{"id":871651,"date":"2026-03-16T00:01:14","date_gmt":"2026-03-16T00:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/871651\/"},"modified":"2026-03-16T00:01:14","modified_gmt":"2026-03-16T00:01:14","slug":"hamburg-freiburg-wenn-ordnung-zur-last-wird-wege-aus-dem-perfektionszwang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/871651\/","title":{"rendered":"Hamburg\/Freiburg | Wenn Ordnung zur Last wird: Wege aus dem Perfektionszwang"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg\/Freiburg (dpa\/tmn) &#8211; Ein aufger\u00e4umter Schreibtisch, ein aufger\u00e4umter Schrank, eine aufger\u00e4umte Wohnung \u2013 vielen tut es gut, f\u00fcr Ordnung zu sorgen und alles bestens sortiert zu haben. \u00c4u\u00dfere Ordnung kann auch f\u00fcr mehr innere Ruhe sorgen, so eine g\u00e4ngige Auffassung.<\/p>\n<p>Keine Frage: \u00abOrdnung schaffen vermittelt vielen ein Gef\u00fchl, dass man alles unter Kontrolle hat\u00bb, sagt Anne Katrin K\u00fclz, Psychologische Psychotherapeutin in Freiburg. Zudem sorge das Schaffen von Ordnung daf\u00fcr, dass man sich als selbstwirksam empfindet. Man r\u00e4umt auf und sieht das positive Resultat. Das k\u00f6nne durchaus zu Zufriedenheit und Wohlbefinden f\u00fchren. Allerdings sei dies eine Frage des Typs: Manche f\u00fchlten sich auch in einem unaufger\u00e4umten Umfeld wohl.<\/p>\n<p>Wann Ordnungsliebe zum Problem wird<\/p>\n<p>Bei manchen kann die Liebe zur Ordnung aber auch ins Negative umschlagen. N\u00e4mlich dann, wenn sie von einem ausgepr\u00e4gten Drang zum Perfektsein begleitet wird. \u00abPerfekt sein zu wollen, ist problematisch, weil es auf \u00fcberh\u00f6hten und oft unerreichbaren Anspr\u00fcchen an die eigene Person beruht\u00bb, sagt Prof. Lena Jelinek, die am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf unter anderem zu Zwangsst\u00f6rungen forscht.<\/p>\n<p>Dieser Anspruch gehe h\u00e4ufig mit dauerhafter innerer Anspannung einher und erh\u00f6he das Risiko f\u00fcr Angst und psychische Erkrankungen. Ordnung k\u00f6nne entlastend wirken \u2013 der Zwang zur Perfektion hingegen sei langfristig belastend und ungesund.<\/p>\n<p>Was Ordnungszwang ist &#8211; und wie viele betroffen sind<\/p>\n<p>Mitunter kann hinter einem ausgepr\u00e4gten Hang zur Ordnung auch eine psychische St\u00f6rung stecken. Von Ordnungszwang ist die Rede, wenn jemand unter einem starken inneren Drang leidet, Gegenst\u00e4nde nach starren Regeln von Ordnung oder Symmetrie anzuordnen.\u00a0<\/p>\n<p>Anne Katrin K\u00fclz, deren Schwerpunkt unter anderem auf der Behandlung von Zwangsst\u00f6rungen liegt, nennt ein Beispiel: Jemand denkt, er muss alle Tassen im Schrank in einem bestimmten Abstand zueinander stellen. \u00abBleibt dies aus, kommt es zu extremer innerer Anspannung und Angst.\u00bb<\/p>\n<p>Ordnungszw\u00e4nge geh\u00f6ren laut Jelinek zu den Zwangsst\u00f6rungen. Etwa zwei bis drei Prozent der gesamten Bev\u00f6lkerung sind im Laufe ihres Lebens betroffen. Am h\u00e4ufigsten sind Waschzw\u00e4nge, Kontrollzw\u00e4nge und Ordnungszw\u00e4nge.<\/p>\n<p>Welche Merkmale auf einen Zwang hindeuten<\/p>\n<p>\u00abBetroffene empfinden ihr Vorgehen h\u00e4ufig selbst als ma\u00dflos \u00fcbertrieben und unsinnig, f\u00fchlen sich aber dazu gedr\u00e4ngt\u00bb, so Lena Jelinek. Kommen sie dem Drang nicht nach, bef\u00fcrchten einige Menschen beispielsweise, dass etwas Schlimmes passiert \u2013 etwa, dass eine nahestehende Person einen schweren Unfall hat.<\/p>\n<p>Unordnung macht Betroffene nerv\u00f6s und unzufrieden. Sie verwenden viel Zeit darauf, nach ihrem speziellen Schema wieder Ordnung herzustellen. \u00abBeispielsweise r\u00e4umen sie eine halbe Stunde lang auf eine bestimmte Art und Weise die Sp\u00fclmaschine ein\u00bb, so K\u00fclz.<\/p>\n<p>Welche Ursachen hinter Ordnungszwang stecken k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr die St\u00f6rung k\u00f6nnen unterschiedlich sein, meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. \u00abAusl\u00f6ser kann ein belastendes Lebensereignis wie etwa eine Trennung sein\u00bb, sagt Jelinek. Betroffene versuchen, mit zwanghafter Ordnung wieder in Balance zu kommen.