{"id":867146,"date":"2026-03-14T05:16:15","date_gmt":"2026-03-14T05:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/867146\/"},"modified":"2026-03-14T05:16:15","modified_gmt":"2026-03-14T05:16:15","slug":"mit-konrad-staisch-die-liebe-zu-den-kaputten-dingen-entdecken-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/867146\/","title":{"rendered":"Mit Konrad Staisch die Liebe zu den kaputten Dingen entdecken \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Er ist nicht der einzige, der jeden Tag voller Bedauern durch Leipzig l\u00e4uft und sieht, was die Leute alles so wegschmei\u00dfen, weil sie es nicht mehr brauchen, es kaputt ist oder einfach \u00fcbrig bleibt bei Bauarbeiten. Dinge, die oft leicht wieder repariert werden k\u00f6nnen. Oder mit ein wenig Handarbeit in neue, stilvolle Gegenst\u00e4nde verwandelt werden k\u00f6nnen. Und dabei war Staisch, als ihn diese Begeisterung f\u00fcr die fortgeworfenen Dinge packte, gar kein Handwerker. Aber was man nicht kann, kann man lernen.<\/p>\n<p>Sein Buch ist ein Ausflug in eine Welt, die in Leipzig schon l\u00e4ngst viele Anh\u00e4nger und Mitstreiter hat. Denn dieses Bedauern dar\u00fcber, dass wir zu einer gedankenlosen Wegschmei\u00dfgesellschaft geworden sind, teilen immer mehr Menschen.<\/p>\n<p>Erst recht, wenn sie sich auch noch mit dem riesigen Ressourcenverbrauch und der enormen Klimabelastung durch unsere Konsumgesellschaft besch\u00e4ftigt haben. Was auch Konrad Staisch getan hat, der 1993 in M\u00fcnchen geboren wurde, an der HGB Leipzig Illustration studierte und hier dann auch ein kleines Haus erwarb, das er dann auch noch selbst renovierte und dabei seine Liebe zum Handwerk entdeckte.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7377255f4d944d46aeedc38f3b6bc8b8.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/03\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/03\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Von der er nat\u00fcrlich auch erz\u00e4hlt in diesem Buch, das selbst ein St\u00fcck Handwerk ist und ganz bewusst so aussieht, wie es aussieht: ohne Schutzumschlag, mit sichtbarer Fadenheftung, auf Papier gedruckt, das in der Druckerei \u00fcbrig geblieben war.<\/p>\n<p>Man erf\u00e4hrt am Ende also auch noch ein bisschen was \u00fcber das B\u00fcchermachen und wie man \u2013 wie der Buchverlag Ankerwechsel aus Hamburg \u2013 selbst bei der Konzeption eines Buches auf Sparsamkeit, Nachnutzung und eine Minderung der CO\u2082-Belastung achten kann. So gesehen: ein Buch, das selbst erz\u00e4hlt, wie wir schonender mit unserer Umwelt umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jeder kann klein anfangen<\/p>\n<p>Abee Staisch erkl\u00e4rt es zur Einf\u00fchrung auch noch selbst. F\u00fcr all jene, die B\u00fccher wie \u201eBefreiung vom \u00dcberfluss\u201c von Nico Paech oder \u201eWeniger ist Mehr\u201c von Jason Hickel nicht gelesen haben. Und sich auch noch nicht gefragt haben, warum die Besessenheit vom Wachstum der wesentliche Grund daf\u00fcr ist, dass wir unser Klima, unsere Ozeane, die Artenvielfalt, unseren sch\u00f6nen Planeten systematisch zerst\u00f6ren und ganz offensichtlich niemand in der Lage ist, diesen Wahnsinn zu bremsen.<\/p>\n<p>Weshalb Konrad Staisch seine Leserinnen und Leser auch nicht mit dem Gedanken \u00fcberfordert, sie k\u00f6nnten ganz allein die Welt retten. Das k\u00f6nnen wir alle nicht. Und das schlechte Gewissen, das uns verlogene Fossilkonzerne mit dem \u201e\u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck\u201c machen, m\u00fcssen wir uns auch nicht einreden lassen.<\/p>\n<p>Denn damit versuchen sie einfach, die Schuld an der Zerst\u00f6rung der Welt auf den Einzelnen anzuw\u00e4lzen, w\u00e4hrend sie fette Milliardengewinne einstreichen und fossile Politik finanzieren. W\u00e4hrend der Einzelne sich gar nicht wehren kann.