{"id":866858,"date":"2026-03-14T02:34:10","date_gmt":"2026-03-14T02:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/866858\/"},"modified":"2026-03-14T02:34:10","modified_gmt":"2026-03-14T02:34:10","slug":"leipzig-ausstellung-zeigt-die-ddr-geschichte-der-galerie-eigen-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/866858\/","title":{"rendered":"Leipzig: Ausstellung zeigt die DDR-Geschichte der Galerie Eigen + Art"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nEigentlich sieht es aus wie eine ganz normale Studentenparty. Auf dem Foto l\u00fcmmeln mehr oder weniger b\u00e4rtige Jungs l\u00e4ssig auf wild zusammengew\u00fcrfeltem Mobiliar und grinsen in die Kamera. Der Rauch ihrer glimmenden Zigaretten kr\u00e4uselt sich in der kleinen Dachkammer, in der sie zusammenhocken. Unter ihnen auch ein zufrieden aussehender Typ mit Wuschelfrisur. Es ist der frischgebackene Galerist Gerd Harry \u2013 oder, so der g\u00e4ngige Spitzname: Judy Lybke.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Aktmodell\"><strong>Vom<\/strong><\/a><strong> Aktmodell zum Inhaber einer Wohnungsgalerie <\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie kleine Schwarz-Wei\u00df-Fotografie von 1983 zeigt die Geburtsstunde der legend\u00e4ren Galerie Eigen + Art. Die erste Ausstellung, bei der die Aufnahme entstand, fand noch in der Wohnung des damals 22-J\u00e4hrigen statt. Der Titel: &#8222;Die neuen Unkonkreten&#8220;. &#8222;Das sind alles die, die nicht an der Schule angenommen worden waren. Mit denen habe ich angefangen \u2013 mit den Losern&#8220;, erz\u00e4hlt Lybke mit Blick auf die Fotografie.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit &#8222;Schule&#8220; ist die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/neue-leipziger-schule-wissenswert-100.html\" title=\"Die Neue Leipziger Schule: Geschichte, K\u00fcnstler, Werke\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst (HGB)<\/a> gemeint. Dort verdiente Lybke sein Geld als Aktmodell und kn\u00fcpfte Kontakte f\u00fcr weitere Ausstellungen. Da seien auch langsam Studenten von der Schule mit dazugekommen, so Lybke, dann Leute, &#8222;die kein Studium gemacht haben und trotzdem K\u00fcnstler waren \u2013 also Autodidakten&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Geschichte\"><strong>Erstmals<\/strong><\/a><strong> eigene Galeriegeschichte im Fokus<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit der Ausstellung &#8222;Ansichten \u00fcber einen Raum&#8220; widmet sich die Galerie Eigen + Art zum ersten Mal ihrer Geschichte, die vor 43 Jahren in Leipzig begann. Die Schau versammelt Fotos, Einladungskarten und Ausstellungsplakate in Siebdrucktechnik aus der Zeit von 1983 bis 1990 sowie Fotografien von Karin Wieckhorst, die unter dem Titel &#8222;Begegnungen in Ateliers&#8220; 1987 bei Judy Lybke zu sehen waren. Diese Einblicke in die Arbeitsr\u00e4ume von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern in den 80er-Jahren laden zum Abgleich mit der Gegenwart ein. Was hat sich ver\u00e4ndert? Was bleibt offenbar immer gleich?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Wem geh\u00f6rt die Erinnerung an die DDR? <\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch j\u00fcngere Generationen beziehen sich auf ihre Herkunft aus der DDR, zum Beispiel unter dem Label &#8222;Wendekinder&#8220; oder &#8222;Dritte Generation Ost&#8220;. Dass sich die Galerie Eigen + Art nun nach 43 Jahren ebenfalls auf ihre Wurzeln in der DDR besinnt, korrespondiert mit dieser Entwicklung. &#8222;Wir sind eigentlich eher immer auf dem Weg in die Zukunft, aber haben festgestellt, dass die meisten Leute gar nicht so richtig wissen, woher wir kommen&#8220;, erkl\u00e4rt Gerd Harry Lybke.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Ausstellung wolle zeigen, wie fr\u00fch es losging, so der Galerist, &#8222;unter welchen Umst\u00e4nden und wie sich das entwickelt hat&#8220;. Mit den Leuten, die in der Galerie t\u00e4tig sind, mit den K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern, die man vertritt, und nat\u00fcrlich auch mit der Konsequenz dessen, dass man immer noch unterwegs sei \u2013 vielfach auch mit den K\u00fcnstlern vom Anfang, so Lybke.