\u00a0<\/p>\n<p>Aber auch Positives wie eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes k\u00f6nnen laut Jelinek bei Einzelnen einen Ordnungszwang ausl\u00f6sen. Das liege oft daran, dass Betroffene mehr Verantwortung sp\u00fcrten, dies als Druck empf\u00e4nden und nun versuchten, dies mit zwanghafter Ordnung auszugleichen.<\/p>\n<p>\u00abOrdnungszwang kann auch teilweise genetisch bedingt sein\u00bb, so K\u00fclz. Mitunter setzen Betroffene auch erlernte Verhaltensmuster um \u2013 sie erinnerten sich daran, wie sie als Kind gelobt wurden (\u00abAch, was bist du ordentlich!\u00bb) und praktizierten dies auch als Erwachsene, da es ihr Selbstwertgef\u00fchl st\u00e4rke.<\/p>\n<p>Wie Betroffene erste Ver\u00e4nderungen schaffen<\/p>\n<p>Was hilft Betroffenen mit der Zwangsst\u00f6rung? \u00abEin Anfang kann sein, zu reflektieren, womit man seine Lebenszeit verbringen m\u00f6chte\u00bb, sagt Jelinek. Ist Ordnung zu schaffen wirklich so wichtig, dass Dinge wie soziale Kontakte oder Hobbys hinten anstehen?\u00a0<\/p>\n<p>F\u00e4llt daraufhin die Entscheidung, der Ordnung weniger Raum und Energie zu geben, sei der n\u00e4chste Schritt, kleine Unordnungen und ebenso die negativen Gef\u00fchle zuzulassen, wie Jelinek sagt.<\/p>\n<p>\u00abMan sollte das ver\u00e4nderte Ordnungsverhalten \u00fcben\u00bb, r\u00e4t K\u00fclz. Statt die Sp\u00fclmaschine eine halbe Stunde lang nach einem bestimmten Schema einzur\u00e4umen, verk\u00fcrzt man die Einr\u00e4umungszeit zun\u00e4chst auf 20 Minuten, sp\u00e4ter auf maximal 10 Minuten.<\/p>\n<p>Wichtig: \u00abMan muss sich bewusst machen, dass die m\u00f6glicherweise auftretenden magischen Bef\u00fcrchtungen `Wenn ich es nicht so und so mache, passiert etwas Schreckliches` Fantasien sind und nicht mehr\u00bb, so K\u00fclz. Auch Gef\u00fchle wie innere Anspannung und Angst lassen mit zunehmender \u00dcbung h\u00e4ufig nach.<\/p>\n<p>Wann professionelle Hilfe wichtig ist\u00a0<\/p>\n<p>Viele Menschen ben\u00f6tigen professionelle Hilfe, um ihre Zw\u00e4nge in den Griff zu bekommen. Sich Hilfe zu suchen, kann etwa sinnvoll sein, wenn die innere Unruhe Handlungsweisen diktiert, soziale Kontakte leiden oder Betroffene sich f\u00fcr ihr Verhalten sch\u00e4men.<\/p>\n<p>Zwangsst\u00f6rungen k\u00f6nnen nicht per se geheilt werden, so das Portal \u00ab<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsinformation.de\/zwangsstoerungen.html#Behandlung\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">gesundheitsinformation.de<\/a>\u00bb. Die Beschwerden lassen sich aber mit professioneller Unterst\u00fctzung oft deutlich reduzieren, so dass ein normales Leben m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein. Die Diagnose erfolgt meist in einer psychotherapeutischen Praxis. Entscheidend f\u00fcr die Diagnose ist Fachverb\u00e4nden zufolge, dass Zwangsgedanken und\/oder Zwangshandlungen vorliegen, die mit einer deutlichen Beeintr\u00e4chtigung im Leben verbunden sind und Leidensdruck hervorrufen.<\/p>\n<p>Menschen mit Zwangsst\u00f6rungen wird in der Regel eine Psychotherapie empfohlen, etwa in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie. Auch Selbsthilfegruppen k\u00f6nnen Betroffenen Raum zum Austausch bieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg\/Freiburg (dpa\/tmn) &#8211; Ein aufger\u00e4umter Schreibtisch, ein aufger\u00e4umter Schrank, eine aufger\u00e4umte Wohnung \u2013 vielen tut es gut, f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":871652,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1826],"tags":[192672,2632,29,30,141,692,638,22953,13353,624,52611,192673,192671],"class_list":["post-871651","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-hamburg","tag-aufaeumen","tag-brcmj","tag-deutschland","tag-germany","tag-gesundheit","tag-hamburg","tag-krankheiten","tag-ordnung","tag-psychologie","tag-ratgeber","tag-tmn0355","tag-zwaenge","tag-zwangsstoerungen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116235920081300109","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/871651","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=871651"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/871651\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/871652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=871651"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=871651"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=871651"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}