{"id":869307,"date":"2026-03-15T01:37:28","date_gmt":"2026-03-15T01:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/869307\/"},"modified":"2026-03-15T01:37:28","modified_gmt":"2026-03-15T01:37:28","slug":"kohlefaser-statt-stahl-weltweit-1-carbonbetonwerk-entsteht-in-dresden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/869307\/","title":{"rendered":"Kohlefaser statt Stahl: Weltweit 1. Carbonbetonwerk entsteht in Dresden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Carbonbeton-Cube-8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-180066\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Carbonbeton-Cube-8.jpg\" alt=\"Carbonnetze ersetzen Stahl als Beton-Bewehrung. Im Hintergrund ist das entstehende Carbonbetonhaus &quot;Cube&quot; in Dresden zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt\" width=\"1000\" height=\"750\"  \/><\/a>Carbonnetze ersetzen Stahl als Beton-Bewehrung. Im Hintergrund des Archivfotos ist die einstige Baustelle f\u00fcr das Carbonbetonhaus \u201eCube\u201c in Dresden zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt<\/p>\n<p>Roboterfabrik soll Leichtbau-Revolution im Bausektor ausl\u00f6sen<\/p>\n<p><strong>Dresden\/Leipzig<\/strong>, 14. M\u00e4rz 2026. Sachsen kehrt zur industriellen DDR-Plattenbauproduktion zur\u00fcck \u2013 unter stark modernisierten Vorzeichen: hochautomatisiert, digitalisiert und vergleichsweise umweltfreundlich mit dem noch jungen Leichtbaustoff Carbonbeton. Um den samt kompletter Bauteile in Serie herzustellen, entsteht im Freistaat mit der \u201eC-Factory\u201c das \u201eweltweit erste Carbonbetonwerk zur digitalen und vollautomatisierten Herstellung CO\u2082-speichernder Carbonbetonbauteile\u201c. Das hat das <a href=\"https:\/\/c-factory.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eC-Factory\u201c-Betreiberkonsortium<\/a> unter Federf\u00fchrung der Leipziger Baufirma \u201e<a href=\"https:\/\/kahnttietze.de\/team.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kahnt &amp; Tietze<\/a>\u201c mitgeteilt. Die genauen Pl\u00e4ne f\u00fcr das Werk wollen die Partner Ende M\u00e4rz im Carbonbetonhaus \u201eCube\u201c in Dresden vorstellen.<\/p>\n<p>Betreiber versprechen \u201eradikale Ressourceneinsparung\u201c auf dem Bau<\/p>\n<p>\u201eSachsen positioniert sich damit als Modellregion f\u00fcr klimaneutrales Bauen und industrielle Dekarbonisierung\u201c, sch\u00e4tzen die Konsortialf\u00fchrer Alexander Kahnt und Matthias Tietze ein. Durch die C-Factory werde eine \u201eradikale Ressourceneinsparung\u201c und der Einsatz umweltfreundlicher Materialien im Bausektor m\u00f6glich, insbesondere durch CO\u2082-reduzierte Zemente, Recyclingstoffe und alternative Bindemittel m\u00f6glich. Grund: Carbonbeton verwendet Kohlenstofffasern statt Stahl zur Bewehrung, ist dadurch etwa 75 Prozent leichter, erm\u00f6glicht deutlich d\u00fcnnere und filigranere Wand- und Deckenbauweisen, ist zudem langlebiger, da weniger korrosionsanf\u00e4llig. Die Leichtbauweise mindert insofern den Bedarf an Zement, Sand und Kies \u2013 samt deren Transporte \u2013 deutlich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dresden-Concept-ausstellung-7-16-006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-160245\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dresden-Concept-ausstellung-7-16-006.jpg\" alt=\"Prof. Manfred Curbach. Foto: Heiko Weckbrodt\" width=\"902\" height=\"1023\"  \/><\/a>Carbonbeton-Vordenker Prof. Manfred Curbach von der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt<\/p>\n<p>Zwei Jahrzehnte Forschung legten die Basis<\/p>\n<p>Das neue Baumaterial geht auf rund <a href=\"https:\/\/oiger.de\/2013\/05\/17\/dresdner-entwerfen-karbonbeton-liegestuhl-fur-leseratten\/22245\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zwei Jahrzehnte Forschung<\/a> unter anderem an der TU Dresden und der HTWK Leipzig zur\u00fcck. In der Folge entstanden zun\u00e4chst Pilot- und Referenzprojekte mit dem Leichtbaustoff, unter anderem das weltweit erste Carbonbetonhaus \u201e<a href=\"https:\/\/oiger.de\/2016\/10\/05\/c-cube-weltweit-erstes-carbonbeton-haus-entsteht-in-dresden\/161464\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cube<\/a>\u201c in Dresden, innovative Sanierungsprojekte wie der <a href=\"https:\/\/oiger.de\/2021\/07\/29\/carbonbeton-ist-der-megatrend-des-21-jahrhunderts\/180062\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">innere Neuaufbau des Beyerbaus<\/a> der Dresdner Uni, aber auch mehrere Br\u00fccken und Br\u00fcckenerweiterungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/carbon-Beton.