{"id":867583,"date":"2026-03-14T09:32:17","date_gmt":"2026-03-14T09:32:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/867583\/"},"modified":"2026-03-14T09:32:17","modified_gmt":"2026-03-14T09:32:17","slug":"70-jahre-stuttgarter-fernsehturm-bislang-unveroeffentlichte-fotos-vom-fernsehturm-bau-hut-ab-vor-diesen-maennern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/867583\/","title":{"rendered":"70 Jahre Stuttgarter Fernsehturm: Bislang unver\u00f6ffentlichte Fotos vom Fernsehturm-Bau: \u201eHut ab vor diesen M\u00e4nnern\u201c"},"content":{"rendered":"<p>20 Monate dauerte es, den Stuttgarter Fernsehturm zu bauen. Das Degerlocher Unternehmen Gustav Epple hat unz\u00e4hlige Fotos, die den Bau dokumentieren. F\u00fcr uns wurde das Archiv ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Das Wetter im Sommer 1954 macht Mucken: Es regnet und windet tagelang. Und deshalb w\u00e4chst auf dem Hohen Bopser der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.fernsehturm-wird-70-der-lange-lulatsch-braucht-ein-lifting.05997062-5915-4a48-93f5-0ab4fd0aff81.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Fernsehturm<\/a> nicht so schnell wie geplant. Als Anfang Oktober ein Journalist der Stuttgarter Nachrichten auf der Baustelle vorbeischaut, sagen ihm die Arbeiter: Eigentlich sollte der Turm jetzt schon doppelt so hoch sein. Aber: \u201eWas wir bei einigerma\u00dfen gutem Wetter in vier Stunden schaffen, h\u00e4lt uns bei Regen einen Tag lang hin!\u201c<\/p>\n<p>Wie zum Beweis, dass er letztlich doch auf seine knapp 217 Meter kam, h\u00e4ngt ein Foto des Stuttgarter Fernsehturms bei der Firma Gustav Epple im Foyer. Hier ist man immer noch stolz darauf, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.70-jahre-stuttgarter-fernsehturm-die-graue-eminenz-stuttgarts-turm-als-architektonische-meisterleistung.a773ed70-b942-438e-ba32-1b77d8bf42a7.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">dass man vor \u00fcber 70 Jahren an Stuttgarts Wahrzeichen mitgebaut hat<\/a>. Die Arbeiten von damals wurden gut dokumentiert. Etliche Fotos lagern bei der Baufirma, die 1909 vom Botnanger Gastwirtsohn Gustav Epple (1883-1955) in Degerloch gegr\u00fcndet wurde, fein s\u00e4uberlich datiert im Archiv. Einige von ihnen d\u00fcrfen wir nun das erste Mal ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.6dc95428-805d-4f1b-bd95-0aa47f3a7ae4.original1024.media.jpeg\"\/>     13. September 1954: Das Fundament des Stuttgarter Fernsehturms.    Foto: Gustav Epple    Stuttgarter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Fernsehturm\" title=\"Fernsehturm\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fernsehturm<\/a>: Gef\u00e4hrliche Baustelle \u2013 aber keine schlimmen Unf\u00e4lle <\/p>\n<p>Der Ingenieur Fritz Leonhardt <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.70-jahre-stuttgarter-fernsehturm-die-graue-eminenz-stuttgarts-turm-als-architektonische-meisterleistung.a773ed70-b942-438e-ba32-1b77d8bf42a7.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">hat ihn ersonnen<\/a>, den eleganten grauen Herrn aus Spannbeton auf Stuttgarts H\u00f6hen. Und zwar, weil er auf seinen Reisen gesehen hatte, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stuttgarter-wahrzeichen-wird-70-der-turm-der-tuerme.1611cfbd-673a-43c1-8927-421378820d17.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201ewas f\u00fcr scheu\u00dfliche Fernseht\u00fcrme man baute, und das wollte ich Stuttgart ersparen.\u201c<\/a> Aber erbaut haben ihn unter anderen die Arbeiter der Baufirmen Gustav Epple und Wayss &amp; Freytag \u2013 \u201ebuchst\u00e4blich mit den blo\u00dfen H\u00e4nden, wenn man sich die Fotos von damals anschaut\u201c. <\/p>\n<p>Klaus Kramartschik, bei Gustav Epple f\u00fcrs Marketing zust\u00e4ndig, ist immer wieder baff, wie damals gearbeitet wurde. \u201eOhne Helme, mit ein paar d\u00fcnnen Balken als Sicherung. Das w\u00e4re heute undenkbar.