{"id":873161,"date":"2026-03-16T14:34:17","date_gmt":"2026-03-16T14:34:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/873161\/"},"modified":"2026-03-16T14:34:17","modified_gmt":"2026-03-16T14:34:17","slug":"marineruestung-der-schiffbau-fordert-mehr-europa-doch-die-realitaet-sieht-anders-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/873161\/","title":{"rendered":"Mariner\u00fcstung: Der Schiffbau fordert mehr Europa \u2013 doch die Realit\u00e4t sieht anders aus"},"content":{"rendered":"<p>Der Branchenverband VSM und die Gewerkschaft IG Metall wollen eine st\u00e4rkere Flankierung der Werft- und Zulieferindustrie durch die \u00f6ffentliche Hand und die EU-Kommission. Doch speziell beim Bau von Marineschiffen wird eine national fragmentierte Industrie wohl noch lange fortbestehen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ermutigt von den j\u00fcngsten Signalen aus Berlin, fordern der Branchenverband VSM und die Gewerkschaft IG Metall noch deutlich mehr Engagement der \u00f6ffentlichen Hand in Deutschland und Europa f\u00fcr die maritime Industrie. Anlass f\u00fcr die gemeinsame Positionierung am Montag in Hamburg ist die diesj\u00e4hrige Nationale Maritime Konferenz Ende April in Emden. \u201eSchiffbau und Meerestechnik sind eine Zukunftsbranche mit strategischer Bedeutung f\u00fcr Deutschland und Europa \u2013 technologisch f\u00fchrend, exportstark und sicherheitsrelevant\u201c, sagte Reinhard L\u00fcken, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VSM. <\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat sich im Februar erstmals seit 2013 wieder zur Rolle des Schiffbaus in der Europ\u00e4ischen Union ge\u00e4u\u00dfert. Echte qualitative Fortschritte verzeichnet die Meeresindustrie dabei nicht \u2013 die Werften und ihre zahlreichen Zulieferunternehmen sind schon froh dar\u00fcber, dass die EU das Thema \u00fcberhaupt wieder einmal auf die Agenda gesetzt hat. \u201eDie von der EU-Kommission pr\u00e4sentierte europ\u00e4ische Maritime Industriestrategie ist ein starkes Signal. Sie erkennt an, dass Schiffbau und Meerestechnik systemrelevant f\u00fcr Europas wirtschaftliche Sicherheit, Verteidigungsf\u00e4higkeit und technologische Souver\u00e4nit\u00e4t sind\u201c, sagt L\u00fcken diplomatisch. Damit die Strategie sp\u00fcrbar Wirkung in der Realwirtschaft zeige, m\u00fcssten nun vor allem die Mitgliedsl\u00e4nder handeln: \u201eDie Bundesregierung ist sich dessen bewusst, denn sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Kommission die maritime Industriestrategie vorgelegt hat. Jetzt kommt es auf pragmatisches, ergebnisorientiertes Handeln an.\u201c<\/p>\n<p>Nach Informationen von Daniel Friedrich, dem Bezirksleiter K\u00fcste der IG Metall, arbeiten in den Stammbelegschaften der deutschen Werften derzeit wieder rund 20.000 Menschen, die endg\u00fcltigen Zahlen f\u00fcr 2025 liegen allerdings noch nicht vor. Nach den Insolvenzen rund um die Pandemie war die Zahl der Besch\u00e4ftigten auf den heimischen Werften auf 15.000 gesunken. Die bundesweit insgesamt 3000 Unternehmen, die dem Schiffbau und der Zulieferindustrie zugerechnet werden, besch\u00e4ftigen etwa 80.000 bis 100.000 Menschen. <\/p>\n<p>\u201eTrotz voller Auftragsb\u00fccher bei den deutschen Werften und angek\u00fcndigtem Besch\u00e4ftigungsaufbau, steht die Branche vor gro\u00dfen Herausforderungen\u201c, sagte Friedrich. \u201eAlle Werften und Zulieferer m\u00fcssen beteiligt werden, nur so ist es zu schaffen. Daf\u00fcr muss die Branche noch st\u00e4rker und konstruktiver zusammenarbeiten.\u201c Ein zentrales Thema dabei sei es, mehr Nachwuchs- und Fachkr\u00e4fte f\u00fcr die Schiffbaubranche zu gewinnen, vor allem auch j\u00fcngere Frauen.<\/p>\n<p>Angesichts zahlreicher Kriege und Krisen und der Unterwanderung multilateraler Abkommen wird derzeit die strategische Bedeutung des Schiffbaus besonders deutlich, bei der Fertigung von Handels- und auch von Marineschiffen. China dr\u00e4ngt den Rest der Welt vor allem beim Bau von Handelsschiffen immer weiter in die Defensive, auch deshalb, weil es sich von seiner nicht regelkonformen Unterst\u00fctzung seiner Schiffbauindustrie seit Jahrzehnten nicht abbringen l\u00e4sst. <\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr lieferte China laut VSM einen umbauten Raum an Schiffstonnage von 33,8 Millionen CGT (Bruttoraumzahl) ab. In Europa inklusive der Nicht-EU-Mitglieder Gro\u00dfbritannien und Norwegen waren es 2,7 Millionen CGT, in den USA gerade einmal 100.000 CGT. Die Branche in Deutschland ist dabei auf technologisch besonders hochwertige Kreuzfahrtschiffe, Superyachten, Forschungsschiffe, F\u00e4hren und eine Vielzahl von Spezialschiffe fokussiert. <\/p>\n<p>Die Bundesregierung setzte k\u00fcrzlich ein wichtiges Signal f\u00fcr die zumeist mittelst\u00e4ndischen deutschen Werften im Zivilschiffbau \u2013 sie nahm die Werften in ihr Gro\u00dfb\u00fcrgschaftsprogramm des Bundes und der L\u00e4nder mit auf, das erleichtert die k\u00fcnftige Finanzierung von Schiffbauprojekten erheblich.