{"id":862749,"date":"2026-03-12T12:51:16","date_gmt":"2026-03-12T12:51:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/862749\/"},"modified":"2026-03-12T12:51:16","modified_gmt":"2026-03-12T12:51:16","slug":"wolfram-weimers-cancel-culture-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/862749\/","title":{"rendered":"Wolfram Weimers Cancel-Culture \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Der Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien hat erst drei Juryvorschl\u00e4ge gestrichen und nun die ganze Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises zur Leipziger Buchmesse abgesagt \u2013 weil er Angst vor Kritik hat, kommentiert unser Redakteur Tobias Pr\u00fcwer.<\/p>\n<p>Weil die Diskussion um Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit die Verleihung eines Preises begleitet, welcher der St\u00e4rkung der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit dient, wird die Verleihung abgesagt. So muss man die Begr\u00fcndung des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer lesen, die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse abzublasen. Oder anders formuliert: Weimer ist zu feige, sich der Kritik einer offenen Gesellschaft zu stellen. Der Konservative manifestiert damit eine typische Haltung: gegen eine imaginierte Cancel-Culture die eigene Verbotspolitik durchsetzen und sich bei Gegenwind in der Opferrolle inszenieren.<\/p>\n<p>Seine Entscheidung, drei Buchl\u00e4den aus den Jury-Vorschl\u00e4gen f\u00fcr den Deutschen Buchhandlungspreis zu streichen, brachte Weimer letzte Woche massive Kritik ein. Daraufhin hat der Minister nun die Preisverleihung gecancelt, die in einer guten Woche h\u00e4tte stattfinden sollen. Eine W\u00fcrdigung der Buchhandlungen sei durch die Debatte nicht m\u00f6glich. Die etwa hundert Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger \u2013 besonders engagierte, eigent\u00fcmergef\u00fchrte Buchl\u00e4den in ganz Deutschland \u2013 w\u00fcrden nun postalisch informiert. Die Preisgelder f\u00fcr sie rangieren zwischen 7.000 und 25.000 Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Die nachtr\u00e4gliche Streichung dreier linker Buchhandlungen von der Liste, die eine unabh\u00e4ngige Jury erstellte, begr\u00fcndete Weimer nicht konkret. Er verwies auf den Verfassungsschutz, der \u00bbHinweise\u00ab geliefert h\u00e4tte \u2013 was diese beinhalten, war nicht zu erfahren. Muss nun jeder Kulturbetrieb damit rechnen, den Boden der freiheitlichen Grundordnung zu verlassen, wenn er Antifa-Flyer auf dem Tresen auslegt oder \u00bbundeutsches\u00ab Liedgut verkauft? Das ist nicht \u00fcbertrieben: In einem Fall soll ein gespr\u00fchtes Punkband-Zitat Argwohn erweckt haben.<\/p>\n<p>Nun hat niemand ein Anrecht auf staatliche Auszeichnung. Aber durch sein kopfpilzloses Agieren k\u00fcndigt der Kulturstaatsminister der Kulturszene den Gesellschaftsvertrag auf. Dazu geh\u00f6ren grunds\u00e4tzliches Vertrauen und Freiheit. Die Drohung, den Verfassungsschutz vorsorglich einzuschalten, spricht gegen diese Grundvoraussetzung. Zumal die Legalit\u00e4t des Verfahrens fraglich ist. Im Grunde schlie\u00dft Weimar damit an die uns\u00e4gliche Praxis der Extremismusklausel an, die das CDU-gef\u00fchrte Familienministerium einst f\u00fcr Bundesf\u00f6rderprogramme einf\u00fchrte \u2013 und die anschlie\u00dfende SPD-F\u00fchrung vor zw\u00f6lf Jahren wieder strich.<\/p>\n<p>Dass etwa der B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels und die Kurt-Wolff-Stiftung sowie die Jury selbst Weimers Cancel-Culture kritisieren, war so vorhersehbar wie richtig. Das viele andere das auch tun, ebenso. Weimer stellt die Unabh\u00e4ngigkeit der gesamten Kulturszene in Frage; hat er das nicht kommen sehen? Welches Verst\u00e4ndnis von Kultur hat der Mann, der gegen eine \u00bbVerengung der Diskursr\u00e4ume\u00ab antrat, aber mit Gender-Verbot auffiel und sich in die Personalie eines Filmfestival einmischte? Nun duckt er sich feige weg; an einer breiten Diskussion ist dieser Kulturstaatsminister nicht interessiert \u2013 ein B\u00e4rendienst, nicht nur f\u00fcr den Buchhandel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien hat erst drei Juryvorschl\u00e4ge gestrichen und nun die ganze Verleihung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":862750,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,80,71,16,859,26667,8862],"class_list":["post-862749","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-kultur","tag-leipzig","tag-politik","tag-sachsen","tag-stadtleben","tag-termine"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116216298725611986","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/862749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=862749"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/862749\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/862750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=862749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=862749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=862749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}