{"id":873155,"date":"2026-03-16T14:31:10","date_gmt":"2026-03-16T14:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/873155\/"},"modified":"2026-03-16T14:31:10","modified_gmt":"2026-03-16T14:31:10","slug":"grossbritannien-will-wiederannaeherung-an-eu-nach-brexit-bruessel-bleibt-skeptisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/873155\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien will Wiederann\u00e4herung an EU nach Brexit \u2013 Br\u00fcssel bleibt skeptisch"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">London. Im M\u00e4rz 2016 war das Vereinigte K\u00f6nigreich mitten im Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum, das am 23. Juni stattfand. Das Land war tief gespalten. Im Parlament warnte der damalige konservative Finanz- und Wirtschaftsminister Sajid Javid vor den \u00f6konomischen Risiken eines EU-Austritts. Dieser k\u00f6nne gro\u00dfe Unsicherheit schaffen und \u201eschlecht f\u00fcr Unternehmen, Jobs und Wachstum\u201c sein.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ein Jahrzehnt sp\u00e4ter sehen viele Experten und Wissenschaftler diese Warnungen best\u00e4tigt. Sch\u00e4tzungen zufolge k\u00f6nnte die britische Wirtschaftsleistung langfristig um rund vier Prozent niedriger liegen, als wenn der Brexit nicht umgesetzt worden w\u00e4re. Auch die Investitionen und der Au\u00dfenhandel haben sich zuletzt schw\u00e4cher entwickelt.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Vor diesem Hintergrund treibt die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer eine vorsichtige Wiederann\u00e4herung an die Europ\u00e4ische Union voran. Im vergangenen Jahr gab es in London bereits einen ersten EU-UK-Gipfel, in diesem Jahr soll ein zweites Spitzentreffen folgen \u2013 voraussichtlich in Br\u00fcssel.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Gleichzeitig hat sich das traditionell enge Verh\u00e4ltnis zwischen Gro\u00dfbritannien und den USA abgek\u00fchlt. Die zur\u00fcckhaltende britische Beteiligung am Iran-Krieg verst\u00e4rkte die Spannungen mit US-Pr\u00e4sident Donald Trump. In Westminster w\u00e4chst daher die \u00dcberzeugung, au\u00dfen- und wirtschaftspolitisch wieder st\u00e4rker auf Europa setzen zu m\u00fcssen. In London und Br\u00fcssel laufen Gespr\u00e4che \u00fcber eine engere wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Chemie, Autos \u2013 und die Jugend<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Finanzministerin Rachel Reeves formuliert in diesem Zusammenhang nun einen Wunsch, der lange kaum offen ausgesprochen wurde. In einer traditionsreichen wirtschaftspolitischen Grundsatzrede will sie am Dienstag betonen, dass ein besserer Zugang zum europ\u00e4ischen Binnenmarkt entscheidend sei, um die britische Wirtschaft gegen globale Schocks zu sch\u00fctzen \u2013 etwa gegen die Folgen internationaler Konflikte im Nahen Osten.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Gleichzeitig d\u00fcrfte sie die Vorteile einer st\u00e4rkeren regulatorischen Ann\u00e4herung an die EU hervorheben. Intern wirbt Reeves zudem f\u00fcr ein \u201eambitioniertes\u201c Jugendmobilit\u00e4tsprogramm \u2013 eine zentrale Forderung der EU in den laufenden Gespr\u00e4chen mit London.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ann\u00e4herung gern, aber bitte mit (vorerst) angezogener Handbremse: Schatzkanzlerin Rachel Reeves.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7PVA2GEJZVDA5PKVW3GPJCACMM.jpeg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Aus Regierungskreisen hei\u00dft es, man pr\u00fcfe derzeit die Lage in verschiedenen Sektoren, in denen sich das Land seit dem Brexit von EU-Standards entfernt hat \u2013 und in welchen Bereichen eine erneute Ann\u00e4herung sinnvoll sein k\u00f6nnte. In der Diskussion sind dabei unter anderem die Chemieindustrie und die Autobranche.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch in der Verteidigungspolitik soll es Bewegung geben. Nachdem Gespr\u00e4che \u00fcber eine Beteiligung Gro\u00dfbritanniens am europ\u00e4ischen Verteidigungsfonds SAFE im vergangenen Jahr scheiterten, w\u00e4chst nun das Interesse, London entweder in eine zweite Runde des Programms einzubeziehen oder an einer neuen europ\u00e4ischen Verteidigungsinitiative zu beteiligen.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<blockquote><p>Sie sollte sich der Gefahr bewusst sein, zu viel zu versprechen und zu wenig zu liefern.