<\/p>\n<p>Anders ist die Lage beim Bau von Marineschiffen. Eine st\u00e4rkere Kooperation der europ\u00e4ischen Nato-Staaten insgesamt bei der Aufr\u00fcstung und auch im maritimen Bereich ist notwendig, um die verf\u00fcgbaren \u00f6ffentlichen Mittel effektiver einzusetzen. Die europ\u00e4ischen Staaten setzen eine Vielzahl unterschiedlicher Waffensysteme ein. Ans\u00e4tze zur Vereinheitlichung kommen kaum voran, weder bei den Luftwaffen noch bei den Landstreitkr\u00e4ften oder den Marinen.  \u201eEuropa muss sich darauf konzentrieren, den milit\u00e4rischen Output seiner sehr hohen finanziellen Eingaben zu maximieren \u2013 es muss mehr Ertrag aus jedem Euro ziehen, um endlich seine M\u00f6glichkeiten voll auszusch\u00f6pfen\u201c, sagt Moritz Schularick, Pr\u00e4sident des Kiel Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft (IfW). \u201eEuropas Schw\u00e4che beruht auf der enormen Ineffizienz seiner Verteidigungsausgaben: Die Streitkr\u00e4fte bleiben auf nationaler Ebene fragmentiert, was zu niedrigen Produktionsvolumina von Waffen, hohen St\u00fcckkosten, begrenzter Spitzentechnologie und politisch m\u00e4chtigen nationalen Champions f\u00fchrt.\u201c <\/p>\n<p>Die Kooperation von Deutschland und Norwegen beim Bau von U-Booten ist ein positives Beispiel f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Ansatz bei der Mariner\u00fcstung. TKMS in Kiel, das mehrheitlich zu ThyssenKrupp geh\u00f6rt, arbeitet dabei eng mit dem norwegischen Konzern Kongsberg zusammen. Im Orderbuch stehen derzeit jeweils sechs U-Boote des TKMS-Typs 212CD f\u00fcr die Deutsche Marine und die K\u00f6niglich Norwegische Marine. Es sind die modernsten nicht-nuklearen U-Boote der Welt.<\/p>\n<p>Auch VSM-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer L\u00fcken und IG-Metall-Bezirksleiter Friedrich sehen die Notwendigkeit, dass die Marinewerften in Europa k\u00fcnftig st\u00e4rker kooperieren. Derzeit aber geschieht genau das Gegenteil: Beim Bau von \u00dcberwasser-Marineschiffen d\u00fcrften die nationalen Programme noch auf lange Zeit fragmentiert bleiben, auch in Deutschland. Das niederl\u00e4ndische Unternehmen <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus238108029\/Deutsche-Marine-F126-soll-eine-deutsche-Faehigkeitsluecke-schliessen.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus238108029\/Deutsche-Marine-F126-soll-eine-deutsche-Faehigkeitsluecke-schliessen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Damen Naval<\/a> ist als Generalunternehmer daran gescheitert, die n\u00e4chsten deutschen Fregatten des Typs F126 zeitgerecht herzustellen, der R\u00fcckstand auf den urspr\u00fcnglichen Zeitplan betr\u00e4gt bereits mehr als drei Jahre. Nun will der R\u00fcstungskonzern Rheinmetall mit seiner von L\u00fcrssen soeben \u00fcbernommenen Mariner\u00fcstungssparte das Projekt F126 \u00fcbernehmen und zu Ende bringen \u2013 dabei geht es um sechs Fregatten f\u00fcr insgesamt rund zehn Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Auch die n\u00e4chste deutsche Fregattengeneration F127 wird aus heutiger Sicht in deutscher Hand bleiben. F\u00fcr die Unternehmen TKMS und Rheinmetall, die f\u00fcr die Konstruktion und den Bau der Schiffe ein Konsortium gebildet haben, gibt es bei der Bewerbung um den Auftrag keine Konkurrenz.<\/p>\n<p><b>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren \u00fcber die maritime Wirtschaft, \u00fcber Schifffahrt, Werften und H\u00e4fen.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Branchenverband VSM und die Gewerkschaft IG Metall wollen eine st\u00e4rkere Flankierung der Werft- und Zulieferindustrie durch die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":873162,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,139978,13,103078,14,15,32795,740,110629,12,45,192979],"class_list":["post-873161","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-fregatten","tag-headlines","tag-luerssen","tag-nachrichten","tag-news","tag-preuss-olaf","tag-rheinmetall","tag-schiffbau-ks","tag-schlagzeilen","tag-texttospeech","tag-werften-ks"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116239352965126977","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/873161","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=873161"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/873161\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/873162"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=873161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=873161"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=873161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}