{"id":870620,"date":"2026-03-15T14:07:14","date_gmt":"2026-03-15T14:07:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/870620\/"},"modified":"2026-03-15T14:07:14","modified_gmt":"2026-03-15T14:07:14","slug":"waffe-buchumschlag-foto-cover-und-propaganda-in-den-1930er-jahren-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/870620\/","title":{"rendered":"Waffe Buchumschlag! Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Haben Sie schon einmal ein Buch gekauft, nur weil Ihnen der Umschlag ins Auge gesprungen ist? Auf der Leipziger Buchmesse wird die Verlockung wieder gro\u00df sein. Und seitdem es Cover gibt, ist klar, dass sie nicht nur Schutzh\u00fclle sind, sondern eine hei\u00df umk\u00e4mpfte Fl\u00e4che f\u00fcr Verkaufserfolge, Leseerwartungen \u2013 und f\u00fcr politische Statements.<\/p>\n<p>In der neuen Kabinettausstellung \u201eWaffe Buchumschlag! Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren\u201c in der <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/tag\/deutsche-nationalbibliothek\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Deutschen Nationalbibliothek<\/a> wird die Frage gestellt, inwiefern gerade in gesellschaftspolitisch aufgeheizten Zeiten auf den Covern von B\u00fcchern politische Diskurse und ideologische K\u00e4mpfe ausgefochten werden \u2013 inwieweit der Buchumschlag also zur Waffe wird.<\/p>\n<p>Die Schau, eine Kooperation mit dem Wiener Photoinstitut BONARTES, er\u00f6ffnet im Vorfeld der Buchmesse am Dienstag, dem 17. M\u00e4rz 2026, 19:00 Uhr. Was das Schaufenster f\u00fcr den Laden, ist das Cover f\u00fcr das Buch. Ob Bild, Schrift, Farbgestaltung oder Haptik: Der Umschlag macht auf den Inhalt eines Buches neugierig, ohne zu viel zu verraten.<\/p>\n<p>Mit der Ausstellung \u201eWaffe Buchumschlag!\u201c widmet sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum mit Blick auf die 1930er Jahre exemplarisch der Frage, wie sich in gesellschaftspolitisch aufgeheizten Zeiten auf den Covern von B\u00fcchern politische Diskurse und ideologische K\u00e4mpfe widerspiegeln \u2013 inwieweit der Buchumschlag zur Waffe wird.<\/p>\n<p>Eine besondere Rolle spielt dabei die Fotografie: Durch den Hype der illustrierten Presse in den 1920er Jahren wurde das Foto zu einem Massenmedium und hat dadurch ma\u00dfgeblich zum sogenannten \u201eiconic turn\u201c der Epoche beigetragen. Seitdem Druckwerke massenhaft und kosteng\u00fcnstig hergestellt werden konnten, bot es sich an, \u00dcberzeugungsarbeit mithilfe fotografischer Bilder zu betreiben. Aber erst durch die Einf\u00fchrung des allgemeinen Wahlrechts nach dem Ersten Weltkrieg entwickelten politische Parteien Strategien zum Einsatz von Fotografie als Propagandainstrument.<\/p>\n<p>Propaganda auf dem Schutzumschlag<\/p>\n<p>Die Dynamik der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen f\u00fchrte ab Ende der 1920er Jahre zu einer Flut von Propagandaschriften, deren Schlagrichtung schon auf den Umschl\u00e4gen ihren Ausdruck fand: Wirklichkeitssplitter, zusammengesetzt zu k\u00e4mpferischen Montagen, spiegelten einerseits die Verzweiflung \u00fcber die wirtschaftliche Lage der Arbeitenden und der immer zahlreicher werdenden Arbeitslosen wider. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums postulierten Bilder ungetr\u00fcbter Harmonie einen faschistischen Heimatbegriff. Der Buchumschlag wurde zur Waffe im politischen Kampf.<\/p>\n<p>Die Ausstellung widmet sich Druckwerken dieser Zeit mit Schwerpunkt auf \u00f6sterreichische Publikationen, deren Verlage auch in Deutschland, insbesondere in Leipzig, t\u00e4tig waren und bisher wenig erforscht sind. Anhand von rund 100 Beispielen pr\u00e4sentiert die Ausstellung exemplarisch die Experimentierfreude bei der Covergestaltung mittels Fotografie und Typografie in den 1930er Jahren.<\/p>\n<p>In sechs Kapiteln zeigt die Schau, wie die \u00f6ffentliche Meinung mit dem Medium Cover beeinflusst wurde und wie die neuen fotografischen Reproduktionstechniken den Buchgestalter*innen innovative Wege f\u00fcr ihre Arbeit mit visuellen Materialien ebneten.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Photoinstitut BONARTES in Wien und wurde von Monika Faber, Arne Reimer und Hanna Schneck kuratiert. Nach Stationen in Wien und Salzburg ist sie nun in Leipzig zu sehen und wird von Pierre Pan\u00e9-Farr\u00e9 (Hamburg\/Leipzig) um Aspekte zur Typografie, Gestaltung und Herstellung unter Einbezug der Sammlungsbest\u00e4nde des Buch- und Schriftmuseums erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><strong>Katalog:<\/strong> Unter dem Titel \u201eBuchumschlag! Fotomontagen im politischen Kampf der 1930er-Jahre in \u00d6sterreich\u201c haben die Kurator\/-innen im Verlag Schlebr\u00fcgge einen Katalog herausgegeben, mit Texten der Herausgeber\/-innen sowie von Ernst Fischer, Otto Hochreiter, Marion Krammer und Pierre Pan\u00e9-Farr\u00e9. Der mit der Goldmedaille des Deutschen Fotobuchpreises pr\u00e4mierte Katalog ist im Buchhandel sowie im Museum erh\u00e4ltlich, Preis: 27,30 Euro.<\/p>\n<p><strong>\u201eWaffe Buchumschlag! Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren\u201c<\/strong>, <a href=\"http:\/\/www.dnb.de\/buchumschlag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek<\/a>. Die Ausstellungser\u00f6ffnung ist am Dienstag, dem 17. M\u00e4rz 2026, um 19:00 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Haben Sie schon einmal ein Buch gekauft, nur weil Ihnen der Umschlag ins Auge gesprungen ist? 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