{"id":871068,"date":"2026-03-15T18:20:12","date_gmt":"2026-03-15T18:20:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/871068\/"},"modified":"2026-03-15T18:20:12","modified_gmt":"2026-03-15T18:20:12","slug":"spuren-fuehren-zu-russlands-wegwerfagenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/871068\/","title":{"rendered":"Spuren f\u00fchren zu Russlands Wegwerfagenten"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Vom 17. M\u00e4rz an m\u00fcssen sich drei Ukrainer vor dem 6. Strafsenat des Stuttgarter Oberlandesgerichts verantworten. Der Generalbundesanwalt wirft ihnen vor, sich zur schweren Brandstiftung verabredet und als Agenten Sabotageakte vorbereitet zu haben.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die bisherigen Ermittlungen haben Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben, dass ein russischer Geheimdienst den Dreien den Auftrag zu ihren Taten gab. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr bis zu f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p>Mit Sendern Flugrouten ausspioniert<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Von Konstanz und K\u00f6ln aus sollen die M\u00e4nner im M\u00e4rz vergangenen Jahres ihre Pakete in die Ukraine verschickt haben. In denen befand sich neben Autoteilen hoch brisanter Inhalt: Tracker. Kleine Sender, die fortlaufend den Standort der Fracht auf das Handy ihres Absenders schicken.  Das mutma\u00dfliche Ziel des Trios: Es wollte herausfinden, welche Routen der ukrainische Postdienst nutzt, um die Fracht in die Ukraine zu bringen und wann sich die Pakete wo befinden.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Als n\u00e4chstes, davon ist Generalbundesanwalt Jens Rommel \u00fcberzeugt, sollten den Sp\u00e4hpaketen weitere folgen &#8211; allerdings mit Brands\u00e4tzen statt Trackern. Sie sollten sich auf dem Weg oder in der Ukraine entz\u00fcnden und m\u00f6glichst gro\u00dfen Schaden verursachen.<\/p>\n<p>Die Polizei war schneller<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Polizei schlug zu, bevor der Plan in die Tat umgesetzt wurde.\u00a0 Ein 22- und ein 25-J\u00e4hriger Ukrainer wurden in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Deutschland\" data-rtr-id=\"6c48d7d5b099c64b41367070a52ae27833560fd5\" data-rtr-score=\"5.560177481974487\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"12\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/thema\/deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> festgenommen, ein 30-j\u00e4hriger in der Schweiz.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Pl\u00e4ne der drei Angeklagten wecken Erinnerungen an den Juli 2024. Damals sollen mehrere ebenfalls durch den russischen Milit\u00e4rnachrichtendienst angeworbene T\u00e4ter unter anderem Pakete mit hochentz\u00fcndlichen Brennstoffen verschickt haben.<\/p>\n<p>Ein defekter Z\u00fcnder verhindert die Katastrophe<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eines ging im DHL-Frachtzentrum des Flughafens Leipzig in Flammen auf, kurz bevor es in ein Flugzeug verladen wurde. Nur weil der Zeitz\u00fcnder nicht funktionierte, ging die Brandbombe nicht w\u00e4hrend des Fluges hoch. Jene Pakete waren in Litauen aufgegeben worden.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Von dort aus wurden im selben Zeitraum drei weitere pr\u00e4parierte Pakete verschickt. Zwei mit einem DHL-Frachtflugzeug nach Gro\u00dfbritannien, eines mit Lastwagen nach Polen. Das eine z\u00fcndete in einem Logistikzentrum im englischen Birmingham, das andere nahe der polnischen Hauptstadt Warschau. Das vierte, in Birmingham gefundene Paket z\u00fcndete aufgrund eines technischen Defekts nicht.<\/p>\n<p>Noch sind nicht alle T\u00e4ter gefasst<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Ermittler nahmen zehn Verd\u00e4chtige fest. Jeweils f\u00fcnf von ihnen verantworten sich gerade im litauischen Wilnius und im polnischen Lodz vor Richtern. Ihnen drohen Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren. Nach elf weiteren Beschuldigten des Netzwerkes fahndet die Polizei weltweit.