{"id":862777,"date":"2026-03-12T13:06:23","date_gmt":"2026-03-12T13:06:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/862777\/"},"modified":"2026-03-12T13:06:23","modified_gmt":"2026-03-12T13:06:23","slug":"erinnerungskultur-scheunenviertel-in-berlin-pulsierendes-juedisches-quartier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/862777\/","title":{"rendered":"Erinnerungskultur \u2013 Scheunenviertel in Berlin: Pulsierendes j\u00fcdisches Quartier"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img319436\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/319436.jpeg\" alt=\"Feierliche Enth\u00fcllung der neuen Stra\u00dfenmarkierung in der ehemaligen Grenadier- und heutigen Almstadtstra\u00dfe\"\/><\/p>\n<p>Feierliche Enth\u00fcllung der neuen Stra\u00dfenmarkierung in der ehemaligen Grenadier- und heutigen Almstadtstra\u00dfe<\/p>\n<p>Foto: nd\/Lola Zeller<\/p>\n<p>\u00bbDer Hebr\u00e4ische Buchladen von Hirsch Lewin befand sich in diesem historischen Wohnhaus in der ehemaligen Grenadierstra\u00dfe 28, heute Almstadtstra\u00dfe 10, rechts vom Toreingang.\u00ab Dieser Audio-Schnipsel ist Teil einer Tour durch das Scheunenviertel nahe dem Alexanderplatz. \u00bbLewin kam urspr\u00fcnglich aus Litauen. Er war einer von etwa 35\u2009000 j\u00fcdischen Zivilisten aus Osteuropa, die im Ersten Weltkrieg von der deutschen Armee als Zwangsarbeiter nach Deutschland gebracht worden waren\u00ab, erz\u00e4hlt der Sprecher der Tour weiter. Das ist Teil eines neuen Erinnerungsprojekts <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182904.antisemitismus-anne-frank-tag-in-berlin-geschichte-auf-der-spur.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zur j\u00fcdischen Geschichte<\/a> des Viertels im Osten der Spandauer Vorstadt, das am Mittwochmorgen vor Ort eingeweiht wurde.<\/p>\n<p>Auf einer frisch ver\u00f6ffentlichten Webseite mit einer interaktiven Stadtkarte sind zahlreiche Orte und Geschichten des bis zur Nazizeit von osteurop\u00e4ischen J\u00fcd*innen gepr\u00e4gten Viertels im Osten der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186175.stadtentwicklung-spandauer-vorstadt-denkmalwuerdige-ostberliner-platten.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spandauer Vorstadt<\/a> zu finden. Die Stiftung Neue Synagoge Berlin \u2013 Centrum Judaicum, das Mitte-Museum und das Bezirksamt Mitte pr\u00e4sentierten das neue Erinnerungsprojekt zusammen mit neuen Stra\u00dfenschildern, die die j\u00fcdische Geschichte wieder sichtbar im Stadtbild verankern sollen. Auf diesen Markierungen sind die historischen Namen von einigen Stra\u00dfen in der Umgebung auf Jiddisch mit Erl\u00e4uterungen angebracht.<\/p>\n<p>\u00bbWas einmal war, kann wieder und soll wieder sein\u00ab, sagt Jess Earle, stellvertretender Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin und Projektleiter der Erinnerungslandschaft \u00bbSpurlos verschwunden? \u2013 J\u00fcdische Lebenswelten im Herzen Berlins vor der NS-Diktatur\u00ab, wie das neue Projekt hei\u00dft. Earle m\u00f6chte, dass Webseite, Audio-Touren und Stra\u00dfenschilder nicht nur weiterbilden, sondern auch inspirieren. \u00bbZu oft wird unsere Geschichte als Juden nur auf den Holocaust reduziert\u00ab, sagt Earle. Weil j\u00fcdische Existenz in Deutschland zu oft nur mit Tod in Verbindung gebracht werde, m\u00fcsse betont werden: \u00bbDie Menschen haben gelebt, so wie wir heute auch leben wollen.\u00ab<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/319437.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>\u00bbDas Scheunenviertel war ein Zentrum j\u00fcdischen Lebens in Berlin, ein pulsierendes Quartier osteurop\u00e4ischer Juden\u00ab, sagt Oliver Friederici (CDU), Staatssekret\u00e4r in der Senatsverwaltung f\u00fcr Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Kulturverwaltung hat das Projekt mit Mitteln aus dem \u00bbAktionsfonds zur Unterst\u00fctzung von Projekten gegen Antisemitismus\u00ab gef\u00f6rdert. Berichten zufolge soll die Fachjury, die Projekte zur F\u00f6rderung aus diesem Topf ausgew\u00e4hlt hat, auf Druck von Abgeordneten der CDU-Fraktion zum Teil neu besetzt worden sein. Unliebsame Mitglieder wurden demnach ausgetauscht. Die Vorg\u00e4nge sind Teil der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198046.abgeordnetenhaus-spd-in-der-foerdergeldaffaere-im-schatten-des-schmutzfinken.