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen unser Denken \u00e4ndern \u00fcber den Umgang mit der Welt und ihren endlichen Ressourcen. Darum geht es Konrad Staisch, der in diesem Buch erz\u00e4hlt, wie er zum Sammler weggeworfener Dinge wurde und voller Aufmerksamkreit durch die Stadt l\u00e4uft, um eben diese Dinge aufzuheben und mitzunehmen.<\/p>\n<p>Gern mit Kinderwagen. Dazu eigne sich das Gef\u00e4hrt nun einmal bestens, stellt er fest. Das Kind im Wagen schl\u00e4ft ja meist. Und untendrunter ist Stauraum. F\u00fcr weggeworfene Bretter, N\u00e4gel, Lampen, Eimer, St\u00fchle, Vasen. Oft lauter Dinge, die man mit ein bisschen Geschick wieder reparieren kann. Oder die man \u2013 mit handwerklicher Kunst \u2013 in stilvolle Tische und Regale verwandeln kann.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir nicht anders?<\/p>\n<p>Manchmal wird\u00a0 es auch Staisch zu viel. Dann verh\u00e4ngt er sich einen Sammelstopp. Man ahnt, wie sich das anf\u00fchlt, wenn man erst einmal aufmerksam geworden ist auf die Sch\u00e4tze, die andere Leute gedankenlos wegschmei\u00dfen. Er ist nicht der einzige in Leipzig, der es begriffen hat.<\/p>\n<p>Der s\u00e4chsische Reparaturbonus spielt hier eine Rolle genauso wie die <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/melder\/wortmelder\/2026\/02\/neue-reparatur-cafes-in-leipzig-suchen-ehrenamtliche-reparaturhelferinnen-647420\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Repartaturcaf\u00e9s in Leipzig<\/a> oder das Projekt der Stadtreinigung Leipzig <a href=\"http:\/\/mein-leipzig-schon-ich-mir.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eMein Leipzig schon\u2019 ich mir\u201c<\/a> mit dem Konzeptladen Wiedersch\u00f6n. Denn auch in den Containern der Stadtreinigung landet so manches, was andere Leute sehr gut gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und so diskutiert Konrad Staisch f\u00fcr sich eben auch die Frage, ob wir unsere Art zu wirtschaften nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen? Raus aus dem wilden Wachstum, hin zu einer Gesellschaft, die wieder langlebige Produkte herstellt und die Dinge lieber repariert, als sie wegzuschmei\u00dfen und billigen Ersatz daf\u00fcr zu kaufen (der dann noch schneller kaputtgeht).<\/p>\n<p>Es sind alles Gedanken, die auch anderen durch den Kopf gehen, wenn sie vor der Frage stehen, ob man das Lieblingshemd nicht einfach flickt, das Kabel am kaputten Toaster austauscht oder sch\u00f6ne Dinge, die nur in der Schrankwand stehen, vielleicht doch lieber zum Tauschschrank an der n\u00e4chsten Ecke bringt, wo sie andere Leute finden k\u00f6nnen. W\u00fcrde das unsere Wirtschaft kaputtmachen, wenn wir wieder so denken und handeln?<\/p>\n<p>Das ist eine spannende Frage, die auch die vielen Ideen zu einem anderen Wirtschaften \u2013 wie Degrowth \u2013 noch nicht wirklich beantwortet haben. Aber so wie Konrad Staisch kann jeder agieren. Zumindest, wenn er im Keller genug Platz hat f\u00fcr einen gro\u00dfen Schrank, in dem man die Fundst\u00fccke ordentlich sammeln und beschriften kann.<\/p>\n<p>Und auch ein Pl\u00e4tzchen im Haus, an dem er (oder sie) in aller Ruhe fr\u00e4sen, schleifen, bohren, schrauben kann. Denn eins ist wichtig, betont Staisch: Man muss sich Zeit und Ruhe nehmen. Hektik hilft gar nichts. Gute Arbeit braucht Geduld. Aber das Ergebnis geht zu Herzen. Gerade dann, wenn einem gelungen ist, was man sich vorher handwerklich nicht zugetraut h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Sammeln, Teilen, Tauschen<\/p>\n<p>Also z\u00e4hlt Staisch auf, was er alles so sammelt, und erz\u00e4hlt, wie er es lagert. Und dann gibt er Tipps zu den notwendigen Werkzeugen, die man braucht, wenn man selbst loslegen will. Oder die man sich ausleiht, weil man nat\u00fcrlich nicht jeden Tag eine Schlagbohrmaschine oder einen Schwingschleifer braucht.<\/p>\n<p>Auch das ein Thema von sparsamem Umgang mit Ressourcen: Was man nicht t\u00e4glich braucht, leiht man sich aus, wenn man es braucht.