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-187659\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/carbon-Beton.jpg\" alt=\"Das noch junge Baumaterial Carbonbeton ist mit Gittern und St\u00e4ben aus Kohlenstofffasern statt mit Stahl verst\u00e4rkt. Dadurch ist eine leichtere, d\u00fcnnere Bauweise m\u00f6glich. Foto: Heiko Weckbrodt\" width=\"719\" height=\"463\"  \/><\/a>Das noch junge Baumaterial Carbonbeton ist mit Gittern und St\u00e4ben aus Kohlenstofffasern statt mit Stahl verst\u00e4rkt. Dadurch ist eine leichtere, d\u00fcnnere Bauweise m\u00f6glich. Foto: Heiko Weckbrodt<\/p>\n<p>Carbonbeton-Linien in Leipzig, Riesa und Dresden entstanden<\/p>\n<p>Nun stehe der Schritt in die industrielle Serienfertigung an, hei\u00dft es vom \u201eKahnt &amp; Tietze\u201c. Das 2014 in Leipzig gegr\u00fcndete Unternehmen hat <a href=\"https:\/\/c-factory.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">laut eigenen Angaben<\/a> eine vollautomatisierte Referenz-Fertigungslinie f\u00fcr CO\u2082-speichernde Carbonbeton-Bauteile entwickelt und aufgebaut, basierend auf den Erfahrungen im <a href=\"https:\/\/cbt.htwk-leipzig.de\/mainnavigation\/startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Carbonbetontechnikum Leipzig-Engelsdorf<\/a>. Das System speist digitale Baupl\u00e4ne direkt in die roboter-dominierte Fertigungslinie ein. Dabei werde \u201eCO\u2082 aus industriellen Quellen abgeschieden, aufbereitet und gezielt in Baustoffe integriert\u201c, hei\u00dft es vom Unternehmen. Weitere Carbonbeton-Fertigungslinien sind unabh\u00e4ngig davon unter anderem im <a href=\"https:\/\/oiger.de\/2021\/01\/14\/roboter-starten-teileproduktion-fuer-weltweit-1-karbonbetonhaus-in-dresden\/177468\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Betonwerk Oschatz<\/a> und im Schwenk Zementwerk Dresden entstanden.<\/p>\n<p>Bauwirtschaft geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften Energie- und Materialverbrauchern und CO2-Schleudern weltweit<\/p>\n<p>Das Interesse an neuen L\u00f6sungen f\u00fcr die Bauindustrie ist gro\u00df \u2013 aus Kostengr\u00fcnden ebenso wie mit Blick auf den enormen Materialbedarf, Energiebedarf und die Umweltbelastungen in diesem Wirtschaftssektor. Vor allem die Zementindustrie ist sehr energiehungrig und verursacht <a href=\"https:\/\/www.bund-berlin.de\/service\/meldungen\/detail\/news\/beton-in-zahlen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">laut Sch\u00e4tzungen des Umweltverbandes \u201eBUND\u201c<\/a> weltweit rund acht Prozent der menschengemachten Treibhausemissionen. In Deutschland liegt die Quote allerdings niedriger. Verantwortlich daf\u00fcr sind vor allem die hohen Temperaturen beim Produktionsprozess, der bei etwa 1450 Grad Celsius abl\u00e4uft. Die Herstellung einer jeder Tonne Zement ben\u00f6tigt rund 110 Kilowattstunden elektrische Energie. Das entspricht etwa 100 bis 200 Waschg\u00e4ngen mit einer g\u00e4ngigen Haushaltswaschmaschine. Neben dem Zement verursacht auch der Nachschub an Stahl, Kies und Zuschlagstoffen f\u00fcr Stahlbeton Probleme \u2013 sowohl mit Blick auf die energieaufwendige Stahlproduktion als auch auf die aufwendigen Transporte bis hin zu schlichten Verf\u00fcgbarkeitsfrage.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Cube-Risse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-187658\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Cube-Risse.jpg\" alt=\"Die Archivaufnahme vom Dezember 2022 zeigt die Risse, die sich kurz nach der Einweihung des &quot;Cube&quot; genannten Carbonbetonhauses neben dem Campus der TU Dresden zeigten. Foto: Heiko Weckbrodt\" width=\"544\" height=\"337\"  \/><\/a>Die Archivaufnahme vom Dezember 2022 zeigt Risse, die sich kurz nach der Einweihung des \u201eCube\u201c genannten Carbonbetonhauses neben dem Campus der TU Dresden zeigten. Foto: Heiko Weckbrodt<\/p>\n<p>Carbonbeton muss erst Alltagstauglichkeit und Kostenbilanz auf lange Sicht beweisen<\/p>\n<p>Carbonbeton, der bei seiner Produktion auch gleich noch Kohlendioxid aus anderen Industriefabriken abbindet und den Verbrauch an Stahl wie Beton beim Hausbau drastisch senkt, k\u00f6nnte insofern mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Abzuwarten bleibt aber, ob sich dieser Leichtbaustoff auch auf lange Sicht bew\u00e4hrt \u2013 man denke an die Risse im \u201eCube\u201c -, ob er das Vertrauen der eher konservativen Bauindustrie gewinnt und wie teuer oder billig er in der Gesamtbilanz ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Autor: Heiko Weckbrodt<\/p>\n<p>Quellen: Kahnt &amp; Tietze, BUND, Oiger-Archiv, HTWK Leipzig<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"285\" height=\"284\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Oiger-001.jpg\" alt=\"Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt\" class=\"wp-image-80160\" style=\"width:130px;height:auto\"  \/><\/p>\n<p class=\"has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-e7a7d44989b57757e168b6fff7193e32\" style=\"color:#185c84\"><strong>Ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Oiger.de!<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-918b69199ff2c1183b359612d6a15f37\" style=\"color:#154966\"><strong>Ohne hinreichende Finanzierung ist unabh\u00e4ngiger Journalismus nach professionellen Ma\u00dfst\u00e4ben nicht dauerhaft m\u00f6glich. 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