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sogenannten F\u00f6rdergeldaff\u00e4re<\/a>, in deren Rahmen CDU-Abgeordneten und dem ehemaligen Kultursenator Joe Chialo (CDU) und seiner Nachfolgerin Sarah Wedl-Wilson (parteilos f\u00fcr CDU) teilweise unrechtm\u00e4\u00dfige Einflussnahme auf die Verteilung von Mitteln zur Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus vorgeworfen wird. Staatssekret\u00e4r Friederici kritisierte die Vorg\u00e4nge innerhalb der Kulturverwaltung.<\/p>\n<p>Im Scheunenviertel h\u00e4tten vor der Nazizeit zahlreiche Schilder an den H\u00e4usern und L\u00e4den von der dort beheimateten j\u00fcdischen Gesellschaft gezeugt, so Freiderici. \u00bbWir wollen auf das Sch\u00f6ne, die bl\u00fchende Kultur an diesem Ort aufmerksam machen, aber auch auf das Schreckliche, die Zerst\u00f6rung.\u00ab Polizeiliche Razzien, Gewalt und Ausgrenzung habe es schon lange vor 1933 gegen die j\u00fcdischen Bewohner*innen des Viertels gegeben, 1923 ein Pogrom. \u00bbSichtbarkeit zu schaffen, ist mehr als Symbolik, es ist Pr\u00e4vention\u00ab, sagt Friederici. Die neue Webseite sei ein Werkzeug moderner Erinnerungskultur. \u00bbJ\u00fcdisches Leben in Berlin ist nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft.\u00ab<\/p>\n<p>Im Gebiet der Spandauer Vorstadt zwischen Hackescher Markt und Alexanderplatz lebten J\u00fcd*innen schon seit dem 17. Jahrhundert. Das Gebiet des Scheunenviertels war, wie auf der neuen Webseite zu lesen ist, zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem ein Wohngebiet von Arbeiter*innen. Ab 1881 flohen dann viele J\u00fcd*innen aus Osteuropa, um Pogromen im Russischen Zarenreich zu entkommen. Einige davon lie\u00dfen sich im Berliner Scheunenviertel nieder. \u00bbSie blieben jedoch eine Minderheit innerhalb einer Minderheit: Von den etwa 180\u2009000 Juden und J\u00fcdinnen, die Mitte der 1920er in Berlin lebten, stammten h\u00f6chstens 50\u2009000 aus Osteuropa\u00ab, so die Information auf der Webseite.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWas einmal war, kann wieder und soll wieder sein.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nJess Earle\u2003Projektleiter<\/p><\/blockquote>\n<p>Die 1920er waren laut Informationen des Projekts eine Zeit des \u00bbBooms vieler j\u00fcdischer Einrichtungen in der Spandauer Vorstadt und im Scheunenviertel\u00ab. Es h\u00e4tten sich verschiedene Einrichtungen wie Krankenh\u00e4user, Schulen, Synagogen, Verlage, politische Vereine etabliert. Die zehn neuen Stra\u00dfenmarkierungen, die zum Beispiel auch am Rosa-Luxemburg-Platz und in der Rosenthaler Stra\u00dfe dauerhaft angebracht wurden, sollen diese Zeit im Stadtged\u00e4chtnis erhalten.<\/p>\n<p>Per QR-Code auf den Schildern gelangen Interessierte au\u00dferdem auf die neue Webseite \u2013 und von dort aus weiter zu den Geschichten und Biografien dieser Zeit, wie etwa zum Hebr\u00e4ischen Buchladen von Hirsch Lewin oder auch zur Schriftstellerin Mascha Kal\u00e9ko. \u00bbDass ich meine ersten Berliner Jahre im Scheunenviertel verbrachte, wissen die wenigsten. Doch genau hier fing alles an\u00ab, so die Audio-Aufnahme zur ihr gewidmeten Tour. \u00bbKommen Sie mit mir und ich zeige Ihnen, wie ich im Scheunenviertel meinen Weg zur Gro\u00dfstadt-Lyrikerin fand.\u00ab<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">Die interaktive Webseite finden Sie unter www.jewishmitteberlin.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Feierliche Enth\u00fcllung der neuen Stra\u00dfenmarkierung in der ehemaligen Grenadier- und heutigen Almstadtstra\u00dfe Foto: nd\/Lola Zeller \u00bbDer Hebr\u00e4ische Buchladen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":862778,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,1597,1940,1938,529],"class_list":["post-862777","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","tag-aktuelle-news-aus-berlin","tag-berlin","tag-berlin-news","tag-deutschland","tag-germany","tag-juden","tag-nachrichten-aus-berlin","tag-news-aus-berlin","tag-spandau"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116216357780252620","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/862777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=862777"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/862777\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/862778"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=862777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=862777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=862777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}