{"id":864162,"date":"2026-03-13T01:39:17","date_gmt":"2026-03-13T01:39:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/864162\/"},"modified":"2026-03-13T01:39:17","modified_gmt":"2026-03-13T01:39:17","slug":"denk-nicht-schau-wiesbaden-entdeckt-den-maler-wolfgang-hollegha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/864162\/","title":{"rendered":"\u201eDenk nicht, schau!\u201c \u2013 Wiesbaden entdeckt den Maler Wolfgang Hollegha"},"content":{"rendered":"<p>Die Ausstellung zeigt, wie <strong>Wolfgang Hollegha<\/strong> Bewegung, Material und Raum zu abstrakten Bildlandschaften verbindet.<\/p>\n<p>Wer die Sonderausstellung betritt, merkt sofort: Diese Bilder wollen nicht nur betrachtet werden. Sie verlangen Bewegung. Man tritt n\u00e4her heran, erkennt Linien, die aus fl\u00fcssiger Farbe entstehen. Man geht wieder zur\u00fcck \u2013 und pl\u00f6tzlich \u00f6ffnet sich eine ganze Landschaft aus Farbfeldern, Leerstellen und Spannungen.<\/p>\n<p><strong>Er\u00f6ffnungstag \u2013 Wolfgang Hollegha<\/strong><\/p>\n<p><strong>Datum:<\/strong>\u00a0Samstag, 15. M\u00e4rz 2025<br \/><strong>Ausstellung:<\/strong>\u00a0Wolfgang Hollegha \u2013 \u201eenk nicht, schau!\u201c<br \/><strong>\u00d6ffnungszeiten:<\/strong>\u00a012:00 \u2013 18:00 Uhr<br \/><strong>Eintritt:<\/strong>\u00a010 \u20ac<\/p>\n<p><strong>Programm am Er\u00f6ffnungstag<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fchrungen &amp; Veranstaltungen:<\/strong><br \/><strong>12:30 Uhr:<\/strong>\u00a0Kuratorinnenf\u00fchrung mit Lea Sch\u00e4fer<br \/><strong>14:00 Uhr:<\/strong>\u00a0F\u00fchrung mit Daniel Hollegha, Sohn des K\u00fcnstlers<br \/><strong>15:00 Uhr: <\/strong>Filmprogramm zu Wolfgang Hollegha im Maki-Forum,<br \/>anschlie\u00dfend steht Daniel Hollegha f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung<br \/><strong>16:00 Uhr:<\/strong>\u00a0Direktorenf\u00fchrung mit Dr. Oliver Kornhoff<br \/><strong>17:00 Uhr: <\/strong>Filmprogramm zu Wolfgang Hollegha im Maki-Forum,<\/p>\n<p>Mit der Ausstellung <strong>\u201eWolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!\u201c<\/strong> pr\u00e4sentiert das <strong>Museum Reinhard Ernst<\/strong> zum ersten Mal in Deutschland eine gro\u00dfe museale Einzelausstellung des \u00f6sterreichischen Malers <strong>Wolfgang Hollegha<\/strong>. Es ist eine Premiere \u2013 und zugleich eine Wiederentdeckung, denn Hollegha geh\u00f6rte zu jener Generation europ\u00e4ischer K\u00fcnstler, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Malerei neu dachten. Seine Bilder verbinden europ\u00e4ische Tradition mit der radikalen Freiheit des amerikanischen Abstrakten Expressionismus. Sie wirken heute erstaunlich gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Malerei als k\u00f6rperliche Erfahrung<\/p>\n<p>Hollegha malte nicht am Tisch. Er legte seine Leinw\u00e4nde auf den Boden. Dann bewegte er sich \u00fcber sie hinweg \u2013 Schritt f\u00fcr Schritt, Armbewegung f\u00fcr Armbewegung. Farbe floss aus Schalen, breitete sich aus, zog Linien, hinterlie\u00df Spuren. <strong>Der Maler vertraute seinem K\u00f6rper. Er wollte nicht kontrollieren, sondern reagieren<\/strong>. Die Leinwand wurde zur Arena.<\/p>\n<p>Wer vor diesen Bildern steht, versteht sofort, warum Raum f\u00fcr Hollegha so wichtig war. Viele seiner Werke messen mehrere Meter. Sie verlangen Abstand \u2013 und zugleich N\u00e4he. Besucher treten zur\u00fcck, gehen wieder nach vorn. Sie entdecken Linien, die aus der Ferne verschwinden und aus der N\u00e4he wie Landschaften wirken. Diese Erfahrung passt perfekt zum Wiesbadener Museum. Die hohen, lichtdurchfluteten R\u00e4ume des Hauses greifen Holleghas Arbeitsweise auf. Die Architektur erlaubt einen Blick, der sonst selten m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Eine Wiederentdeckung der europ\u00e4ischen Abstraktion<\/p>\n<p>Der Maler <strong>Wolfgang Hollegha (1929\u20132023)<\/strong> geh\u00f6rte zu den pr\u00e4genden Figuren der europ\u00e4ischen Nachkriegsavantgarde. Schon Ende der 1950er-Jahre r\u00fcckte der \u00d6sterreicher international ins Blickfeld, weil seine <strong>Malerei mit einer ungew\u00f6hnlichen Freiheit, Leichtigkeit und Konsequenz<\/strong> auftrat. Seine Bilder wirkten offen, weit und entschlossen \u2013 und passten damit in eine Zeit, in der sich die Kunst von alten Regeln l\u00f6ste.