{"id":87067,"date":"2025-05-05T19:12:09","date_gmt":"2025-05-05T19:12:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/87067\/"},"modified":"2025-05-05T19:12:09","modified_gmt":"2025-05-05T19:12:09","slug":"reisners-blick-auf-die-front-mit-blick-auf-freitag-ist-russland-hochnervoes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/87067\/","title":{"rendered":"Reisners Blick auf die Front: &#8222;Mit Blick auf Freitag ist Russland hochnerv\u00f6s&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag pr\u00e4sentiert die Ukraine ein Video, das den Abschuss eines russischen Kampfjets zeigt &#8211; von einer Drohne im Wasser aus. Und auch an Land werden die unbemannten Objekte immer wichtiger. Vor allem jetzt, vor dem 9. Mai, sagt Milit\u00e4rexperte Oberst Markus Reisner. Putin will seine Armee als \u00fcberlegene Streitkraft pr\u00e4sentieren. Die Ukrainer wollen genau das verhindern. <\/p>\n<p><b>Ntv.de: Herr Reisner, der ukrainische Milit\u00e4rgeheimdienst HUR meldete vorgestern, man habe zwei russische Kampfjets abgeschossen. \u00dcberwasser-Drohnen h\u00e4tten Raketen abgefeuert und zwei Su-30 vom Himmel geholt. Wie bewerten Sie die Meldung? <\/b><\/p>\n<p>Markus Reisner: Das war ein Highlight der letzten Tage. Vor allem mit Blick darauf, dass die Ukraine eigentlich gar keine eigenen potenten Seestreitkr\u00e4fte hat. Immer wieder schafft sie es trotzdem, in dieser Dom\u00e4ne Erfolge zu erzielen &#8211; besonders mit unbemannten \u00dcberwasser-Systemen. <\/p>\n<p><b>Diese maritimen Drohnen sehen zun\u00e4chst aus wie Schiffe, sind aber autonom gesteuert? <\/b><\/p>\n<p>Genau, diese autonomen Systeme wirken optisch wie kleine Speedboote, und sie haben schon mehrfach erfolgreich russische Schiffe angegriffen. Mit den Drohnen ist es gelungen, in Marineh\u00e4fen einzudringen, aber nicht nur das: Sie haben auch nicht wenige Schiffe versenkt und so die russische Schwarzmeerflotte letztlich an den Rand des Schwarzen Meeres gedr\u00e4ngt, in das Gebiet \u00f6stlich der Krim. Zwischen Februar 2022 und Juni 2024 wurden nachweislich insgesamt 26 russische Schiffe besch\u00e4digt oder versenkt.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Markus-Reisner-ist-Historiker-und-Rechtswissenschaftler-Oberst-des-Generalstabs-im-Osterreichischen-.jpeg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Markus Reisner ist Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im \u00d6sterreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes f\u00fcr Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie. Wissenschaftlich arbeitet er u.a. zum Einsatz von Drohnen in der modernen Kriegsf\u00fchrung. Jeden Montag bewertet er f\u00fcr ntv.de die Lage an der Ukraine-Front.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Markus-Reisner-ist-Historiker-und-Rechtswissenschaftler-Oberst-des-Generalstabs-im-Osterreichischen-.jpeg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Markus Reisner ist Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im \u00d6sterreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes f\u00fcr Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie. Wissenschaftlich arbeitet er u.a. zum Einsatz von Drohnen in der modernen Kriegsf\u00fchrung. Jeden Montag bewertet er f\u00fcr ntv.de die Lage an der Ukraine-Front.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: privat)<\/p>\n<p><b>Was entwickelt denn die russische Seite, um sich zu wehren? <\/b><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst haben die Russen versucht, die Drohnen mit Marinehubschraubern fr\u00fch zu erkennen und dann zu zerst\u00f6ren. Auch Kampfjets kamen zum Einsatz. Daraufhin begann die ukrainische Seite ihre unbemannten Systeme auch mit Fliegerabwehrwaffen zu best\u00fccken. Das ist bemerkenswert. In der Vergangenheit ist es bereits zweimal gelungen, mit den Luftverteidigungssystemen einen feindlichen Kampfhubschrauber zu zerst\u00f6ren. Das neue Highlight w\u00e4re nun also die zerst\u00f6rte Su-30SM vom Samstag. Die Ukrainer sprechen sogar von zwei abgeschossenen Jets, aber die russische Armee hat erst einen best\u00e4tigt. <\/p>\n<p><b>Bedeutet dieser Abschuss, dass die Drohnen qualitativ nochmals einen Schritt nach vorn gemacht haben? <\/b><\/p>\n<p>Ein Hubschrauber ist ein relativ langsam fliegendes Ziel. Mit der Su-30SM ist es den Ukrainern aber gelungen, ein sehr schnell fliegendes Ziel zu bek\u00e4mpfen. Das ist bemerkenswert.