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 jpwDCb\">Anand Menon,<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 hpcTzH\">Professor f\u00fcr europ\u00e4ische Politik und Direktor der Denkfabrik UK in a Changing Europe<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">In Br\u00fcssel bleibt die Skepsis jedoch gro\u00df. EU-Diplomaten betonen regelm\u00e4\u00dfig, dass der Binnenmarkt ein Gesamtpaket sei: Wer Zugang wolle, m\u00fcsse auch dessen Regeln akzeptieren. Nur einzelne Aspekte in den Blick zu nehmen, laufe letztlich auf das hinaus, was Kritiker seit Jahren als \u201eCherry-Picking\u201c \u2013 auf Deutsch w\u00fcrde man wohl eher \u201eRosinenpicken\u201c sagen \u2013 bezeichnen: den Versuch, wirtschaftliche Vorteile der europ\u00e4ischen Integration zu nutzen, ohne deren institutionelle Verpflichtungen vollst\u00e4ndig zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Beharren auf roten Linien<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch beim geplanten Jugendmobilit\u00e4tsabkommen zeigen sich unterschiedliche Auffassungen. London bevorzugt nach Angaben aus Regierungskreisen ein Modell, das bestehenden \u201eWorking Holiday\u201c-Programmen \u00e4hnelt, wie sie Gro\u00dfbritannien etwa mit Neuseeland vereinbart hat \u2013 also zeitlich begrenzte Visa, die jungen Menschen erlauben, f\u00fcr einige Zeit im jeweils anderen Land zu leben und zu arbeiten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"LONDON, ENGLAND - MAY 19: Britain's Prime Minister Keir Starmer leaves after attending the UK-EU Summit at Lancaster House on May 19, 2025 in London, England. Prime Minister Keir Starmer is hosting leaders from the European Union for the first UK-EU Summit since Britain's withdrawal from the EU in January 2020, to discuss plans for resetting the UK's relationship with the bloc. The Labour government has said it will deliver a stronger partnership with the EU, &quot;strengthening our alliances and closing deals in the interests of British people.&quot; According to the European Council, the meeting will also be an opportunity for the leaders to reaffirm a joint commitment to peace and security in Europe. (Photo by Henry Nicholls - WPA Pool\/Getty Images)\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Y3FR7MZFIRFJBDXO65QT7HFSF4.jpg\" \/>\u201eRosinenpickerei\u201c: Gro\u00dfbritannien will von der EU profitieren, aber kein Geld zahlen<\/p>\n<p class=\"CallToActionBasestyled__Text-sc-1k69918-5 iACELr\">Die britische Regierung sucht den Zugang zu europ\u00e4ischen Programmen, doch beim Preis h\u00f6rt das Entgegenkommen schnell auf. Londons Wunschliste ist lang, die Zahlungsbereitschaft dagegen \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Doch mehrere EU-Staaten z\u00f6gern, einem solchen Modell mit festen Obergrenzen zuzustimmen. In den Verhandlungen bringen sie stattdessen eine m\u00f6gliche Gegenforderung ins Spiel: Europ\u00e4ische Studierende sollen an britischen Universit\u00e4ten niedrigere Studiengeb\u00fchren zahlen. Der Streit \u00fcber solche Fragen zeigt, wie schwierig eine erneute Ann\u00e4herung an die EU nach wie vor ist.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Manche Experten blicken generell misstrauisch auf die Linie der Labour-Regierung. Diese spreche zwar inzwischen deutlich offener \u00fcber die wirtschaftlichen Folgen des Brexits und \u00fcber den Wunsch nach engeren Beziehungen zur EU. Gleichzeitig halte sie aber an ihren politischen roten Linien fest \u2013 also am Ausschluss von Binnenmarkt, Zollunion und Freiz\u00fcgigkeit, erkl\u00e4rt Anand Menon von der Denkfabrik UK in a Changing Europe.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die \u00f6konomischen Effekte der derzeit diskutierten Abkommen d\u00fcrften daher begrenzt bleiben. Menon warnt daher, Reeves m\u00fcsse in ihrer Rede aufpassen, nicht \u201ezu viel zu versprechen und zu wenig zu liefern\u201c.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Zugleich wird die Debatte auch innerhalb der Labour-Partei intensiv gef\u00fchrt. Einige Minister haben angeregt, \u00fcber eine weitreichendere Anbindung an die EU \u2013 etwa \u00fcber eine Zollunion \u2013 zumindest nachzudenken. Starmer schlie\u00dft dies bislang jedoch aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"London. 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