<\/p>\n<p>1958 erhielt Hollegha den <strong>Carnegie Prize<\/strong>, eine Auszeichnung, die seinen Namen weit \u00fcber \u00d6sterreich hinaus bekannt machte. Kurz darauf wurden seine Werke in den USA gezeigt. Dort wurde auch der einflussreiche Kunstkritiker <strong>Clement Greenberg<\/strong> auf ihn aufmerksam, einer der wichtigsten F\u00f6rderer der abstrakten Malerei jener Zeit. Greenberg erkannte fr\u00fch, dass Hollegha mehr war als ein europ\u00e4ischer Au\u00dfenseiter. Er sah in ihm einen K\u00fcnstler, der sich m\u00fchelos neben die gro\u00dfen Stimmen der amerikanischen Avantgarde stellen konnte, und brachte ihn nach New York.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Holzscheite-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-151442\"  \/><\/p>\n<p>Dort begegnete Hollegha K\u00fcnstlern wie <strong>Jackson Pollock<\/strong>, <strong>Helen Frankenthaler<\/strong> und <strong>Morris Louis<\/strong> \u2013 also genau jenen Malern, die das Verst\u00e4ndnis von Farbe, Fl\u00e4che und Bewegung gerade grundlegend ver\u00e4nderten. <strong>New York bot ihm einen direkten Blick auf die Energie jener Jahre,<\/strong> auf gro\u00dfe Gesten, neue Techniken und eine Malerei, die nicht mehr abbilden, sondern ein eigenes Ereignis schaffen wollte.<\/p>\n<p>Doch Hollegha entschied sich nicht f\u00fcr das Leben in der Metropole. Er kehrte nach \u00d6sterreich zur\u00fcck und zog sich bewusst in die Natur zur\u00fcck. In der Steiermark fand er jenen Abstand, den er f\u00fcr seine Arbeit brauchte. Statt sich dem Takt des Kunstmarkts zu unterwerfen, <strong>suchte er die Ruhe<\/strong>, das Licht und den Raum f\u00fcr eine Malerei, die aus <strong>Konzentration, K\u00f6rperlichkeit und genauer Wahrnehmung<\/strong> lebte. Genau dort entwickelte er jenes Werk weiter, das ihn heute als eigenst\u00e4ndige Gr\u00f6\u00dfe der abstrakten Kunst erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Motiv bleibt \u2013 auch in der Abstraktion<\/p>\n<p>Wer die Bilder von <strong>Wolfgang Hollegha<\/strong> betrachtet, entdeckt selten konkrete Gegenst\u00e4nde. Und doch beginnt jedes seiner Werke mit einem ganz realen Motiv.<\/p>\n<p>Ein Korb.<br \/>Ein Spielzeug.<br \/>Ein Hut.<\/p>\n<p>Solche Dinge stellte Hollegha vor sich auf, betrachtete sie lange und <strong>suchte nach den Linien, Bewegungen und Spannungen<\/strong>, die von ihnen ausgingen. Zun\u00e4chst hielt er diese Eindr\u00fccke in Zeichnungen fest. Erst danach griff er zur Farbe.n<strong>Auf der Leinwand verschwand der Gegenstand<\/strong> allm\u00e4hlich \u2013 doch seine Bewegung blieb erhalten. Linien wurden zu Farbspuren, Formen zu offenen Fl\u00e4chen. Darum tragen manche Bilder ungew\u00f6hnliche Titel: Sie erinnern an den Ausgangspunkt der Beobachtung, nicht an das fertige Werk.<\/p>\n<p>So entstehen Gem\u00e4lde, die zugleich konkret und abstrakt wirken. Sie zeigen keinen Gegenstand mehr \u2013 und doch sp\u00fcrt man, dass etwas Reales der Ausgangspunkt war. <strong>Hollegha bildet die Welt nicht ab. Er verwandelt sie in Farbe, Bewegung und Raum.