<\/p>\n<p><b>Nun ist der Ukrainekrieg ja aber in erster Linie ein Landkrieg. Wie k\u00f6nnen sich maritime Erfolge auswirken? Oder steht ein solcher Kampfjet-Abschuss einfach nur als Erfolgsmeldung im Raum? <\/b><\/p>\n<p>Einen unmittelbaren Einfluss auf den Verlauf der Frontk\u00e4mpfe in der Ukraine hat das nicht. Schauen wir uns aber an, wie die Russen Marschflugk\u00f6rper gegen Ziele der kritischen Infrastruktur in der Ukraine einsetzen: Diese sehr potenten Waffen werden nicht nur von Flugzeugen aus dem sicheren russischen Luftraum abgefeuert, sondern auch von Schiffen aus, die sich entsprechend an die ukrainische K\u00fcste ann\u00e4hern. Werden die russischen Marinestreitkr\u00e4fte aber aus dem Schwarzen Meer hinausgedr\u00e4ngt, dann unterbindet das die F\u00e4higkeit der Russen, von dort aus mit Marschflugk\u00f6rpern anzugreifen. Die Russen haben sich nun komplett darauf verlagert, ihre Schiffe aus dem Asowschen Meer heraus einzusetzen und nicht mehr im Schwarzen Meer.<\/p>\n<p><b>Dort kommen die ukrainischen Drohnen nicht hin? <\/b><\/p>\n<p>Sie m\u00fcssten durch ein Nadel\u00f6hr, n\u00e4mlich die Stra\u00dfe von Kertsch, also unter der Kertschbr\u00fccke hindurch. Die Br\u00fccke war \u00fcbrigens auch schon Ziel von Angriffen der unbemannten Schiffe. Die Stra\u00dfe von Kertsch ist von der russischen Seite sehr gut gesichert, dort k\u00f6nnen die Ukrainer kaum mit unbemannten \u00dcberwasser-Drohnen eindringen. Hinzukommt eine weitere Herausforderung. Stichwort: Starlink. <\/p>\n<\/p>\n<p><b>Elon Musks Satellitennetzwerk &#8211; werden die maritimen Drohnen dar\u00fcber gesteuert? <\/b><\/p>\n<p>Ja, bei den zwei Gelegenheiten, bei denen Musk sein System abgeschaltet hatte, verloren die Ukrainer w\u00e4hrend eines Angriffs den Kontakt zu den Booten. Die waren pl\u00f6tzlich f\u00fchrungs- und steuerungslos auf dem Wasser unterwegs und wurden an die K\u00fcste der Krim angeschwemmt. <\/p>\n<p><b>Oha, und die Russen haben sie erbeutet? <\/b><\/p>\n<p>Und ihre Technik analysiert, um ihrerseits neue Abwehrstrategien dagegen zu entwickeln. <\/p>\n<p><b>W\u00e4re die Entwicklung einer Unterwasserdrohne denkbar, die besser gesch\u00fctzt versuchen k\u00f6nnte, die Stra\u00dfe von Kertsch zu passieren? <\/b><\/p>\n<p>Das w\u00e4re der n\u00e4chste Schritt. Die Herausforderung dabei: Unter Wasser ist das elektromagnetische Spektrum nicht in der Form vorhanden wie \u00fcber Wasser. Das bedeutet, Drohnen unter Wasser zu f\u00fchren mittels Satellitenkommunikation oder durch Funksteuerung, ist enorm schwierig. Eigentlich fast unm\u00f6glich. Man m\u00fcsste das drahtgesteuert machen. <\/p>\n<p><b>Nochmals zur\u00fcck zu dem Jet-Abschuss vom Samstag: Eine gute Meldung f\u00fcr die Ukraine war das aber schon, oder? <\/b><\/p>\n<p>Unbedingt. Sie d\u00fcrfen nicht vergessen: Wir haben in K\u00fcrze den 9. Mai, am kommenden Freitag. Der wird in Moskau als &#8222;Tag des Sieges&#8220; der Sowjetunion \u00fcber das nationalsozialistische Deutschland 1945 mit einer gro\u00dfen Milit\u00e4rparade gefeiert. Russland ist also hochnerv\u00f6s. Man bereitet sich auf diese Feierlichkeiten vor, zugleich versucht die Ukraine alles, um diese Feierlichkeiten zu st\u00f6ren und vor allem, um der russischen Seite keinen Moment des Triumphs zu geben. Eine Meldung wie der Kampfjet-Abschuss geh\u00f6rt dazu, ebenso der erneute ukrainische Vorsto\u00df auf russisches Gebiet im Raum Kursk. <\/p>\n<\/p>\n<p><b>Dieser Vorsto\u00df ist von heute. Wie nachhaltig k\u00f6nnte er sein? Vor allem, nachdem es in den vergangenen Wochen nur in die Gegenrichtung ging? <\/b><\/p>\n<p>Die Ukrainer versuchen hier, im Informationsraum wieder die Initiative zur\u00fcckzugewinnen. Wenn Russland nun behauptet, man h\u00e4tte den kompletten Raum bei Kursk und Belgorod befreit, so stimmt dass ab sofort nicht mehr. Obwohl der ukrainische Angriff ein Himmelfahrtskommando ist, ist er bei der Stadt Tetkyno an einer sehr g\u00fcnstigen Stelle vorgetragen. Die Russen