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wegwerfagenten nennen Geheimdienstexperten solche T\u00e4ter: Menschen, die \u00fcber soziale Medien meist von russischen Geheimdiensten angeworben werden, oft kleine Geldbetr\u00e4ge oder Geschenke wie Smartphones erhalten, einfache Auftr\u00e4ge wie Sabotieren, Spionieren oder Propagandaverbreiten erhalten und \u2013 ganz entscheidend \u2013 leicht ersetzbar sind und durch den Auftraggeber fallen gelassen werden, wenn sie auffliegen.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident warnt vor Wegwerfagenten<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eFremde Staaten bedrohen unsere Demokratie und Sicherheit durch\u00a0 Wegwerfagenten\u2018\u201c, sagt der Pr\u00e4sident des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, Sinan Selen. Ein Ph\u00e4nomen, das in der Ukraine zunehmend Kinder und Jugendliche erfasst: In Computerspielen werden sie durch russische Agenten geworben.<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sie bekommen Spielkonsolen und hochwertige Handys geschenkt. Im Gegenzug sollen sie Autos anz\u00fcnden, Fotos von Energie- und Milit\u00e4reinrichtungen machen und an ihre Agentenf\u00fchrer weiterleiten. Das Ziel: die Gesellschaft durch kleine Sabotageakte verunsichern, ungef\u00e4hrdet spionieren.<\/p>\n<p>Kinder im Agenten-Visier<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eEin Kind, das einen Milit\u00e4rtransport oder eine Kaserne mit seinem Handy fotografiert, wirkt ungef\u00e4hrlich. Genau das nutzen russische Nachrichtendienst gezielt aus\u201c, sagt Kyrylo Budanow, der fr\u00fchere Chef des ukrainischen Milit\u00e4rgeheimdienstes HRU und heutige Chef des Pr\u00e4sidialamtes Wolodymyr Selenskyjs.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Er warnt: \u201eDas ist kein ukrainisches Ph\u00e4nomen. Das erfasst jedes Land, das ins Fadenkreuz Russlands ger\u00e4t. Eltern sollten genauer hinschauen, wenn ihr Kind pl\u00f6tzlich neues Spielzeug oder ein Handy, Geld f\u00fcr neue Klamotten hat.\u201c<\/p>\n<p>Der Vorsitzende kennt sich aus mit Spionen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Mit alledem werden sich ab kommenden Dienstag in Stuttgart f\u00fcnf Richter unter der F\u00fchrung von Matthias Merz befassen. Der Vorsitzende hat das Verfahren zun\u00e4chst jeweils dienstags und donnertags bis zum 24. September terminiert.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Merz selbst hat seine Erfahrungen mit Agenten schon gemacht. 2013 war er Berichterstatter seines Senats im Verfahren gegen die russische Agentenfamilie \u201eAndreas und Heidrun Anschlag\u201c. Die Tarnnamen von Alexander Abramow und Olga Abramowa, die durch den russischen Auslandsgeheimdienst SWR ausgebildet worden waren.<\/p>\n<\/p>\n<p>Waren die falschen \u00d6sterreicher Vorbild?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das Paar gab sich als in Argentinien und Peru geborene \u00d6sterreicher aus, lebte zeitweise in Balingen, Aachen, Meckenheim und Marburg. Die Agenten warben einen Mitarbeiter des niederl\u00e4ndischen Au\u00dfenministeriums an, erhielten von ihm hunderte vertrauliche und geheime Dokumente der Nato und \u00fcbermittelten sie nach Russland.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die beiden Russen wurden zu sechseinhalb und f\u00fcnfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Pikanterweise hatten sie selbst ihrer Tochter Herkunft und T\u00e4tigkeit verschwiegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vom 17. M\u00e4rz an m\u00fcssen sich drei Ukrainer vor dem 6. Strafsenat des Stuttgarter Oberlandesgerichts verantworten. 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