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Dialog mit der amerikanischen Malerei<\/p>\n<p>Das <strong>Museum Reinhard Ernst<\/strong> nutzt seine Sammlung bewusst, um die Werke von <strong>Wolfgang Hollegha<\/strong> in einen gr\u00f6\u00dferen kunsthistorischen Zusammenhang zu stellen. Der Kunstm\u00e4zen Rheinhard Ernst und die Kuratorin Lea Sch\u00e4fer h\u00e4ngen neben seine Bilder Arbeiten amerikanischer K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, die in den 1950er- und 1960er-Jahren die abstrakte Malerei entscheidend gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n<p>Diese Gegen\u00fcberstellung er\u00f6ffnet einen spannenden Blick auf den <strong>Austausch zwischen Europa und den USA<\/strong>. Sie zeigt, wie stark sich die Kunst auf beiden Seiten des Atlantiks gegenseitig beeinflusste. Ideen wanderten, Techniken entwickelten sich weiter, und aus diesem Dialog entstand eine neue Form der Malerei, die sich ganz der Farbe, der Fl\u00e4che und dem Raum widmete.<\/p>\n<p>Besonders eindrucksvoll wird dieser Zusammenhang im Dialog mit der sogenannten <strong>Color-Field-Malerei<\/strong>, wie sie etwa von <strong>Helen Frankenthaler<\/strong> oder <strong>Morris Louis<\/strong> entwickelt wurde. Gro\u00dfe, leuchtende Farbfelder breiten sich \u00fcber die Leinwand aus, Pigmente flie\u00dfen \u00fcber das Gewebe und ziehen in d\u00fcnnen Schichten in die Oberfl\u00e4che ein. <strong>Die Bilder wirken offen, leicht und zugleich monumental<\/strong>.<\/p>\n<p>Hollegha griff diese Ideen auf, entwickelte daraus jedoch eine eigene, sehr k\u00f6rperliche Arbeitsweise. Er sch\u00fcttete Farbe auf die Leinwand, lie\u00df sie verlaufen, <strong>wischte sie mit Lappen oder auch mit den H\u00e4nden weiter<\/strong>. So entstanden Bilder, die gleichzeitig spontan und kontrolliert wirken \u2013 als w\u00fcrde sich die Farbe frei bewegen, w\u00e4hrend der K\u00fcnstler ihr behutsam eine Richtung gibt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Denk-nicht-schau-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-151443\"  \/><\/p>\n<p>\u201eDenk nicht, schau\u201c<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Anfang, zum Titel der Asstellung: Der Titel geht auf einen ber\u00fchmten Satz des Philosophen <strong>Ludwig Wittgenstein<\/strong> zur\u00fcck: \u201eDenk nicht, schau.\u201c F\u00fcr <strong>Wolfgang Hollegha<\/strong> war dieser Gedanke mehr als ein kluger Aphorismus. Er entsprach seiner eigenen Haltung zur Malerei. Hollegha las Wittgenstein intensiv und f\u00fchlte sich von dessen Idee angezogen, dass Erkenntnis nicht immer durch Erkl\u00e4rung entsteht \u2013 sondern oft durch genaues Wahrnehmen.<\/p>\n<p>Genau diesem Prinzip folgt die Ausstellung im <strong>Museum Reinhard Ernst<\/strong>. Sie versucht nicht, jedes Bild zu entschl\u00fcsseln oder mit langen Deutungen zu \u00fcberfrachten. Stattdessen l\u00e4sst sie die Werke f\u00fcr sich sprechen. Die gro\u00dfen Leinw\u00e4nde \u00f6ffnen R\u00e4ume aus Farbe, Bewegung und Stille, die sich erst beim l\u00e4ngeren Betrachten entfalten.<\/p>\n<p>Wer sich darauf einl\u00e4sst und sich Zeit nimmt, erlebt eine Malerei, die nicht laut oder spektakul\u00e4r auftreten muss, um zu wirken. <strong>Ihre Kraft liegt im langsamen Sehen<\/strong> \u2013 und im Nachhall, den sie hinterl\u00e4sst, lange nachdem man den Ausstellungsraum wieder verlassen hat.<\/p>\n<p>Foto \u2013 Presserundgang im Museum Reinhardt Ernst @2026 Volker Watschounek <\/p>\n<p>Weitere Nachrichten aus dem\u00a0<strong>Stadtteil Mitte<\/strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/mitte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">lesen Sie hier<\/a>.<\/p>\n<p>Die Internetseite des\u00a0<strong>Museum Reinhard Ernst<\/strong>\u00a0finden Sie unter\u00a0<a href=\"https:\/\/www.museum-reinhard-ernst.de\/de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.museum-reinhard-ernst.de<\/a>.<br \/>Mehr von <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helen_Frankenthaler\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Helen Frankenthaler<\/a><\/strong> auf Wikipedia.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/fcc2a963f4aa4647a4faa2a3a13495c2.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Ausstellung zeigt, wie Wolfgang Hollegha Bewegung, Material und Raum zu abstrakten Bildlandschaften verbindet. 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