\u201c Und doch hat es in den 20 Monaten Bauzeit nie einen schweren Arbeitsunfall gegeben \u2013 das betonten auch die Stuttgarter Zeitungen damals in ihrer Berichterstattung.<\/p>\n<p>  Stuttgarter Fernsehturm: Spatenstich am 10. Juni 1954 <\/p>\n<p>Am 10. Juni 1954 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stuttgart-album-zum-wahrzeichen-70-jahre-fernsehturm-eine-liebeserklaerung-an-stuttgarts-schnapsidee.ff1a939a-80c1-42a2-985f-5d2bccd41e9d.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">setzt der Intendant des S\u00fcddeutschen Rundfunks (SDR), Fritz Eberhard<\/a>, den ersten Spatenstich. Das Bauloch ist acht Meter tief und hat einen Durchmesser von 32 Metern. \u201eDie Fundamentierung f\u00fcr dieses Projekt wird begreiflicherweise die l\u00e4ngste Zeit in Anspruch nehmen\u201c, schreiben im Juli die Stuttgarter Nachrichten, \u201eaber dann wird der Turm jeden Tag um einige Meter in die H\u00f6he wachsen.\u201c<\/p>\n<p>Doch dann kommt der Regen. Als der StN-Reporter im Oktober wieder auf der Baustelle vorbeischaut, ist der Schaft zw\u00f6lf Meter hoch, dabei sollte er \u201el\u00e4ngst \u00fcber die ihn umgebenden Baumkronen ragen\u201c. T\u00e4glich w\u00e4chst der Turm um 1,25 Meter in die H\u00f6he, alle zw\u00f6lf Minuten um einen Zentimeter, rechnet der Autor aus. Die Arbeit am Turm \u2013 \u201eein waghalsiges Unternehmen. Schmale schwankende Bretter, die sich rings um den Turm ziehen, sind der Boden f\u00fcr die Arbeiter, die au\u00dfen an der Turmwand arbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Ende Oktober 1954 tr\u00e4gt der Turmschaft des Stuttgarter Fernsehturms schon Signalleuchten <\/p>\n<p>Gearbeitet wird in Ringen: Die Arbeiter bauen eine Verschalung aus Stahlplatten, in die der Beton gegossen wird. Wenn der Ring durchgeh\u00e4rtet ist, beginnt das gleiche Spiel wieder von vorn. Jeder Ring ist ein bisschen kleiner als der vorherige, weil sich der Turmschaft ja elegant verj\u00fcngen soll. Als die StZ Ende Oktober zu Besuch ist, ist der Turm 35 Meter hoch, \u00fcberragt knapp die Baumwipfel und ist oben bereits mit roten Lampen ausgestattet, um Flugzeuge vor dem Hindernis zu warnen.<\/p>\n<p>Im Dezember ist der Fernsehturm auf 115 Meter gewachsen. \u201eGef\u00e4hrlich? \u2013 Sch\u00f6n ist unsere Arbeit!\u201c, zitieren die StN Otto Mocho, den Oberpolier \u201eauf Stuttgarts h\u00f6chster und zur Zeit zweifellos interessantester Baustelle.\u201c Dieser Herr Mocho dirigiert ein Dutzend M\u00e4nner, die in luftiger H\u00f6he harte Arbeit leisten. Er muss ein Unikat gewesen sein: \u201eEin Mann mit einer z\u00e4hen Schale und pr\u00e4chtigem Kern, dazu einer unverwechselbaren Berliner Schnauze, kurz \u2013 ein Prachtkerl.\u201c 500 Leitersprossen m\u00fcssen die Arbeiter erklimmen, bis sie an ihrem Arbeitsplatz sind. Ein Zelt sch\u00fctzt die Baustelle vor Wind und Wetter, ein \u201ehochmoderner \u00d6lofen\u201c k\u00e4mpft gegen die eisige K\u00e4lte da oben an. \u201eWie Polarforscher\u201c, schreibt der Reporter, seien die Arbeiter angezogen: \u201eHut ab vor diesen M\u00e4nnern.\u201c<\/p>\n<p> Die Bauzeit wird l\u00e4nger, der Stuttgarter Fernsehturm teurer <\/p>\n<p>Zum Jahreswechsel ist klar: Das Ziel, den Fernsehturm bis zur Er\u00f6ffnung der Landesausstellung am 1. Juli 1955 fertigzustellen, ist nicht zu halten. 32 Bautage habe man im Sommer verloren. Immer teurer wird der Turm auch: Eigentlich hatte der SDR mal mit 1,4 Millionen Mark geplant, am Ende kostet das Bauwerk 4,2 Millionen. Heute w\u00e4ren das zwischen 12 und 13 Millionen Euro. Durch die Eintrittsgelder hatten die sich aber nach zehn Jahren bereits amortisiert.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.2de4626d-c8b8-4116-b843-5c73672e090f.original1024.media.jpeg\"\/>     21. April 1955: Die Arbeiter werkeln in luftiger H\u00f6he.    