{"id":867290,"date":"2026-03-14T06:42:14","date_gmt":"2026-03-14T06:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/867290\/"},"modified":"2026-03-14T06:42:14","modified_gmt":"2026-03-14T06:42:14","slug":"prowein-duesseldorf-verliert-europas-groesste-weinmesse-an-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/867290\/","title":{"rendered":"Prowein D\u00fcsseldorf: Verliert Europas gr\u00f6\u00dfte Weinmesse an Paris?"},"content":{"rendered":"<p>In der Weinwelt ist Paris das neue D\u00fcsseldorf: Die dortige Weinmesse gr\u00e4bt der etablieren Prowein zunehmend das Wasser ab. Das Bedenkliche daran: Obwohl sich die Konkurrenz aus Frankreich lange angek\u00fcndigt hat, hat es die Messe in D\u00fcsseldorf vers\u00e4umt, zu reagieren.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Seit mehr als 30 Jahren ist die \u201eProwein\u201c in D\u00fcsseldorf die gr\u00f6\u00dfte und wichtigste Weinmesse Europas, wenn nicht sogar der Welt. Gestartet ist sie 1994 als kleiner Branchentreff, der schnell und enorm wuchs. Sie steht \u2013 auch durch die N\u00e4he zu weltbekannten Weinbaugebieten wie Rheingau oder Mosel \u2013 f\u00fcr den deutschen Anspruch, ein weltweit f\u00fchrendes Weinland zu sein. Das Gesch\u00e4ft der Messe lief so lange pr\u00e4chtig, wie der Weinbau boomte \u2013 und das tat er seit ihrer Gr\u00fcndung.\u00a0<\/p>\n<p>Doch der Boom der \u201eProwein\u201c ist vorbei. Statt 13 Messehallen wie noch vor zwei Jahren sind in diesem Jahr nur noch sieben Hallen belegt \u2013 ein dramatischer R\u00fcckgang. Und daf\u00fcr sind weder Pandemien, Lockdowns noch Kriege verantwortlich, nicht einmal die neue Zur\u00fcckhaltung der Generation Z bei alkoholischen Getr\u00e4nken. Nein, das alles sind vielleicht Nadelstiche f\u00fcr das Messegesch\u00e4ft, mehr aber nicht. Die \u201eProwein\u201c ist durch einen neuen Player aus dem Nachbarland unter Druck geraten: die \u201eWine Paris &amp; Vinexpo Paris\u201c (der Doppelname r\u00fchrt daher, dass 2020 zwei Messen zu einer zusammengef\u00fchrt wurden), die kurz vor der \u201eProwein\u201c stattfindet und ihr zunehmend das Wasser abgr\u00e4bt.<\/p>\n<p>Ja: Die Winzer und Weinh\u00e4ndler in Europa und den USA leiden unter den Auswirkungen der Sober-Bewegung, die zuletzt vor allem Wein zum Feindbild erkoren hat. Aber wenn ich die Staatsgrenze von \u00d6sterreich nach Ungarn, in die Slowakei, nach Slowenien oder auch Tschechien \u00fcberschreite, bin ich augenblicklich in einer Welt, in der die Abstinenzmoden weder in den Medien noch bei der Bev\u00f6lkerung viel Beachtung finden. Ganz im Gegenteil kennen diese L\u00e4nder keinen gesellschaftlichen Druck, das Weintrinken zu unterlassen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch die Winzer dieser L\u00e4nder und ihre Verb\u00e4nde stellen auf der \u201eProwein\u201c aus. Doch in den Hallen, wo sie sich breitmachen d\u00fcrfen, waren im vergangenen Jahr kaum Besucher. Dort, wo der Markt noch w\u00e4chst, sieht also keiner hin \u2013 und wird auch von der Messe nicht hingelotst. Mir brach es fast das Herz, so viele gute Winzer in leeren Hallen zu sehen, w\u00e4hrend sich bei den Deutschen und \u00d6sterreichern, aber auch bei den Franzosen und Italienern die trinkfreudigen Menschenmassen dr\u00e4ngten. Die \u201eProwein\u201c ist letztlich nie zu einer echten Weltweinmesse gewachsen, sondern im Kern ein regionales Treffen mitteleurop\u00e4ischer Winzer geblieben.\u00a0<\/p>\n<p>In Paris herrscht traditionell ein weinfreundliches Klima<\/p>\n<p>Jetzt dr\u00e4ngt es auch die Mitteleurop\u00e4er zunehmend nach Paris, in eine Millionenstadt mit einzigartigem Flair \u2013 und einem einladenden Hotelkontingent. W\u00e4hrend in D\u00fcsseldorf und Umgebung zur Prowein kein noch so bescheidenes Zimmer f\u00fcr unter 250 Euro zu bekommen ist, kann man in Paris f\u00fcr rund 100 Euro in einem Dreisternehotel \u00fcbernachten. Zudem ist das ganze Klima in der Stadt traditionell immer weinfreundlich \u2013 und nicht nur zu Messezeiten wie in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>Mit ihren hohen Kosten f\u00fcr Standmiete und Serviceleistungen ist die Prowein zudem so teuer geworden, dass auch Winzer mit ausreichend Kapital sich fragen, ob sich der Aufwand lohnt, zumal man f\u00fcr mehr Geld heute weniger Gegenwert bekommt als vor ein paar Jahren. Und wenn Paris das Gleiche kostet wie D\u00fcsseldorf oder sogar geringf\u00fcgig weniger \u2013 \u00a0wo gehen die Winzer wohl in Zukunft hin, die nur das Budget f\u00fcr eine relevante Messe im Jahr haben?<\/p>\n<p>Die gar nicht so schleichende \u00dcbernahme der Pole-Position durch die \u201eWine Paris &amp; Vinexpo Paris\u201c geschah mit Ansage. Fast alle, die im Weingesch\u00e4ft t\u00e4tig sind, haben es kommen sehen. Doch warum hat \u2013 wie inzwischen fast typisch f\u00fcr Deutschland \u2013 die Messe in D\u00fcsseldorf nicht reagiert, obwohl sie die Konkurrenz gut sichtbar wie auf einem Silbertablett serviert bekam? Auch wegen dieser Vers\u00e4umnisse hei\u00dft es in der Weinszene nun immer \u00f6fter: \u201eUns bleibt immer noch Paris!\u201c<\/p>\n<p><b>Manfred Klimek ist Weinkritiker und Fotograf.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Weinwelt ist Paris das neue D\u00fcsseldorf: Die dortige Weinmesse gr\u00e4bt der etablieren Prowein zunehmend das Wasser&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":867291,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[3364,29,3405,30,1209,34898,45,16560,192012],"class_list":{"0":"post-867290","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-duesseldorf","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen","13":"tag-parkraum-inbox","14":"tag-texttospeech","15":"tag-wein","16":"tag-winzer-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116226172274177034","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/867290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=867290"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/867290\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/867291"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=867290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=867290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=867290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}