{"id":870931,"date":"2026-03-15T16:59:16","date_gmt":"2026-03-15T16:59:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/870931\/"},"modified":"2026-03-15T16:59:16","modified_gmt":"2026-03-15T16:59:16","slug":"alte-oper-frankfurt-wim-wenders-im-gespraech-mit-wolfgang-niedecken-ueber-den-blues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/870931\/","title":{"rendered":"Alte Oper Frankfurt: Wim Wenders im Gespr\u00e4ch mit Wolfgang Niedecken \u00fcber den Blues"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwei ungleiche Gef\u00e4hrten: \u201e<a data-rtr-index=\"23\" title=\"Wim Wenders\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/wim-wenders\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wim<\/a> war, was das Kino betrifft, immer einer meiner ganz gro\u00dfen Helden\u201c, sagt S\u00e4nger Wolfgang Niedecken \u00fcber seinen Freund Wim Wenders, mit dem er an diesem Abend in der Alten Oper Frankfurt zu Gast ist. Das Gespr\u00e4ch \u00fcber Film und Musik bildet den Abschluss des dreit\u00e4gigen Festivals \u201eWim Wenders \u2013 Driven by Music\u201c. Zugleich widmet das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum dem Regisseur die Ausstellung \u201eW.I.M. Im Lauf der Zeit\u201c, die bis 18. Oktober zu sehen ist.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wenders und Niedecken, die sich die Gespr\u00e4chsparts wie Pingpong-B\u00e4lle zuspielen, kennen sich schon lange. Der Frontmann der Rockband <a data-rtr-index=\"21\" title=\"BAP\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/bap\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BAP<\/a>, dessen k\u00f6lscher Zungenschlag mit jedem Wort zum Vorschein kommt, tr\u00e4gt Sonnenbrille, Lederjacke und Boots. Die Beine hat er l\u00e4ssig \u00fcbereinandergeschlagen, auf der B\u00fchne f\u00fchlt er sich sichtlich wohl. Wenders, mit seiner dunkelblauen Hornbrille unverkennbar, wirkt dagegen zur\u00fcckgenommen, die Ruhe selbst.<\/p>\n<p>Das \u201eSilbengewitter\u201c des Bob Dylan<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">So unterschiedlich die beiden M\u00e4nner auch sein m\u00f6gen, vieles eint sie: die Liebe zum Blues, das Hobby Malerei, die Wurzeln im Rheinland. Wenders wurde in D\u00fcsseldorf geboren, Niedecken in K\u00f6ln. Kennengelernt haben die beiden sich 1987 bei einer Fernsehshow in Berlin. Ohne seinen Bruder h\u00e4tte er BAP gar nicht wahrgenommen, erz\u00e4hlt Wenders im Gespr\u00e4ch mit F.A.Z.-Redakteurin Eva-Maria Magel. Der habe ihm zehn Jahre zuvor regelm\u00e4\u00dfig selbst zusammengestellte Kassetten nach Amerika geschickt, wo Wenders damals wohnte. Er sei vermutlich die einzige Person in San Francisco gewesen, die \u201ediese hei\u00dfe neue Band\u201c gekannt habe, erinnert sich der heute 80 Jahre alte Regisseur.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dann kommen sie auf den Blues zu sprechen, jene Musikrichtung, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entwickelte, das Gegenst\u00fcck zum spirituellen Gospel. \u201eDie Texte handelten von Arbeit, Alkohol und Liebe. Da ging es ans Eingemachte\u201c, sagt Wenders. \u201eUnter der Woche Blues, am Wochenende Gospel. Viele K\u00fcnstler haben beides bedient.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Erprobte Gespr\u00e4chspartner: Wim Wenders (links) und Wolfgang Niedecken\" height=\"2362\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/erprobte-gespraechspartner-wim.webp.webp\" width=\"3543\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Erprobte Gespr\u00e4chspartner: Wim Wenders (links) und Wolfgang NiedeckenWonge Bergmann<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein S\u00e4nger, der aus dem Blues sch\u00f6pft und in den Filmen von Wenders immer wieder eine Rolle spielt, ist Bob Dylan. F\u00fcr ihn sei er \u201eder Gr\u00f6\u00dfte seiner Generation\u201c gewesen, erz\u00e4hlt Wenders: \u201eDiese zeitgen\u00f6ssische Lyrik. Da gab es nichts Sch\u00f6neres.\u201c Dylans Talking-Blues-St\u00fccke, die von rhythmischer Sprache gepr\u00e4gt sind, seien regelrechte \u201eSilbengewitter\u201c, bekr\u00e4ftigt Niedecken. \u201eDa ist jede Zeile wie ein Gedicht.\u201c<\/p>\n<p>Szenen mit Schauspielern nachgestellt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Schl\u00fcsselmoment f\u00fcr den heute 74 Jahre alten S\u00e4nger sei mit 15 in seiner Sch\u00fclerband gewesen. Nachdem er Dylans Song \u201eLike a Rolling Stone\u201c geh\u00f6rt hatte, sagte er zu seinem Freund: \u201eDu musst jetzt Bass spielen, ich singe jetzt.\u201c \u00dcberhaupt k\u00f6nne man auf K\u00f6lsch viel besser Blues singen als auf Hochdeutsch. \u201eMan darf nuscheln und die End- und Anfangssilben von zwei W\u00f6rtern miteinander verschmelzen\u201c, sagt Niedecken.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ganz im Zeichen des Blues steht auch Wenders\u2019 Film \u201eThe Soul of a Man\u201c, mit dem sich der Regisseur im Jahr 2002 auf die Spuren der Blues-Musiker Blind Willie Johnson, Skip James und J. B. Lenoir begab. Das Werk ist Teil einer siebenteiligen Filmreihe \u00fcber den Blues, die von dem amerikanischen Regisseur Martin Scorsese produziert wurde. Wenders sagt, er habe darum gebeten, seinen Film an diesem Abend beim Festival zu zeigen, \u201evielleicht mein Lieblingsmusikfilm von mir selbst\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Besondere: Da es wenige bis gar keine Bild- und Videoaufnahmen der Musiker gab, wurden einige Szenen mit Schauspielern nachgestellt und mit einer Kurbelkamera gedreht. Dadurch entstand eine unverwechselbare \u00c4sthetik, die aber auch die Herausforderung bot, die Bilder mit den originalen Tonaufnahmen aus den Zwanzigerjahren synchronisieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">F\u00fcr diesen Film, der laut Wenders nur selten in deutschen Kinos gezeigt wird, erntet er, der nach einer kurzen Filmeinf\u00fchrung inmitten des Publikums Platz nimmt, zum Abschluss seines Festivals noch einmal frenetischen Applaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei ungleiche Gef\u00e4hrten: \u201eWim war, was das Kino betrifft, immer einer meiner ganz gro\u00dfen Helden\u201c, sagt S\u00e4nger Wolfgang&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":870932,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1829],"tags":[29,2050,2051,30,2052],"class_list":["post-870931","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-frankfurt-am-main","tag-deutschland","tag-frankfurt","tag-frankfurt-am-main","tag-germany","tag-hessen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116234261870282527","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/870931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=870931"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/870931\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/870932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=870931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=870931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=870931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}