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/zwickau\/rauch-loy-kunst-ausstellung-neue-leipziger-schule-kultur-news-100.html\" title=\"Zwickau: K\u00fcnstlerpaar Rosa Loy und Neo Rauch zeigt pers\u00f6nliche Schau\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neo Rauch<\/a> etwa, Akos Nowaky oder Carsten und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/nischel-karl-marx-monument-kulturhauptstadt-debatte-kultur-news-104.html\" title=\"Chemnitz: So aktuell ist der Marx-Kopf f\u00fcr die Kulturhauptstadt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Olaf Nicolai<\/a>. Sie alle sind heute weltweit gefragte K\u00fcnstler, die noch immer von Eigen + Art vertreten werden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAnnette Schr\u00f6ter, Ulrike Dornis und Angela Hampel stellten dagegen nur in den wilden Anfangsjahren bei Lybke aus. Der war mit seiner Galerie bald in eine ehemalige Fabrik in Leipzig-Connewitz gezogen. Ein Foto in der Schau zeigt den wild-romantisch verwitterten Bau.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Kunsthistorikerin Sarah Alberti hebt die Bedeutung der Galerie als alternativer Ausstellungsraum f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst heraus: &#8222;Man konnte dort Kunst sehen, die man in einem \u00f6ffentlichen Museum in der Form nicht gesehen hat&#8220;, sagt sie. Performance-Kunst zum Beispiel.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAlberti hat f\u00fcr das Projekt &#8222;Kunstszene Ost&#8220; auch Gerd Harry Lybke interviewt. Begleitend zur Ausstellung erscheint nun ein Bildband, der Fotografien aus dem Galerie-Archiv sowie Interviews von Alberti enth\u00e4lt. Heute w\u00fcrde man vielleicht Safe Space dazu sagen, meint sie: &#8222;Da gab es Literatur, die man sonst nicht bekam. Unter der Hand kopierte Kataloge von der Documenta, alternative Zeitschriften.&#8220; Eine gef\u00e4hrliche Gratwanderung sei das gewesen, erz\u00e4hlt Alberti. 18 Aktenordner habe die Stasi \u00fcber Gerd Harry Lybke gesammelt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Im Bademantel zur Ausstellung<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuf einem Foto in der Ausstellung steht der Galerist nur mit einem Bademantel bekleidet zwischen seinen G\u00e4sten. Ein Trick, um der Ausstellung den Anschein einer rein privaten Zusammenkunft zu geben und so vielleicht unter dem Radar zu bleiben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nLybke selbst blickt scheinbar ohne Verbitterung zur\u00fcck. Seine Liebe zur <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/leipzig-kunst-oeffentlich-wandgemaelde-skulpturen-104.html\" title=\"Leipzig: 10 ber\u00fchmte Skulpturen, Graffiti und Denkm\u00e4ler\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Messestadt<\/a> scheint ungetr\u00fcbt: &#8222;Hier war schon immer das Transitleben. Man hat hier schon immer Leute von au\u00dfen, die gekommen sind, gefeiert \u2013 und die haben diesen Ruf von Leipzig in die Welt getragen. Leipzig l\u00e4sst halt die Leute auch zu, die etwas anderes machen. Und selbst unter den <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/stasi-zentrale-museum-leipzig-denkmalschutz-100.html\" title=\"Ex-Stasi-Zentrale in Leipzig: Wie hier Denkmalschutz verhindert wurde\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bedingungen der DDR<\/a> war hier ein Leben m\u00f6glich au\u00dferhalb von all dem, was staatlich strukturiert war.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/sachsen-aktuelle-ausstellungen-museen-kunst-grafik-340.html\" title=\"Leipzig, Dresden, Chemnitz: Die spannendsten Ausstellungen in Sachsen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausstellung<\/a> &#8222;Ansichten \u00fcber einen Raum&#8220; zeigt, auf wie viel Leben, wie viel Witz, Mut und Frechheit die Galerie Eigen + Art fu\u00dft. Es ist zugleich eine Hommage an die Messestadt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich sieht es aus wie eine ganz normale Studentenparty. 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