenn sie den Sohn bald in einen Blaumann steckt, um ihn als Handwerker ausbilden zu lassen. Arbeit, Geld, Sicherheit. Aber der Sohn? Brennt lieber mit einer Theatergruppe durch, in ein fremdes, fernes Leben. Er will Gedichte schreiben und rauf auf die B\u00fchne, sich durch Rollen spielen und durch Betten schlafen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Aber sie werden sich wiedersehen. \u201eDer Sumpf ist \u00fcberall\u201c, wird Dincer der Mutter erkl\u00e4ren, also nicht nur in Nettetal, Nordrhein-Westfalen. Und vom Sumpf dieses Lebens erz\u00e4hlt die Inszenierung in einem bestechenden Mix von Ehrlichkeit, Musik und Poesie. Das Ende rei\u00dft die Zuschauer aus den St\u00fchlen, stehender Applaus.\n  <\/p>\n<p>            Din\u00e7er G\u00fc\u00e7yeter spricht \u00fcber eigene Geschichte im Roman<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nach dem Spiel beginnt ein B\u00fchnengespr\u00e4ch: Din\u00e7er G\u00fc\u00e7yeter erz\u00e4hlt, wie der Roman \u2013 im Zusammenspiel mit Regisseur Hakan Sava\u015f Mican \u2013 so ein B\u00fchnenknaller werden konnte, ein Publikumslieblingsst\u00fcck in Berlin. Er erkl\u00e4rt, wie viel von seiner eigenen Geschichte im Text liegt, und von seiner Mutter. Dieses \u201eDeutschlandm\u00e4rchen\u201c ist auch <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/angriffe-auf-politikerinnen-nehmen-zu-so-steht-es-um-die-frauenrechte-in-deutschland-113653281\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">ein schillernder Beitrag zum Weltfrauentag<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/brechtfestival-augsburg-gestaltet-karo10-als-soziales-kunstzentrum-neu-113629131\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Und zum Finale des Brechtfestivals<\/a>.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Veronika Lintner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Deutschland<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alles Theater? 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