m\u00fcssen nun neuerlich Kr\u00e4fte verlagern, um die Ukrainer zu zerschlagen oder hinauszudr\u00e4ngen. Die Ukrainer sind zudem durch den Fluss Seim, hinter dem sie stehen, g\u00fcnstig abgesichert. <\/p>\n<p><b>Die Milit\u00e4rparade betrachtet Kiew nach eigener Aussage als legitimes Ziel von Angriffen. <\/b><\/p>\n<p>Der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj stellt in den Raum, dass die Sicherheit der Staats- und Regierungschefs, die an dieser Parade als Zuseher teilnehmen, nicht gew\u00e4hrleistet sei, denn das auf dem Roten Platz gezeigte russische Milit\u00e4rger\u00e4t sein ein legitimes ukrainisches Angriffsziel. Russland hat einiges an Flugabwehr zusammengezogen, um Angriffe auf die Parade nahezu unm\u00f6glich zu machen. <\/p>\n<p><b>Und was tut Russland ansonsten mit Blick auf den 9. Mai? <\/b><\/p>\n<p>Wir sehen laufend russische Angriffe entlang der gesamten Frontlinie. Von Saporischschja im S\u00fcden bis hinauf nach Sumy nimmt die Zahl der K\u00e4mpfe deutlich zu. Im Nordabschnitt ist der Raum Kursk quasi komplett in Besitz genommen. Im Mittelabschnitt, also vor allem im Donbass, versuchen die Russen, bei Torezk einen neuen Kessel zu bilden und bei Pokrowsk Richtung Westen in die n\u00e4chste Oblast vorzusto\u00dfen. <\/p>\n<\/p>\n<p>Im S\u00fcden, bei Saporischschja, sehen wir auch Angriffe, vor allem entlang des Dnipros und im Stadtgebiet von Cherson mit russischen Gleitbomben. Selenskyj sprach j\u00fcngst von bis zu 250 russischen Angriffen an einem Tag. <\/p>\n<p><b>Und wenn Sie die Gesamtentwicklung betrachten? <\/b><\/p>\n<p>Im April hat Russland etwa 175 Quadratkilometer in Besitz genommen. Das ist verglichen mit 133 Quadratkilometern im M\u00e4rz eine deutliche Steigerung. Nach meinem Daf\u00fcrhalten versuchen die Russen, vor Freitag noch ein Ergebnis zu erzielen.<\/p>\n<p><b>Die Russen machen also entlang der gesamten Front erfolgreich Druck auf die ukrainischen Verteidiger. Welche Waffe ist im Gefecht gerade die entscheidende &#8211; kann man das sagen? <\/b><\/p>\n<p>Die Bedeutung der First-Person-View-Drohnen w\u00e4chst stetig, und zwar auf beiden Seiten. Ukrainer und Russen setzen massiv FPV-Drohnen ein, teilweise gesteuert \u00fcber Glasfaserkabel, Diese Drohnen haben inzwischen operative Bedeutung. <\/p>\n<p><b>&#8222;Operativ bedeutsam&#8220; hei\u00dft: Ihr Einsatz kann nicht nur mitentscheiden \u00fcber den Ausgang eines konkreten Kampfes, sondern Verf\u00fcgbarkeit und Einsatz der Drohnen ist f\u00fcr den Kampfverlauf an der gesamten Front elementar? <\/b><\/p>\n<p>Ja. Die Spezial-Teams, die diese Drohnen einsetzen, schaffen mit ihnen sogenannte No-Go-Areas. Das sind Gebiete von 15 bis 20 Kilometern Tiefe auf beiden Seiten der Front, die so gut \u00fcberwacht sind durch die Drohnen, dass ein Angriff sehr schwierig, wenn nicht gar unm\u00f6glich ist. Das betrifft die russische Seite umso mehr, weil sie t\u00e4glich Angriffe versucht. Aber vor kurzem zeigte ein Video auch, wie ein ukrainischer Vorsto\u00df inmitten russischer Drohnenattacken liegenblieb.<\/p>\n<p>Mit Markus Reisner sprach Frauke Niemeyer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Samstag pr\u00e4sentiert die Ukraine ein Video, das den Abschuss eines russischen Kampfjets zeigt &#8211; von einer Drohne&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":87068,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,661,36235,10068,13,14,15,16,4043,4044,850,307,12,33124,306,107],"class_list":{"0":"post-87067","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-angriff-auf-die-ukraine","11":"tag-donbass","12":"tag-drohnen","13":"tag-headlines","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-politik","17":"tag-russia","18":"tag-russian-federation","19":"tag-russische-foederation","20":"tag-russland","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-schwarzes-meer","23":"tag-wladimir-putin","24":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114456818165120721","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87067"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87067\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/87068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}