<\/p>\n<p>Und dann geht es los, erz\u00e4hlt Staisch eben sch\u00f6n akribisch, wie er anfing, Dinge selbst zu bauen \u2013 wie Regale, Tische, Garderoben. Wie er anfing, Kleidung selbst zu reparieren, Rei\u00dfverschl\u00fcsse auszutauschen \u2026<\/p>\n<p>Da wird sich manches Kind aus dem Osten an den Kopf fassen: Das kennt man doch alles schon. Das war ja zu Elternzeiten ganz normal. Und es bereichert, wenn man es wieder lernt. Und dabei richtig kreativ werden kann.<\/p>\n<p>Denn wenn man die ganzen Fertigkeiten erst mal drauf hat, dann fallen einem auch Sachen ein, wie man aus leeren Kanistern extravagante Lampen bauen kann, den alten W\u00e4schetrockner wieder funktionsf\u00e4hig macht, sich ein Sofa Marke Eigenbau zusammenschraubt, Kerzen gie\u00dft oder Kompostkisten zusammennagelt.<\/p>\n<p>Wenn Politik nur in Wegschmei\u00df-Kategorien denkt<\/p>\n<p>Wenn man erst einmal auf diesem Weg ist, wird schon greifbarer, wie eine Reparaturgesellschaft aussehen k\u00f6nnte, in der man die teuren Dinge eben nicht auf den M\u00fcll schmei\u00dft, wenn sie einen Defekt haben, sondern repariert.<\/p>\n<p>Und dazu auch die Ersatzteile im Handel bekommt. Denn das ist auch politisch regelbar. Wenn man denn Politiker w\u00e4hlt, die das begreifen und auch wollen. Und die nicht auch Politik und W\u00e4hler als Wegwerfprodukte behandeln, was eben leider derzeit Mode zu sein scheint.<\/p>\n<p>Man merkt, dass es die ganze Zeit um Respekt geht, um Achtsamkeit und einen aufmerksameren Umgang mit unserer Umwelt. Und dadurch auch mit uns selbst. Denn unser Empfinden f\u00fcr das, was richtig ist, begr\u00fcndet unsere Moral. Und unser Verst\u00e4ndnis davon, wie man auf dieser Erde eine Gesellschaft organisieren kann, die ihre Lebensgrundlagen nicht zerst\u00f6rt, sondern schont und \u2013 wo m\u00f6glich \u2013 repariert.<\/p>\n<p>Im Kleinen steckt das Gro\u00dfe. Und am Ende zeigt unser Umgang mit den Dingen nun einmal auch, wie wir mit uns selbst umgehen. Das schreibt Konrad Staisch zwar nicht so. Aber man kann es zwischen den Zeilen lesen. Erst recht da, wo er schreibt, wie stolz ihn dann das Selbstgebaute gemacht hat. So wird das ein Buch nicht nur f\u00fcr alle, die selbst anfangen wollen, ihren Alltag wieder nachhaltiger zu gestalten.<\/p>\n<p>Sondern auch f\u00fcr alle, die im Angesicht einer respektlos gewordenen Wirtschaft wieder eine Ermutigung brauchen, sich diesem Kaufen &amp; Wegschmei\u00dfen zu entziehen und die Dinge, die man tats\u00e4chlich braucht, schonend zu behandeln. Und sie zu reparieren, wenn ein Defekt sie scheinbar zu \u201eM\u00fcll\u201d gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>Konrad Staisch <a href=\"http:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/ISBN: 9783947596249@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Das, was da ist<\/a><\/strong> Ankerwechsel, Hamburg 2026, 32 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er ist nicht der einzige, der jeden Tag voller Bedauern durch Leipzig l\u00e4uft und sieht, was die Leute&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":867147,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,4507,624,5087,1904,859],"class_list":["post-867146","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-leipzig","tag-nachhaltigkeit","tag-ratgeber","tag-reparatur","tag-sachbuch","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116225834244977462","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/867146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=867146"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/867146\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/867147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=867146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=867146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=867146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}