Foto: Gustav Epple    <\/p>\n<p>Im Januar 1955 beginnt \u201eder schwierigste und gef\u00e4hrlichste Bauteil, die Verschalung des Korbansatzes.\u201c Die StZ erkl\u00e4rt damals, was die Arbeiten so kompliziert macht: \u201eDer Turm ist dort, wo der Korb angesetzt wird, nur noch f\u00fcnf Meter breit, der Korb dagegen wird etwa 15 Meter breit.\u201c Nun ist der Turm schon gut zu sehen, auch aus dem Kessel. Und dort macht sich Aufregung breit: Steht der Turm etwa schief? \u201eMan beruhigte sich, als nachgewiesen wurde, da\u00df es sich um eine optische T\u00e4uschung handle.\u201c<\/p>\n<p>   Kritik am Stuttgarter Fernsehturm \u2013 \u201eWaldesruhe gest\u00f6rt\u201c <\/p>\n<p>Je h\u00f6her der Fernsehturm im Jahr 1955 w\u00e4chst, desto lauter werden die Stimmen der Kritiker. Der Schw\u00e4bische Heimatbund protestiert: Nicht nur verschandele der lange Lulatsch die Landschaft, durch die Schaulustigen werde auch \u201edie Waldesruhe gest\u00f6rt\u201c. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.1ca60d1f-c79f-425f-9ce8-87e9e4e4cfcf.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Bauunternehmer Gustav Epple (rechts) mit seinem Sohn Fritz.    Foto: Gustav Epple    <\/p>\n<p>Mancher B\u00fcrger, schreibt die StN, wisse nicht mehr so recht, was er von dem Bauwerk halten solle, \u201edas in Wirklichkeit so viel gewaltiger erscheint als im Modell\u201c. Haufenweise Leserbriefe kommen in den Redaktionen an: \u201eMan m\u00f6chte vorschlagen, da\u00df die Namen all der Leute, die zu diesem gr\u00f6\u00dften Narrenst\u00fcck der Stadt <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> ja gesagt haben, an diesem Schandmal f\u00fcr immer verewigt werden (\u2026)\u201c, hei\u00dft es da. Oder: \u201eGro\u00df und protzig steht der Fernsehturm da, ein Fremdk\u00f6rper in sch\u00f6ner Waldlandschaft.\u201c Fritz Leonhardt h\u00f6chstpers\u00f6nlich antwortet einem arg b\u00f6sen Kritiker: \u201eIch nehme so etwas grunds\u00e4tzlich nicht \u00fcbel, denn jeder soll und darf seine eigene Meinung haben. (\u2026) Kritik mit so harten Worten ist jedoch nur dann berechtigt, wenn man\u2019s besser machen kann.\u201c<\/p>\n<p> Gustav Epple stirbt noch vor der Einweihung des Stuttgarter Fernsehturms <\/p>\n<p>Aller Bedenken zum Trotz: Am 29. Oktober 1955 sendet der Fernsehturm zum ersten Mal. Zwei Tage sp\u00e4ter wird Gustav Epple ins Marienhospital eingeliefert. Er stirbt dort an einem Aortenriss. Seine Mitarbeiter sind geschockt, genauso wie ganz Degerloch, wo Epple viel Gutes tat. Eine Beerdigung wie seine auf dem Degerlocher Waldfriedhof hatte Stuttgart noch nicht gesehen. Die Firma \u00fcbernimmt sein Sohn Fritz.<\/p>\n<p>So erlebt Gustav Epple nicht mehr mit, wie der Stuttgarter Fernsehturm am 5. Februar 1956 auch offiziell eingeweiht wird. Wenn seine Lichter nachts freundlich blinken, bek\u00e4me man schon jetzt heimelige Gef\u00fchle, schreibt die StZ einen Tag zuvor: \u201eSo vertraut ist er uns schon, dieser st\u00e4dtische Nachtleuchter, von dem zuerst niemand hat etwas wissen wollen.\u201c<\/p>\n<p> Wir suchen Ihre Erinnerungen <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Wer war dabei?<\/strong><br \/>Die meisten der M\u00e4nner, die den Stuttgarter Fernsehturm gebaut haben, d\u00fcrften heute nicht mehr am Leben sein. Dennoch hoffen wir auf Ihre Erinnerungen: Haben Sie oder jemand aus Ihrer Familie zwischen 1954 und 1955 am Bau des Fernsehturms mitgewirkt? Wir freuen uns \u00fcber Ihre Zuschriften \u2013 per Mail (<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/redaktion@stzn.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">redaktion@stzn.de<\/a>) oder per Post: Theresa Sch\u00e4fer, Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH, Plieninger Stra\u00dfe 150, 70567 Stuttgart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"20 Monate dauerte es, den Stuttgarter Fernsehturm zu bauen. 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