{"id":869660,"date":"2026-03-15T05:07:16","date_gmt":"2026-03-15T05:07:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/869660\/"},"modified":"2026-03-15T05:07:16","modified_gmt":"2026-03-15T05:07:16","slug":"bosnien-und-herzegowina-den-rundfunk-laehmen-das-land-spalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/869660\/","title":{"rendered":"Bosnien und Herzegowina: Den Rundfunk l\u00e4hmen, das Land spalten"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/weste-bhrt-100.jpg\" alt=\"Ein Mitarbeiter des bosnisch-herzegowinischen Rundfunks und Fernsehens (BHRT) steht in Sarajevo vor einem Geb\u00e4ude.\" title=\"Ein Mitarbeiter des bosnisch-herzegowinischen Rundfunks und Fernsehens (BHRT) steht in Sarajevo vor einem Geb\u00e4ude. | picture alliance \/ Anadolu\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 15.03.2026 \u2022 00:55 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk in Bosnien und Herzegowina ist in einer existenzgef\u00e4hrdenden Finanzkrise. Dahinter steht auch die Absicht bosnischer Serben, den Bestand des Gesamtstaates zu unterminieren. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/korrespondenten\/freches-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"David Freches\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/freches-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie geht es weiter? Das ist die Frage, die bei BHRT \u00fcber allem schwebt. Der \u00f6ffentlich-rechtliche Sender in Bosnien und Herzegowina steckt in einer existenzgef\u00e4hrdenden Finanzkrise. &#8222;Seit drei Monaten funktioniert kein einziger Aufzug im Haus. Also gehen alle Mitarbeiter zu Fu\u00df zw\u00f6lf Stockwerke hoch, um zu ihren veralteten Arbeitspl\u00e4tzen zu kommen&#8220;, sagt BHRT-Direktorin Nena Tadi\u0107.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir versuchen, mit nichts Programm zu machen. Wir haben kein Geld, um rauszugehen, Reportagen zu drehen oder die Lebenshaltungskosten der Mitarbeiter zu decken.&#8220; Der Sender reduziere alles auf das Notwendigste, um der gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und ein Dienst f\u00fcr alle Menschen in Bosnien und Herzegowina zu sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Stand Anfang Februar fehlten BHRT mehr als 50 Millionen Euro. Die Folge waren blockierte Konten sowie offene Strom- und Satellitenrechnungen; zudem gibt es Schulden bei Lieferanten und vor allem bei der EBU, der Europ\u00e4ischen Rundfunkunion. Bis Ende Februar h\u00e4tte BHRT umgerechnet elf Millionen Euro Schulden an die EBU zahlen m\u00fcssen. Diese Schulden seien nicht beglichen, hei\u00dft es von BHRT. Die entsprechende Frist sei abgelaufen.<\/p>\n<p>    EBU-Zahlung ist nicht erfolgt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die EBU best\u00e4tigt auf ARD-Anfrage, dass die Zahlung nicht erfolgt ist. Man habe in der Vergangenheit versucht, eine nachhaltige L\u00f6sung zusammen mit BHRT zu finden. Leider sei der Sender dennoch nicht in der Lage gewesen, den geschuldeten Beitrag zu begleichen. &#8222;Als gemeinn\u00fctzige Organisation, die von \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in ganz Europa finanziert wird, musste die EBU jedoch im Namen ihrer gesamten Mitgliedschaft ein Verfahren zur Eintreibung der ausstehenden Gelder einleiten&#8220;, so eine Sprecherin. Man werde &#8222;in den kommenden Monaten alle Optionen pr\u00fcfen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sobald das passiere, st\u00fcnden keinerlei Mittel mehr f\u00fcr den weiteren Sendebetrieb zur Verf\u00fcgung. Die rund 780 Besch\u00e4ftigten st\u00fcnden damit faktisch auf der Stra\u00dfe. Laut Direktorin Tadi\u0107 drohe der Kollaps: &#8222;Es w\u00fcrde mediale Finsternis in Bosnien und Herzegowina bedeuten. Wir w\u00e4ren dann das einzige europ\u00e4ische Land ohne \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk und damit auch nicht in der Lage, Mitglied der Europ\u00e4ischen Union zu werden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Protest bei klirrender K\u00e4lte: Im November berichteten BHRT-Journalisten aus einem Zelt vor dem Parlament in Sarajevo, um auf die Lage des Senders aufmerksam zu machen.\n                    <\/p>\n<p>    Kampf um den Bestand des Landes<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Grund f\u00fcr die Krise ist ein Konflikt zwischen BHRT und RTRS. Letzterer ist der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk in der Republika Srpska, dem serbisch dominierten Landesteil und einer der beiden Entit\u00e4ten im Land. &#8222;Wir haben einen Staat, der aus zwei Entit\u00e4ten und dem Distrikt Br\u010dko besteht. Genau so ist dieses Radio- und Fernsehsystem aufgeteilt&#8220;, erkl\u00e4rt Tadi\u0107. &#8222;Diese \u00f6ffentlichen Einrichtungen sind f\u00fcr die Erhebung der Rundfunkgeb\u00fchr in ihren jeweiligen Landesteilen zust\u00e4ndig. Nach demselben Gesetz sind sie verpflichtet, 50 Prozent der auf dem Gebiet ihrer Einrichtungen erhobenen Geb\u00fchren auf das Konto von BHRT zu \u00fcberweisen, da wir alle Teil desselben Systems sind.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Genau das passiert laut der Direktorin aber nicht. RTRS zahle seinen gesetzlich vorgeschriebenen Anteil der Rundfunkgeb\u00fchr trotz Gerichtsurteilen nicht. Bei BHRT hei\u00dft es, vor etwa neun Jahren habe es beim Bezahlen Ver\u00e4nderungen gegeben. RTRS habe unter politischen Anweisungen beschlossen, die gesamte eingezogene Geb\u00fchr bei sich zu behalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zehn Gerichtsverfahren sp\u00e4ter gibt es noch immer keine L\u00f6sung, obwohl sogar das Verfassungsgericht von Bosnien und Herzegowina darauf verwies, dass die entsprechenden Gesetze eingehalten werden m\u00fcssen, welche die Verteilung der Geb\u00fchren regeln. Tadi\u0107 sieht deshalb Milorad Dodik in der Verantwortung.<\/p>\n<p>Bosnien und Herzegowina<\/p>\n<p>        Bosnien und Herzegowina ist in den serbisch-regierten Landesteil Republika Srpska, in die bosniakisch-kroatisch regierte F\u00f6deration sowie den\u00a0Br\u010dko-Distrikt\u00a0als Sonderverwaltungsgebiet unterteilt. Die Teilentit\u00e4ten verf\u00fcgen \u00fcber eigene politische Institutionen und sind durch eine schwache Zentralregierung verbunden. Die Machtverteilung zwischen Serben, Bosniaken und Kroaten wird nach Quoten aufgeteilt. So gibt nicht nur einen, sondern drei Staatspr\u00e4sidenten f\u00fcr die rund 3,2 Millionen Einwohner.<\/p>\n<p>    Die Vers\u00e4umnisse der Politik<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der ehemalige Pr\u00e4sident der Republika Srpska ist wegen separatistischer Aktivit\u00e4ten nach einem Gerichtsurteil abgesetzt worden. Aber seine Partei versucht nach wie vor, alle Institutionen auf der Bundesebene zu schw\u00e4chen, darunter auch BHRT, um so einen funktionierenden Gesamtstaat als unm\u00f6glich darzustellen und einer Abspaltung den Weg zu ebnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Erst Anfang Februar sagte Dodik dazu im Programm von RTRS: &#8222;Mein Hauptziel ist die unabh\u00e4ngige Republika Srpska, und das ist nicht verschwunden. Es ist nicht verschwunden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Schuld aber nur in der Republika Srpska zu suchen, greife zu kurz, sagt Maja Sever. Die Journalistin aus Kroatien ist Vorsitzende der Europ\u00e4ischen Journalisten-F\u00f6deration (EFJ). Die &#8222;Milorad Dodiks&#8220; st\u00fcnden bei der Ursache vielleicht in der ersten Reihe, so Sever. &#8222;Aber so einfach ist das nicht. Die Politik in Sarajevo ignoriert das Geb\u00fchrenproblem seit Jahren. Sie wollen das Problem nicht wirklich l\u00f6sen.&#8220;<\/p>\n<p>    Im Parlament werden die Entscheidungen blockiert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was Sever meint: Die BHRT-Krise ist l\u00e4ngst in der Politik angekommen, ohne dass es bislang etwas gebracht hat. Damit sich das \u00e4ndert, hat Ende Januar das Pr\u00e4sidium, also das dreik\u00f6pfige Staatsoberhaupt des Landes, bestehend aus je einem Vertreter der Bosniaken, Serben und Kroaten, eine Reihe von Beschl\u00fcssen zur Rettung von BHRT gefasst. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die Zwangsvollstreckung der RTRS-Schulden sowie eine sofortige Notfinanzierung aus Haushaltsmitteln, um den Blackout von BHRT zu verhindern, und auch garantierte L\u00f6hne f\u00fcr deren Mitarbeiter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber: Wenn es um die Umsetzung dieser Ma\u00dfnahmen geht, kommt das Parlament ins Spiel. Und dort blockieren oder verz\u00f6gern die jeweiligen ethnisch gepr\u00e4gten Parteien gegenseitig regelm\u00e4\u00dfig solche Entscheidungen. Das scheint auch die EBU so zu sehen. Die Rundfunkunion sieht die Politik in Bosnien und Herzegowina ebenfalls am Zug. &#8222;Wir fordern die Beh\u00f6rden weiterhin nachdr\u00fccklich auf, eine dringende und nachhaltige L\u00f6sung f\u00fcr die Finanzkrise zu finden, die BHRT seit vielen Jahren l\u00e4hmt und nun die Zukunft des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks bedroht\u201c, hei\u00dft es gegen\u00fcber der ARD.<\/p>\n<p>    Ein Fall f\u00fcr Schmidt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Journalistin Maja Sever bringt deshalb Christian Schmidt ins Spiel, den Hohen Repr\u00e4sentanten f\u00fcr Bosnien und Herzegowina. &#8222;Ich m\u00f6chte mich an ihn wenden, nach dem Motto: Hilf ihnen! Zwinge sie, L\u00f6sungen zu finden, um BHRT zu retten, wenn sie national keine vern\u00fcnftige L\u00f6sung hinbekommen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aus dem Umfeld Schmidts war bislang zu h\u00f6ren, dass er nicht derjenige sein sollte, der die Aufgaben des Parlaments \u00fcbernehme. Sever schlie\u00dft daraus Folgendes: &#8222;Ich wei\u00df nicht, wie sie ohne tiefgreifende Ver\u00e4nderungen, ohne ernsthafte Investitionen und Finanzierungen in der n\u00e4chsten Zeit \u00fcberleben k\u00f6nnen.&#8220; Es ist eine Frage, die sich auch BHRT stellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 15.03.2026 \u2022 00:55 Uhr Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk in Bosnien und Herzegowina ist in einer existenzgef\u00e4hrdenden Finanzkrise. 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